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Egypt_Hieroglyphe2.jpg Als (Altägyptische) Hieroglyphen (altgr. ἱερός, hieros: „heilig“; γλύφω, glyphō: „(in Stein) gravieren/ritzen“; davon abgeleitet ἱερογλυφικα γράμματα, hieroglyphika grammata: „die heiligen Schriftzeichen“; ägyptisch zš nj mdw nṯr „Schrift der Gottesworte“) werden die Zeichen des ältesten ägyptischen Schriftsystems bezeichnet. Ägyptische Hieroglyphen sind eine Bilderschrift, die etwa im Zeitraum von 3200 v. Chr. bis 300 n. Chr. in Ägypten und Nubien für die Alt-, Mittel- und Neuägyptische Sprache benutzt wurde. Sie setzt sich aus Lautzeichen (Phonogramme), Deutzeichen (Determinative) und Bildzeichen (Ideogramme) zusammen.

Geschichte und Entwicklung


Frühzeit und Entstehung

Nach der altägyptischen Überlieferung hat Thot, der Gott der Weisheit, die Hieroglyphen geschaffen. Die Ägypter nannten sie daher "(Schrift der) Gottesworte".

Die Anfänge dieser Schrift lassen sich bis in die vordynastische Zeit, das heißt nur wenig später als die sumerische Schrifterfindung, zurückverfolgen. Die ältesten Funde aus der Zeit um 3500 v. Chr. kamen erst vor wenigen Jahren in Abydos aus dem vorgeschichtlichen Fürstengrab U-j zum Vorschein. Die schon voll ausgebildeten Hieroglyphen (Silbenzeichen) befanden sich auf kleinen Täfelchen, die - an Gefäßen befestigt - deren Herkunft bezeichneten. Einige der frühen Zeichen ähneln sumerischen Schriftzeichen, daher ist eine Abhängigkeit nicht ganz auszuschließen, aber auch in umgekehrter Richtung möglich. Diese Frage wird kontrovers diskutiert.

Die Hieroglyphenschrift begann offenbar als Notationssystem für Abrechnungen und zur Überlieferung wichtiger Ereignisse. Sie wurde rasch mit den zu kommunizierenden Inhalten weiterentwickelt und tritt bereits in den ältesten Zeugnissen als fertiges System auf.

Verbreitung

Die ägyptischen Hieroglyphen wurden zunächst überwiegend in der Verwaltung, später für alle Belange in ganz Ägypten benutzt. Außerhalb Ägyptens wurde diese Schrift regelmäßig nur im nubischen Raum verwendet, zunächst zur Zeit der ägyptischen Herrschaft später auch als dieses Gebiet eigenständig war. Um 300 v. Chr. wurden die ägyptischen Hieroglyphen hier von einer eigenen Schrift der Nubier, der meroitischen Schrift abgelöst, deren einzelne Zeichen jedoch ihren Ursprung in den Hieroglyphen haben. Mit den Staaten des Vorderen Orients kommunizierte man in der Regel in akkadischer Keilschrift. Es ist anzunehmen, dass sich die Hieroglyphen wesentlich schlechter zur Wiedergabe fremder Begriffe oder Sprachen eigneten als die Keilschrift. Wie groß der Anteil der Schriftkundigen an der Bevölkerung Ägyptens war, ist unklar, es dürfte sich aber nur um wenige Prozent gehandelt haben: Die Bezeichnung "Schreiber" war lange synonym mit "Beamter". Außerdem gab es in griechischer Zeit in den Städten viele hauptberufliche Schreiber, die Urkunden für Analphabeten ausstellten.

