Hochbegabung bezeichnet in der Psychologie ein deutlich über dem Durchschnitt liegendes Maß an Begabung. Als hochbegabt gelten jene Menschen, die in einem Intelligenztest einen IQ von 130 oder mehr [ - Stiftung für hochbegabte Kinder - FAQ ] erreichen.
Dieser Artikel behandelt die intellektuelle Hochbegabung, von der es wiederum verschiedene Sorten [ - Wissen & Bildung ] gibt.
IQ curve.pngen (x-Achse) Hochbegabter betragen 130 oder mehr. Die einzelnen Farben stehen für die verschiedenen Intelligenzstufen.]]
Definition
Als hochbegabt gelten im wissenschaftlichen Sinne alle Personen, die in einem Intelligenztest einen IQ erreichen, der nur von 2-3 % [ - DGhK ] der Gesamtbevölkerung erreicht wird. In Deutschland gibt es allein rund 300.000 hochbegabte Kinder. [ Menschenskinder: Schule und Lernen ]
Zu unterscheiden ist die umfassendere Verwendung des Begriffs, bei der Personen, die in einem bestimmten Bereich hohe Leistungen erzielen, als hochbegabt oder talentiert bezeichnet werden, beispielsweise Musiker, Schachspieler und andere.
Hochbegabung als Begriff ist, wie auch die Intelligenz, ein hypothetischer Konstruktbegriff, deswegen hängen die Definitionen von der jeweiligen theoretischen Bezugsbasis ab. Während schon die Definition der Intelligenz nicht unproblematisch ist, wird diese Schwierigkeit noch verstärkt, wenn man diese über den Intelligenztest mit Hilfe einer eindimensionalen Maßzahl auch noch messbar machen möchte.
Das Phänomen Hochbegabung und seine mediale Rezeption ist stark werte-, norm- und konventionsgebunden; sie wird daher nicht nur von der Gesellschaft geprägt, sondern von dieser auch instrumentalisiert.
Begabung ist, alles in allem, keine Krankheit oder Behinderung. Hochbegabte Kinder sind allerdings auch keine „besseren“ Kinder. Sie brauchen aber, um sich harmonisch und glücklich entwickeln zu können - genauso wie jedes andere Kind auch - eine Förderung, die ihren Bedürfnissen gerecht wird. [ DGhK ]
Hochbegabte Kinder
Indizien bei Hochbegabung eines Kindes
Besonders begabte Kinder sind in manchem anders als ihre Altersgenossen. Das kann - muss aber nicht - zu Schwierigkeiten führen. Manchmal ist allerdings leider erst das Auftreten von Auffälligkeiten der Ausgangspunkt für das Erkennen einer Hochbegabung.
[ DgHK ]
Da der IQ-Test aufwändig ist, zieht man verschiedene Indizien zur Identifizierung von Hochbegabung bei Kindern bereits im Kleinkindalter heran. Die Ausprägung bestimmter Fähigkeiten deute hier auf überdurchschnittliche Intelligenz. Jede dieser Eigenschaften lässt sich auch durch Temperament, Charakter oder soziale Herkunft erklären; in der Häufung mag jedoch eine gewisse Indikation liegen. Genannt werden folgende Eigenschaften:
- Das Kind besitzt einen großen Wortschatz, eine sehr elegante Sprache und Ausdrucksfähigkeit. Es beginnt schon früh, diese zu entwickeln.
[ Wissen & Bildung ]
- Es lernt früh lesen. Jedoch gibt es auch Kinder, die sehr früh lesen und nur einen IQ von 82 haben und umgekehrt hochbegabte Kinder, denen das Lesen und Schreiben lernen sehr schwer fällt, da sie Legastheniker sind. Das frühe Lesen mag früher für Hochbegabung kennzeichnend gewertet worden sein, kann heute jedoch nicht mehr als indikative Eigenschaft herangezogen werden, da auch viele nicht-hochbegabte Vorschulkinder bedingt durch die vielfältige Konfrontation mit geschriebener Sprache in unserer Kultur auch schon früh lesen können.
- Das Kind liest viel und vor allem Bücher, die deutlich über seine Altersstufe hinausgehen
[- Hochbegabtenförderung e.V. ] (das Lesen ist nach dem Stand der aktuellen Hirnforschung eine der schwierigsten Beschäftigungen für das Gehirn).
- Die erfolgreichen Hochbegabten haben sehr gute Resultate in der Schule.
