Als Holocaustleugnung bezeichnet man das Bestreiten, Verharmlosen oder Relativieren des Holocaust an den europäischen Juden (auch Shoa genannt) und eine Darstellung seiner Ursachen, Methoden und Ergebnisse, die den vielfach dokumentierten historischen Tatsachen widerspricht. Deshalb beschreibt die Geschichtswissenschaft solche Versuche weitgehend als Pseudowissenschaft; sie tragen zudem häufig die Züge einer antisemitischen Verschwörungstheorie.
In Deutschland wird die öffentliche Holocaustleugnung nach § 130 des Strafgesetzbuchs als Volksverhetzung geahndet. Auch in Belgien, Frankreich, Israel, Kanada, Litauen, Neuseeland, Österreich, Polen, der Schweiz, der Slowakei, Südafrika und Tschechien ist sie eine Straftat.
Der Holocaust gilt Historikern allgemein als eins der am besten dokumentierten Ereignisse der jüngeren Geschichte, das in tausenden Büchern und Artikeln untersucht und dargestellt wurde. Die große Mehrheit der Holocaustforscher weltweit sieht die Veröffentlichungen von Holocaustleugnern daher als indiskutable Geschichtsfälschungen und Propagandaschriften, die mit selektiver Wahrnehmung, Deutung und künstlicher Herstellung empirischer Daten ein vorgefasstes Ergebnis „beweisen" möchten. Um dies nicht als seriöse Wissenschaft aufzuwerten, lehnen sie eine „ergebnisoffene" Debatte um die so dargebotenen Thesen in aller Regel strikt ab. Als repräsentativ dafür kann die Aussage von Alan Milchaman gelten (Postmodernism and the Holocaust, Rodolphi, 1998): Holocaustleugnung sei „begründet in Hass statt irgendeines anerkannten Maßstabs von Vergewisserung, Evidenz und Wahrheit“.
Weniger deutlich ist die Abgrenzung jedoch von jenen Versuchen, die den Holocaust nicht direkt abstreiten, sondern seine Ursachen außerhalb nationalsozialistischer Vorhaben ansiedeln und als Reaktion auf vorhergegangene Verbrechen des Stalinismus und eine Kriegssituation deuten. Diese etwa von Ernst Nolte vertretene Holocaustrelativierung hat in Deutschland 1986 zu einem Historikerstreit geführt, der im Ergebnis jedoch die These von der Singularität des Holocaust weitgehend bestätigte.
Tatsächlich behielten die Nationalsozialisten die Pläne zum Holocaust einem kleinen Kreis Eingeweihter vor und hinterließen bewusst so wenig Belege wie möglich dafür. Doch viele erhaltene Originaldokumente zeigen unwiderlegbar, dass die Führungsebenen des NS-Regimes den Holocaust zielgerichtet geplant und durchgeführt haben. Auch ohne einen direkten Dokumentenfund ist sicher, dass Hitler ausdrückliche Befehle zur „Endlösung der Judenfrage“ gab. Allein Heinrich Himmler verwies in Briefen an Untergebene viermal auf einen diesbezüglichen „Führerbefehl" (Knopp, Holokaust S. 101). Hermann Göring, seit 1938 von Hitler mit der „Gesamtlösung der Judenfrage" beauftragt, ermächtigte seinerseits Reinhard Heydrich am 31. Juli 1941, dazu alle erforderlichen Vorbereitungen...im deutschen Einflussbereich in Europa zu treffen (ebd., S. 100). Am Tag darauf erhielten die Einsatzgruppen, die bereits mit Massenerschießungen von Juden hinter der Ostfront begonnen hatten, den Befehl, Hitler laufend über ihre „Erfolge" zu unterrichten.
Dem entsprechen Hitlers Reden, in denen er sich auf die am 30. Januar 1939 offen angekündete „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa" im Falle eines Weltkriegs zurückbezog. Seit dem Überfall auf die Sowjetunion war diese sein primäres Kriegsziel. So schrieb auch Joseph Goebbels am 13. Dezember 1941 in sein Tagebuch: Der Weltkrieg ist da, die Vernichtung des Judentums muss die notwendige Folge sein. Mit dem einzigen erhaltenen Protokoll von der Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 ist zudem erwiesen, dass die begonnene Judenvernichtung von fast allen Führungsebenen des NS-Regimes im Detail organisiert und vom Reichssicherheitshauptamt unter Heydrich zentral gelenkt wurde.
Etwa Mitte 1944 war den NS-Führungsspitzen klar, dass man sie nach dem Kriegsende für Völkermord und Kriegsverbrechen zur Rechenschaft ziehen würde. Nun begannen die Maßnahmen der Vertuschung. Im November 1944 öffnete die Lagerbesatzung des KZ Auschwitz-Birkenau Massengräber und befahl, die dort vergrabenen Leichen zu verbrennen. Die ersten Krematorien wurden zerstört oder als Bunker umgerüstet. Doch anhand zahlreicher anderer Dokumente, darunter Lieferscheine über den Einkauf großer Mengen an Zyklon B, konnte sehr genau rekonstruiert werden, was in den Lagern passiert ist. In mehreren Gerichtsprozessen wurden diese Beweise ausgewertet und durch zahlreiche Zeugenaussagen ergänzt. Die umfassendste Dokumentation dazu hat Jean-Claude Pressac 1989 veröffentlicht (siehe Literatur).
Historiker diskutieren heute unter den Stichworten „Intentionalismus oder Funktionalismus" noch darüber, wie sich die Entscheidung zur „Endlösung“ entwickelte, seit wann deren Planung konkrete Formen annahm, wie sich die Ausrottungsabsicht zur tatsächlichen Durchführung verhielt und wieviel die deutsche Bevölkerung darüber wusste. Aber die zentrale Planung und Rolle der NS-Führung bei der Ausführung des Holocaust wird in der Forschung nicht angezweifelt.
Eine weitere beliebte Verharmlosung lautet: Die meisten KZ-Häftlinge seien dort an Unterernährung, Gelbfieber und Tuberkulose gestorben. Gezielte Tötungen durch Erschießen seien nur in wenigen, „berechtigten“ Fällen erfolgt. Zyklon B sei nur als Insektizid gegen die Überträger des Gelbfiebers oder zur Desinfektion von Kleidung verwendet worden. Dadurch verursachte Todesfälle seien nur versehentlich passiert.
