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Holodomor (Ukrainisch Голодомор), früher teilweise auch "Hunger-Holocaust" genannt, ist der Name einer großen, absichtlich herbeigeführten Hungersnot der Jahre 1932/34 in der Ukraine. Als ihre Hauptursache gilt die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft unter Stalin. Über die Opferzahlen des Holodomor gibt es unterschiedliche Schätzungen. In der Regel wird von etwa fünf bis sieben Millionen Toten allein in der Ukraine ausgegangen. Der Holodomor war Teil einer noch größeren Hungersnot, die auch andere Gebiete der damaligen Sowjetunion betraf.
Etymologie
Das Wort Holodomor setzt sich aus den beiden ukrainischen Wörtern
Holod und
Mor zusammen.
Holod kann mit
Hunger übersetzt werden.
Mor ist ein altes
ostslawisches Wort. Es kann unter anderem als
Seuche übersetzt werden.
Forschungskontroversen
Über die Ursachen des Holodomor gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen. Insbesondere ukrainische Geschichtswissenschaftler betonen, dass es sich um eine systematische und vom
Regime Stalins organisierte Hungersnot handelte. Demgegenüber argumentieren vor allem russische Historiker, dass die Hungersnot die Folge einer schlechten
Ernte gewesen sei, welche durch die Kollektivierung der Landwirtschaft und des damit verbundenen Widerstandes der
ukrainischen Bauern verschlimmert wurde. Dies allerdings hat die UdSSR nicht davon abgehalten, sogar größere Mengen Getreide zu exportieren.
G.Heinsohn stellt fest, dass in der Ukraine, in Kasachstan und einigen Kaukasusgebieten, in denen starker Widerstand gegen die durch Zwangskollektivierung durchgeführten Enteignungen vorhanden war, dieser mit dem Mittel der absichtlich herbeigeführten und durch Zwangsrequirierungen verschlimmerten Hungersnot gebrochen werden sollte. Auch die Unabhängigkeitsbewegungen dieser Völker sollten auf diese Weise getroffen werden. So unterband die kommunistische Partei auch die Versorgung der Hungernden und die Ausreise von Ukrainern. Dieses gesamte Vorgehen wird von Heinsohn als Mischung von
Politizid und
Genozid bezeichnet, dessen wahrheitsgemässe Darstellung oft aus politischen Gründen als "böswilliger Antikommunismus diffamiert wurde".
[Gunnar Heinsohn Lexikon der Völkermorde, Rowohlt rororo 1998] Andere kritisieren den Begriff Holodomor. In ihren Augen wird er von einigen Ukrainern verwendet, um die tragischen Folgen der über die Ukraine hinaus gehenden Kollektivierung für nationalistische Zwecke politisch zu missbrauchen.
Siehe auch
Literatur
- Rudolf A. Mark, Gerhard Simon, Manfred Sapper, Volker Weichsel, Agathe Gebert (Hrsg.): Vernichtung durch Hunger. Der Holodomor in der Ukraine und der UdSSR. Berlin 2004 ISBN 3830508832
- Dmytro Zlepko (Hrsg.): Der ukrainische Hunger-Holocaust. Stalins verschwiegener Völkermord 1932/33 an 7 Millionen ukrainischer Bauern im Spiegel geheimgehaltener Akten des deutschen Auswärtigen Amtes. Eine Dokumentation. Wild, Sonnenbühl 1988 ISBN 3925848037
- Douglas Tottle.Fraud, Famine and Fascism.The Ukrainian Genocide Myth from Hitler to Harvard.
- Robert Conquest: Ernte des Todes. Stalins Holocaust in der Ukraine 1929 - 1933, München, 1997
Weblinks
Anmerkungen
Europäische Geschichte | Ukrainische Geschichte | Hungersnot
Holodomor | Голодомор в Україні 1932-1933 років | Голодомор на Украине | Holodomor | Gladomor