- Das Kind zeichnet sich durch genaue Beobachtung aus.
- Auffällig ist eine ausgeprägte Wissbegierde.
[ Wissen & Bildung ]
- In Sachen Fantasie und Konzentration ist das Kind seinen Altersgenossen überlegen.
[ Wissen & Bildung ]
- Es beschäftigt sich auch mit Themen für Erwachsene wie z. B. Philosophie, Gerechtigkeit, Leben/Tod, Politik, Wissenschaft etc.
[- Hochbegabtenförderung e.V. ]
- Das Kind ist hochgradig sensibel.
[- Kaskade e.V. ]
- In manchen Bereichen besitzen hochbegabte Kinder ein sehr großes Detailwissen.
[- Hochbegabtenförderung e.V. ].
- Es hat ein starkes Bedürfnis nach älteren Spielgefährten.
[- Hochbegabtenförderung e.V.]
- Hochbegabte haben häufig auch das Gefühl, dass sie und ihre Argumente von ihrer Umwelt nicht verstanden werden.
[- FAQ Hochbegabung/Höchstbegabung]
- Sie fühlen sich von ihrer Umwelt isoliert.
[ DGhK ]
- Manche werden aggressiv, spielen den Clown und stören den Unterricht. Andere – vor allem Mädchen – machen absichtlich Fehler, um „normal“ zu erscheinen oder flüchten sich in Tagträume.
[ Menschenskinder: Schule und Lernen ]
Viele dieser "Indikatoren für Hochbegabung" sind lediglich Mutmaßungen; empirische Belege, dass die o.g. Eigenschaften und Verhaltensweisen Hochbegabte von Nicht-Hochbegabten mit akzeptabler Zuverlässigkeit trennen können, liegen kaum vor. Zudem sind manche der herangezogenen Quellen keine wissenschaftlichen Arbeiten, sodern lediglich Meinungen von Elternverbänden o.ä. oder stammen aus mehr oder weniger seriösen Internetquellen.
Entsprechend der Definition der Hochbegabung können Intelligenztests erwartungsgemäß auch bei Kindern Anhaltspunkte liefern, die ein Heraustreten der Leistungsfähigkeit bezüglich des Alters- oder Entwicklungsdurchschnittes in einer speziellen Disziplin feststellen.
Schwierigkeiten in der Kindergarten- oder Schulumgebung
Schwierigkeiten entstehen, wenn die hochbegabten Kinder dort ständig unterfordert werden. Dies kann sich im Kindergarten oft dadurch zeigen, dass die Kinder unter seelischen Problemen leiden. Diese zeigen sich manchmal im Körperlichen, sie werden z. B. wieder unsauber, haben Kopfschmerzen, Bauchweh, oder weinen, wenn sie in den Kindergarten gehen müssen. In der Schule kommt es oftmals zu Langeweile, die Kinder streiten sich mit den Lehrern oder werden von den Klassenkameraden nicht mehr angenommen. Festzuhalten bleibt, dass Lehrer mit den unterforderten Schülern nicht selten überfordert sind. Die hochbegabten Kinder erkennen durch ihre schnelle Auffassungsgabe, dass sie einigen Lehrern geistig überlegen sind und spielen dies aus. Sinnvoll ist es somit, dass die Lehrer von Hochbegabten eine spezielle psychologische Ausbildung erhalten, um angemessen mit den Kindern umgehen zu können. Ebenso sollten die Lehrer selbst über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügen, um die außerordentlichen Leistungen der Kinder überhaupt bewerten und verbessern zu können. Eine Unterrichtsmethode, die einer allzu deutlichen Unterforderung von Hochbegabten vorbeugt, ist beispielsweise die Methode „Lernen durch Lehren“; insgesamt bleibt dennoch festzuhalten, dass Hochbegabte meist weniger Probleme haben als weniger intelligente gleichaltrige Mitschüler (vgl. dazu die unten zitierte umfangreiche Marburger Längsschnittstudie von Rost).
Underachievement (schwache Leistung)
Das
Phänomen der Minderleistung ist der große Unterschied bei manchen Hochbegabten zwischen geistigen Fähigkeiten gemäß IQ und intellektuellen Leistungen im wirklichen Leben. Wer einen IQ von über 130 erreicht und bei der Schulleistung unter Prozentrang 50 zu finden ist, ist ein sogenanntes Underachiever-Kind. Die Minderleistung muss aber mindestens über 1-2 Jahre vorhanden sein, ansonsten kann ein negativer Lehrereinfluss nicht ausgeschlossen werden. Festzuhalten bleibt, dass Underachievement sich nicht nur bei Hochbegabung, sondern bei jeder beliebigen Intelligenzausprägung finden lässt.