Die Opferzahlen können nur geschätzt werden; genaue Buchführung darüber existierte in den Lagern nicht. Die ersten Schätzungen nach dem Krieg waren tatsächlich weit übertrieben. Auch weil die Nazis ursprünglich tatsächlich noch weit höhere Mordraten anstrebten, nahm man ursprünglich an, allein in Auschwitz seien bis 1945 schon sechs Millionen Juden ermordet worden. Dort waren es tatsächlich jedoch etwa 1,1 Millionen, so dass die Gesamtzahl später auf um 5,9 bis 6,2 Millionen Juden, die im gesamten von Deutschland beherrschten Gebiet getötet wurden, korrigiert wurde (so Wolfgang Benz in Dimensionen des Völkermords).
1990 entfernte die Museumsleitung des KZ Auschwitz aufgrund dieser neuen Erkenntnisse die alten Gedenkplatten mit den falschen Opferzahlen. Dies versuchten die Holocaustleugner triumphierend als Beweis für eine Fälschung der Dimension des Holocaust insgesamt auszuschlachten. Auch Rekonstruktionen von Gaskammern, Genickschussanlagen, Krankenstationen (in denen die Häftlinge mit Phenolinjektionen umgebracht wurden) sowie die Restaurierung von verwitterten Aufschriften auf KZ-Einrichtungen, deren Ziel das Gedenken an das grausame Geschehen ist, wurden zum Spielball von Holocaustleugnern: Sie behaupten stets, solche Maßnahmen zeigten die Nichtexistenz der alten Anlagen. Sie seien erst nach dem Krieg völlig neu konstruiert worden, und ihre Rekonstruktion solle das verbergen.
Die ältere Holocaustleugnung von 1945 bis etwa 1970 speiste sich vor allem aus weiterwirkenden Motiven der faschistischen und nationalsozialistischen Ideologie:
Seit den 1970er Jahren sind jedoch andere Motive hinzugekommen oder stärker in den Vordergrund gerückt:
Deshalb gingen die Holocaustleugner in den 1980er Jahren dazu über, ihre Thesen als „Forschung“ darzustellen. Sie verbrämten ihre Behauptungen als wissenschaftlichen Diskurs, um den Eindruck von Seriosität zu vermitteln und zugleich einen Kontrapunkt gegenüber der wissenschaftlichen Holocaustforschung zu bilden. Ein Mittel dazu waren die Titel ihrer Schriften: Als „Report“ oder „Gutachten“ veröffentlicht, hatte es eher Chancen, in die öffentliche Diskussion zu gelangen und Zweifel am Holocaust zu erzeugen, als etwa ein Titel „Die Auschwitzlüge“, der von vornherein seine propagandistische Absicht kundtat. Diesen Weg beschritten z.B. Fred Leuchter und Germar Rudolf.
In der Folge erschienen eine Vielzahl von Aufsätzen – zunächst in geschichtsrevisionistischen Zeitschriften oder als Bücher, später als oft bis heute abrufbare Webseiten im Internet – mit zwei typischen Kennzeichen: Sie sind wie eine wissenschaftliche Arbeit gespickt mit Fußnoten und Zitaten, zitieren sich aber immer wieder gegenseitig. Wer eine solche Schrift liest, wird argumentativ dauernd im Kreis herumgeführt, da der eine Leugner stets den anderen Leugner als Quelle benennt. In vielen Fällen ist das für einen Laien nicht sofort erkennbar: So zitiert „Manfred Köhler“ in vielen seiner Werke stets „Ernst Gauss“, ebenso wie umgekehrt „Ernst Gauss“ große Stücke auf „Manfred Köhler“ hält. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat ermittelt, dass beide Namen Pseudonyme von Germar Rudolf sind, der noch mindestens geschätzte zehn weitere Alibi-Namen benutzt. Es ist daher anzunehmen, dass andere Holocaustleugner sich in ihren Arbeiten ebenso auf Fantasiepersonen berufen.
Ihre eigentliche „Primärquelle“ ist also ihr eigener immer wiederkehrender Versuch, darzustellen, dass der Holocaust, wie er historisch erwiesen ist, so nicht stattgefunden haben kann. Seriöse Wissenschaft bietet dafür keinerlei Anhaltspunkte, so dass Fälschen, Erfinden, Manipulieren, Leugnen und Verleugnen des Leugnens die einzigen verfügbaren Mittel bleiben, um dieser Vorurteilsstruktur einen objektiven Schein zu geben.
Eine beliebte Methode von Holocaustleugnern ist das „Spamming", also das massenhafte Absetzen der immer gleichen Texte im Internet, und „Crossposts", also das gleichzeitige Verbreiten dieser Texte in vielen Newsgroups des Usenet. Meister dieses Vorgehens ist der US-Amerikaner Dan Gannon, der vor allem Aufsätze des kalifornischen Institute for Historical Review (s.u.) verbreitete, z.B. in sci.physics und sci.math. Er empfahl seine Methode anderen Holocaustleugnern öffentlich zur Nachahmung.
Paul Rassinier (1906-1967) war selbst ein überlebender KZ-Häftling, den die Gestapo 1943 als Mitglied der Resistance interniert hatte. Er veröffentlichte 1948 den Erfahrungsbericht Über die Grenze, in dem er die Zahlen der von Nazis getöteten Juden als weit übertrieben und die jüdischen KZ-Aufseher als die eigentlichen Urheber der Grausamkeiten an ihren Mitjuden darstellte. Seit seinem Buch Die Lüge des Odysseus (ebenfalls 1948, auf Deutsch erschienen 1950) sprach er stets vom „Holocaustmythos". 1964 erschien The Drama of European Jewry, deutsch: Starben wirklich sechs Millionen? Darin stellte Rassinier die Gaskammern als jüdische Erfindung zu dem einzigen Zweck dar, die Ansprüche der Zionisten auf den Staat Israel und auf deutsche Entschädigungen zu stützen.
Diese Bücher wurden nach Rassiniers Tod 1967 von dem US-Amerikaner Willis Carto unter dem Pseudonym E. L. Anderson mit dem Titel Debunking the Genocide Myth zunächst in den USA veröffentlicht (1969 deutsch: „Der Mythos der sechs Millionen") und beeinflussten eine neue Generation von Holocaustleugnern. Die darin vertretenen Thesen der 1940er und 1950er Jahre wurden seither immer wieder aufgegriffen.
