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Horst W. J. Rittel (* 14. Juli 1930 in Berlin, † 9. Juli 1990 in Heidelberg) war ein deutscher Designer und Hochschulprofessor.

Biografie


  • 1936 — 1949 Schule in Berlin und Bückeburg; 3 Jahre, 1943 — 1946, Autodidakt
  • 1949 — 1954 Studium der Mathematik und der Theoretischen Physik an der Universität Göttingen
  • 1953 — 1957 Mathematiker und Physiker bei der Maschinenfabrik Deutschland AG, Dortmund
  • 1958 Mitarbeiter an der Sozialforschungsstelle an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster; Soziologische Studien und Projekte
  • 1958 Studium der Mathematik und Soziologie an der Universität Münster
  • 1958 — 1963 Dozent an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm für Design-Methodologie, Wissenstheorie und Theorien der Kommunikation
  • 1959 — 1962 Mitglied des Rektorats-Kollegiums an der HfG in Ulm
  • Seit 1961 Mitglied der Studiengruppe für Systemforschung, Heidelberg; Initiator und leading scientist bei zahlreichen Projekten, u.a. Informationssysteme für den Deutschen Bundestag und den Bundesrat, für die OECD, über den Fluss wissenschaftlicher und technischer Informationen in der EG, Informationssysteme für die Umweltplanung in der Bundesrepublik Deutschland und für das Deutsche Patentamt, Reorganisation der Wissensbasis in der organischen Chemie.
  • 1963 — 1990 Professor of the Science of Design an der University of California, Berkeley, College for Environmental Design, Department of Architecture and Department of City and Regional Planning
  • 1967 Visiting Associate Professor for Architecture und Operations Research an der Washington University, St. Louis, Missouri
  • 1973 — 1990 Direktor und Professor am Institut für Grundlagen der Planung an der Universität Stuttgart, Fakultät für Architektur und Stadtplanung

Werk


Horst Rittel war an der HFG ein wichtiger Lehrer für eine ganze Generation von Studierenden, denen er das systematische Herangehen an das Lösen komplexer Probleme vermittelte. Viele befähigte er dadurch, später in ganz verschiedenen Berufs- und Arbeitsfeldern erfolgreich zu arbeiten.

Eine seiner grundlegenden Haltungen wurde in einer Schrift, die sein Wirken posthum würdigt, wie folgt charakterisiert:

''Der Planer, Entwerfer, Designer arbeite in einem Spannungsfeld divergierender Interessen, innerhalb derer er seine eigenen Soll-Vorstellungen anzusiedeln habe. Einige Grundzüge eines didaktischen Konzeptes lassen sich herausschälen.

  • Nicht Meinungen und Auffassungen sollten gedrillt werden, sondern lehrbar seien: Sachwissen, Fertigkeiten, Methoden, Prinzipien und die Kenntnis von Problemen.
  • Wichtiger als die Speicherung von Wissen sei die Fähigkeit, dieses Wissen aufzuspüren und zu verarbeiten. Lernen zu lernen verspricht langfristig mehr Erfolg als Fakten zu lernen.
  • Das Problemlösungsvermögen sollte geschult werden, die Fähigkeit, Probleme zu entdecken, im Kontext zu sehen, zu strukturieren, zu bearbeiten. Dazu gehöre, Varietät zu erzeugen und urteilend zu reduzieren.
  • Phantasie ließe sich schulen, Beurteilungsvermögen verbessern, Entscheidungsvermögen üben, alle diese Vorgänge ließen sich methodisch unterstützen.
  • Studenten sollten den Umgang mit den typischen Schwierigkeiten des Planens und Entwerfens lernen, nicht Lösungen.
  • Wissen, auch faktisches, sollte problemorientiert vermittelt werden.
  • Spielraum für verantwortliche Entscheidungen sollte nicht lehrerhaft beschränkt, sondern bewußt belassen werden.''

Die Anfänge dieser Theoriebildung datieren aus der Zeit an der HfG in Ulm. Zusammen mit Bruce Archer, im Kontext mit Arbeiten von Asimow, Alger und Hays, lehrte er eine Theorie darüber, was Design sei und wie die Prozesse des Design methodisch zu unterstützen seien. In diesen Pionierzeiten war der Glaube verbreitet, daß Wissenschaft den Entwurfsprozeß nicht nur fundierend unterstützen kann. Die “harten“ Methoden des Operations Research waren Kontrapunkte zu der künstlerisch-kreativen Vision der reinen Gestalter. Rittel entwickelte nachfolgend eine kritische Sicht der Anwendung von Operations Research-Methoden, die eindeutige Zielvorgaben, einen eindeutig begrenzten Lösungsraum und ein eindeutiges Gütemaß voraussetzen. Die damit zu lösenden Aufgaben, wie auch die der Wissenschaft, seien, so seine Terminologie — “zahme“ Probleme im Unterschied zu den “bösartigen“, denen sich Planer und Entwerfer gegenübersähen. Er charakterisierte diese bösartigen Probleme in einem mit Melvin Webber 1969 konzipierten Vortrag, der einige Jahre später in dem wegweisenden Aufsatz über die “Dilemmas in einer Allgemeinen Theorie der Planung“ veröffentlicht wurde“.

Quelle


  • Horst W. Rittel : Planen, Entwerfen, Design. Hrsgg. von Wolf D. Reuter, Stuttgart 1992, S. XI, 3, 6.

Mann | Designer | Deutscher | Geboren 1930 | Gestorben 1990

 

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