Tradition

Von 323 bis 30 v. Chr. beherrschten die Ptolemäer (makedonische Griechen) Ägypten, die Verwaltungssprache war deshalb griechisch. Dies blieb auch unter römischer und byzantinischer Herrschaft so. Das Ägyptische wurde zu einer Eingeborenensprache. Trotzdem blieb die Hieroglyphenschrift für sakrale Texte und das Demotische für den Alltagsgebrauch in Verwendung. Wie unten erwähnt, verwandelte sich das Hieroglyphische mehr und mehr in eine priesterliche Geheimschrift mit einer Vervielfachung der benutzten Zeichen, ohne das Schriftsystem als solches zu ändern. In dieser Form begegneten interessierte Griechen und Römer dieser Schrift in der Spätantike. Sie übernahmen bruchstückhaft Anekdoten und Erklärungen für Lautwert und Bedeutung dieser geheimen Zeichen und gaben sie an ihre Landsleute weiter (Horapollo). Durch die arabische Eroberung des Vorderen Orients riss der Kontakt Europas zu Ägypten bis zu den späteren Kreuzzügen ab. Die Ägyptische Sprache wurde vom Arabischen verdrängt. Erst in der Renaissance keimte im Westen das Interesse an den Hieroglyphen wieder auf. Den Wissenschaftlern (Athanasius Kircher) standen aber nur die spätantiken Texte und die arabischen Grammatiken des Koptischen, der letzten Sprachstufe des Ägyptischen, zur Verfügung. Dies reichte zur Entzifferung dieser Schrift nicht aus. Besonders die Angaben Horapollos führten die Bemühungen in die Irre. Erst der Stein von Rosette (Raschid) in Ägypten, der während der napoleonischen Expedition gefunden worden war, lieferte die entscheidenden Informationen der Entschlüsselung durch Jean-François Champollion 1822. Auf dieser Stele stand der hieroglyphische Text neben der griechischen Übersetzung und der demotischen Umsetzung.

Schrift


Schriftsysteme

Trotz der zeitlichen Koinzidenz und der theoretisch möglichen Kontakte unterscheiden sich die beiden ältesten Schriftsysteme, das Ägyptische und das Sumerische grundsätzlich: War das Sumerische eine Silbenschrift mit Beibehaltung der Vokale, so verzichteten die ägyptischen Erfinder auf die Vokale (Typisch für eine afroasiatische Sprache). Dies führte zur schriftlichen Vieldeutigkeit, da die meisten Worte drei oder weniger Konsonanten (oder besser: Radikale) besaßen: Das Wort für "Gans" hatte damit denselben Konsonantenbestand wie "Sohn". Eine Gans war schnell gezeichnet und stand fortan für "Sohn", die Gans wurde zum Phonogramm. Um die beiden Wörter trotzdem sicher zu unterscheiden, fügte man oft Deutzeichen (Determinative) ohne Lautwert hinzu. Bei "Sohn" den sitzenden Mann. Die Erweiterung dieses Systems kombinierte die verfügbaren Phonogramme miteinander, oft wiederum durch ein Determinativ ergänzt. Das System der Phonogramme bestand aus einem vollständigen "Satz" aus Zeichen für einen Konsonanten sowie vielen Zwei-, Drei- und wenigen Vier-Konsonanten-Zeichen. Andere Worte ließen sich sehr einfach zeichnen, wie die Sonnenscheibe für Sonne. Diese Zeichen, die meist nicht als Phonogramme verwendet wurden, nennt man Ideogramme (Bildzeichen). Die Vorliebe der Ägypter für klare Formen und die Beschränkung auf das Wichtigste sowie die Anordnung in gedachten Rechtecken führte zu einer der schönsten Schriftformen überhaupt. Sicher wurden die Hieroglyphen von Anfang an nicht nur epigraphisch in Tempeln und Gräbern sondern auch im Alltagsleben verwendet. Diese mit einer Art Borstenpinsel (gekaute Binse) geschriebenen Zeichen mussten deutlich vereinfacht werden, um effektiv einsetzbar zu sein. Trotzdem zeigen die ältesten überlieferten zusammenhängenden Texte, dass die Schreibschrift, das Hieratische, kein anderes System darstellte, auch wenn es später manche Eigenheiten entwickelte, die sich in der Hieroglyphenschrift nicht wiederfinden. Über die 3300 Jahre, in denen Hieroglyphen geschrieben wurden, änderte sich am Schriftsystem nur wenig. Dies wurde auch durch das Einfrieren des Alt/Mittelägyptischen als klassischer Sprache für heilige und offizielle Texte unterstützt. Allein die Tatsache, dass immer weniger Eingeweihte diese Schriftform beherrschten, führte zu einer Abwandlung in eine Art Geheimschrift. Diese war besonders in der griechisch-römischen Zeit beliebt. Ein neues Schriftprinzip stellte um 1000 bis 700 v. Chr. eine weitere Beschleunigung der Schreibschrift dar. In Oberägypten entwickelte sich das Abnormhieratische, in Unterägypten das Demotische, das sich ab der Saitenzeit in ganz Ägypten durchsetzte. Beide Schriftformen fassten hieratische Zeichen zu Gruppen zusammen und änderten die Form so stark, dass eine Umschrift in Hieroglyphen nur noch annäherungsweise möglich ist. Diese Schriftform wurde in christlicher Zeit durch das ergänzte griechische Alphabet, das Koptische ersetzt.

