Hilversum Kultur ist die Bezeichnung für eine in den Niederlanden erstmals auftretende Bevölkerungsgruppe aus der Frühbronzezeit (FBZ). Sie datiert in die Zeit zwischen dem 18. und 9. Jh. v. Chr und wurde an einem Grabhügel in Touterfout-Halve-Mijl in der Region Hilversum (in den Niederlanden) entdeckt.
Am Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts konnte sie durch W. Glasbergen definiert und beschrieben werden.
Demnach definiert sie sich, archäologisch gesehen, aus einer besonderen Form der Bestattung und aus den materiellen Hinterlassenschaften in Form von außergewöhnlichen Keramiktypen. Damit geht sie eine Sonderentwicklung innerhalb der Mittleren Bronzezeit im äußersten Westen Europas, die zu diesem Zeitpunkt eine andere Entwicklung aufweisen.
Sie gliedert sich in drei unterschiedliche Stilstufen auf:
Die Stilstufen "Hilversum" (abgekürzt "HVS"), "Drakenstein" (abgekürzt "DKS") und "Laren" (abgekürzt "LRN").
Neuere Untersuchungen (siehe Anmerkung 1) anhand von 14C-Daten ergaben jedoch, chronologisch gesehen, ein fast gleichzeitiges Auftreten der Stilstufe Hilversum und Drakenstein. Aus diesem Grund werden sie inzwischen wie folgt aufgeteilt:
1. Stufe - HVS 1 (Hilversum)
2. Stufe - HVS 2 (Drakenstein)
3. Stufe - HVS 3 (Laren)
Des Weiteren ist eine Unterteilung der Frühphase HVS 1 in drei Unterphasen möglich, die mit den Großbuchstaben A-C bezeichnet werden:
1. HVS 1A
2. HVS 1B
3. HVS 1C
- Das älteste Datum der Hilversum-Kultur stammt bisher aus Toterfout (GrN 1053): 3580 +/- 130 BP (unkalibriert) und beinhaltet DKS-Keramik.
- Das jüngste Datum stammt aus Benschop (GrN 5356): 2960 +/- 60 BP (unkalibriert) beinhaltet LRN-Keramik.
Damit ist der Zeitrahmen für das absolutchronologische Vorkommen der Hilversum-Kultur gegeben.
- Das älteste Datum für HVS-Keramik stammt ebenfalls aus Toterfout (GrN 50) und wird mit 3450 +/- 100 BP (unkalibriert) angegeben.
In erster Linie wurde sie durch einige Ausgrabungen in Hilversum (Niederlande) lokalisierter Hügelgräber entdeckt. Das Besondere dieser Ausgrabungen lag in der für diese Zeitphase sehr untypischen Bestattung der Toten in Form von Brandbestattungen. Die Asche der Verstorbenen wurde im Anschluss an die Verbrennung in eine Urne gegeben und unter einem Hügel vergraben. Diese Urnen bestanden aus einer Keramik, die bereits Jahre zuvor in Siedlungsstrukturen beobachtet wurden, über deren genauere Datierung man jedoch zunächst nichts wusste. Aufgrund ihrer sehr schlechten Qualität und Machart, dachte man zunächst an eine Datierung in das Ausgehende Neolithikum. Anhand zahlreicher 14C-Daten war es jedoch möglich, die Gräber in die entwickelte Frühbronzezeit (Bronzezeit A2) zu datieren.
Durch zahlreiche weitere Ausgrabungen ist es inzwischen gelungen einige Bronzeobjekte, die als Grabbeigaben mit in die Gräber gelegt wurden, chronologisch genauer zu datieren. Es handelt sich hierbei um kleine Bronzedolche, die typologisch gesehen in den Bereich der sog. "Sögeler Kultur" gestellt werden müssen und damit als weitere Belege für eine Datierung an das Ende der Frühbronzezeit bzw. den Beginn der Mittleren Bronzezeit dienen.
Das Charakteristikum der Keramik der Hilversum-Kultur ist ihre tonnenförmige Kontur und die Verzierung der Gefäße durch unterschiedlich positionierte Schnureindrücke oder plastischen Leisten im oberen Bereich der Gefäßkörper. Die Gefäßwandung ist zumeist über 1cm dick und fällt durch eine starke und grobe Quarzmagerung auf.
Anmerkungen:
(1) Anscher ten, T., Vogelenzang, A Hilversum-1 Settlement, Helinium 29.1, 1990, 44-78.
(2) Hoffmann, S., Die Entstehung und Entwicklung der Mittleren Bronzezeit im Westlichen Mittelgebirgsraum, Bonn (2004).
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