Leuchter und Irving werden oft von einschlägig bekannten und vielfach wegen Gewalttaten verurteilten deutschen Rechtsextremisten zitiert, die ihrerseits mit holocaustleugnenden Thesen aufgetreten sind. Dazu gehören:
Damit ließ Christophersen die direkte Holocaustleugnung neu aufleben, die sowohl den Plan als auch die Durchführung der Judenvernichtung bestreitet. Er bezeichnete die systematische Ermordung von Menschen in den Gaskammern - wie schon die ersten entsprechenden Veröffentlichungen der Nachkriegszeit - als reine Erfindung der Kriegsgegner Deutschlands.
Christophersen wurde wegen Verleumdung und Aufstachelung zum Rassenhass verurteilt; er hatte u.a. die Wiederzulassung der NSDAP gefordert. Gegen Ende seines Lebens verriet er einem Journalisten, den er als „Kameraden" ansah, in einem Interview den Zweck seines Buchs: Ich will uns entlasten und verteidigen, dann kann ich das nicht mit dem, was wir tatsächlich getan haben. Ich leugne das nicht. Aber jeder Verteidiger, der was zu verteidigen hat, der wird doch nicht das Belastende aufführen. (aus: Michael Schmidt, Heute gehört uns die Straße ..., Düsseldorf 1993, S. 341f)
Der Buchtitel wurde bald darauf offiziell für die Holocaustleugnung verwendet. Holocaustleugner, die wegen des „Verbreitens der Auschwitzlüge“ verurteilt werden, begannen daraufhin, den Begriff als Verurteilung einer Wahrheit umzudeuten: Man habe sie wegen einer richtigen Darstellung des Holocaust angeklagt und, eben weil der Holocaust eine Lüge sei, prompt bestraft. So schlachten sie ihre Strafverfolgung propagandistisch als Bestätigung der „Auschwitzlüge“ aus, um Zweifel in der Öffentlichkeit zu verstärken, und greifen zudem die gesamte mit dem Thema befasste Geschichtsschreibung als bewusste „Lüge“ an. Im fachlichen Sprachgebrauch meint „Auschwitzlüge" jedoch stets die Lüge, es habe keine Judenvernichtung in Auschwitz gegeben.
Auch dieses Motiv war schon kurz nach 1945 aufgetaucht (s.o.) und öfter aufgegriffen worden. Der Erlanger Historiker Hellmut Diwald (1929-1993) hatte in seinem Buch Geschichte der Deutschen (1978) behauptet, bei den im Konzentrationslager Dachau installierten Gaskammern handele es sich um Attrappen, zu deren Bau das amerikanische Militär nach der Befreiung inhaftierte SS-Angehörige gezwungen habe. Auch die Zahl der Toten im KZ Auschwitz-Birkenau sei viel geringer gewesen. Er gab also die Existenz der Arbeitslager zu, bestritt aber die Existenz von Gaskammern, die der Massenvernichtung dienten.
Häufig wird auf der Linie von Diwalds Argumentation angeführt, dass das Krematorium im KZ Auschwitz I (Stammlager) mitsamt seiner Gaskammer erst nach 1945 eingerichtet worden sei. Tatsächlich handelt es sich bei dem heutigen Gebäude um eine Rekonstruktion der ursprünglichen Gaskammer, die dort Ende 1941 gebaut und bis 1944 genutzt worden war. Dann hatte die Lager-SS die vorhandenen Deckenlöcher zum Einschütten des Giftes zubetoniert und Zwischenwände entfernt, um die Räume als Schutzbunker für sich zu verwenden. Vor dem Eintreffen der Roten Armee hatte sie die Krematorien gesprengt.
Da Leuchter im Zündelprozess als Hochstapler entlarvt worden war, versuchten andere Holocaustleugner, seine Untersuchung mit eigenen Büchern pseudowissenschaftlich zu untermauern. Germar Rudolf (*1964; zahlreiche Pseudonyme, u.a. Ernst Gauss, Manfred Köhler, Lennard Rose, Jakob Sprenger) behauptete in seinem Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den Gaskammern von Auschwitz (1991), dort sei keine Blausäure nachweisbar, deshalb sei dort kein Zyklon B eingesetzt worden. Tatsächlich ist Blausäure ein sehr flüchtiger Stoff. Nach dem Abriss der Gaskammern war das Mauerwerk jahrzehntelangen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Dennoch konnten Jan Markiewicz und andere im Rahmen des Nizcor-Projektes 1994 Cyanidverbindungen nachweisen.
Dabei sind ihre Argumente mit der Zeit raffinierter geworden. Die ältere Generation der Holocaustleugner (Rassinier, Stäglich, Remer, Christophersen u.a.) versuchte noch, ihren Behauptungen nach dem einfachen Muster Glaubwürdigkeit zu verleihen: Wir können nicht glauben, was da passiert ist, und deshalb ist der Vorwurf des Völkermords unglaubwürdig. Die jüngeren Holocaustleugner dagegen sagen sinngemäß: Wir würden ja gern glauben, dass der Holocaust geschah, aber aus unserer Sicht lässt das die Faktenlage nicht zu. Sie kehren also die Beweislast um und gehen rhetorisch von einer für sie sprechenden Faktenlage aus. Um diesen Anschein zu erwecken, benutzen sie Geschichtsklitterungen in ihren Veröffentlichungen: Sachverhalte und Zitate werden zwar richtig erwähnt, aber durch eine andere Zusammensetzung oder Auslassung wesentlicher Passagen inhaltlich verzerrt – bis hin zum Gegenteil dessen, was ursprünglich gemeint war.
Schon 1945 begann die Relativierung des Holocaust durch den Vergleich mit möglichen alliierten Kriegsverbrechen: Die Alliierten hätten besonders mit ihrer Luftkriegsstrategie, z.B. den Luftangriffen auf Dresden, selbst zahlreiche verbrecherische Massenmorde verübt, die denen der Deutschen kaum nachstünden. Sie hätten den Vorwurf des besonderen deutschen Völkermords nach dem Krieg bewusst konstruiert, um eine Diskussion über ihre vergleichbaren Taten nicht aufkommen zu lassen.
Früh wurden auch Verbrechen Stalins als Vergleichsfolie für den Holocaust herangezogen: Er verblasse gegenüber den Mengen an Dissidenten und Christen, die in sowjetischen Gulags ermordet worden seien - und deren Erfindung Holocaustleugner oft Juden zuschreiben. Diese Gulags seien die Vorbilder für die Arbeits- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten gewesen.
