Horace Greeley Hjalmar Schacht (* 22. Januar 1877 in Tingleff (dänisch: Tinglev), Nordschleswig; † 3. Juni 1970 in München) war ein deutscher Politiker, Bankier, Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident.
Ab 1903 nahm er Aufgaben als Leiter des Archivs bzw. des volkswirtschaftlichen Büros der Dresdner Bank wahr, bei der er von 1908 bis 1915 als stellvertretender Direktor angestellt war. 1906 wurde er Mitglied der Freimaurerloge Urania zur Unsterblichkeit. 1914 veröffentlichte er in der Zeitschrift der Loge Zur Freundschaft der Großen Loge von Preußen in der ersten Kriegswoche einen Aufsatz, in dem er betonte, dass die deutsche Freimaurerei niemals überspannte nationalistischen Empfindungen Raum gegeben habe. 1949 wurde er Mitglied der Loge Zur Brudertreue an der Elbe. In den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs leitete er als Dezernent der Bankabteilung des Generalgouvernements im besetzten Brüssel die Errichtung der Notenbank und die Finanzierung der belgischen (Zwangs-)Kontributionen ein.
Von 1915 bis 1922 war er leitender Direktor der Nationalbank für Deutschland und nach deren Fusion mit der Darmstädter Bank bis 1923 Geschäftsführer der Darmstädter und Nationalbank KG. Vom 15. November 1923 bis zu seiner am 22. Dezember 1923 erfolgten Ernennung zum Reichsbankpräsidenten war er Reichswährungskommissar und wirkte maßgeblich an der Entwicklung der Rentenmark mit.
Daneben wurde er am 7. April 1924 Aufsichtsratsvorsitzender der auf seinen Vorschlag zur Unterstützung des schwerindustriellen Exports gegründeten Deutschen Golddiskontbank. Im gleichen Jahre nahm er an den Beratungen der Sachverständigen für Reparationsfragen sowie an der Londoner Konferenz teil und wirkte mit an der Dawesanleihe. Im Jahre 1929 war er Leiter der Delegation zur Reparations-Sachverständigenkonferenz in Paris, in der er u.a. koloniale Forderungen stellte.
Schacht, der im Mai 1926 aus der DDP ausgetreten war, wandte sich - aus seinem monarchischen Selbstverständnis heraus – immer mehr rechtskonservativen Kräften zu. Im Mai 1929 einigte er sich mit Albert Vögler, Fritz Thyssen, Emil Kirdorf und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach darüber, künftig einen nationalkonservativen Regierungskurs durchzusetzen.
1930 trat er, nachem der Reichstag den von den rechten Organisationen DNVP, NSDAP und Stahlhelm sowie der KPD, aber auch von Schacht bekämpften Young-Plan zur Neuregelung der vom Deutschen Reich zu leistenden Reparationen angenommen hatte, vom Amt des Reichsbankpräsidenten zurück.
Im Dezember 1930 lernte er im Hause seines Freundes Emil Georg von Stauß Hermann Göring kennen. Am 5. Januar 1931 lernte er bei einem gemeinsamen Essen von Hermann Göring, Joseph Goebbels und Adolf Hitler kennen, von dem er tief beeindruckt war. 1932 begann Schacht die NSDAP zu unterstützen, ohne jedoch in die Partei einzutreten. So war er einer der Unterzeichner der Eingabe von Industriellen an Paul von Hindenburg mit der Aufforderung, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen und gehörte zum einflussreichen Freundeskreis Himmler. Am 17. März 1933 machten ihn die Nationalsozialisten erneut zum Präsidenten der Reichsbank und er half mit den später berühmten Mefo-Wechseln entscheidend, die deutsche Aufrüstung zu finanzieren.
Schacht war auch Vertreter der Reichsbank im Gremium der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Dort beschwor er seine Kollegen ständig, „Hitler freie Hand im Osten zu geben“. Ebenfalls im Gremium saß sein persönlicher Freund, Sir Montagu Norman, der Gouverneur der Bank von England (Mitglied der Anglo-German-Fellowship) und damit der einflußreichste Bankier in dieser Zeit. Von August 1934 bis November 1937 war er Reichswirtschaftsminister, von Mai 1935 bis November 1937 zugleich Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft. Er führte in London Verhandlungen über die Aussiedlung von Juden, die als Schacht-Rublee-Plan bekannt wurden. Von 1937 bis 1943 ist er Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Am 19. März 1939 erfolgt sein Rücktritt als Reichsbankpräsident aus Protest gegen die Rüstungs- und Finanzpolitik.
1944 wird er als Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler von der Gestapo verhaftet und bis zum Kriegsende in den Konzentrationslagern KZ Ravensbrück und KZ Flossenbürg interniert.
Als Hauptangeklagter der Nürnberger Prozesse (IMT) wird er 1946 von den Alliierten freigesprochen. Der US-Psychologe Gustav M. Gilbert, der alle Angeklagten der Reichsregierung und des Militärs auf ihre Intelligenz hin untersuchte, attestierte Schacht mit einem IQ von 143 den höchsten Intelligenzquotienten unter den Angeklagten.
1947 verurteilt ihn nach Protesten in der Bevölkerung ein Entnazifizierungsgericht in Stuttgart zu 8 Jahren Arbeitslager nahe Ludwigsburg. 1948 geht er in Berufung und wird freigesprochen.
Bereits vor Erscheinen von Keynes' General Theory kam Schacht, ähnlich wie Roosevelt mit dem New Deal, auf die Idee einer staatlich finanzierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, um der ökonomischen Krise mit staatlichen Mitteln entgegenzusteuern.
1953 gründet er in Düsseldorf die Deutsche Außenhandelsbank Schacht und Co., die er bis 1963 vertrat.
Hjalmar Schacht wurde auf dem Ostfriedhof (Martinsplatz) in München bestattet.
Mann | Deutscher | DDP-Mitglied | Bankier | Reichsfinanzen (Personen) | Reichsminister (Deutschland) | Freundeskreis Himmler | Politiker (3. Reich) | Freimaurer (19. Jh.) | Freimaurer (20. Jh.) | Geboren 1877 | Gestorben 1970
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