Hochbegabte Kinder werden als solche keineswegs immer erkannt. Obwohl die weit überwiegende Mehrzahl von ihnen, wie zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigten, gute bis sehr gute schulische Leistungen erzielen und keine besonderen psychosozialen Probleme haben, gibt es unter ihnen auch die Minderheit der sogenannten Underachiever, die trotz hoher Intelligenz aus verschiedenen Gründen nur schlechte Schulleistungen erbringen, oft psychosoziale Schwierigkeiten haben und Hilfe benötigen.
Das bedeutet im Alltag, dass es hochbegabte Menschen gibt, die sich auf der Realschule, Hauptschule oder sogar der Sonderschule befinden/befanden, oder gar keinen Schulabschluss haben, obwohl sie geistig den meisten Menschen überlegen sind.
Die Gruppe der Underachiever ist nicht einheitlich; oft sind es aber Menschen, die im normalen Schulsystem methodisch nicht zurecht kommen (Unterforderung, "Ausbremsen" durch Lehrer) oder bei denen die Hochbegabung aufgrund einer neurologischen Störung vorliegt (ADS, Asperger-Syndrom etc.). Oft gehen sie sogar von der Schule ab, da sie durch die ständigen Wiederholungen noch weiter unterfordert sind. Underachiever wollen oft nur in den sie interessierenden Bereichen Leistung erbringen (Hyperfocus).
Gründe für dieses Verhalten
Es besteht ein kompliziertes Gefüge aus Persönlichkeits- und Umweltgegebenheiten. Niedrige Motivation kann etwa durch eine niedrige Leistungserwartung der Eltern entstehen oder durch zu niedrige Anforderungen der Lehrer - etwa durch Verweigerung, alltägliche Fragen zu beantworten. Es kann aber auch sein, dass trotz Hochbegabung eine Teilleistungsstörung, wie
Dyskalkulie,
Dyslexie oder
Legasthenie vorliegt und diese besonders schwierige Kombination von Eltern, Lehrern und Betreuern nicht verstanden wird; gerade von ADS Betroffene werden oft als "faul" angesehen, da sie sehr gute Leistungen erbringen können, wenn sie sich in den Hyperfocus bringen können, ansonsten aber "nicht arbeiten". Es gibt keinen Grund, warum die Charaktereigenschaft
Faulheit nicht auch mit intelligenter Hochbegabung einhergehen kann. Da den Hochbegabten Eigenständigkeit und Interesse für tiefergehende Fragen nachgesagt wird, können auch die Wertvorstellungen der Schule nebst Bewertungssystem insgesamt in Frage gestellt werden und dies zu Ablehnung führen.
Förderung hochbegabter Schülerinnen und Schüler
Dem Bedürfnis der hochbegabten Kinder (und ihrer Eltern) nach Förderung wird hauptsächlich von Privatschulen entsprochen, wie zum Beispiel dem
CJD Braunschweig, dem CJD Rostock und dem
CJD Königswinter. Inzwischen gibt es allerdings auch staatliche Schulen, die sich der Begabtenförderung widmen, u. a. seit
2001 das
Sächsische Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen, das
LGH in
Schwäbisch Gmünd, oder die
Internatsschule Schloss Hansenberg. Eine systematische Förderung hochbegabter Kinder findet mittlerweile auch in Rheinland-Pfalz statt. So gibt es bereits seit 2003 in Kaiserslautern eine Hochbegabtenschule und seit 2004 am Gymnasium Gonsenheim die „Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule“, deren erster Jahrgang (insgesamt 18 Kinder) am 28. Januar 2005 ihre ersten Zeugnisse bekommen hat. In Hessen gibt es die Otto-Hahn-Schule, die eine integrative Hochbegabtenklasse mit elf Schülern besitzt (Schuljahr 05/06). In Hamburg gibt es seit Schuljahrsbeginn 05/06 eine „staatlich genehmigte Grundschule mit Maßnahmen zur Förderung besonders begabter Kinder“, die
Private Grundschule Brecht.
