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Hippie :: Hippies
 

RussianRainbowGathering 4Aug2005.jpg Als Hippie (engl. hip = „angesagt“) bzw. im Plural Hippies bezeichnet man Mitglieder einer gegenkulturellen Jugendbewegung, die in den 1960er Jahren entstand und sich an den Lebensstil der Hipster der 1950er Jahre anlehnten. Die ursprünglichen Hippies trugen ihre Kultur 1967 symbolisch zu Grabe, als die Hippiekultur von der Nischenkultur zur Massenkultur wurde und bis in die späten 1970er Jahre, als sie vom Punk abgelöst wurde, die dominante Jugendkultur blieb.

Einen frühen Vorläufer stellen die sog. Scapigliatura dar.

Philosophie


Flower-Power_Bus.jpg Die von San Francisco ausgehende Hippiebewegung stellte die ihrer Meinung nach sinnentleerten Wohlstandsideale der weißen Mittelschicht in Frage und propagierte eine von Zwängen und bürgerlichen Tabus befreite Lebensvorstellung. Im Vergleich zur 68er-Bewegung dominierten dabei stärker individualistische (Selbstverwirklichung) als gesellschaftspolitische Konzepte, teilweise überschnitten sich die Ideale der Bewegungen. Die Idee von einem humaneren und friedlicheren Leben wurde mit dem – oft synonym zur Hippiebewegung verwendeten – Schlagwort Flower power (engl.: „Blumenkraft“) belegt, das 1965 vom US-amerikanischen Dichter Allen Ginsberg geprägt wurde. Diese Ideale wurden versuchsweise in neuartigen, oft ländlichen Kommunen umgesetzt.

Die an Henry David Thoreau geschulte Naturverbundenheit und die Konsumkritik der Hippies führte zur Herausbildung einer eigenen Gegenkultur, die an Ansätze der Lebensreform des ausgehenden 19. Jahrhunderts angelehnt war (vgl. Nacktheit, FKK) und entsprechende Ansätze der Beat Generation (seit den 1940er Jahren) weiterführte.

Gerade in der Spätphase sind die Grenzen zum New Age fließend. Insoweit handelt es sich bei Teilen der Hippiebewegung um ein Übergangsphänomen von den rationalistischen Fortschrittserzählungen der Moderne (z. B. 68er-Bewegung, Sozialismus) hin zur Neo-Mystik der Postmoderne (z. B. New Age, Neuheidentum). Andererseits sind auch viele der frühen Hacker Hippies, wie z.B. Richard Stallman.

Die Hippiebewegung fand einen machtvollen politischen Höhepunkt in der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg und prägte um 1967 das Motto Make love, not war.

Hippies wurden von konservativen Kreisen und dem Mainstream als Gammler, Chaoten und Langhaarige diffamiert, in den Niederlanden auch als Provos. Sie wurden als Aussteiger betrachtet, die sich dem Leistungsprinzip und den bürgerlichen Konventionen und Moralvorstellungen nicht unterwarfen, sondern entzogen, z. B. in Kommunen auf Ibiza, in Indien (Goa) oder auf den griechischen Inseln. Ihnen wurden häufig pauschal politische Bestrebungen wie Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus unterstellt, obwohl die wenigsten Anhänger von negativ gesehenen Bewegungen wie etwa dem Sowjetkommunismus waren.

Oftmals stellten Hippies eine Bohème dar, wie im Viertel Greenwich Village in New York, wo Hippies als Subkultur Orte des Undergrounds schufen. Künstler wie Robert Crumb, Musiker wie John Lennon, Jim Morrison, Aktivisten wie Ken Kesey, Bands wie The Grateful Dead oder Schauspieler wie Peter Fonda zeigen unterschiedliche Facetten der pluralen, heterogenen Hippie-Bewegung.

Kultur


In dieser Kultur etablierte sich ein eigener Musik- und Kleidungsstil. Manche Männer und Frauen trugen wallende Batikgewänder mit bunten Farben und zumeist die so genannten Jesuslatschen an den Füßen. Beliebt waren auch Gegenstände wie Geruchskerzen etc. Hippies schmückten sich zum Zeichen für Frieden und Liebe mit Blumen, einem Attribut, das die Modeindustrie bald verwertete und damit gesellschaftsfähig machte. Sie wurden daher auch „Blumenkinder“ genannt. Männer wie Frauen trugen lange Haare. „Freie Liebe“ und freier Drogengenuss setzten sich durch. Die Psychedelische-Musik, neben Folk der dominante Musikstil der Hoch-Zeit der Hippies in den späten 1960ern, war durch den Drogengenuss der Musiker geprägt.

