Der Begriff Historischer Tanz ist parallel zu dem der Alten Musik entstanden. Wie man am Beginn des 20. Jahrhunderts begonnen hat, Alte Musik auf nachgebauten Instrumenten wieder aufzuführen, so hat man fast zeitgleich auch begonnen, alte Tänze nach den schriftlich überlieferten Zeugnissen nachzutanzen. Ein Großteil der überlieferten Tänze sind die Tänze der höheren Gesellschaftsschichten. Aus diesem Grund wird 'Historischer Tanz' oft mit 'Höfischem Tanz' gleichgesetzt. Es existieren jedoch auch zahlreiche Quellen, in denen die Tänze des Bürgertums aufgezeichnet sind (Branles, Country Dances, Kontratänze, Ecossaise, Quadrille etc.). Der Begriff Historischer Tanz hat sich in Abgrenzung zum Volkstanz, dem Zeitgenössischen Tanz und dem klassischen Ballett als Oberbegriff für die europäische Tanzkunst des 15. bis 19. Jahrhunderts inzwischen fest etabliert.
1588 erschien in der französischen Stadt Langres ein Buch mit dem Titel Orchésographie („Die Lehre der Tanzbeschreibung“. Das Druckprivileg ist mit 22. November 1588 datiert). Darin beschrieb der Domherr von Langres Jehan Tabourot (unter dem Pseudonym Thoinot Arbeau) 35 französische Paartänze seiner Zeit. Er gab zu jeder Beschreibung ein Musikbeispiel an, meist einstimmig und dazu nicht immer vollständig. Er begann mit dem ältesten ihm bekannten Tanz, dem „Basse danse“, ließ darauf die Beschreibung weiterer Gesellschaftstänze wie der „Gaillarde“ und der „Branle“ folgen, um dann gegen Ende noch einige Schautänze im Angriff nehmen, wie den Schwerttanz „Les buffons“, den Kostümtanz „La danse des Canaries“ und den lebhaften Solotanz „Morisque“.
Fast gleichzeitig erschienen auch in Italien umfangreiche Tanztraktate, so etwa von Fabritio Caroso (1525/35-1605/20) und Cesare Negri.
Zahlreiche Country Dances finden sich z. B. in der Sammlung von John Playford The English Dancing Master, die zwischen 1651 und 1728 vielfach aufgelegt und erweitert wurde.
Online kann man die Sammlung hier einsehen:
Der französische Tanzmeister Raoul-Auger Feuillet besuchte Ende des 17. Jahrhunderts den Englischen Hof und gab daraufhin 1705 seine Orchesograpie mit Anleitungen zu English Country Dances heraus. Dabei benutzte er ein neues Notationssystem und fügte von ihm selbst entwickelte Tänze hinzu. Die Orchesographie wurde später wiederum ins Englische übersetzt.
Online befindet sich die Orchesographie hier:
In Deutschland erfuhren die Kontratänze nach John Playford besondere Aufmerksamkeit durch die Arbeit von Georg Götsch im Musikheim in Frankfurt an der Oder (1927 - 1942) und auf Burg Fürsteneck (1952 - 1956). Georg Götsch hat 64 Tänze von Playford mit einer leicht verständlichen Tanzschrift versehen und sie mit deutschem Namen in dem Heft "Alte Kontra=Tänze" herausgegeben (Möseler-Verlag, 1950 mit Rolf Gardiner). Ein zweiter Band "Neue Kontratänze" enthielt Tänze aus verschiedenen englischen Quellen (Möseler-Verlag, 1956 mit Rudolf Christl).
Auf den opulenten barocken Bühnen spielte der Tanz zunächst nur eine dekorative Rolle, während der inhaltliche Reichtum und die Vielfältigkeit des Ausdrucks eher durch Bühnenmaschinerie, Musik und Gesang in Szene gesetz wurden. Tanzeinlagen bildeten eine Girlande um die verschiedenen Akte, zu Beginn und am Ende eines Stückes, ohne sich direkt auf dessen Inhalt zu beziehen.
Da sich jedoch Theater und Musik gerade im Tanz zu einer Einheit zusammenfügen lassen, entwickelte sich am Hof des Sonnenkönigs Ludwigs des XIV. der Bühnentanz (Ballett), der zunehmend das sonstige Geschehen auf der Bühne auch inhaltlich einrahmte. Die Tänzer verkörperten dabei kollektive Typen, wie Hirten, Götter, Nymphen etc.
Der Bühnentanz beruhte zwar auf den für den Ballsaal konzipierten Tanzformen und Schrittfolgen, wurde aber durch virtuose Ornamente bereichert und konnte so einen gestischen und mimischen Ausdruck erreichen, der dem eher funktionalen Gesellschaftstanz im Ballsaal kaum mehr ähnelte.
Die Tanzausbildung stand neben anderen Künsten und kriegerischen Fertigkeiten seit jeher auf dem aristokratischen Bildungsplan. Daher standen anfangs neben professionellen Tänzern meist auch talentierte Adlige auf der Bühne.
Ballettmeister wie Pierre Beauchamp, Jean Favier d. Ä. und Jean-Baptiste Lully, 1653 zum compositeur de la musique instrumentale de Roi ernannt, erlangten mit ihren Choreographien, die von zuenehmende professionellen Tänzern ausgführt wurden, grossen Ruhm.
Passamezzo, Saltarello, Moresca, Volta (Tanz)
Basse dance, Schreittanz, Deutscher Tanz
Marche, Branle (Tänze in den Orchestersuiten von Lully und Rameau)
Allemande, Courante, Sarabande, Gigue (die Reihenfolge der Tänze in der deutschen Klaviersuite z.B. bei Froberger und Bach)
Menuett, Gavotte, Bourrée, Passepied, Loure, Forlane, Rigaudon (Tänze in den Orchestersuiten von Bach und Händel, werden oft auch zwischen Sarabande und Gigue in die Klaviersuite eingeschoben)
Ecossaise (Rokoko und Klassik)
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