In
Österreich gibt es außerdem noch die
Sir-Karl-Popper-Schule am Wiedner Gymnasium in
Wien, sie wurde 1996 gegründet, der erste Jahrgang hat im Schuljahr 1998/1999 in der 9. Schulstufe begonnen und die dann noch verbleibenden Schüler im Jahr 2001/2002 maturiert. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Hochbegabte zu fördern und die Ergebnisse ins Regelschulwesen zu übertragen.
In der Schweiz gibt es seit 1998 die Schule Talenta Zürich. Sie ist (nach heutigem Wissensstand) die weltweit einzige Primarschule (1.-6. Klasse, Alter 6-12), welche ihren Unterricht ausschließlich für hochbegabte Kinder anbietet. Die Eltern müssen für die Aufnahme eine professionelle von außen kommende Abklärung einreichen. Viele der inzwischen über 100 Kinder sind in der Regelklasse mit ihrer Hochbegabung nicht mehr klar gekommen und finden erst nach intensiver Betreuung und stetiger intellektueller Herausforderung wieder schrittweise zu sich selber und ihrer schulischen Leistungsfähigkeit zurück. Die Schule wird seit Beginn wissenschaftlich begleitet, ist eine rein private Aktivität und wurde als gemeinnützige non profit-Organisation anerkannt.
In der DDR gab es eine Reihe von Spezialklassen oder Schulen, deren Schüler ab der Gymnasialstufe nach mathematisch-naturwissenschaftlicher Begabung auswählt wurden. Die bekannteste davon befand sich in Kleinmachnow. Teilweise wurden diese Klassen wissenschaftlich von dem Institut für Jugendforschung der Universität Leipzig begleitet.
Schülerakademien wie die Deutsche SchülerAkademie oder die Hessische Schülerakademie und andere Förderkurse in den Schulferien ergänzen und vertiefen das Bildungsangebot der allgemeinbildenden Schulen und sind eine wirkungsvolle Herausforderung für hochbegabte Schülerinnen und Schüler, für die ein auswärtiger Schulbesuch in Spezialschulen nicht in Betracht kommt.
Förderungsmaßnahmen
Gemäß dem Interpretationsspielraum dieser Tests ergeben sich unterschiedliche Ansätze, mit der vermuteten Hochbegabung bei Kindern umzugehen. Zum einen bietet sich eine gezielte Förderung im Bereich der Hochbegabung an, um die volle Entwicklungsmöglichkeit des Kindes auszuschöpfen. Zum anderen besteht die Gefahr, der Vernachlässigung anderer für das Kind oder den gesellschaftlichen (auch schulischen) Erfolg des Kindes wichtiger Leistungsbereiche. Umgekehrt fallen Kinder mit einer Hochbegabung in einem Leistungsteilbereich manchmal durch Minderbegabung oder Minderleistung trotz normaler Begabung in anderen Teilbereichen auf.
Beratung und Unterstützung für hochbegabte Kinder
Hilfe und Beratung bei Fragen zur Hochbegabung können neben sachkundigen
Psychologen, insbesondere Schulpsychologen, auch private Vereine geben. Der älteste und weitaus mitgliederstärkste Verein in Deutschland zu dieser Thematik ist die "Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V." (
DGhK). Im Hochbegabtenverein
Mensa bieten hauptsächlich gleichfalls hochbegabte Erwachsene Beratung und Treffen an.
Vertiefung und Ergänzung des schulischen Bildungsangebots in Form von Ferienkursen bieten die
Schülerakademien.
Eine umfangreiche Datenbank mit deutschlandweiten Beratungsadressen verschiedener Institutionen und Initiativen hält die Karg-Stiftung bereit. Sie ist hervorragend regional gegliedert und damit eine echte Suchhilfe.
Hochbegabte Erwachsene
Hochbegabte Erwachsene finden in den Vereinen wie z. B.
Mensa oder Intertel Gleichgesinnte, wenn sie zu den begabtesten zwei (Mensa) bzw. einem Prozent der Bevölkerung gehören. In Deutschland umfasst diese Zielgruppe also gut 1,6 Millionen Menschen.
Mediale Rezeption und Vorurteile
Widerlegtes Vorurteil über Hochbegabte
Lombroso und Lange-Eichbaum gingen davon aus, dass Hochbegabte eher verrückt seien als normal Begabte, sie also häufiger einer
Psychose im Sinne des Psychopathologischen erleiden würden. Dergleichen wird immer noch in populistischen Sprüchen an Stammtischen vertreten.
Diese Meinung gilt als widerlegt.
