Heterosexismus und Homophobie (von gr.: heteros andere; homo„Homo“ – gr. „gleich“, manchmal (auch abwertende) Abkürzung für Homosexueller Fóbos [Angst/Phobie). Beide Begriffe umfassen Haltungen und Verhalten gegen die gleichgeschlechtliche Liebe und gegen homosexuelle Menschen, und setzten häufig auch die Pathologisierung als Mittel ein.
Heterosexismus, der sich beispielsweise auch gegen transgender und androgyne Menschen richtet, bezeichnet ein gesellschaftliches und institutionalisiertes Denk- und Verhaltenssystem, das Heterosexualität anderen Formen sexueller Orientierung als überlegen„Psychologische Aspekte“ – Lesbische und Schwule Basiskirche Basel
und sie als von „der“ sozialen Norm abweichend einordnet. Heterosexismus kann als Abwehrform von Heteronormativität verstanden werden, und beide Aspekte werden auch vom Wandel in der Sexualethik beeinflusst – (siehe auch Homosexualität und Religion).
Homophobie bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete homophobische Aversion bzw. Animosität. Der Begriff Phobie wird im umgangssprachlichen Sinne auch für Abneigungen aller Art gebraucht.
Heterosexismus ist eine Abwehrform, die jede nicht heterosexuelle Form von Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft verweigert, verunglimpft und stigmatisiert,Heterosexismus: „What is heterosexism?“ – FAQ der „Essex Police Internet Unit“, UK.
und ist zu verstehen als eine (auf Heteronormativität gründende) nicht hinterfragte gesellschaftliche Setzung heterosexueller Lebensentwürfe und -weisen, als die sexuelle „Normalität“, die z. B. die schwule und lesbische Existenz als Randerscheinung oder weniger „natürliches“ Phänomen, als bloße „sexuelle Vorliebe“ abhandelt.„Opfer, Täter, Angebote - Gewalt gegen Schwule und Lesben“ – Seite 32/33: PDF-Datei
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, Berlin (2002)
Homophobie bezeichnet einerseits eine irrationale Angst vor Homosexualität, und anderseits den Hass, Ekel und die Vorurteile, welche wiederum Angst und infolgedessen Aggression und Gewalt produzieren. Somit gilt Homophobie auch als ein Erklärungsansatz für die Neigung von Jugendlichen, Schwulen und Lesben mit Gewalt zu begegnen.-Matthias Reisaus, Diplomarbeit – „Normalität, Integration oder Ausgrenzung gleichgeschlechtlich orientierter Personen am Arbeitsplatz“ (2003)
- „3.2 Homophobie“, Seite 22(24) – lt. Duden, Fremdwörterbuch 2001 immer noch „krankhaft“ – PDF-Datei„Homophobie: die Angst, mit Homosexuellen zusammen zu sein“ (G. Weinberg, „Society and the Healthy Homosexual“, New York, 1972).
Aus tiefenpsychologischer Sicht handelt es sich bei Homophobie – wie bei Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus – um eine meist unbewusste Angst, die eigene Identität in Frage zu stellen. Homophobe Menschen beschäftigen sich häufig exzessiv mit Homosexualität und wollen sie bekämpfen.
Unabhängig davon, ob als Heterosexismus oder Homophobie bezeichnet, müssen die verschiedenen Formen heterosexistischer und homophober Gewalt (seitens Gesellschaft, Gruppierungen oder Individuen, usw.) als gestörte Verhaltensweisen bezeichnet werden, die ihrerseits Lesben, Schwule, und alle nicht heteronormative Menschen in ihrer Entfaltung teilweise massiv beeinträchtigen und unter denen sich sekundär psychische Störungen entwickeln können.
| Übersicht geschlechtsbezogener Begriffe | ||||||
| Ideologie Weltanschauung | Abwehrform | Aversion bis Animosität gegen | Identität | |||
| Heteronormativität | Heterosexismus | nicht Heteronormative | Hetero Normal | |||
| Biphobie Biphobia Homophobie | Bi- & Homosexuelle | Sexuelle Identität | ||||
| Transphobie Transphobia | Transgender | Geschlechtsidentität | ||||
| Feminismus Maskulismus | Sexismus: Misogynie / Misandrie | Frauen / Männer | Geschlechterrolle | |||
| Queer Theory | Heterophobie Heterophobia | Heteronormativität | Mensch | |||
| Siehe auch: Androzentrismus, Gynozentrismus | Gender Bias | ||||||
Je nach Ausprägung reicht Heterosexismus bzw. Homophobie von Vorurteilen über ausgeprägte Abneigung und Befürwortung staatlicher Repressionen gegen Homosexuelle bis hin zu äußerstem Hass und körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle. Es sind auch Fälle bekannt, in denen Homosexuelle nur wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet wurden (z. B. der Tod von Matthew Shepard). In einigen Staaten ist die Tötung von Homosexuellen sogar staatlich organisiert (in vielen islamischen Ländern sieht die Scharia die Todesstrafe für Schwule vor). Auch in Deutschland (§ 175) trugen Heterosexismus und Homophobie lange zur Homosexuellenverfolgung bei. Heute sind homosexuelle Handlungen in fast allen westlichen Industrieländern straffrei. Siehe „Gesetze zur Homosexualität“.
