Die Hiragana (平仮名) sind eine japanische Silbenschrift, eine der drei Schriften der japanischen Sprache neben Kanji und Katakana sowie den Romaji. Jedes Hiragana steht entweder für einen Vokal oder einen Konsonanten gefolgt von einem Vokal, mit der Ausnahme des später hinzugefügten Zeichens ん, das einen Nasallaut repräsentiert.
Hiragana werden weiterhin verwendet, um die Lesung schwerer Kanji oder ungewöhnliche Lesungen von Kanji mit kleinen darüber gesetzten Schriftzeichen zu markieren, die sogenannten Furigana.
In japanischen Zeichenwörterbüchern wird mit Hiragana die Kun-Lesung geschrieben, während für die On-Lesung Katakana verwendet werden.
Die Hiragana werden in der 50-Laute-Tafel geordnet, seltener auch traditionell nach dem Iroha-Gedicht.
Hiragana sind die ersten Schriftzeichen, die japanische Schulkinder lernen. Die besseren Grundschulen verlangen, dass die Kinder bereits zur Einschulung die Hiragana beherrschen, weswegen viele Kinder die Hiragana schon im Kindergarten lernen. Kinderbücher sind ganz in Hiragana gehalten oder enthalten nur vereinzelte, einfache Kanji, versehen mit der Lesung in Furigana.
Das Hiragana-Alphabet besteht aus einem Satz von ehemals 50 Zeichen, von denen noch 45 regulär im Gebrauch sind, ein weiteres kam später dazu. Zusätzlich gibt es zwei diakritische Zeichen. Mit dem dakuten ( ゛) wird ein stimmloser Konsonant in einen stimmhaften gewandelt, k→g, t→d, s→z und h→b.
Mit dem handakuten ( ゜) wird ein h in ein p verwandelt. In der Heian-Zeit, als die Hiragana entwickelt wurden, wurden die Konsonanten der H-Reihe mehr wie p ausgesprochen, durch eine Lautverschiebung wurde der Konsonant jedoch immer weiter abgeschwächt. Das handakuten markiert sozusagen die ursprüngliche Aussprache.
Erweitert wird die Silbenauswahl, in dem an die Hiragana der i-Spalte ein kleines ya, yu oder yo angefügt wird. Dadurch wird der Vokal i zu einem j palatalisiert. Die so gebildeten Silben werden im Japanischen als yōon bezeichnet.
Ein kleines tsu っ, genannt sokuon, verwandelt dagegen den folgenden Konsonant in einen Doppelkonsonanten (Gemination). In der Hepburn-Transkription wird dies als doppelter Konsonant geschrieben.
Bei der Wiedergabe von gesprochener Sprache wie Interjektionen werden langgezogene Laute manchmal durch kleine angefügte Vokale repräsentiert (はぁ, ねぇ).
Nach den Schriftreformen 1900 und 1945 werden die Hiragana ゐ wi und ゑ we nicht mehr verwendet. Das う u mit dakuten (ゔ) wurde vor wenigen Jahrzehnten eingeführt, um ein w in Fremdworten darstellen zu können, zum Beispiel im Wort „Venus“ (ヴィーナス). Da Lehnworte meist in Katakana geschrieben werden, wird es bei Hiragana allerdings nicht verwendet.
Die folgende Tabelle listet alle Hiragana und ihre Transkription nach dem Hepburn-System auf. Nicht mehr verwendete Hiragana sind rot markiert.