Schon Armin Mohler stellte 1965 in einem Aufsatz die „Groß-Tabus“ in Frage, mit denen eine „gerechte Untersuchung“ der NS-Vergangenheit verhindert werde, und zweifelte die Dimension des Judenmordes an. Er schrieb positive Rezensionen für die Bücher von Holocaustleugnern, die u.a. im rechtsextremen Grabert-Verlag erschienen sind, und warb für sie u.a. in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Criticon. Er wird zur Neuen Rechten gezählt, deren Ideologie Historiker als besondere Form der Relativierung sehen. Alexander Ruoff beschrieb sie als „Diskurs des völkischen Nationalismus, in dem nicht Auschwitz selbst, sondern die Bedeutung dieses Verbrechens für die Bildung einer selbstbewussten Nation geleugnet wird“, damit diese „negative Folie“ „für eine völkische Fassung nationaler Selbstvergewisserung“ nicht mehr hinderlich sei.
Neonazis und ihre Mitläufer übertragen dazu heute den Holocaust-Begriff gern auf andere Ereignisse im Kontext des Zweiten Weltkriegs oder danach:
Mit dieser Gleichsetzung wird die Singularität des nationalsozialistischen Völkermords in Abrede gestellt. Man stellt verschiedene Sachverhalte einander gegenüber, als ob sie vergleichbar wären, und versucht so, Angriffs- und Verteidigungstaten, Ursachen und Folgen gegeneinander aufzurechnen. Das soll den Eindruck erwecken: Die anderen waren ja genauso schlimm. Indem man die Alliierten als Kriegsverbrecher darstellt und anklagt, sollen die Deutschen aber nicht als ebensolche Verbrecher, sondern als die eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkriegs dastehen (Täter-Opfer-Umkehr). Wer dann an den Holocaust erinnert, erscheint als Nestbeschmutzer, der ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Volk hat. Dahinter steht die ungebrochene Denkweise des von den Nazis propagierten „gesunden Volksempfindens“, das nicht mit den Opfern - von denen ein Großteil ja auch Deutsche waren - fühlen und keine kritische Distanz zu den Tätern aufbringen kann. Die Verantwortung für die Taten und ihre Folgen wird folglich von den Vertretern dieser Haltung abgelehnt.
Issam Sissalem, ein Historiker, der an der Islamischen Universität Gaza lehrt, sagte am 29. November 2000 in einer Fernsehsendung der palästinensischen Autonomiebehörde:
Al Ahram, die auflagenstärkste Zeitung Ägyptens, kommentierte etwa am 13. März 2001:
Wagaih Abu Sikri, Korrespondent der Zeitung Al-Akhbar, schrieb am 13. April 2001:
Al-Hayat AI-Jadida, die offizielle Tageszeitung der palästinensischen Autonomiebehörde, schrieb am selben Tag:
Öffentlich als Holocaustleugner hervorgetreten sind auch Anführer der Hamas wie Abdel Aziz al-Rantissi und der amtierende Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Dieser schrieb 1983 eine Doktorarbeit über Die geheimen Beziehungen zwischen Nazismus und der Führung der Zionistischen Bewegung, in der er behauptete: Nicht sechs Millionen, sondern maximal 890.000 Juden seien in den nationalsozialistischen Lagern ermordet worden. Sie seien Opfer eines zionistisch-nazistischen Komplotts gewesen. Die Zionisten hätten den Holocaust gewollt, um ihn als Druckmittel zur Schaffung des Staates Israel zu verwenden.
2001 fand in den Vereinigten Arabischen Emiraten unter der Schirmherrschaft ranghoher Politiker eine internationale Konferenz mit Gästen aus der europäischen und US-amerikanischen Revisionistenszene statt: Ihr offiziell angegebenes Ziel war, Lügen und Übertreibungen zum so genannten Holocaust offen zu legen.
Die übrigen arabischen Regierungen haben solche Konferenzen in ihren Ländern, die die Holocaustleugnung öffentlichkeitswirksam inszenieren sollten, jedoch untersagt. Kontaktversuche mit deutschen Holocaustleugnern sollen nach deren Berichten nicht sehr erfolgreich gewesen sein. Auch konnte Germar Rudolf seine Absicht, eine seiner holocaustleugnenden Publikationen auf Arabisch übersetzen zu lassen und im Nahen Osten zu verbreiten, nicht verwirklichen.
(siehe auch: Arabischer Antisemitismus)
Im April 1999 wurde Toben wegen des Imports von holocaustleugnenden Schriften in Deutschland zu zehn Monaten Haft verurteilt, jedoch nicht sofort inhaftiert. Im Dezember konnte er in den Iran ausreisen, wo er drei Wochen lang holocaustleugnende Vorträge an Universitäten hielt. Die Teheran Times stellte ihn der iranischen Öffentlichkeit als „deutschen Forscher" vor. 2000 wurde er in einem Interview des iranischen Fernsehens zum Besuch des Papstes in Jerusalem befragt und sagte:
Im März 2001 sollte Toben an einer Konferenz der Holocaustleugner in Beirut teilnehmen, die jedoch von der libanesischen Regierung abgesagt und verboten wurde. Dies lastete er der „Feigheit" derer an, die vor den Zionisten „auf die Knie" gegangen seien. 2003 besuchte Toben erneut den Iran und bezeichnete Israels Politik in den besetzten Gebieten Palästinas als „zionistischen Holocaust".
Auch manche liberalen und linksgerichteten Organisationen propagieren in Australien ungehemmt die Holocaustleugnung: so etwa die von John Bennett geführte Australian Civil Liberties Union (ACLU), die u.a. faschistische Wissenschaftstheorien wiederbelebt, indem sie z.B. Albert Einsteins Relativitätstheorie als „nie bewiesen" in Zweifel zieht.
Seit 2000 wird bei Demonstrationen linksgerichteter Gruppen in Australien oft eine israelische Fahne gezeigt, die ein Hakenkreuz mit dem Davidsstern verbindet: Damit wird Israels Politik mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt. Diese indirekte Form der Holocaustleugnung wurde teilweise auch von gewöhnlichen Medien übernommen: So veröffentlichte der Morning Herald - eine große Tageszeitung in Sydney - im selben Jahr eine Karikatur, die die Westbank mit dem Warschauer Ghetto verglich. 2003 zeigte das linke Melbourne Underground Film Festival Filme über die israelische Besatzung Palästinas zusammen mit Filmen der Holocaustleugner David Irving und Robert Faurisson. Deren Artikel oder Aufsätze wurden in linksradikalen Magazinen wie Nexus teilweise nachgedruckt.
