Das Hildebrandslied ist eines der frühesten poetischen Textzeugnisse in deutscher Sprache.
Der Text des Hildebrandsliedes befindet sich auf den Seiten 1r und 76v einer frühmittelalterlichen Pergament-Handschrift, also auf der Vorderseite des Blattes 1 und der Rückseite des Blattes 76. Bei diesen Seiten handelt es sich um die ursprünglich leer gebliebenen Außenseiten des Kodex.
Der Hauptteil des Kodex wurde wahrscheinlich um 830 im Kloster Fulda eher gedankenlos von einer Vorlage abgeschrieben und enthält die in lateinischer Sprache verfassten biblischen Texte Sapientia Salomonis und Jesus Sirach. Das althochdeutsche Hildebrandslied ist offensichtlich ein nachträglicher Eintrag etwa des 4. Jahrzehnts des 9. Jahrhunderts. Die Aufzeichnung bricht ab, weil der Platz auf dem letzten Blatt nicht ausreichte. Oft dachte man in der Forschung an eine Schreibübung, weil die Zeilen auch sehr unterschiedlich ausgeschrieben sind. Der Anlass für die Niederschrift könnte in folgender Tatsache liegen: Das Kloster Fulda erhält in den 40er Jahren des 9. Jahrhunderts Reliquien des Heiligen Quirinus, die aus Ungarn nach Fulda kommen und geographisch wie auch lebenszeitlich an die Zeit der Völkerwanderung erinnern und so vielleicht bei den Schreibern - es handelt sich wohl um zwei - diesen Text wachrufen.
Das Lied wurde von unbekannten Fuldaer Mönchen in althochdeutscher Sprache, jedoch in einer eigentümlichen altsächsisch-bairischen Mischsprache und mit angelsächsischen Schreib-Besonderheiten (w-Rune), aufgezeichnet. Das Stabreimgedicht (Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem) besteht aus Langversen, von denen nur 68 erhalten sind. Die eigentümliche Mischung aus ober- und niederdeutschem Dialekt versucht man damit zu erklären, dass der hochdeutsche Schreiber jener Vorlage das niederdeutsche Lied nur ungeschickt wiedergeben konnte.
Eine erste wissenschaftliche Edition des Hildebrandliedes veröffentlichten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm im Jahr 1812.
Die Handschrift befand sich als Kriegsbeute nach 1945 zeitweilig in den USA, wo unkundige Antiquare eines der beiden Blätter abtrennten und die Handschrift für 1.000 $ verkauft wurde. Es konnte erst 1972 wieder mit dem Codex vereinigt werden.
Es handelt sich also um eine Zweikampf-Situation zwischen Hildebrand und seinem Sohn Hadubrand. Da der Schluss des Textes verloren ist, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob das Ende tragisch gestaltet war. Man kann aber davon ausgehen. Sicher scheint auch, dass der Vater seinen Sohn erschlagen hat - Zeugnis gibt "Hildebrands Sterbelied" in der nordischen Überlieferung der Edda. Auch im deutschen "Jüngeren Hildebrandslied" siegt der Vater. Insgesamt ist die Tragik sicher auch die größere, wenn der Vater seinen Sohn erschlagen hat - er löscht damit seine Familie aus. Eine spätere Variante (entstanden zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert) bietet allerdings eine versöhnliche Variante an: Mitten im Kampf wenden sich die Streitenden voneinander ab, der Sohn erkennt den Vater und sie schließen sich in die Arme. Diese Version endet mit einem Kuss des Vaters auf die Stirn des Sohnes und den Worten: "Gott sei Dank, wir sind beide gesund."
Zeitlich dürfte die Handlung im 5. Jahrhundert einzuordnen sein, als Odoaker gegen den Ostgotenkönig Theoderich den Großen kämpfte. In der germanischen Sage wurde Theoderich dann Dietrich von Bern genannt. Odoaker war Germane (Skire oder Rugier) und hatte im Jahre 476 den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt; daraufhin riefen ihn seine Truppen zum König Italiens (rex Italiae) aus.
Aufgrund der inhaltlichen Ähnlichkeit wird diese Tragödie oft mit dem Schāhnāme, dem iranischen Nationalepos, verglichen. Dieses Epos erreicht seinen Höhepunkt im Kampf zwischen Vater Rostam und Sohn Sohrab. Nachdem Rostam seinem Sohn bei seiner Geburt einen Armreif hinterlässt, um ihn daran erkennen zu können, bekommt er erst nach dem Mord an seinem Sohn dessen Armreif zu sehen. Entweder liegt dem Stoff eine indogermanische Ursage zugrunde oder es muss eine direkte Beeinflussung angenommen werden.
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