Die Hugenottenkriege 1562 bis 1598 waren eine Folge von Bürgerkriegen in Frankreich. Sie sind durch das Massaker an den französischen Protestanten, den sogenannten Hugenotten, in der Bartholomäusnacht und die politische Beendigung durch den populären König Heinrich IV. den Franzosen heute noch bewusst. Ziel einer katholischen Adelspartei war es, die Hugenotten mindestens von den staatlichen und kirchlichen Pfründen auszuschließen und zugleich das Königtum zu kontrollieren. Ähnlich wie der spätere Dreißigjährige Krieg waren die Hugenottenkriege keine reinen Religionskriege. Ludwig XIV. kündigte ab 1669 die eingeschränkte religiöse Toleranz schrittweise auf.
Etwa um diese Zeit ist das Deutsche Reich schon in eine Vielzahl von sogenannten Territorien zerfallen, deren Herrscher nach dem Prinzip "Cuius regio, eius religio" ab 1555 auch die Religion in ihren Territorien bestimmen. Heinrich II. möchte eine religiöse Zersplitterung wie in Deutschland verhindern. Eine Übereinkunft nach dem obigen Prinzip des Augsburger Religionsfrieden hätte die unter Franz I. durchgesetzte Zentralisierung Frankreichs zerstört: Die Diskriminierung des Protestantismus ist in der Struktur des damaligen französischen Staates angelegt.
Bereits im ersten Jahr seiner Herrschaft richtet Heinrich II die chambre ardente in Paris, einer Kammer, die die hugenottischen Parlamentsabgeordneten verfolgt. 1551 wird dieses Prinzip im Edikt von Châteaubriant dann auch auf die Provinzparlamente ausgedehnt. Das Edikt von Compiègne folgt 1557: "die Ordnung in irgendeiner Weise störende" Protestanten werden der weltlichen Gerichtsbarkeit unterstellt; die Verurteilung wegen Häresie überlässt Heinrich noch der Kirche. Dies gipfelt dann 1559 im Edikt von Écouen: Von nun an dürfen die Gerichte für Häresie nur noch die Todesstrafe verhängen.
Diese Repression ist auch außenpolitisch motiviert: Der Thronfolger Franz II. ist mit der schottischen Königin Maria Stuart verheiratet, die aus katholischer Sicht rechtmäßige Ansprüche auf den englischen Königsthron erheben kann. Franz II. hält deshalb die Repression bei. Erst nach seinem Tod versucht seine Mutter als Regentin für den minderjährigen Karl IX. aus dynastischen Gründen eine vorsichtige Toleranzpolitik.
Danach gelingt es dem hugenottischen Führer Admiral Coligny, den jungen französischen König zu einer antispanischen, pro-protestantischen Politik zu bewegen. Diese wird durch den Mord an Admiral Coligny und etwa 30 000 weiteren Hugenotten in der sogenannten Bartholomäusnacht im August 1572 in Paris beendet. Karl IX. persönlich übernimmt die Verantwortung für das Massaker. Im folgenden Vierten Hugenottenkrieg (1572-1573) werden die Hugenotten bis 1574 in nur wenige Sicherheitsplätze im südlichen Frankreich abgedrängt.
Auch unter Heinrich III. gehen die Bürgerkriege nach 1574 weiter. Heinrich III. schwankt: Zeitweise versucht er, die Führung der katholischen Partei persönlich zu übernehmen; zeitweise nähert er sich den Hugenotten, weil er seinen jüngeren Bruder als Führer der Protestanten in den aufständischen Niederlanden etablieren will: Fünfter Hugenottenkrieg (1574-1576), Sechster Hugenottenkrieg (1576-1577), Siebter Hugenottenkrieg (1579-1580).
1585 entmachtet, lässt er 1588 nach weiteren Demütigungen den Herzog Heinrich von Guise, den Führer der katholischen Liga, und dessen Bruder ermorden. Den Aufstand von Paris sucht er im Bündnis mit dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra niederzuwerfen, wird dabei aber 1589 selbst ermordet. Mit seinem Tod erlischt die Dynastie der Valois. Heinrich von Navarra aus der Nebenlinie Bourbon wird als Heinrich IV. König, kann sich den Thron aber erst nach der Konversion zum Katholizismus in dem langen Achten Hugenottenkrieg (1585-1598) sichern, den er zuletzt in einen nationalen Krieg gegen Spanien umwandeln kann. Danach beendet 1598 das Edikt von Nantes die Hugenottenkriege. Die Hugenotten erhalten beschränkte religiöse Toleranz, gesichert durch Sicherheitsplätze im südlichen Frankreich, deren hugenottische Besatzung vom König besoldet wird.
Die separate militärische Macht der Hugenotten kann der französische Staat im Grunde nicht hinnehmen. Kardinal Richelieu zerschlägt 1628 mit der Eroberung von La Rochelle (1628) diese militärische Organisation, gewährt aber weiterhin beschränkte religiöse Toleranz.
Unter Ludwig XIV. beginnen ab 1669 erneut Repressionen gegen die Hugenotten, die in den berüchtigten Dragonaden 1681 und im Edikt von Fontainebleau 1685 ihren Höhepunkt finden. In diesem Edikt wird der Protestantismus in Frankreich verboten. Mehr als 250 000 Hugenotten wandern trotz Verbot unmittelbar aus, und noch 1703 bis 1706 kommt es zum sogenannten Camisardenaufstand der Hugenotten in den Cevennen. Die Hugenotten scheinen die katholische Strömung des Jansenismus beeinflusst zu haben. Erst unter Ludwig XVI. werden ab 1787 die Protestanten de jure in Frankreich toleriert.
Hugenottenkriege | Protestantismus in Frankreich
French Wars of Religion | Francaj militoj pri religio | Guerras de religión de Francia | Hugenotisõjad | Ranskan uskonsodat | Guerres de religion (France) | ユグノー戦争 | 위그노 전쟁 | Reliounskricher | Hugenottkrigen | 法国宗教战争
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Hugenottenkriege".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world