Hieroglyphen

Hieroglyphen sind eine Monumentalschrift. Das Schriftsystem hinter den Hieroglyphen ist auf die Verwendung an Tempel- oder Grabwänden ausgerichtet. Es beinhaltet neben orthografischen Aspekten sehr viele Eigenheiten die sich ausschließlich mit der Schönheit der angebrachten Schrift oder Erfordernissen wie Platzausnutzung erklären lassen. So ist die Schreibung ägyptischer Worte auch innerhalb eines Textes durchaus variabel. Bei der Hieroglyphenschrift handelt es sich trotz der starken Bildhaftigkeit (derer sich die Ägypter bewusst waren), kaum um eine Bilderschrift. Man kann die Hieroglyphen als Schönschrift zur hieratischen Schrift verstehen.

Hieratische Schrift (Alltagsschrift)
Die hieratische Schrift oder die Priesterschrift ist ebenso alt wie die Hieroglyphenschrift. Herodot überliefert, dass sie vorwiegend von Priestern verwendet wurde. Sie ist eine kursive Variante der Hieroglyphenschrift, die zum Schreiben mit einer Binse auf Papyrus oder ähnlich geeignetem Material (wie Ostraka aus Kalkstein oder Ton) gedacht war. Außer für religiöse Zwecke wurde sie auch für weltliche Angelegenheiten genutzt. Die Schrift bildet die gleichen Elemente wie die Hieroglyphen ab. Dadurch, dass sie schnell geschrieben wurde, flossen die Zeichen aber häufiger ineinander und abstrahierten im Laufe der Zeit immer stärker von den bildhaften Hieroglyphen. Hieratisch wird ursprünglich in Kolumnen, später in Zeilen und von rechts nach links geschrieben.

Demotisch
Um 650 v. Chr. wurde eine noch flüssigere und stärker von den Hieroglyphen abstrahierende Kursivschrift, das Demotische, auch Volksschrift genannt, entwickelt. Sie entstand als Kanzleischrift. Ihre Zeichen hängen zusammen und sie wurde zur Gebrauchsschrift in Ägypten.

Schriftrichtung

Die Schriftzeichen können von rechts nach links oder links nach rechts, aber immer nur von oben nach unten, angeordnet werden. Die Zeichen können in Zeilen (horizontal) oder Kolumnen (vertikal) aneinander gereiht werden. Innerhalb einer Zeile oder Kolumne ändert sich die Richtung der Hieroglyphen normalerweise nicht. Die genaue Anordnung unterliegt dabei ästhetischen Regeln. Die Schriftrichtung ist sehr leicht festzustellen, da die Zeichen immer in Richtung Textanfang gewandt sind, also dem Leser „entgegenblicken“. Am deutlichsten sieht man es bei der Darstellung von Tierformen oder Menschen. Die Texte setzen sich aus Substantiven, Verben und anderen Wortarten zusammen, die nach strengen Wortstellungsregeln angeordnet sind. Leerzeichen gibt es nicht. Man erkennt das Ende eines Wortes häufig an dem darauffolgenden Deutzeichen.

