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MolotovRibbentropStalin.jpg Der Begriff Hitler-Stalin-Pakt bezieht sich auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, der am 23. August 1939 in Moskau von dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop und dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow unterzeichnet wurde. In anderen Sprachen als dem Deutschen werden daher zumeist auch Variationen der Bezeichnung "Molotow-Ribbentrop-Pakt" verwendet.

Inhalt


Der Pakt sah neben den Nichtangriffsklauseln auch die gegenseitige Neutralität im Kriegsfalle der anderen Partei vor.

In einem geheimen Zusatzprotokoll legten die Länder die Aufteilung Nordost- und Südosteuropas in "Interessensphären" für den Fall fest, dass es zu einer „territorial-politischen Umgestaltung“ Osteuropas kommen sollte. Die vier Punkte des Zusatzprotokolls sahen dabei Folgendes vor:

  1. Bei den baltischen Staaten (zu denen auch Finnland gerechnet wurde) sollten diese "Interessenssphären" durch die Nordgrenze Litauens abgrenzt werden, das heißt Lettland, Estland und Finnland sollten im sowjetischen Einflussbereich liegen, Litauen hingegen im deutschen. Die deutsche Erklärung, kein Interesse an den anderen baltischen Staaten zu haben, implizierte dabei einen Kurswechsel um 180°.
  2. Polen sollte längs der Flüsse Narew, Weichsel und San geteilt werden. Die beiden Vertragspartner verständigten sich darauf, dass die Frage "ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre" erst "im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden" könne.
  3. Derweil die Sowjetunion ihr Interesse an Bessarabien (heute Moldawien) bekundete, betonte die Reichsregierung "das völlige politische Desinteresse an diesen Gebieten."
  4. Das Zusatzprotokoll sollte von beiden Vertrag schließenden Parteien "streng geheim behandelt werden".

Das überraschend schnelle Vordringen der Wehrmacht nach dem deutschen Angriff auf den Westen Polens vom 1. September 1939 sowie der sowjetische Einmarsch im Osten Polens am 17. September 1939 machten am 28. September 1939 (dem Tag an dem Warschau gegenüber den Deutschen kapitulierte) Zusatzvereinbarungen zum Hitler-Stalin-Pakt notwendig, um eine Interessenkollision zu vermeiden.

Diese Vereinbarungen wurden in drei geheimen Zusatzprotokollen zu einem Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag festgelegt. Dabei wurde auch Litauen der sowjetischen Interessenssphäree zugeteilt; im Gegenzug erhielten die Deutschen "die Woywodschaft Lublin und Teile der Woywodschaft Warschau". Dies korrigierte die Tatsache, dass aufgrund der großen Eile bei den Verhandlungen zum Hitler-Stalin-Pakt der Fluss Pissa bei der Definition der Teilungslinie vergessen worden war ("Geheimes Zusatzprotokoll" I vom 28. September 1939). Die Vertragsparteien verpflichteten sich des Weiteren darauf, in den beiden Teilen des besetzten Polen "keine polnische Agitation * dulden, die auf die Gebiete des anderen Teiles hinüberwirkt." ("Geheimes Zusatzprotokoll" II vom 28. September 1939). Außerdem wurde vereinbart, dass die deutschen Bevölkerungsgruppen aus der sowjetischen Interessensphäre "sofern sie den Wunsch haben" nach Deutschland umgesiedelt werden dürften und dass die dafür Beauftragten der Reichsregierung diese Umsiedlung unter Billigung der Sowjets mit den "zuständigen örtlichen Behörden" arrangieren würden. Ohne dass die Bevölkerungsgruppen spezifiziert wurden, bezog sich dies vor allem auf Bessarabiendeutsche, Deutsch-Balten und Bukowinadeutsche. Eine sinngemäße Verpflichtung übernahm die Reichsregierung für die in "ihren Interessengebieten ansässigen Personen ukrainischer oder weißrussischer Abstammung" ("Vertrauliches Protokoll" vom 28. September 1939).

In der Literatur werden Bestimmungen der Zusatzprotokolle des Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrags vom 28. September häufig fälschlich als Bestimmungen des ursprünglichen Hitler-Stalin-Paktes vom 23. August ausgewiesen. Dies gilt insbesondere für die Zuordnung Litauens zur sowjetischen Einflusssphäre und für die de facto vereinbarten Zwangsumsiedlungen.

Ziele


Ein späterer Krieg gegen die Sowjetunion war von Hitler bereits beschlossene Sache (Ziel des "Lebensraums"), der Pakt diente dem Dritten Reich dazu, Polen ungestört zu erobern und eine bessere Ausgangslage für den Krieg gegen die Sowjetunion zu erlangen. Wichtig war die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auch aus wirtschaftlicher Sicht, nämlich zur Erlangung von Rohstoffen.