1985 gründeten die Brüder Herbert und Siegfried Verbeke die „Stiftung" Vrij Historisch Onderzoek (VHO) in Antwerpen. Siegfried Verbeke war Aktivist der neonazistischen Organisation Vlaams Militante Order, bis diese als terroristische Vereinigung verboten wurde.
Bis 1998 gab Herbert Verbeke, danach Germar Rudolf regelmäßig die „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung" als Zeitschrift der VHO heraus. Diese arbeitet eng mit dem amerikanischen Committee for Open Debate on the Holocaust (CODOH) zusammen, das von Bradley Smith und Mark Weber, dem heutigen Leiter des kalifornischen Institute for Historical Review (s.u.) gegründet wurde.
Die VHO hat sich die Verbreitung aller in Deutschland beschlagnahmten und verbotenen Veröffentlichungen von Holocaustleugnern zur Aufgabe gemacht und ist seit 1997 auch mit eigenen Webseiten im Internet vertreten. Sie wurde 2002 von den belgischen Behörden verboten, betreibt ihre Webseite jedoch bis heute weiter: Formell ist diese im Besitz des britischen Verlags Castle Hill Publishers mit Sitz in Hastings, der auch den Buchversand für die VHO übernimmt.
Das Amtsgericht Starnberg ließ 1999 die VHO-Schrift Antwort auf die Goldhagen- und Spielberglügen beschlagnahmen, weil darin mit Bezug auf den Leuchter-Report der Holocaust geleugnet wurde. Daraufhin verbreitete die VHO ein Flugblatt mit dem Titel Holocaust und Revisionismus. 33 Fragen und Antworten zum Holocaust. Es fasste die wichtigsten Behauptungen der Holocaustleugner zusammen und warb für ihre Publikationen; dazu verteilte die VHO seit 2000 auch bestimmte Aufkleber, die u.a. in Baden-Württemberg auftauchten.
Im Umfeld des Pariser Buchladens La Vieille Taupe etablierte sich in den 1960ern eine linksextremistische Szene mit Vertretern wie Pierre Guillaume, Jeune Taupe und Gruppen wie La Guerre Sociale und Revolution Sociale, die den Holocaust vor allem wegen seiner angeblichen zionistischen Instrumentalisierung in Frage stellten. Bis 1980 wurde der Laden zu einem Hauptumschlagplatz für holocaustleugnende Schriften in Europa. Daraufhin grenzten sich linksgerichtete „Negationisten" oft von rechtsextremen direkten Auschwitzleugnern ab, obwohl ihre Argumentationsmuster einander ähneln.
Neben dem bekannten Robert Faurisson gehören eine Reihe meist rechtsextremer, häufig der Front National nahestehende Politiker und Autoren zu Frankreichs Holocaustleugnern, darunter:
Eine Sonderrolle nimmt Roger Garaudy ein, ein früherer prominenter Marxist und Protagonist der französischen 68er, die sich vom Stalinismus abgrenzten. Er trat 1982 dem Islam bei und tritt seitdem mit antizionistischen Schriften hervor, in denen er den Holocaust zu den Gründungsmythen des Staates Israel zählt. Er wurde deshalb - wie weitere der o.g. - auf der Basis des Fabius-Gayssot-Gesetzes vom 13. Juli 1990, das offenen Rassismus und Antisemitismus unter Strafe stellt, 1998 verurteilt. Als Bindeglied zwischen vor allem deutschen, belgischen und französischen Holocaustleugnern fungierte die inzwischen gesperrte französische Webseite der Organisation AAARGH (Association des Anciens Amateurs de Récits de Guerre et d'Holocauste); deren Inhalte werden heute von der belgischen VHO (s.o.) weiter verbreitet.
Am 8. Dezember 2005 sagte Ahmadinedschad in einer Rede im saudiarabischen Mekka laut der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA:
Am 14. Dezember 2005 hielt der Präsident in Zahedan vor Tausenden Zuhörern eine vom staatlichen Nachrichtensender Khabar direkt übertragene Rede. Darin hieß es laut englischer Wiedergabe der Nachrichtenagentur Reuters, die IRNA zitierte:IRNA nach Reuters
Westliche Medien fassten die Aussageabsicht des Redners allgemein so auf, dass der Westen - der hier pauschal als Drahtzieher der Staatsgründung und Protegee Israels vorausgesetzt ist - mit der „Ablehnung“ eines Judenstaates anderswo als in Israel indirekt zugeben würde, dass der Holocaust eben doch eine Lüge sei, die nur dem Staat Israel eine Legitimation verschaffen sollte. Damit hat erstmals ein Staatsführer eines islamischen Landes nicht nur Israels Existenzrecht bestritten, sondern sich auch öffentlich eine zentrale Argumentationsfigur europäischer Holocaustleugner zu eigen gemacht und zudem - und sei es nur rhetorisch im Blick auf den eigenen Anhang - die Deportation der israelischen Bevölkerung verlangt. Dies löste internationale Bestürzung, Empörung und Proteste seitens der UNO, der Europäischen Union und den USA aus. Der israelische Staatspräsident Ariel Sharon forderte dazu auf, den Iran wegen Verletzung der UN-Charta aus der UNO auszuschließen.
Am 16. Januar 2006 gab die iranische Regierung den Plan bekannt, eine internationale Konferenz zum Thema Holocaust in Teheran einzuberufen, zu der vor allem Holcocaustleugner wie Robert Faurisson, David Irving, Horst Mahler und Frederick Thoben eingeladen werden sollen. Historiker wie Götz Aly sehen darin eine gefährliche staatliche Instrumentalisierung der Holocaustleugnung, mit der dieser Ideologie der Anstrich der Wissenschaftlichkeit gegeben werden soll, um Israels Existenzrecht wirksam zu bestreiten. Die Bundesbehörden haben Mahler den Reisepass für fünf Jahre entzogen, um ihn an der Ausreise zur im Iran geplanten Konferenz zu hindern. Die israelische Menschenrechtsgruppe Civil Coalition hat den iranischen Präsidenten am 22. Februar 2005 wegen Holocaustleugnung vor dem Bundesgerichtshof angezeigt.
