Die Hoechst AG war eines der drei größten Chemie- und Pharmaunternehmen Deutschlands und 1951 als Farbwerke Hoechst AG, vorm. Meister Lucius & Brüning in Frankfurt aus kleineren Betrieben und deren Forschungskapazitäten hervorgegangen.
1999 wurde sie mit Rhône-Poulenc zur Holding Aventis fusioniert. Als Zwischen-Holding der Aventis - die dadurch zum weltweit drittgrößten Pharmakonzern wurde - waren Hoechst-Aktien weitere 5 Jahre bis Ende Dezember 2004 an der Börse notiert. Nach der Übernahme durch die französische Sanofi-Synthélabo 2004 ist der Name Hoechst endgültig verschwunden. Die verbliebenen deutschen Standorte firmieren heute unter dem Namen Sanofi-Aventis.
Die Fabrik stellte zunächst die in der 2. Hälfte der 19. Jahrhunderts so bezeichneten Teerfarben her. Sie waren im Gegensatz zu den damaligen Konkurrenzprodukten kostengünstig aus den Abfallstoffen der Metallverarbeitung zu gewinnen. 1880 wurden aus dem kleinen Unternehmen die Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning AG, die bald mit der Produktion von synthetischen Arzneimitteln bekannt wurden. Der Name lautete fortan einfach Hoechst. Als internationales Unternehmen verzichtete man auf die Verwendungen von deutschen Umlauten.
Die Firma bemühte sich auch um das Wohl ihrer Mitarbeiter. In Höchst und Zeilsheim entstanden Wohnsiedlungen mit billigen Mieten. 1916 war Hoechst Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft Farbenindustrie, aus der 1925 die IG Farben hervor ging.
1962 beschäftigten die Farbwerke Hoechst AG 54.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden DM.
Das Unternehmen hatte mittlerweile international viel Erfolg und expandierte auf den Weltmärkten, doch bald wusste die Unternehmensleitung kaum mehr, wie breit die Palette der produzierten Güter geworden war.
1972 waren 146.300 Mitarbeiter bei Hoechst beschäftigt und erzielten einen Jahresumsatz von 13,6 Milliarden DM.
1990 beschäftigte der Hoechst-Konzern 172.900 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 44,862 Milliarden DM.
In den 90er Jahren wurde das operative Geschäft der Hoechst AG in zahlreiche kleine sowie drei große Unternehmen (Clariant, Celanese, HMR) überführt. Einige Betriebe auf dem Gelände des Hauptsitzes, dem heutigen Industriepark Höchst, wurden dabei teils an andere Nachfolger der IG Farben, wie Bayer, teils auch an Konkurrenten, wie Solvay verkauft. Gleichzeitig wurde das weltberühmte Logo in ein einfaches, schwarzes oder blaues Quadrat geändert.
1999 fusionierte Hoechst mit Rhône-Poulenc zu Aventis. Das fusionierte Unternehmen hatte seinen Sitz in Straßburg und war an der Pariser Börse notiert. Der damalige Vorstandsvorsitzende von Hoechst, Jürgen Dormann, hatte diese Konstruktion befürwortet, da er in der Fusion die einzige europäische Perspektive für Hoechst sah. Die Hoechst AG blieb als Zwischen-Holding erhalten und bündelte alle deutschen Tochtergesellschaften von Aventis. Die Aktie blieb weiterhin in Frankfurt notiert, wurde jedoch nur noch wenig gehandelt, da weniger als 4% außenstehende Aktionäre verblieben waren. Die Marke Hoechst, die traditionell an vielen Apotheken zu sehen war, wurde nach und nach zugunsten des neuen Aventis-Firmenzeichens aufgegeben.
Mitte 2004 fusionierte Aventis mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo. Das neue Unternehmen Sanofi-Aventis wurde zum größten Pharmaunternehmen Europas. Formal war die Übernahme eine Fusion unter Gleichen, tatsächlich war es eine Übernahme, der ein sogenanntes „feindliches Übernahmeangebot“ von Sanofi-Synthelabo vorangegangen war. Obwohl Sanofi-Synthélabo deutlich kleiner als Aventis war, hatte das Unternehmen wegen seines schnellen Wachstums eine hohe Bewertung an der Börse und befand sich in einer relativ sicheren Ausgangsposition, da es mit L'Oréal und Total zwei Großaktionäre hatte, die die Übernahmestrategie unterstützten. Zudem hatte auch die französische Regierung das Fusionsvorhaben begrüßt, um auf diese Weise einen europäischen Champion zu schaffen. Die deutsche Regierung verhielt sich neutral, um mögliche künftige Übernahmen französischer Unternehmen durch deutsche nicht zu gefährden.
Sanofi-Aventis beschloss nach der Übernahme, die verbliebenen Hoechst-Aktionäre abzufinden und die Hoechst AG von der Börse zu nehmen. Auf der letzten Aktionärssitzung von Hoechst am 21. Dezember 2004 in Wiesbaden wurden die restlichen 2 Prozent Aktien von Kleinaktionären an Aventis zu je 56,60 € verkauft. Dieses Ergebnis der zweitägigen Sitzung macht immerhin 600 Millionen € aus. Die gegen den Hauptversammlungsbeschluss angestrengten Anfechtungsklagen wurden im Juli 2005 durch Vergleich beigelegt. Sanofi-Aventis übernahm das gesamte Grundkapital von Hoechst und sagte die für den 29. Juli geplante Hauptversammlung ab. Im Oktober 2005 wechselte Hoechst die Rechtsform von einer Aktiengesellschaft in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Hoechst GmbH ist heute eine Zwischenholding innerhalb der Sanofi-Aventis-Gruppe ohne operative Geschäfte.
Für den größten deutschen Standort von Sanofi-Aventis war die Entwicklung seit Mitte der 90er Jahre vorteilhaft. Im Industriepark Höchst wurden seit 2000 jährlich mehr als 300 Mio. Euro investiert, das ist mehr als in den besten Jahren der Hoechst AG. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg von ca. 19.000 Ende der 90er Jahre auf ca. 22.000 im Jahr 2005.
Die Farbenstraße und der S-Bahn-Haltepunkt Farbwerke erinnern noch heute an den Ruhm der Hoechst AG. Das Unternehmensarchiv wird von der HistoCom GmbH verwaltet, die auch zahlreiche Publikationen zur Unternehmensgeschichte herausgegeben hat. Das Firmenmuseum der Hoechst AG befindet sich im Alten Schloß in Höchst.
Unternehmen (Frankfurt am Main) | Geschichte von Frankfurt am Main | Chemie- und Pharmazieunternehmen | Ehemaliges Unternehmen (Deutschland)
Hoechst AG | Hoechst | Hoechst
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Hoechst AG".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world