Heute geht man von dem Gegenteil aus, Hochbegabte gelten als psychisch belastbarer, sind aber allzu oft auch größeren Belastungen ausgesetzt. Es zeigt sich auch immer wieder eine Korrelation zwischen hoher Intelligenz und sozial kompetentem Verhalten. Dies bedeutet, dass sehr intelligente Menschen oftmals weniger aggressiv sind (sie können sich bei einem Streit besser verbal wehren und schlagen eher nicht zu), sich sozialer verhalten (zumindest moralischer urteilen) und beliebter als normal Begabte sind.
Zum einen wird ein leicht umgekehrt u-förmiger Zusammenhang angenommen, nach dem Minderbegabte (ungefähr IQ < 90) eher unbeliebt, Normalbegabte relativ beliebt (90< IQ <130), Hochbegabte (130< IQ <150) sehr beliebt und Höchstbegabte (IQ >150) eher unbeliebt seien. Dies könne man sich so erklären, dass begabtere Menschen sehr empathisch sind, sich in andere hinein versetzen können und sich so im sozialen Gefüge besonders gut zurecht finden. Da die Höchstbegabten besonders durch ihre schnelle Auffassungsgabe und ihre oft einzelkämpferische Art auffallen, werden sie oft ausgegrenzt und könnten sich durch viele Zurückweisungen durch Gleichaltrige zu schwierigen Außenseitern verändern.
Andererseits ist festzustellen, dass Hochbegabung wohl erst dann überhaupt ein Thema wird, wenn soziale Inkompatibilitäten zutage treten. Das extreme Verhältnis zwischen der Anzahl der Mitglieder sogenannter High-IQ-Vereine und den in der Bevölkerung angeblich „prozentual“ vorhandenen entsprechenden IQ-Werten verdeutlicht dies ganz extrem, da die Anzahl der sogenannten High-IQ-Societies stets weit unter der Anzahl der laut Angabe qualifizierenden Personen liegt; so zählt Mensa, eine der mitgliederstärksten Organisationen auf diesem Gebiet, weniger Mitglieder als 1 % derjenigen 2 % der Bevölkerung, die den höchsten IQ haben. Es wäre also davon auszugehen, dass der ganz überwiegende Großteil der zur „Hochbegabung“ taugenden Personen weder als solcher erkannt ist, noch bezüglich seiner Motivationen, Strebungen, Probleme oder Erfolge je besonders erforscht wurde.
Andererseits lässt sich aber auch beobachten, dass der Intelligenzkult zu einer überproportionalen Häufung guter Ergebnisse bzw. Prozentränge führt und der Anteil der erfolgreichen Absolventen von z.B. Mensa-Aufnahmetests bei bis zu 50% liegt, obwohl der Zusammenhang zwischen Interesse an Hochbegabung und tatsächlicher Leistung kaum so signifikant sein dürfte. Dies ließe sich u.a. dadurch erklären, dass Intelligenztests in hohem Maße trainierbar sein könnten. Im Allgemeinen geht man jedoch davon aus, dass man seinen IQ nur bis zu seiner persönlichen Höchstgrenze trainieren kann. Es ist anzunehmen, dass nur Menschen am Mensa-Aufnahmetest teilnehmen, die bei sich schon einen hohen IQ vermuten.
Hochleistende
Es gibt viele Schüler oder Erwachsene, (Hochleistende bzw.
Overachiever) die außerordentliche Leistungen in Schule oder Berufswelt erbringen, aber dies deutet nicht unbedingt auf eine Hochbegabung hin. Begabungen können auch auf anderen Feldern als der Intelligenz vorliegen. Durch Fleiß und Ehrgeiz und eine nicht zu niedrige Intelligenz lässt sich viel erreichen. Auch gutes Aussehen gemäß der momentanen Schönheitsvorstellungen kann sich positiv auswirken. Man sagt auch, schöne Kinder würden als intelligenter eingeschätzt. Bei Schulbefragungen zeigte sich immer wieder, dass Kindergärtnerinnen und Lehrer kaum fähig sind, einzuschätzen, wer hochbegabt ist und wer nicht. Meist bezeichnen die Lehrer die Hochleistenden als hochbegabt, aber sie sind es eben oftmals nicht.
Höchstbegabung
LEONARDO.JPG gilt als eines der größten Genies aller Zeiten]]
Von Höchstbegabung spricht man ab einem Intelligenzquotient von 145
[- FAQ Hochbegabung/Höchstbegabung ].
