Der Freileitungsmast ist eine Konstruktion für die Aufhängung einer elektrischen Freileitung.
Übernimmt der Freileitungsmast eine reine Tragfunktion, so spricht man von einem Tragmast. Freileitungsmaste, an denen Sektionen von Leiterseilen enden, bezeichnet man als Abspannmast. Daneben gibt es noch Abzweigmaste für die Realisierung von Leitungsabzweigen und Endmaste für den Übergang Erdkabel-Freileitung.
Je nach der elektrischen Spannung der Freileitung werden unterschiedliche Freileitungsmasten verwendet.
In Niederspannungsnetzen werden Drehstromsysteme immer als Vierleitersystem (der Mittelpunktsleiter ist stets separater Leiter) ausgeführt. Daneben gibt es auch zweipolige Stichleitungen für die Versorgung einzelner Häuser mit Einphasenwechselstrom.
Aus diesem Grund haben Drehstromfreileitungen für Niederspannung stets 4 Leiterseile, 3 Phasen und 1 Mittelpunktsleiter. Die häufigste Anordnung dieser Leiterseile ist in zwei Ebenen (2 auf der obersten, 2 auf der untersten Traverse). Daneben wird gelegentlich auch die Verlegung in einer Ebene praktiziert. Drehstromfreileitungen im Niederspannungsbereich besitzen meistens nur einen Stromkreis. Wenn zwei Stromkreise auf einen Mast parallel geführt werden sollen, wird meistens die Zweiebenenanordnung gewählt, wobei jede Masthälfte einen Stromkreis trägt. Als Isolatoren werden meistens stehende, seltener hängende Isolatoren verwendet.
Als Maste kommen meistens Holzmaste oder Betonmaste zum Einsatz. Die Verwendung von Stahlrohr- und Stahlfachwerkmasten ist für Freileitungsmaste für Niederspannung eher selten. Häufig werden Niederspannungsfreileitungen auch auf Hausdächern befestigten kleinen Stahlrohrmasten verlegt.
Zweipolige Niederspannungsleitungen haben stets ein Leiterseil für eine Phase und eines für den Mittelpunktsleiter. Sie werden stets in Einebenenanordnung verlegt. Als Masttypen können alle oben genannten Masttypen in Frage kommen. Ebenfalls zweipolige Freileitungen werden gelegentlich für die Speisung von Straßenlampen verwendet, da Beleuchtungskörper stets für zweipolige Stromanschlüsse ausgelegt sind. Diese werden entweder an den Laternenmasten in Höhe der Beleuchtungskörper befestigt oder an Hängekonstruktionen über der Straße, an denen auch die Beleuchtungskörper hängen, geführt.
Oftmals soll die Straßenbeleuchtung in voller und in halber Leistung (Stärke) betreibbar sein. In diesen Fällen muss eine zusätzliche Leitung verwendet werden, so dass ein solches Leitungssystem 3 Leiterseile hat.
Erdseile werden bei Freileitungen für Betriebsspannungen unter 1.000 Volt nicht verwendet.
Als Maste werden meistens Holz-, Stahlrohr- oder Betonmaste (Herstellung im Betonwerk), seltener Stahlfachwerkmaste verwendet.
Daneben können solche Leitungen auch auf Masten für Hochspannung (110 kV), meistens auf der untersten Traverse installiert sein. Grundsätzlich müssen bei Masten, die für mehr als 1 Stromkreis ausgelegt sind, nicht alle Stromkreise beim Bau der Leitung auf denselben installiert werden. Eine nachträgliche Installation fehlender Stromkreise zu einem späteren Zeitpunkt ist weit verbreitet. Als Isolatoren kommen sowohl stehende als auch hängende Isolatoren zum Einsatz. Erstere ermöglichen eine geringere Bauhöhe der Masten, doch ist die Gefahr von Blitzeinschlägen groß. Letztere ergeben eine größere Sicherheit vor Blitzeinschlägen und können größere Lasten tragen.
Erdseile werden bei Freileitungsmasten für Mittelspannungsnetzen nur in Ausnahmefällen verwendet.
Eine Besonderheit bei Freileitungen in diesem Spannungsbereich sind Freileitungsmaste, die auf einer Plattform eine Umspannstation tragen (Masttransformator) und Freileitungsmaste, auf denen ein vom Erdboden aus mit einer langen Stange bedienbarer Trennschalter (Masttrenner) montiert ist.
Fast immer wird ein Erdseil für den Blitzschutz verwendet. Für erhöhte Anforderungen an den Blitzschutz ist die Verwendung von 2 Erdseilen, die entweder an der Oberseite der obersten Traverse, einer Erdseiltraverse oder v-förmigen Erdseilspitzen montiert sind, möglich.
In Deutschland sind Freileitungsmaste für Hoch- und Höchstspannungsleitungen meistens für die Aufnahme von 2 oder mehr Stromkreisen ausgelegt. Für 2 Stromkreise wird in Deutschland meistens der Donaumast, seltener der Tannenbaummast, Tonnenmast oder Mast für Einebenenanordnung verwendet. Bei Masten für mehrere Stromkreise ist es nicht nötig alle Stromkreise beim Bau der Leitung auf den Masten zu installieren. Die Praxis einer nachträglichen Installation einzelner Stromkreise ist weit verbreitet.