In einem am 31. Mai 2006 veröffentlichten SPIEGEL-Interview SPIEGEL-Interview mit Ahmadinedjad vom 31. Mai 2006 im Wortlaut bekräftigte Ahmadinedschad auf Nachfragen seine Zweifel am Holocaust: Er frage, ob dieser wirklich geschehen sei und wenn ja, wer die Verantwortung dafür trage. Warum ist es nicht erlaubt, über eine Tatsache zu forschen, die vor 60 Jahren passiert ist? Er verknüpfte dieses angebliche Verbot der Holocaustforschung mit Thesen, das deutsche Volk werde seit 60 Jahren mit unberechtigten Schuldvorwürfen „erniedrigt“, gezwungen, den Zionisten zu dienen und noch 100 Jahre Reparationen an Israel zu zahlen, obwohl die Generationen seit 1945 nicht am Holocaust schuldig seien. Es gebe in der westlichen Geschichtsforschung zwei konträre Meinungen zum Holocaust: Eine Minderheitsposition werde von bekannten „Historikern“ in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Australien vertreten. Er nannte ihre Namen nicht, bestritt aber auch nicht, dass die Personen gemeint waren, die die Interviewer daraufhin erwähnten: David Irving, Ernst Zündel, George Theil, Horst Mahler.
Ahmadinejads Argumentation geht davon aus, ein ergebnisoffener Geschichtsrevisionismus zum Holocaust sei denkbar, unterstellt der westlichen Geschichtsforschung also eine 60-jährige bewusste Fehldeutung und Unterdrückung von vielfach untersuchten und bewiesenen Tatsachen. Egal wie deren erneute Überprüfung ausfiele, steht für ihn fest, dass Israels Existenz in Palästina illegitim ist, da sie entweder durch Schuldverschiebung oder Geschichtsfälschung auf Kosten der Palästinenser zustande gekommen sei. Dies ist aus seiner Sicht ein weiteres Verbrechen in der Tradition westlicher Gewaltkultur, also eine Fortsetzung des bzw. der eigentliche Holocaust.
Der Umgang mit diesen Äußerungen, die Israels historisches und von der UNO bestätigtes Existenzrecht in Palästina und die westlichen Wertegrundlagen an ihrer Wurzel angreifen, ist in der internationalen Öffentlichkeit umstritten. Der Berliner Politikwissenschaftler Hubert Kleinert, ein Parteifreund Joschka Fischers, fordert, Sanktionen der UNO gegen den Iran nunmehr ernsthaft zu erwägen. Ahmadinedschad benutze auf ebenso schlichte und törichte wie zugleich erschreckende Weise die zentralen Argumentationsfiguren der Neonazi-Szene. Hubert Kleinert, Kommentar vom 30. Mai 2006 im SPIEGEL
Seit der Rechtskoalition unter Silvio Berlusconi haben sich auch in Italien Bestrebungen gezeigt, rechtsextremen europäischen Geschichtsrevisionismus mit dem Islamismus stärker zu vernetzen, wobei die Israelfeindschaft das entscheidende Bindeglied ist. Im Dezember 2001 trafen sich - ungestört von Staatsbehörden und weitgehend unbeachtet von westlichen Medien - in Triest dazu einige der international bekanntesten Holocaustleugner zu einer zweitägigen Konferenz. Das Treffen wurde organisiert, nachdem die geplante Konferenz im Libanon im März 2001 dort kurzfristig verboten worden war. Vorbereitet wurde es von der rechtsextremen Vereinigung Nuovo Ordine Nazionale unter Angelo Cauter, der für Nordost-Italien zuständige stellvertretende Sekretär des Movimiento Fascismo e Libertà.
An dieser Konferenz nahmen u.a. teil:
Die Redner versuchten gemeinsam, die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA für ihre revisionistischen Ziele auszunutzen: Ohne die amerikanische Unterstützung Israels, so der Gesamttenor, hätte es keine solchen Anschläge gegeben. Der »angebliche Holocaust« liefere nur die Rechtfertigung für die proisraelische Haltung der US-Regierung. Die islamischen und arabischen Staaten müssten daher die Forschungsarbeit der Revisionisten an ihren Universitäten gebührend * beachten und fördern.
Die CEDADE hatte etwa 1.500 Mitglieder und gab sich lange als reiner Kulturverein aus, der Vegetarismus, Abstinenz, Nichtrauchen und Naturschutz propagierte. Doch ein Hauptanliegen neben der Ausbildung von Funktionären nach dem erklärten „Vorbild der NSDAP" und Eintreten für ein „Europa der weißen Rasse" ist für sie der Kampf gegen die „Auschwitzlüge" und „jüdische Weltherrschaft". Ihre gleichnamige Zeitschrift diente als Kontaktbörse und Versandhandel für Rechtsextremisten in ganz Europa; der Neonazi Erhard Kemper war lange der deutsche „Korrespondent".
Einige CEDADE-Mitglieder wurden 1987 wegen eines gemeinsamen Attentats auf den Franzosen Robert Caplane mit Todesfolge verurteilt; der Beteiligte Javier Rovira-Llor wurde zu 34 Jahren Haft verurteilt.
1989 richtete die CEDADE zum 100. Geburtstag von Adolf Hitler einen Nazi-Aufmarsch in Madrid aus; 1992 lud sie zu einem internationalen Treffen neonazistischer Jugendgruppen auch Manfred Roeder als Schulungsredner ein. Bei einem „Kongress über Meinungsfreiheit" im selben Jahr leugneten geladene „Experten" wie Gerd Honsik, Ernst Zündel, Thies Christophersen, Gaston A. Amaudruz (Schweiz), Léon Degrelle, der Argentinier Horacio Punset sowie erneut Manfred Roeder den Holocaust. Im Gegenzug nahm Pedro Varela an jährlich wiederkehrenden Neonazi-Aufmärschen in Wunsiedel zum Todestag von Rudolf Heß teil.
1993 wurde der CEDADE offiziell aufgelöst, doch ihre Mitglieder setzten ihre Aktivitäten u.a. bei der Partido Popular und im „Proyecto IES" (Instituto de Estudios Sociales, Políticos y Económicos) in Madrid fort.
Pedro Varel, lange Leiter der Gruppe, betreibt heute die Druckerei „Nothung" und die Buchhandlung „Europa" in Barcelona, die auf Schriften von Holocaustleugnern spezialisiert sind. Dort wurden 1996 über 7.000 Werke rechtsextremen Inhalts, vorwiegend in deutscher Sprache, beschlagnahmt. Von dort aus wurden enge Kontakte mit anderen rechtsextremistischen Gruppen wie der Faisceaux Nationalistes Européens in Frankreich, dem portugiesischen Ordem Nova und entsprechenden Gruppen in Ecuador, Uruguay und Bolivien gepflegt.