Mit Höchstbegabung befasst man sich im Allgemeinen etwas weniger als mit Hochbegabung, was vielleicht an der größeren Seltenheit dieses Phänomens liegt.
Woran erkennt man nun Höchstbegabte? Die Psychoanalytikerin Phyllis Greenacre hat beobachtet, dass "extrem hochbegabte Personen in der Kindheit häufig von besonders intensiven Gefühlen, Vorstellungen oder Erinnerungen überwältigt wurden. Diese Eindrücke waren so lebendig und stark, dass die Kinder von Staunen, Entsetzen, Ehrfurcht, sogar Ekstase ergriffen wurden, also eine Art spirituelle oder religiöse Erfahrung machten."[ - Jürgen vom Scheidt: Das Drama der Hochbegabten] Ein besonders gutes Merkmal für die Höchstbegabung dürfte also eine enorme Intensität sein, was die Merkmale der Hochbegabung und Greenacres Beobachtung betrifft. Auch ist Intelligenz alleine wohl nicht ausschlaggebend; Kreativität, Fantasie und Intuition sind etwa weitere Faktoren.
Lange-Eichbaums Ansichten
Wilhelm Lange-Eichbaum war es, der darauf hingewiesen hat, dass es einer Verehrergemeinde bedarf, die eine Hochleistung zu der Leistung eines Genies erklärt. Verehrer finden sich leichter, wenn es um keine „normale“ Leistung geht, sondern um etwas Ungewöhnliches, ja geistig „Unnormales“ oder Krankhaftes. Da zwischen der Leistung selbst und ihrer Anerkennung oft ein sehr langer Zeitraum liegt, ergeben sich dadurch zwangsläufig für jede geniale Leistung und jedes Genie Probleme, die oft zu erheblichen sozialen und gesundheitlichen Belastungen führen. Das „verkannte Genie“ wird deshalb oft erst nach seinem Tode das Genie für eine Verehrergemeinde.
Post factum wird eine Hoch-, Höchstbegabung impliziert, deren Vorliegen sich jeder Nachweisbarkeit entzieht - die Einbeziehung historischer Genies in die wissenschaftliche Hochbegabungsdiskussion ist daher methodisch sehr fraglich.
Siehe auch
Quellen
Literatur
- Andrea Brackmann Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel?. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-89002-5.
- Sabine Rohrmann, Tim Rohrmann: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. Diagnostik - Beratung - Förderung . München: Ernst Reinhardt 2005.
- Detlef H. Rost (Hrsg.): Lebensumweltanalyse hohbegabter Kinder. Das Marburger Hochbegabtenprojekt. Göttingen: Hogrefe 1993.
- Detlef H. Rost (Hrsg.): Hochbegabte und hochleistende Jugendliche. Münster: Waxmann 2000, ISBN 3-89325-685-7.
- Jörn R. Sparfeldt: Berufsinteressen hochbegabter Jugendlicher. Münster: Waxmann 2006.
- Aiga Stapf: Hochbegabte Kinder. München: C.H.Beck 2003
- Adele Juda: Höchstbegabung. München: Urban und Schwarzenberg 1953.
- Christa Anderski: Begabte Kinder hoch begaben. Alein-Verlag, Düsseldorf 2003, ISBN 3-936703-05-1
- Ida Fleiß: Hochbegabung und Hochbegabte. Mit Berichten Betroffener. Tectum Verlag Marburg, 2002. ISBN 3-8288-8452-0.
- Manfred Tücke: Schulische Intelligenz und Hochbegabung (2005) Lit Verlag Münster
- Herbert Horsch, Götz Müller, Dr. Hermann-Josef Spicher: Hoch begabt und trotzdem glücklich
- Klaus K. Urban: "Hochbegabungen. Aufgaben und Chancen für Erziehung, Schule und Gesellschaft. Lit-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-8246-2
- Jürgen vom Scheidt: Das Drama der Hochbegabten. Zwischen Genie und Leistungsverweigerung. Mit Selbsttest: Bin ich hochbegabt?, Piper, Oktober 2005, ISBN 3492244955
- Wilhelm Lange-Eichbaum: Genie, Irrsinn und Ruhm. Die geheimen Psychosen der Mächtigen, Komet, März 2000, ISBN 3933366607
Weblinks
Pädagogik | Pädagogische Psychologie | Differentielle und Persönlichkeitspsychologie | Intelligenzforschung
Superdotado | Surdoué