Stalin wollte ebenfalls Land erobern und nahm einen Krieg zwischen Deutschland und den Westmächten gerne in Kauf. Seine Absicht war es, die "imperialistischen" Mächte gegeneinander auszuspielen und am Ende auch Westeuropa erobern zu können. Daher war er sehr schockiert, dass Deutschland im Jahre 1940 unerwartet schnell Frankreich und weitere Länder besetzen konnte. Danach bemühte er sich, mit pünktlichen Lieferungen und Hinnahmen von Paktverletzungen von Hitlers Seite (z.B. deutsche Einmischung in die finnischen Verhältnisse) sich Ruhe zu erkaufen. Man könnte darin die sowjetische Variante der Appeasement-Politik sehen.

Folgen


Der Pakt löste bei den Kommunisten (und auch in anderen Kreisen von Gesellschaft und Politik) in Westeuropa einen großen Schock und Verunsicherung aus, da es sich schließlich um eine Kehrtwende der sowjetischen Politik um 180 Grad handelte. Allerdings wurde von vielen durchaus geglaubt, mit dem Pakt würde der Frieden in Europa gesichert werden – das geheime Zusatzprotokoll war schließlich zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich gemacht worden. In Wirklichkeit war der Pakt geradezu der Startschuss zum Zweiten Weltkrieg, da Hitler sich des sowjetischen Stillhaltens nach dem Angriff auf Polen gewiss war. England und Frankreich bekräftigten kurz vor Kriegsausbruch wiederholt ihre Absicht, Polen im Falle eines deutschen Angriffs durch einen Kriegseintritt zu unterstützen.

Karte_Polen_(1945).png Das Resultat des Paktes war, dass nach der vollständigen Eroberung Polens ungefähr 4 Wochen nach dem Angriff Anfang September (Warschau war bereits am 9. September eingeschlossen) die Deutschen und die Sowjets ihre Grenzen verschieben konnten. Allerdings war die deutsch-sowjetische Demarkationslinie durch eine weitere Vereinbarung vom 28. September 1939 dahingehend abgeändert worden, dass nunmehr auch Litauen in den sowjetischen Interessenbereich fallen sollte, während dafür die Grenze in Polen zu Gunsten von Deutschland von der Weichsel nach Osten an den Bug verschoben wurde. Die neue Westgrenze der Sowjetunion blieb auch nach 1945 erhalten und ist auch heute noch die polnische Ostgrenze.

Als weitere Folge des Paktes stellte die Sowjetunion 1940 an Rumänien ein Ultimatum, infolge dessen sie Bessarabien und den Nordteil der Bukowina (heute Teil der Ukraine) annektierte. Auch die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen wurden 1940 besetzt und der Sowjetunion einverleibt.

Der sowjetische Überfall auf Finnland (Winterkrieg) war ebenfalls eine direkte Folge des Paktes, da Stalin keinerlei Hilfeleistungen oder gar militärische Operationen von deutscher Seite befürchten musste.

Die russische Neutralität und Warenlieferungen waren eine wesentliche Voraussetzung für Hitlers erfolgreiche Westfeldzüge im Jahr 1940.

Am 22. Juni 1941 brach Hitler den Pakt mit dem Angriff auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa).

Die Sowjetunion hat in der Folge stets die Existenz des geheimen Zusatzprotokolls (wegen der darin offenbarten Annexionspläne Stalins) geleugnet, um international – vor allem aber in Osteuropa – ihren Ruf als Befreier und Friedenswahrer aufrechterhalten zu können. Erst im Jahre 1989 wurde der Inhalt der Originaldokumente öffentlich gemacht.

Wirtschaftliche Aspekte


Für das deutsche Reich waren die Rohstofflieferungen aus der Sowjetunion äußerst wichtig, und die Sowjetunion hat ihre diesbezüglichen vertraglichen Verpflichtungen peinlich genau eingehalten. Noch im Frühjahr 1941 wurde der Vertrag erweitert. Die richtige Deutung des sowjetischen Geheimdienstes über die bevorstehende Invasion (Deutsche Handelsschiffe verließen am 20. Juni 1941 sowjetische Häfen, obwohl sie nicht vollständig beladen waren.) wurden von Stalin ignoriert. Bei ihrem Einmarsch in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begegneten die deutschen Truppen sowjetischen Zügen mit Warenlieferungen, welche nach Deutschland exportiert werden sollten.

Stalins Rolle


Stalin ist für den Abschluss dieses Vertrags heftig kritisiert worden, hatte allerdings für seine Entscheidung Gründe, welche zutreffend waren.

