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Als Hirtenvolk werden Volksgruppen bezeichnet, deren Lebensgrundlage die Viehzucht ist. Sie sind im Gegensatz zu Ackerbauern nicht sesshaft und haben eine nomadische oder halbnomadische Lebensweise. Sie sind dort verbreitet, wo sich kontinuierlicher Ackerbau witterungsbedingt (Kälte, Wassermangel) oder wegen Nährstoffarmut nicht lohnt. Sie lassen von ihren Viehherden bestehend aus Großsäugern (primär Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen) das Gras oder Blätter und Triebe der Gehölze abweiden. Gras ist eine robuste und genügsame Pflanze und wächst auch an Orten, wo der Anbau von Nutzpflanzen kaum möglich ist. Die Hirten bleiben an einem Ort, bis das Futter abgeweidet ist und suchen dann neue Weidegründe auf.

Eine klassische Graslandschaft mit eingeschränkten Möglichkeiten für den Ackerbau ist die Steppe. Geoklimatisch bedingte Steppengürtel ziehen sich südlich des Laubwaldgürtels, nur von Gebirgen (Karpaten, Ural) oder Meeren (Kaspisches und Schwarzes Meer) unterbrochen vom Burgenland bis in die Mongolei. In Nordamerika treten die großen Plains in Südamerika tritt die Pampas an ihre Stelle. Das oberhalb der beiden Waldgürtel (Laubwald und Nadelwald (Taiga)) liegende Gebiet der gras- und moosbewachsenen Tundra ist für rentierzüchtende Hirtenvölker wie Komi oder Samen und ihre Herden ein geeigneter Lebensraum. Aber auch Gebirge und Hochplateaus bieten, z. B. in Vorder- und Mittelasien, den Hirtenvölkern eine Lebensgrundlage. Hirtenvölker gibt es nicht nur in Eurasien, sondern auch im Savannengürtel Afrikas, z. B. die Massai. In Amerika und Australien gibt es keine Hirtenvöker, weil dort bis zur Entdeckung der Kontinente keine domestizierten Großsäuger vorhanden waren.

Geschichte


Die ersten Hirten haben sich mit dem Ende der Eiszeit vor mehr als 12.000 Jahren, vermutlich früher als die Ackerbauern, aus Jägern und Sammlern in der Levante entwickelt. Der schnell folgende Ackerbau verdrängte diese Hirten (Wasser- und Felderkontrolle). Damit besteht zwischen Ackerbau und Viehzucht immer ein Konflikt (Kain-und-Abel-Motiv). Viele eurasische Hirtenvölker der Steppe wurden nach der Domestikation des Pferdes zu berittenen Hirten, die sich ab der Eisenzeit zu Reiternomaden entwickelten. Wenn Hirtenvölker in Regionen eindrangen, in denen Ackerbau betrieben wurde, übernahmen sie oft die Herrschaft und nahmen dann selbst diese Lebensweise an (siehe Mauren). Von geschichtlicher Bedeutung war die Pferdehaltung bzw. die Erfindung des Reitens in den Steppen Eurasiens. Dadurch wurden die Hirten beweglicher. Das hatte in Zeiten der Staatenbildung (die bei Hirtenvölkern eher selten vorkommt) auch militärische Vorteile. So führten die Hirtenvölker der Hunnen im 5. Jahrhundert und der Mongolen im 12. Jahrhundert in geschichtlicher Zeit große Eroberungsfeldzüge durch. Die Gutäer, die vermutlich aus dem Zagrosgebirge stammen und schon um 2190 v. Chr. in Akkad auftauchten können ein noch unberittenes Hirtenvolk gewesen sein. Zu den ersten (vermutlichen) Hirten die einen Ackerbauernstaat mit Hilfe von Pferden eroberten, zählen die Hyksos, die etwa 1650 v. Chr. in Ägypten einfielen.

Liste der Hirtenvölker


Eurasien

Afrika

Ethnologie

 

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