Die Ägypter versuchten darüber hinaus, immer in optisch schönen Rechtecken zu schreiben. Beispiel:

Das Wort 'Ptolemäus': p:t-wA-l:M-i-i-s

In modernen Buchstaben:


- valign="middle" border ="0"
P
T
O L
M
J J S

Funktion der Hieroglyphen

Ägyptische Hieroglyphen können die Funktion von Ideogrammen, Phonogrammen oder Determinativen übernehmen. Ein Hieroglyphenzeichen kann dabei je nach Kontext in jede dieser Funktionen treten. Aufschluss darüber, ob und wie ein Zeichen gelesen werden kann, gibt im Zweifelsfall die Zeichenliste der Gardiner-Grammatik, die jedoch nicht vollständig ist.

Glyphe Funktion Bedeutung
-pr:Z1- Ideogramm Haus
-pr- Phonogramm Lautbestand pr
-pr- Determinativ das Haus betreffend

Phonogramme

Phonogramme sind Lautzeichen (Ein-, Zwei-, Drei- oder Mehrkonsonantenzeichen; z.B. R, A, mn, dsch). Sie werden ausschließlich wegen ihres Lautwertes benutzt und haben keinen Bezug zu dem Wort, das sie darstellen. Grundsätzlich gibt es wie im modernen Arabisch keine besonderen Zeichen für Vokale. Dagegen gibt es Zeichen für Konsonanten (Einlautzeichen), auch Zeichen für Silben wie für wu oder wun oder neb (Zwei- oder Mehrlautzeichen). Da die Vokale nicht geschrieben werden, enthält ein hieroglyphisch geschriebenes Wort nur Konsonanten.

Eine Hieroglyphe kann u.U. mehrere verschiedene Lautbestände darstellen. Der konkrete Lautbestand, der durch eine Hieroglyphe dargestellt wird, ergibt sich aus dem Kontext (z.B. dem Determinativ) oder durch eine phonetische Komplementierung.

= Einkonsonantenzeichen – „Alphabet“
= Die einfachsten Zeichen des hieroglyphischen Schriftsystems bildeten 25 Zeichen, die jeweils einen Konsonanten wiedergaben, also eine Art "konsonantisches Alphabet". Es wurde in der Griechisch-Römischen Zeit besonders für fremde Namen benutzt und wird heute auch gerne zur Wiedergabe moderner Eigennamen verwendet. Da die Hieroglyphen eine vokallose Schrift bildeten, werden heute 5 Konsonanten als Vokale ausgesprochen (siehe die Spalte "Moderne Aussprache"). Zu den antiken Lautwerten siehe Mittelägyptische Sprache.