Spanien war lange Zeit auch Fluchtort für alte und neue Nazis aus anderen europäischen Staaten, die dort strafrechtlich verurteilt waren, so z. B. ab 1994 bis zu seinem Tod für den ehemaligen Wehrmachtsoffizier Otto Ernst Remer.
Harry Elmer Barnes war ein anerkannter Historiker für die Zeit zwischen den Weltkriegen, wandelte sich aber nach 1945 zunehmend zu einem Geschichtsrevisionisten, der die Begründungen für den Kriegseintritt der USA als reine Propaganda darstellte. In diesem Zusammenhang begann er ab etwa 1970, auch den Holocaust zu relativieren. Auf ihn beriefen sich später Holocaustleugner wie James J. Martin (1916-2004) und der US-Kriegsveteran Willis Carto, auch um unter US-Historikern Gehör zu finden.
Das 1978 von dem britischen Rechtsextremisten David McCalden und Willis Carto gegründete kalifornische Institute for Historical Review gilt als „Denkfabrik" des Geschichtsrevisionismus mit internationaler Wirkung, da es sich um Vernetzung der Holocaustleugner bemüht. Es gibt sich als parteiunabhängiges Forschungszentrum aus, vergibt aber keine Forschungsaufträge und gibt keine wissenschaftlich anerkannten Publikationen heraus. Es ist seit 1979 Veranstaltungsort für Kongresse, auf denen Holocaustleugner ihre neuesten Bücher vorstellen und sich untereinander austauschen. Zu den US-amerikanischen Autoren, die dort regelmäßig auftraten oder noch auftreten, gehören:
1979 erregte das Institut mit einer Belohnung von 50.000 Dollar Aufsehen, die es demjenigen zu zahlen versprach, der die Gaskammern von Auschwitz schlüssig beweisen könne. Nachdem der Auschwitzüberlebende Mel Mermelstein diesen Beweis nach juristisch gültigen Kriterien mit Sachdokumenten, einem beglaubigten eigenen Augenzeugnis und Tätergeständnissen führte, weigerte das Institut sich dennoch, ihm die Summe auszuzahlen. Es wurde daraufhin von Mermelstein erfolgreich verklagt und musste an ihn 1985 90.000 Dollar zahlen. Das oberste kalifornische Gericht erklärte im Prozess den Holocaust zu einem unbestreitbaren Faktum.
Das Institut bestreitet in seinen offiziellen Verlautbarungen, den Holocaust zu leugnen, veröffentlicht aber ausschließlich Aufsätze von bekannten Holocaustleugnern oder Geschichtsrevisionisten, die anerkannte Fakten des Holocaust als Übertreibungen, Fälschungen oder Fehldeutungen in Zweifel zu ziehen versuchen. Der gegenwärtige Leiter, Mark Weber, versucht diesen Widerspruch durch eine Umdeutung des Wortes Holocaust auszuräumen:
Die jahrzehntelange unbehelligte Arbeit des Instituts widerlegt die von deutschen Leugnern gern angeführte Behauptung, erst wenn restriktive Gesetzgebung beseitigt sei, könne eine freie Wahrheitssuche zum Holocaust stattfinden. Nach nunmehr 18 Jahren gelang es den am Institut versammelten Holocaustleugnern aus Mangel an Beweisen nicht, den wissenschaftlichen Durchbruch für ihre Geschichtsfälschung zu erreichen. Das Redaktionsteam des anerkannten Journal of American History schrieb 2003, das IHR werde von der US-amerikanischen Historikerzunft geschlossen sowohl fachlich als vollkommen unseriös wie moralisch als antisemitische Kaderschmiede abgelehnt.
Zu den Neonazis in den USA, die als Holocaustleugner auch in Europa aktiv und in Deutschland als Volksverhetzer verurteilt wurden, zählt Gary Lauck.
Deshalb wird innerhalb der anerkannten Historikerzunft darüber gestritten, wie mit den Veröffentlichungen von Holocaustleugnern umzugehen sei. Die Auffassung, dass man sie am besten geschlossen ignorieren sollte, um ihren Behauptungen nicht den gewünschten Anschein einer seriösen Forschung zu verleihen, ist nach wie vor - gerade auch in Deutschland - verbreitet. Dies konnte die Neuauflagen holocaustleugnender Literatur in den 1970er Jahren jedoch nicht stoppen.
Daher versuchten eine Reihe von Historikern das Augenmerk nun verstärkt auf die Methoden und Motive der Holocaustleugner zu richten, ohne auf ihre Inhalte einzugehen, um diese nicht zu legitimieren. Diesen Ansatz repräsentiert z.B. die US-Amerikanerin Deborah Lipstadt, die ein Standardwerk über die Entwicklung der Holocaustleugnung vorgelegt hat. Sie erklärte ihre Ziele wie folgt:
Eine dritte Gruppe konfrontiert die Thesen von Holocaustleugnern mit empirischen Fakten, direkten Gegenargumenten und Aufdecken falscher Schlüsse. Diesen Weg konsequenter Entkräftung von falschen Behauptungen, mit denen der Holocaust in Zweifel gezogen wird, beschreitet z.B. das Nizkor Project in den USA. In Deutschland verfolgt die Webseite Holocaustreferenz eine ähnliche Zielsetzung, während der IDGR stärker die Biografien, politischen Aktivitäten und personellen Verflechtungen des internationalen Netzwerks der Holocaustleugner transparent zu machen versucht.
Seine Arbeit traf jedoch auch auf Kritik: Das Simon Wiesenthal Zentrum warf ihm vor, dass er durch dauernde Beobachtung und Dokumentation manchen Holocaustleugnern erst die Aufmerksamkeit verschaffe, die sie suchten. Andere warfen McVay vor, dass er sich nicht für die Strafverfolgung von „hate crimes" (analog zu Volksverhetzung) einsetze. 1996 sprach sich McVay als Experte vor dem kanadischen Parlament gegen solche Gesetzgebung aus und befürwortete die argumentative Widerlegung der Holocaustleugnung statt ihre Zensur.