Häufig werden auf Freileitungsmasten für 110-kV-Leitungen auch Mittelspannungsleitungen parallel zu diesen geführt. Auch eine Parallelführung von 380-kV-, 220-kV- und 110-kV-Leitungen auf dem gleichen Mast ist üblich. Manchmal erfolgt auch, insbesondere bei 110-kV-Stromkreisen, eine Parallelführung zu Bahnstromleitungen.
Bei Parallelführung zu Hochspannungsleitungen für Drehstrom ist für die Bahnstromkreise meistens eine separate Traverse vorgesehen. Wenn Bahnstromleitungen parallel zu 380-kV-Leitungen geführt werden, muss die Isolation auf 220 kV verstärkt werden, da im Fehlerfall der Drehstromleitung gefährliche Überspannungen auftreten können. Bahnstromfreileitungen werden meistens mit einem Erdseil ausgestattet. In Österreich ist auch die Verwendung von zwei Erdseilen bei Bahnstromfreileitungen üblich.
Bahnstromleitungen können auch auf einer Traverse auf verlängerten Oberleitungsmasten verlegt werden. Diese Art der Verlegung ist für die Speisung von Unterwerken von wechselstrombetriebenen S-Bahnen sinnvoll. Hierbei wird meistens bei zweikreisigen Bahnstromleitungen entlang zweigleisiger Bahnleitungen jeder der beiden Oberleitungsmaste für eine Traverse mit einem Stromkreis ausgerüstet. Gelegentlich kommt auch eine Zweiebenenanordnung beider Stromkreise zum Einsatz. Die sonst bei Bahnstromleitungen gebräuchliche Einebenenanordnung ist, da Oberleitungsmaste einen kleineren Querschnitt haben als übliche Bahnstromfreileitungsmaste für diesen Zweck eher unüblich.
Bei zweipoligen Freileitungen für die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung kann die Leitung zur Erdungselektrode, da sie geerdet ist, die Funktion des Erdseils übernehmen. Sie kann aber auch als zusätzlicher Leiter ausgeführt sein. Freileitungsmaste für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen werden meistens mit einem, manchmal auch mit zwei Erdseilen ausgestattet.
Gittermaste können bei Bedarf demontiert und ggf. an einen neuen Standort wiederaufgebaut werden. Allerdings ist dieses in der Praxis durchaus übliche Vorgehen nur bei Konstruktionen, die sich in guten Zustand befinden, sinnvoll.
Zur Überprüfung der Standfestigkeit von Freileitungsmasten gibt es spezielle Teststationen, in denen Maste aufgebaut werden und die mechanische Festigkeit derselben überprüft werden kann.
Gelegentlich werden auf Freileitungsmasten (insbesondere auf Stahlfachwerkmasten für die obersten Spannungsebenen) auch Sendeanlagen installiert. Meistens sind es Anlagen für den Mobilfunk oder den Betriebsfunk des Energieversorgungsunternehmens, gelegentlich aber für andere Funkdienste. So wurden schon Sendeantennen für UKW-Hörfunk- und Fernsehsender kleiner Leistung auf Freileitungsmasten installiert. Auf dem Tragmast der Elbekreuzung 1 befindet sich eine Radaranlage des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hamburg. Für die Überquerung breiter Täler muss ein großer Abstand der Leiterseile gewählt werden, damit diese auch bei Sturm nicht zusammenschlagen können und einen Kurzschluss verursachen. In diesen Fällen wird gelegentlich für jeden Leiter ein eigener Mast verwendet.
Für die Überquerung breiter Flüsse und Meerengen müssen bei flacher Küstentopographie sehr hohe Masten errichtet werden, da für die Schifffahrt eine große Durchfahrtshöhe nötig ist. Solche Masten müssen mit Flugsicherheitslampen ausgerüstet sein. Sie besitzen häufig auch zur Wartung dieser Anlagen Treppen und mit Geländern versehene Laufstege.
Zwei bekannte Kreuzungen breiter Flüsse sind die Elbekreuzung 1 und Elbekreuzung 2. Letztere verfügt über die höchsten Freileitungsmaste Europas (Höhe: 227 Meter).
Von besonders interessanter Konstruktion sind die Hochspannungsmasten der in den 50er Jahren gebauten Freileitung über die Bucht von Cádiz, Spanien. Bei ihnen handelt es sich um 158 Meter hohe Tragmaste mit einer Traverse, die aus einer kegelstumpfförmigen Fachwerkkonstruktion bestehen.
Die größten Spannweiten bei Freileitung wurden bei der Überspannung des norwegischen Sognefjord (Spannweite zwischen zwei Masten 4597 Meter) und in Grönland bei Ameralik (5376 Meter) realisiert. In Deutschland hat die 1992 errichtete Freileitung der EnBW AG, die das Eyachtal bei Höfen überspannt mit 1444 Metern die größte Spannweite.