Einkonsonantenzeichen
Zeichen Umschrift Moderne Aussprache Anmerkungen
A 3 a aleph, ein Glottal-Stop,
ägyptischer Geier
Für den Laut "'a" wird das Bild eines Geiers verwendet (Gardiner-Liste G1), genaugenommen ist damit das arabische konsonantische a gemeint.
i ỉ / j i/j Jodh
Schilfrohr
Für den Laut "i" wird das Bild eines Schilfblatts verwendet (Gardiner-Liste M17)
i-i oder y y i doppeltes Jodh
zwei Schilfrohre oder zwei Striche
Für den Laut "j" wird das Bild zweier Schilfblätter verwendet (Gardiner-Liste M17)
a a Ayin, Kehllaut
Arm
Für den Laut "" wird das Bild eines Unterarms verwendet (Gardiner-Liste D36)
w oder W w w/u waw
Wachtelküken oder die Abkürzung dafür
Für die Laute "w" und "u" wird entweder das Bild eines Wachtelkükens oder ein aus der hieratischen Schrift abgeleitetes Zeichen verwendet (Gardiner-Liste G43 )
b b b Bein
Für den Laut "b" wird das Bild eines Beins verwendet (Gardiner-Liste D58)
p p p Hocker oder Matte aus Schilf
Für den Laut "p" wird das Bild eines Weidenhockers verwendet (Gardiner-Liste Q3)
f f f Hornviper
Für den Laut "f" wird das Bild einer Hornviper verwendet (Gardiner-Liste I9)
m m m Eule
Für den Laut "m" wird das Bild einer Eule verwendet (Gardiner-Liste G17)
n n n gekräuseltes Wasser
Für den Laut "n" wird entweder das Bild einer Wasserlinie oder die rote Krone verwendet (Gardiner-Liste N35 oder S3)
r r r Mund
Für den Laut "r" wird das Bild eines Mundes verwendet (Gardiner-Liste D21)
h h h Unterstand aus Schilfrohr
Für den Laut "h" wird das Bild eines Hauses verwendet (Gardiner-Liste O4)
H h emphatisches h (stimmloser pharyngaler Frikativ)
Docht
Für den Laut "h" (arabisches h) wird das Bild eines gedrehten Dochts verwendet (Gardiner-Liste V28)
x ch gutturaler (kehliger) Reibelaut h (stimmloser velarer Frikativ)
ein runder oder kugelförmiger Gegenstand
Für den deutschen Laut "ch" (wie in ach) wird ein rundes, immer ausgefülltes Zeichen verwendet, das möglicherweise (es gibt unterschiedlichste Deutungsversuche) eine Plazenta, ein Wollknäuel oder auch einen Korb (von oben gesehen) darstellen könnte (Gardiner-Liste Aa1)
X ch heller Reibelaut h (stimmloser palataler Frikativ)
Tierbauch mit Schwanz
Für den deutschen Laut "ch" (wie in ich) wird das Bild eines Tierleibs verwendet (Gardiner-Liste F32)
z s s Türriegel
Für den Laut * wie in "reisen" (stimmhaft) wird das Bild eines Türriegels verwendet (Gardiner-Liste O34).
s s s gefalteter Stoff
Für den Laut "s" wie in "Kuss" (stimmlos) wird das Bild eines gefalteten Tuchs verwendet (Gardiner-Liste S29)
S š sch ein Gartenpool
Für den Laut "sch" wird das Bild eines Wasserbeckens verwendet (Gardiner-Liste N39)
q k emphatisches k,
a,
Abhang
Für den Laut "q" wird das Bild eines Abhangs verwendet (Gardiner-Liste N29)
k k k Korb mit Henkel
Für den Laut "k" wird das Bild eines Korbs verwendet (Gardiner-Liste V31)
g g g Krugständer
Für den Laut "g" wird das Bild eines Krugständers verwendet (Gardiner-Liste W11)
t t t Brotlaib
Für den Laut "t" wird das Bild eines Brotes verwendet (Gardiner-Liste X1)
T tsch Fußfessel
Für den Laut "tsch" wird das Bild einer Fußfessel für Tiere verwendet (Gardiner-Liste V13)
d d d Hand
Für den Laut "d" wird das Bild einer Hand verwendet (Gardiner-Liste D46)
D dsch wie j in jeans,
Kobra
Für den Laut "dj" (deutsch: dsch) wird das Bild einer Kobra verwendet (Gardiner-Liste I10)

=Mehrkonsonantenzeichen
=

Beispiele für Mehrkonsonantenzeichen: (Hinter der wissenschaftlichen Transkription steht die konventionelle moderne Aussprache. Die kleinen e sind die nach internationaler Konvention hinzugefügten Laute, um die Aussprache (siehe ebenda) zu erleichtern.)

ḥr/HeR D2 tp/TeP D1 jr/IR D4 k3/KA D28

Semogramme, Logogramme, Ideogramme (Bilderschriftzeichen)

(Bezeichnung eines Lautwerts (Wortes) etwa: Himmel, Haus) Ideogramme (Begriffszeichen) stellen ein spezifisches Objekt oder etwas nahe Verwandtes dar. So könnte das Zeichen für Sonne Sonne oder Tag bedeuten. Sie stehen für ganze Worte, wie etwa für Kind oder Tier. Die ägyptischen Götter hatten auch noch spezielle Zeichen. Manche Wörter kamen so häufig vor, dass man für diese Wörter ein einziges Zeichen benutzte und es immer wieder verwendete.