| Vokale | yōon | ||||||
| あ a | い i | う u | え e | お o | (ya) | (yu) | (yo) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| か ka | き ki | く ku | け ke | こ ko | きゃ kya | きゅ kyu | きょ kyo |
| さ sa | し shi | す su | せ se | そ so | しゃ sha | しゅ shu | しょ sho |
| た ta | ち chi | つ tsu | て te | と to | ちゃ cha | ちゅ chu | ちょ cho |
| な na | に ni | ぬ nu | ね ne | の no | にゃ nya | にゅ nyu | にょ nyo |
| は ha | ひ hi | ふ fu | へ he | ほ ho | ひゃ hya | ひゅ hyu | ひょ hyo |
| ま ma | み mi | む mu | め me | も mo | みゃ mya | みゅ myu | みょ myo |
| や ya | ゆ yu | よ yo | |||||
| ら ra | り ri | る ru | れ re | ろ ro | りゃ rya | りゅ ryu | りょ ryo |
| わ wa | ゐ wi | ゑ we | を o/wo | ||||
| ん n | |||||||
| が ga | ぎ gi | ぐ gu | げ ge | ご go | ぎゃ gya | ぎゅ gyu | ぎょ gyo |
| ざ za | じ ji | ず zu | ぜ ze | ぞ zo | じゃ ja | じゅ ju | じょ jo |
| だ da | ぢ (ji) | づ (zu) | で de | ど do | ぢゃ (ja) | ぢゅ (ju) | ぢょ (jo) |
| ば ba | び bi | ぶ bu | べ be | ぼ bo | びゃ bya | びゅ byu | びょ byo |
| ぱ pa | ぴ pi | ぷ pu | ぺ pe | ぽ po | ぴゃ pya | ぴゅ pyu | ぴょ pyo |
Die Schreibung てぃ für ti (im Gegensatz zu ち chi) kommt bei der Schreibung von Fremdworten in Katakana (ティ) des öfteren vor, bei Hiragana nur in Ausnahmefällen.
Nach den Schriftreformen der Jahre 1900 und 1945 wird Japanisch, zumindest was die Hiragana und Katakana angeht, geschrieben, wie es gesprochen wird. Die drei prominenten Ausnahmen sind die Partikel は, を und へ, geschrieben ha, wo und he, gesprochen wa, o und e. In diesen drei Fällen hat man die historische Schreibung beibehalten, obwohl sich die Aussprache seit dem 8. Jahrhundert verändert hatte.
Schwieriger ist die japanische Orthographie (仮名遣い kanazukai) bei den Okurigana. Oft ist es so, dass ein Kanji mehrere Lesungen hat, und das mehrere Verben mit verwandten Verwendungen mit dem gleichen Kanji geschrieben werden (siehe transitive und intransitive japanische Verben). Um hier den Unterschied zu markieren werden Silben, die noch zum Wortstamm gehören, mit Hiragana ausgeschrieben. Ein Beispiel dafür ist das Paar 乗る noru „einsteigen“ und 乗せる noseru „jmd. an Bord nehmen“. Ohne das eingeschobene せ wären beide nicht auseinander zu halten.
Es gibt jeweils zwei Hiragana für die ji (じ und ぢ) und für zu (ず und づ). Diese beiden sind jedoch nicht untereinander austauschbar. Üblicherweise werden じ für ji und ず für zu verwendet, es gibt jedoch Ausnahmen. Wird eine Silbe erst durch rendaku stimmhaft, wird die ursprüngliche Silbe mit dem dakuten versehen. Beispielsweise wird 血 „Blut“ ち chi gelesen, wenn es allein steht. Im Kompositum 鼻血 „Nasenbluten“ wird die zweite Silbe stimmhaft, also wird es hanaji gelesen und はなぢ geschrieben, das ち wird also beibehalten.
Bei einigen reinjapanisch gelesenen Worten tritt die Silbenkombination chiji oder tsuzu auf, hier wird in der Hiraganaschreibung immer das Schriftzeichen der ersten Silbe mit einem dakuten versehen wiederholt. Beispiele sind chijimeru 縮める / ちぢめる „verkürzen“ und 続く / つづく „andauern“.
Anmerkung: In Computereingabesystemen können ぢ und づ durch die Eingabe von „di“ bzw. „du“ geschrieben werden.
Der chōon (ー), ein Längungsstrich für Vokale, sollte nach den Orthographieregeln nur bei Katakana angewendet werden, allerdings findet man bisweilen Schilder wie らーめん (Rāmen), die sich darüber hinwegsetzen. Auch in der Mangasprache wird diese Regel ignoriert.
Die Silbe ん n steht niemals am Wortanfang.
Die Grasschrift wurde von den Hofdamen in Heian-kyō gepflegt, und auch die literarischen Werke dieser Frauen, wie das Genji Monogatari, sind in Kanji und Hiragana gehalten.
Später wurden die Hiragana auch von Männern übernommen, und Hiragana wurden vor allem für persönliche Aufzeichnungen und Korrespondenz eingesetzt, während offizielle Dokumente in Kanji und Katakana geschrieben wurden.