Der Chemiker und frühere Holocaustleugner Jean-Claude Pressac hat sich angesichts der historischen Tatsachen von seiner geschichtsrevisionistischen Haltung abgewendet. Er begann seine Untersuchung Auschwitz: Technique and operation of the gas chambers ursprünglich mit der Absicht, die offiziellen Angaben über den Völkermord zu widerlegen und die Behauptungen seiner Gesinnungsvorläufer (vor allem Fred Leuchter) zu stützen. In zehn Jahren sammelte er umfangreiche Beweismaterialien – Korrespondenzen, Bauzeichnungen, Kostenvoranschläge und Gesprächsprotokolle – und wertete sie sorgfältig nach genau überprüfbaren wissenschaftlichen Methoden aus.
Resultat dieser Untersuchung war durchaus eine „Revision“ der bisherigen Holocaustforschung – allerdings in gegenteiliger Richtung. Pressac widerlegte nicht nur die Behauptungen Leuchters, Rudolfs und ihrer Epigonen, sondern lieferte darüber hinaus wertvolle zusätzliche Erkenntnisse über die Technik des Massenmordes durch die Nazis. In seinem folgenden Buch Les Crématoires d'Auschwitz (Paris 1993; deutsch: „Die Krematorien von Auschwitz“, München 1994) untersuchte er die Funktionsweise der Krematorien ebenso akribisch.
Die Holocaustleugner stemmten sich Pressacs Veröffentlichungen vehement entgegen und versuchten mit zahlreichen Gegenschriften, seine Erkenntnisse oder seine Glaubwürdigkeit als Person in Zweifel zu ziehen. Die Bandbreite ihrer Reaktionen reichte von hasserfüllten Drohungen bis hin zur Verfälschung seiner Argumente und Widerlegungen mittels Klitterung, so dass sie scheinbar erneut die Holocaustleugnung stützten. – Der Umgang mit Kritik ist auch sonst nicht einheitlich. Eine beliebte Methode besteht darin, kritische Autoren zu vereinnahmen und ihre Texte ohne ihr Wissen und ihre Erlaubnis zu verwenden. Sie fanden ihre Namen unversehens auf Mitarbeiterlisten in rechtsextremen Publikationen wieder: „Bei uns veröffentlichten bereits folgende Autoren…“. Auch auf diese Weise wird versucht, die eigene Holocaustleugnung als diskussionswürdigen Teil eines „wissenschaftlichen Diskurses“ aufzuwerten.
Am 13. April 1994 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass das Leugnen des Holocausts nicht unter das Grundrecht der Meinungsfreiheit nach Artikel 5, Absatz 1 Grundgesetz falle (Az. 1 BvR 23/94, veröffentlicht in BVerfGE 90, 241). Dabei handele es sich vielmehr
Aber auch die Kritiker des Bundesverfassungsgerichtsurteils kommen durchweg zum Ergebnis, dass die Holocaustleugnung keinen grundrechtlichen Schutz genießt. Sie sehen in der Strafandrohung dafür einen Grundrechtseingriff, halten diesen aber für gerechtfertigt, da die Strafbewehrung zum Schutz höherwertiger Verfassungsgüter diene und Ausdruck tragender, für das Staatsverständnis der Bundesrepublik Deutschland geradezu konstitutiver Wertentscheidungen des Grundgesetzes sei. Genannt wird an erster Stelle die Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) der Opfer des Nationalsozialismus und deren Angehöriger, außerdem das umfassende Bekenntnis des Grundgesetzes zu Frieden und Gerechtigkeit in der Welt (Präambel, Art. 1 Abs. 2 GG, Art. 9 Abs. 2 GG, Art. 26 Abs. 1 GG und viele mehr).
In Österreich wurde David Irving seit 1989 aufgrund eines Verstoßes gegen das Verbotsgesetz mit Haftbefehl gesucht und bei einem Einreiseversuch im November 2005 inhaftiert. Am 20. Februar 2006 wurde er zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Diese ist allerdings noch nicht rechtskräftig, da Irving Berufung eingelegt hat. Er hatte sich in der zweitägigen Verhandlung zu früheren holocaustleugnenden Aussagen bekannt, aber versucht, seine Abkehr davon glaubhaft zu behaupten.
Doch die Holocaustleugnung wirkt fort und hat inzwischen die Generation der „Enkel“ erreicht. Trotz Strafverfahren gegen einige der aktivsten Leugner beeinflussen deren Schriften viele junge Menschen. Rechtsextremistische und neonazistische Veranstaltungen, wo Holocaustleugner Vorträge und Reden halten, werden nicht nur von Kriegsveteranen besucht. Horst Mahler hat einen „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ ins Leben gerufen: Dessen jüngstes Gründungsmitglied ist der Neonazi-Barde Frank Rennicke (Jahrgang 1965). Über das Internet werden holocaustleugnende Schriften nach wie vor noch intensiver als früher verbreitet. Hinzu kommt das baldige Aussterben der letzten Augenzeugen der Vergasungen in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern.
Deshalb erwartet z.B. Germar Rudolf zwar zu seinen Lebzeiten kaum breitere Anerkennung seiner Ansichten, sieht aber die Zukunft des Geschichtsrevisionismus „rosig“, setzt also auf das Vergessen der nachfolgenden jüngeren Generation. Dieses Vergessen geschehener Menschheitsverbrechen wird durch die verbreitete „Schlussstrich"-Mentalität begünstigt. Je weiter die Verbrechen der Nationalsozialisten in die Vergangenheit rücken, desto größer muss die Gefahr eingeschätzt werden, dass Holocaustleugner ihr Handwerk fortführen und ausdehnen. Die Aktualität dieser Gefahr ist seit den Äußerungen des iranischen Präsidenten unübersehbar geworden.
Der deutsche Historiker Hans-Ulrich Wehler setzt daher zwar weiterhin vorrangig auf die argumentative und politische Auseinandersetzung mit Holocaustleugnern, hält aber auch die Anwendung aller rechtlichen Mittel für notwendig, wenn es darum gehe, Gewalttaten zu verhindern, die mit der Holocaustleugnung begründet und dadurch begünstigt werden. Die Neufassung des Straftatbestands der Volksverhetzung sei notwendig geworden, um auch rechtlich gegen Auschwitzleugner vorgehen zu können, nachdem die westdeutsche Justiz die Verfolgung von nationalsozialistischen Straftätern in den 1970er Jahren weitgehend eingestellt hatte.
Auf die Frage, wie diese Strafverfolgung mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu vereinbaren sei, antwortete Wehler in einem Interview:
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