Siehe auch:
Eine statistische Häufung des spezifisch homosexuellen Missbrauchs Minderjähriger gilt hier als weder nachgewiesen, noch widerlegt. Dennoch wird, beispielsweise Werner StanglWerner Stangl: „Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ – Begriffsbestimmung, Formen, Häufigkeit, Folgen
– Abschnitte (A) „Männliche Missbrauchsopfer“ und (B) „Signale und Folgen sexuellen Missbrauchs“. (Stand 8. Mai 2006)(A) und Jim HopperJim Hopper: „Sexual Abuse of Males: Prevalence, Lasting Effects, and Resources“ - englisch (April 2006) zufolge, ca. jeder sechste (16,7%) Junge vor seinem 16 Geburtstag sexuell missbraucht. Allgemein untrennbar mit der Erfahrung des sexuellen Missbrauches ist das Nicht-darüber-reden-können (und dürfen) verknüpft.(B) Der Prozentsatz der Frauen, die sich an Jungen vergehen, liegt unter einem Prozent.(A)
| 5% der Bevölkerung ab 15 Jahren, in absoluten Zahlen„CIA - The World Factbook“, in engl. Sprache: Deutschland Österreich Schweiz (Stand 20. April 2006) | ||||
| Land | ab 15 J | männl. | weibl. | 5% davon (m+w) |
| Deutschland | 85,8% | 34,5 Mio. | 36,3 Mio. | 3.500.000 |
| Liechtenstein | 82,6% | 13.620 | 14.460 | 1.400 |
| Österreich | 84,6% | 3,4 Mio. | 3,6 Mio. | 347.000 |
| Schweiz | 83,7% | 3,1 Mio. | 3,2 Mio. | 314.000 |
| Siehe auch: Häufigkeit von Homosexualität | ||||
Von Postmoderne bis Gegenwart:
Beim Heterosexismus – anders als beim Sexismus – sind Männer oft in stärkerem Maße negativ betroffen als Frauen. Weibliche Homosexualität bleibt öfter unbeachtet.Heterosexismus/Archiv#Heterosexismus vs Sexismus, „Heterosexismus vs Sexismus“, Irene1949, 13:46, 22. Apr 2006 „subtil“ Formen von Diskriminierung werden immer noch (z. B.) in Wörterbüchern dokumentiert und zementiert, z. B. „Medizinisches Wörterbuch“:„Medizinisches Wörterbuch“, m-press münchen gmbh, Ho-Hz: „Homosexualität“ (Stand 30. April 2006) Homosexualität: „Sexuelle Beziehungen zwischen Männern. (Entsprechende Beziehungen zwischen Frauen: Lesbische Liebe).“ Bemerkenswert daran ist,
Beispielsweise der § 175 des deutschen Strafgesetzbuchs stellte bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.
Siehe auch: Abschnitt „Wissenschaftliche Untersuchungen“.
Der medizinische Begriff „Homophobie“ sieht Angst als Ursache, wogegen umgangssprachlich der Fokus auf das feindselige Verhalten gerichtet ist. Der Begriff „Heterosexismus“ unterstellt als Ursache des ablehnenden Verhaltens eher Arroganz oder Chauvinismus.
Heterosexismus bzw. Homophobie basieren meist auf tradierten konservativen Vorstellungen von Geschlechterrollen: der Glaube, diese würden durch Homosexualität drastisch in Frage gestellt, führt zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Betroffenen. Somit kann hier auch die Projektion eigener Unsicherheiten in Bezug auf die Geschlechterrolle auf andere Menschen vorliegen. Eine Verstärkung kann darüber hinaus bewirkt werden durch die Verdrängung homosexueller Anteile der eigenen Sexualität. Eine weitere Ursache kann darin liegen, dass Vorurteile und Erwartungshaltungen der Umgebung oder einer Religion gedanken- und kritiklos übernommen werden. Insbesondere religiöse Überzeugungen führen oft zu heterosexistischen bzw. homophobischen Ansichten und Verhalten.
Im Jahr 1996 wurde in einer Untersuchung an der University of Georgia durch Professor Henry E. Adams festgestellt, dass 54,3% der 35 homophoben Probanden (zum Vergleich – 24,1% der 29 nicht homophoben Probanden), sexuell eindeutig erregt wurden beim Betrachten von Videos, die sexuelle Handlungen zwischen Männern zeigten. An der Untersuchung nahmen insgesamt 64 Männer teil, die sich alle selbst als ausschließlich heterosexuell bezeichnet hatten.Wissenschaftliche Untersuchung: Zeitungsbericht von Peter Tatchell („The Sunday Sun“, 5. Feb 2006).
Siehe auch Pressemitteilung der „American Psychological Association (APA)“ (1996).
Tabelle: „ABOUT HOMOPHOBIA – Anti-gay laws, studies of homophobia; public opinion...“ - www.religioustolerance.org (2003)
| Tumeszenz„Tumeszenz“ – Schwellung durch Blutstau – englischer Wikipedia-Artikel: Tumescence | kaum | mäßig | eindeutig |
|---|---|---|---|
| homophobe Männer | 10% | 26% | 54% |
| nicht homophobe Männer | 66% | 10% | 24% |
Gesellschaftskritische Analysen von Homophobie entstanden und entstehen vor allem im Umkreis der Queer Theory. Insbesondere Eve Kosofsky Sedgwicks Arbeiten sind diesbezüglich von Bedeutung.
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