  • In der Sudetenkrise 1938 wurde die Sowjetunion vom Westen völlig ignoriert, obwohl sie am System der kollektiven Sicherheit teilnahm und ihre Bereitschaft bekundet hatte, der Tschechoslowakei beizustehen. Zu der Internationalen Konferenz in München wurde die Sowjetunion ebenfalls nicht eingeladen.

  • Stalin überdachte danach seine Rolle neu. Seine geheime Furcht war, dass München grünes Licht für Hitlers Eroberung Russlands war. Als Resultat dieser Revision hielt er im März 1939 auf dem XVIII. Parteitag die Kastanienrede, in der er offiziell am Bündnis mit dem Westen festhielt, aber einen Hinweis einbaute, dass er auch mit Hitler bündnisfähig wäre. In Berlin wurde dieser Hinweis verstanden, aber auch in den übrigen westlichen Hauptstädten.

  • Seit März 1939 liefen zwischen Moskau und Berlin geheime Verhandlungen, bei denen es offiziell um Handelsbeziehungen ging.

  • Mit der zunehmender Krise um Polen bot Stalin erneut seine Bereitschaft an, gemeinsam mit dem Westen eine Allianz gegen Hitler zu bilden. Nach langem Zögern schickten die Westmächte eine Delegation relativ niedrigrangiger Militärs nach Moskau; der Wunsch der Sowjetunion, auf Ministerebene zu verhandeln, wurde abgelehnt. Obwohl die Zeit drängte, reiste die Delegation mit dem Schiff an, was einen erneuten Affront gegen Stalin darstellte, da Chamberlain bei den vorangegangenen Verhandlungen mit Hitler ein Flugzeug als Transportmittel benutzt hatte. Während die sowjetische Delegation vom Volkskommisar für Verteidigung Woroschilow geleitet wurde, schickte die britische Regierung einen Admiral, welcher über keine Kenntnisse der Landkriegsführung verfügte und außerdem keine Verhandlungsvollmachten hatte. Auch auf die entscheidende Frage, wie die Sowjetunion Polen Beistand leisten sollte, wenn die sowjetischen Truppen von der polnischen Regierung keine Durchmarscherlaubnis durch das Land erhalten würden, war diese Delegation nicht vorbereitet.

  • Im Gegensatz zu Hitler war der Westen nicht bereit gewesen, mit Stalin über die territoriale Neuordnung Ost- und Südosteuropas zu verhandeln.

  • Nachdem mit dem Westen keine konkreten Ergebnisse zu erzielen waren, entschloss sich Stalin, die westliche Delegation nach Hause zu schicken und den Pakt mit Hitler abzuschließen.

  • Was für Stalin sicherlich auch eine Rolle spielte, war die Erinnerung an die Niederlage der Sowjetunion 1921 vor Warschau, für die Trotzki ihn verantwortlich gemacht hatte und nach der Polen Teile Weißrusslands und der Ukraine okkupiert hatte. Stalin war nicht der Mann, offene Rechnungen zu vergessen.

Nach 1941


Obwohl Stalin nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion mit dem Westen verbündet war, der ja zur Verteidigung Polens in den Krieg gezogen war, war er fest entschlossen, seine Beute aus dem Pakt mit Hitler zu behalten. So weigerte er sich z. B. strikt, die polnische Exilregierung in London anzuerkennen. Unter dem Druck der Ereignisse gestanden die Westmächte schließlich – wenn auch murrend – Stalin seine Beute, nämlich Osteuropa, zu..

Rückblick


Stalin hatte den Pakt mit Hitler in Betracht gezogen, weil er, wie er in seiner bekannten Rede vom März 1939 sagte, nicht für die anderen die Kastanien aus dem Feuer holen wollte. Letztlich bewirkte er aber mit der Wendung zu Hitler genau das, was er unbedingt vermeiden wollte. Ohne die freie Hand im Osten und die wirtschaftliche Unterstützung der Sowjetunion hätte Hitler kaum die Möglichkeit gehabt Frankreich zu besiegen und dann mit (fast) freier Hand im Westen 1941 die UdSSR mit geballter Macht anzugreifen. So war es schließlich doch die Sowjetunion, welche die Hauptlast des Krieges gegen Hitler trug und die größten Opfer bringen musste.

Siehe auch


Literatur


  • In der kostenlosen bibliographischen Datenbank RussGUS werden zum Hitler-Stalin-Pakt mehrere hundert Publikationen nachgewiesen (Formularsuche / Sachnotationen / 12.3.4.5.2.3.2 ).
  • Schwendemann, Heinrich (1993): Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion von 1939 bis 1941. Alternative zu Hitlers Ostprogramm? Berlin: Akademie-Verlag. Dissertation 1991

Weblinks


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