In der Edo-Zeit entwickelte sich dann eine eigene Literaturgattung, die ganz in Hiragana gehalten war. Sie diente zur Unterhaltung der gewachsenen städtischen Bevölkerungsschicht. Durch Tempelschulen (terakoya) erreichte Japan eine für die damalige Zeit hohe Alphabetisierungsrate, man schätzt, dass um 1850 herum, vor der Öffnung, 50% der Männer und 20% der Frauen Lesen und Schreiben konnten, zumindest Hiragana.
Mit den Schriftreformen 1900 und 1945 erhielt die japanische Sprache dann ihre heutige Form. Die Hiragana wurden die Standard-Schrift für Okurigana und Partikel, während die Rolle der Katakana auf die Transkription und weitere „Sonderaufgaben“ reduziert wurde.
Die Schriftreform aus dem Jahr 1900 hatte noch andere Folgen: Die Kleinschreibung der Silben ya, yu, yo und tsu wurde eingeführt. Die historischen Hiragana waren auch nicht vollständig einheitlich, für viele Silben gab es mehrere Zeichen, die aus unterschiedlichen chinesischen Schriftzeichen abgeleitet waren. Erst im Jahr 1900 wurde das System standardisiert. Die abweichenden Zeichen werden seitdem als Hentaigana (変体仮名) bezeichnet. Im üblichen Schriftgebrauch spielen die Hentaigana keine Rolle mehr, man findet sie allerdings manchmal noch auf den Schildern von Restaurants mit traditioneller japanischer Küche, oder auf handschriftlichen Dokumenten von japanischen Traditionsvereinen.
| Hiragana Unicode.org chart (PDF) | ||||||||||||||||
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | A | B | C | D | E | F | |
| U+304x | | ぁ | あ | ぃ | い | ぅ | う | ぇ | え | ぉ | お | か | が | き | ぎ | く |
| U+305x | ぐ | け | げ | こ | ご | さ | ざ | し | じ | す | ず | せ | ぜ | そ | ぞ | た |
| U+306x | だ | ち | ぢ | っ | つ | づ | て | で | と | ど | な | に | ぬ | ね | の | は |
| U+307x | ば | ぱ | ひ | び | ぴ | ふ | ぶ | ぷ | へ | べ | ぺ | ほ | ぼ | ぽ | ま | み |
| U+308x | む | め | も | ゃ | や | ゅ | ゆ | ょ | よ | ら | り | る | れ | ろ | ゎ | わ |
| U+309x | ゐ | ゑ | を | ん | ゔ | ゕ | ゖ | | | ゙ | ゚ | ゛ | ゜ | ゝ | ゞ | ゟ |
Der Hiragana-Block enthält alle in der modernen Sprache verwendeten Hiragana-Zeichen, inklusive der kleinen Vokale, der Yōon-Kana, das sokuon-tsu, die historischen wi und we. Alle üblichen Kombinationen aus Hiragana und den diakritischen Zeichen dakuten und handakuten existieren ebenfalls als eigenständiges Zeichen, genauso wie das eigentlich nicht verwendete u mit dakuten.
Die diakritischen Zeichen sind zusätzlich als eigenständige Zeichen aufgenommen, U+3099 und U+309A. Durch die Unicode-Kombinationsregeln können so auch Hiragana mit den diakritischen Zeichen versehen werden, wo dies nicht üblich ist. U+309B und U+309C sind nocheinmal die beiden diakritischen Zeichen, diesmal jedoch als eigenständige Zeichen und nicht zur Kombination. Zusätzlich gibt es die bei Zählworten verwendeten kleinen ka und ke, und den Digraph より yori, der manchmal in der senkrechten Schreibweise verwendet wird. U+3040, U+3097 und U+3098 sind nicht belegt, um Platz für mögliche Ergänzungen zu haben.
Japanische Schrift | SchriftzeichenSilbenschrift
Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | היראגאנה | Hiragana | Hiragana | Hiragana | 平仮名 | 히라가나 | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Hiragana | Хирагана | Hiragana | Hiragana | Хирагана | Hiragana | ฮิระงะนะ | Hiragana | 平假名
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