Ein bekanntes Lied, das direkt auf den Ursprung dieser Kultur und die Blumen Bezug nahm, war der Hit „San Francisco (Be Sure To Wear Some Flowers In Your Hair)“ von Scott McKenzie, der 1967 in Deutschland zwei Monate lang ein Nummer-Eins-Hit war. Vorgänger war der Song „All You Need Is Love“ von den Beatles, der ebenfalls für die Zeit bezeichnend war und sechs Wochen die Hitparade anführte.

Ein berühmt gewordener musikalischer Höhepunkt, der zugleich auch den Beginn der Endphase der nicht kommerzialisierten Hippiebewegung einleitete, war das Woodstock. Geradezu stellvertretend für die Hippie-Ära steht das Musical Hair, das das Zeitalter des Wassermanns ankündigte (Esoterik).

Das musikalische und melodiös eingängigste Paradebeispiel, welches die Emotionen und Auswüchse dieser Ära einfängt, ist wohl das 1967 aufgenomme Album Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band der Beatles. Das Album war ein Gesamtkunstwerk, das Lebensfreude und neuen Zeitgeist ankündigte: „...a splendid time is guaranteed for all.“ Mit ihrer Kommerzialisierung kam es zum Niedergang der Hippiebewegung. Neue soziale Bewegungen bildeten daran anschließend ein gewisses Auffangbecken für Teile der ehemaligen Hippiebewegung seit den 1970er Jahren.

Die neu entstehende Jugendkultur des Punk grenzte sich seit ca. 1977 sehr stark gegen das Innerlichkeitsdenken, die Sanftheit und die Naturliebe der Hippies ab, die sie als verlogen empfand. Viele jugendliche Hippies „konvertierten“ zu der neuen Jugendkultur. Heutzutage gibt es im Zuge der Retro-Kultur wieder Hippies, die ihren historischen Vorbildern nacheifern. Diese sind allerdings oft sogenannte Pseudo- bzw. Modehippies. Die echten neuen (Neo-)Hippies sind Anhänger einer philosophischen Strömung, und auch das Wort ‚Hippie‘ kann als weltanschaulicher und nicht zeitgebundener Begriff verstanden werden. Der Kern der Hippiephilosophie ist totaler, freiheitlicher, pazifistisch-sozialer, toleranter Individualismus. Innerhalb dieser Philosophie sind anarchische Denkweisen ebenso möglich wie naturreligiöse. Die Weltanschauung und der Kleidungsstil wie auch die Lebensweise sind dem Einzelnen selbst überlassen.

Hippies in den Medien


Zu den Filmen, die sich mit dem Lebensstil der Hippies auseinandersetzen, gehören u.a. Easy Rider, Fear and Loathing in Las Vegas, Cheech und Chong, The Big Lebowski, Alices Restaurant oder die Verfilmung der Musicals Hair und Jesus Christ Superstar. In der Literatur stellten Bücher wie Die Pforten der Wahrnehmung oder die Werke Carlos Castanedas Inspirationsquellen der Hippiebewegung dar. Eine bekannte Hippie-Parodie ist der verhaschte Sgt. Floyd Pepper, Bassist und Bandleader der Hausband in der Muppet-Show. Auch die von Dr. Goldzahn geleitete Band selbst ist eine Parodie auf die Musiker der „Flower Power“-Ära - und gleichzeitig eine Hommage an diese.

Literatur


  • Barry Miles: HIPPIES. Collection Rolf Heyne, München 2004, ISBN 3-8991-0225-8
  • Michael G. Symolka: Hippie-Lexikon (Das ABC der Flower-Power-Ära) Lexikon Imprint Verlag, ISBN 3-89602-204-0
  • Roland Zoss: "Saitenstrassen", Musikroman über die Flower-Power-Zeit, Fischer Media, ISBN 3-85681-380-2

Siehe auch


Weblinks


Hippiebewegung | 1960er

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