Haus (PR) O1:Z1 Sonne, Gott Re (RA) N5:Z1

Determinative

(Deutzeichen, Kennzeichen sprachlicher Einheiten, wie aus Holz, weiblich, etwas Himmlisches) Da mit Hieroglyphen nur die Konsonanten, nicht aber die Vokale, bezeichnet wurden, ergaben sich viele Wörter unterschiedlicher Bedeutung, die gleich geschrieben wurden, da sie den gleichen Konsonantenbestand hatten. Um dieses Problem zu beheben, werden den meisten Wörtern sogenannte Determinative zugesetzt, die die Bedeutung näher erklären. So bedeutet die Hieroglyphe "Haus" mit dem Konsonantenbestand "pr" ohne Determinativ das Wort "Haus" (ägyptisch pr), mit zwei laufenden Beinen als Determinativ bedeutet es aber "herausgehen" (ägyptisch prj). Auch Namen wurden determiniert; wenn man zum Beispiel ein Junge ist, muss man einen Jungen hinter dem Wort Ich malen, und ein Mädchen muss dann natürlich hinter dem Ich ein Mädchen malen. Wörter die sich auf den König oder die Götter bezogen, wurden meist durch eine Schleife um das Wort hervorgehoben (Kartusche).

Dazu ist jedoch anzumerken, dass sich das System der Determinative im Lauf der ägyptischen Sprachgeschichte erst im Mittleren Reich voll entwickelt hatte, während das Ägyptische des Alten Reiches Determinative nur unregelmäßig verwendete.

Sachen die etwas zu tun haben mit:

Frau B1Kind A17Mann A1König A42 Kraft D40 Bewegung D54Holz M3
Namen wurden beispielsweise in der Hieroglyphenschrift mit den Determinativen A1 für Mann bzw. B1 für Frau abgeschlossen.

Zahlen

Das Zahlensystem ist relativ einfach vom heutigen Standpunkt. Die Ägypter benutzten wie wir das Zehnersystem. Für Einer, Zehner, Hunderter und so weiter gab es immer ein bestimmtes Zeichen. So musste man nur die jeweiligen Zeichen zählen und zusammen rechnen.

1 2 3 10 20 30 100 1.000 10.000 100.000 1.000.000
Z1 Z1-Z1 Z1-Z1-Z1 V20 V20-V20 V20-V20-V20 Z7 M12 D50 I8 C11

Brüche

Die Stammbrüche (1:x), speziell die Zweierpotenzen (2,4,8,16…) haben die Ägypter als Elemente des Udjat-Auges geschrieben. Das Udjat-Auge ist das von Thot geheilte, wiederhergestellte Auge des Horus (Mondauge). Die einzelnen Teile des Udjat-Auges dienen als Bruchteile des Hohlmaßes hekat (1 Hekat = 4,8 Liter). Die Summe der Bruchzahlen ergibt 63:64; 1:64 hat Thot angeblich verschwinden lassen.

Stammbrüche

Gruppenschreibung

Als Gruppenschrift oder Syllabische Schreibung bezeichnet man eine besondere Verwendung der Hieroglyphen, die sich ansatzweise schon im Alten Reich findet und im Neuen Reich für Fremdwörter und einige ägyptische Wörter verwendet wurde. Im Gegensatz zu der normalen Verwendung der Hieroglyphen deuten Gruppenschreibungen Vokale an. Dabei stellen Gruppen von ein bis drei Hieroglyphen eine ganze Silbe dar, wobei diese Silbengruppen teilweise aus Ein- und Zweikonsonantenzeichen, teilweise aber auch aus ein- oder zweikonsonantigen Wörtern (wie j "oh" für "a") bestehen. Inwieweit die Gruppenschreibungen aber eindeutige vokalische Lesungen ermöglicht, ist noch umstritten. Ein Beispiel ist die hieroglyphische Schreibung des Namens der kretischen Stadt Amnisos: i-A2-D37:n:y-SA-A Würde man die Hieroglyphen entsprechend ihrem normalen Lautwert lesen, erhielte man jmnyš3, nach den von Helck aufgestellten Lautwerten für die Gruppenschrift hat man aber á-m-ni-šá zu lesen, was dem Namen "Amnisos" - auch in Hinblick auf die Vokale - sehr nahe kommt.

Übersetzung

Die Entzifferung der Hieroglyphen gelang 1822 Jean-François Champollion, nachdem ihre Bedeutung 1500 Jahre zuvor verloren gegangen war, mit Hilfe des Steins von Rosetta. Bis heute sind rund 6.000 Symbole bekannt. Der Stein von Rosetta wurde während Napoleons Ägyptenexpedition bei Schanzarbeiten (Bauen einer Militärschanze) nahe der Stadt Rosetta gefunden.