Um Freileitungen in steile tiefe Täler hinunterzuführen, werden gelegentlich auch schiefe Freileitungsmaste errichtet. Solche Maste findet man zum Beispiel in den USA am Hoover-Damm. In der Schweiz steht in der Nähe von Sargans ein um 20 Grad gegenüber der Vertikalen geneigter Freileitungsmast der NOK. Auch die beiden höchstgelegensten 380-kV-Freileitungsmaste der Schweiz auf den Vorab sind als um 18 Grad gegen die Vertikalen geneigte 32 Meter hohe Deltamaste ausgeführt.
Manchmal wurden auch die Schornsteine von Kraftwerken mit Auslegern für die Aufnahme von Leiterseilen der abgehenden Leitungen ausgerüstet. Wegen möglicher Korrosionsprobleme durch die Rauchgase sind derartige Konstruktionen sehr selten.
Spezielle Freileitungsmaste, bei denen die Leiterseile in einem Gerüst geführt werden, findet man häufig dort, wo eine Luftseilbahn über eine Freileitung hinwegführt. Sie ermöglichen im Fall einer Havarie der Seilbahn den Weiterbetrieb der Leitung ohne Gefährdung von Rettern und Geretteten.
Quelle: elektroenergietechnik, G. Schwickard, AT Verlag, Aarau, Schweiz, 1979
Freileitungsmaste für Betriebsspannungen über 1kV werden fast ausnahmslos als eigenständige Bauwerke errichtet, obwohl es prinzipiell möglich wäre, sie auch auf Dächern von Häusern, Fabrikhallen oder anderen Gebäuden zu montieren. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Mast 9108 der Bahnstromleitung durch Fulda.
| Mast | Baujahr | Land | Ort | Höhe | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Tragmaste der Perlfluss-Freileitungskreuzung | 1987 | China | 253 m + 240 m | Höchste Freileitungsmaste der Welt | |
| Elbüberspannung Elbekreuzung 2 | 1976-1978 | Deutschland | Stade | 227 m | Höchste Freileitungsmaste in Europa |
| Freileitung über den Sueskanal | 1999 | Ägypten | 226 m | ||
| Freileitung über die Straße von Messina | 1957 | Italien | Messina | 200 m | nicht mehr als Freileitungsmaste genutzt |
| Elbüberspannung Elbekreuzung 1 | 1958-1962 | Deutschland | Stade | 189 m | |
| Bosporus-Leitungskreuzung III | 1999 | Türkei | Istanbul | 160 m | |
| Masten von Cádiz | 1955 | Spanien | Cadiz | bis zu 158 m | Ungewöhnliche Konstruktion |
| Rheinquerung bei Voerde | 1926 | Deutschland | Voerde | 138 m | |
| Tragmaste der Ghesm-Freileitungskreuzung | 1984 | Iran | Straße von Ghesm | 130 m | Ein Mast auf einem Caisson im Meer gegründet |
| NIGRES-Stromleitungsmast an der Oka | 1929 | Russland | bei Nischni Nowgorod | 128 m | hyperbolischerMast |
| Bosporus-Leitungskreuzung I | 1957 | Türkei | Istanbul | ? | |
| Bosporus-Leitungskreuzung II | 1983 | Türkei | Istanbul | ? | |
| Rheinquerung bei Duisburg-Rheinhausen | 1926 | Deutschland | Duisburg-Rheinhausen | 118,8 m | |
| Rheinquerung bei Leverkusen und Köln-Niehl | ? | Deutschland | Leverkusen/Köln-Niehl | ? | |
| Abspannmast im Stausee von Santa Maria | 1959 | Schweiz | Stausee von Santa Maria | 75 m | Abspannmast in einem Stausee |
| Überspannung des Eyachtals | 1992 | Deutschland | Höfen | 70 m | Längste Spannweite einer Freileitung in Deutschland (1444 Meter) |
| Mast 3 der Leitungsanlage 9421 | 1980 | Deutschland | Eislingen/Fils | 47 m | Freileitungsmast, der über einem Bach steht |
| Mast 4ZO251B | ? | Großbritannien | Stalybridge, Cheshire | ? | Wahrscheinlich einziger Freileitungsmast, unter dem man mit einem Boot hindurchfahren kann |
| Mast 9108 | 1983 | Deutschland | Fulda | ? | einziger Freileitungsmast für 110 kV, der auf dem Dach eines Gebäudes steht, welches keine Schaltanlage o.ä. ist |
| Pink Pylon | ? | Großbritannien | Ashworth Valley | ? | Mast, der für den Film „Among Giants“ 1998 rosa gestrichen wurde, 2003 abgerissen |
| Überspannung des Sognefjords | ? | Norwegen | Sognefjord | ? | 4597 Meter lange Fjordüberspannung |
| Überspannung des Fjords von Ameralik | ? | Grönland | Ameralik Fjord | ? | 5376 Meter Fjordüberspannung (Stromleitung mit längster Spannweite |
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Freileitungsmast".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world