Die durch Athanasius Kircher veröffentlichte koptische Grammatik und die damit verbundene Kenntnis des Koptischen bildete eine Grundlage zur Wiedergewinnung des altägyptischen Wortschatzes.

S. auch Ägyptologie.

Wörterbuchprojekt der BBAW

Transkription

Bei der Übersetzung hieroglyphischer Texte wird immer erst eine Transkription Anm.: Die Bezeichnungen "Transkription" und "Transliteration" werden im englischen Sprachgebrauch genau anders herum verwendet. Daraus entstehen häufig Verwechslungen beider Begriffe in ägyptologische Umschrift angefertigt. Dieser Vorgang ist nur in die eine Richtung eindeutig, sprich hieroglyphische Repräsentationen lassen sich aus einem Text in Umschrift nicht mehr rückgewinnen. Für Umschrift werden verschiedene Systeme verwendet, die allerdings alle mehr oder weniger die gleichen Laute darstellen. Im Internet und z. B. für Zeichenbelegungen von Fonts ist die Kodierung der Umschrift nach Manuel de Codage üblich. Sinn der Umsetzung in Umschrift ist die Verdeutlichung der Lesung der Hieroglyphen.

Hieratische Texte werden vor der Transkription in Umschrift häufig erst in Hieroglyphen überführt (Transliteration) und so auch veröffentlicht, damit die Identifizierung der Schriftzeichen mit entsprechenden Hieroglyphen verdeutlicht werden kann. Die Identifizierung der kursiven Schriftzeichen ist nur durch Experten durchführbar, und nicht von allen mit der Hieroglyphenschrift Vertrauten einfach nachzuvollziehen.

Demotische Texte hingegen werden üblicherweise nicht erst transliteriert, sondern direkt in Umschrift transkribiert. Die Demotistik ist ein spezieller Zweig der Ägyptologie und das Lesen dieser Schrift bedarf einer gesonderten Ausbildung.

Aussprache

Da die Hieroglyphenschrift zu einer Sprache gehört, die seit spätestens dem 17. Jahrhundert mit Verdrängung des Koptischen als Verkehrssprache vom Arabischen tot ist und darin auch keine Vokale notiert werden, hat man Schwierigkeiten beim Transkribieren der hieroglyphischen Texte in moderne Alphabete. So kommen die recht verschiedenen Schreibweisen des gleichen Namens zustande, wie zum Beispiel: Nofretete im Deutschen und Nefertiti im Englischen. Mangels noch lebenden Sprechern ist auch über die Aussprache nicht viel bekannt. Einen Anhaltspunkt bilden die Kopten, die ca. 8 Millionen ägyptisch-orthodoxen Christen, die ihre religiösen Texte zum Teil immer noch in koptischer Schrift verfassen und Koptisch zu Liturgie-Zwecken sprechen. Allerdings resultiert das modern gesprochene Koptisch aus einer Aussprache-Reform und gibt damit trotz altägyptischer Wurzeln nur wenig Auskunft über die Aussprache des Altägyptischen.

Anmerkung: Heute spricht man in Ägypten im Alltag Arabisch. Auch in der Koptischen Kirche verdrängt Arabisch zunehmend Koptisch als Liturgie-Sprache.

Rekonstruktionsversuche der Aussprache des Altägyptischen gibt und gab es immer wieder. Dies wird in verschiedenen Filmen (meist mit zweifelhaften Ergebnissen) aufgegriffen – unter anderem auch für den Film Die Mumie oder die Serie Stargate.

Ägyptologen behelfen sich bei der Aussprache der ägyptischen Vokabeln dadurch, dass im transliterierten Text zwischen vielen Konsonanten ein e eingefügt wird. Das ist die Regel, aber nicht ohne Ausnahme: so werden zum Beispiel Königs- und Gottesnamen auch nach überlieferten griechischen oder koptischen Schreibungen ausgesprochen und für einige Vokabeln haben sich auch Sprechweisen eingebürgert, die sich dann je nach Ägyptologen-Schule auch unterscheiden können (z.B. die Aussprache des Kükens; transliteriert wird es als w, ausgesprochen w oder u).

Grammatik


siehe Ägyptische Sprache

Altägyptische Literatur


siehe Altägyptische Literatur

Der Beruf des Schreibers


Die Kenntnis des Schreibens war mit Sicherheit eine der Grundvoraussetzungen für alle Arten einer Laufbahn im Staat. Obwohl der Amtstitel Schreiber nicht sehr häufig belegt ist, darf davon ausgegangen werden, das ein Großteil der Beamten, die wir von ihren Monumenten kennen, schreibkundig waren. Über das Schulsystem ist allerdings überraschend wenig bekannt. Für das Alte Reich wird das Famulussystem angenommen; Schüler lernten das Schreiben bei den Eltern oder wurden einem anderen Schreibkundigen unterstellt, der die Schüler zunächst für Hilfsarbeiten benutzte und ihnen dabei auch das Schreiben beibrachte. Ab dem Mittleren Reich gibt es vereinzelte Belege für Schulen, die dann im Neuen Reich gut bezeugt sind. Die Ausbildung zum Schreiber begann mit einer der Kursivschriften (Hieratisch oder Demotisch). Die Hieroglyphen wurden später gelernt und wurden nicht von jedem Schreiber beherrscht. Diktate und Abschreibübungen sind an der Tagesordnung. Faule Schüler werden durch Züchtigungen und sogar Gefängnisstrafen diszipliniert. Heute werden an den Universitäten hingegen erst die Hieroglyphen und dann die Kursivschriften gelehrt.

Aus dem Mittleren Reich stammt die Lehre des Kemyt die anscheinend extra für den Schulunterricht geschrieben wurde. Die Lehre des Dua-Chety beschreibt die Vorzüge des Schreiberberufes und listet die Nachteile andere, meist handwerklicher Berufe auf. Mit diesem Werk sollte wohl ein Standes- oder Klassenbewusstsein gestärkt werden.

Schriftmedien


Die Ägypter verwandten als Schriftmedien Stein, Ton, aber auch Rollen aus Papyrus, Leder und Leinen, die sie kunstvoll mit kolorierten Bildern versehen. Die Werkzeuge des Schreibers sind

  • ein meist hölzernes Etui mit mehreren Schreibrohren, die am Ende entweder flachgehämmert oder schräg geschnitten sind,
  • eine Platte als Unterlage und zum Glätten des Papyrus,
  • ein Vorrat an schwarzer Tinte (aus Rußpulver, als Bindemittel wird Gummi arabicum verwendet),
  • und einer mit roter Tinte für Titel, Überschriften und Kapitelanfänge (siehe Rubrum) nicht jedoch für Götternamen (aus Zinnoberpulver, einer Quecksilber-Schwefel-Verbindung oder aus Bleioxid),
  • ein Fässchen für Wasser, mit dem die Tinte angerührt wird
  • und ein Messer zum Schneiden des Papyrus.
Der längste erhaltene Papyrus misst 40 Meter. Leder wird vorwiegend für Texte von großer Bedeutung verwendet.

Siehe auch


Fußnoten


Literatur


  • Alan Gardiner: Egyptian Grammar. Being an introduction to the study of hieroglyphs. Oxford University Press, London 1927, 1950 (2. Aufl.).
  • Rainer Hannig: Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch. Kulturgeschichte der antiken Welt. Bd. 64. Hannig-Lexica. Bd. 1. Philipp von Zabern, Mainz 1995. ISBN 3-8053-1771-9
  • Karl-Theodor Zauzich: Hieroglyphen ohne Geheimnis. Eine Einführung in die altägyptische Schrift für Museumsbesucher und Ägyptentouristen. Kulturgeschichte der Antiken Welt. Bd. 6. Philipp von Zabern, Mainz 1980, 2000 (11. Aufl.). ISBN 3-8053-0470-6
  • Marc Collier und Bill Manley: Hieroglyphen. Entziffern, lesen, verstehen. Knaur, München 2001. ISBN 3-426-66425-9
  • Hartwig Altenmüller: Einführung in die Hieroglyphenschrift. Buske, Hamburg 2005. ISBN 3-87548-373-1

Weblinks


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