Unter Hexensalbe oder Flugsalbe verstand man zur Zeit der frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen eine Salbe, mit der sich die Hexen einrieben, um zum Hexensabbat zu fliegen. Die tatsächliche Existenz einer solchen und zu diesem Zweck angewandten Salbe war bereits im 16. Jahrhundert umstritten und gilt heute als unwahrscheinlich.
Aus der Antike sind zwar keine Salbenrezepte überliefert, aber in der Dichtung finden sich zwei Erwähnungen einer Substanz, die offenbar Flugfähigkeit verlieh und die man eventuell als Vorläufer der spätmittelalterlichen Hexensalben verstehen könnte.
Der Dichter Homer (lebte wahrscheinlich im 8. Jahrhundert v. Chr. ) erwähnt in der Ilias (im Kapitel II, XIV), dass die Göttin Hera sich mit Ambrosia einsalbte, um zu Zeus auf den Idaberg zu gelangen. Homer schreibt, dass sie "... über die obersten Gipfel und nie die Erde berührend..." zu Zeus gekommen sei, und dass dieser sehr verwundert gewesen sei, wie schnell sie die Strecke überwunden hätte.
Eine zweite Erwähnung einer Substanz, die ähnliche Fähigkeiten verlieh, findet sich in dem Roman Der goldene Esel des römischen Schriftstellers Apuleius (* um 124 n. Chr.; † um 175 n. Chr.): Der Held des Romans - Lucius - berichtet von den magischen Fähigkeiten der Hexen aus Thessalien, die die Fähigkeit besessen hätten, nicht nur Alraunmännchen zu beleben, um sie Schaden anrichten zu lassen, sondern auch ihre eigene Gestalt wandeln und "ausfahren" (also fliegen) konnten. Im Text heißt es, dass die Hexe Pamphile sich nackt auszog, eine Büchse mit Salbe zur Hand nahm und sich von Kopf bis Fuß damit einrieb.
Aus den Prozessakten der Hexenverfolgung sind keine authentischen Rezepte bekannt. Vielmehr ist es so, dass die der Hexerei Angeklagten die pflanzlichen Bestandteile der Salbe nur vom Hörensagen kannten oder die "Schmier" (so wurde die Flugsalbe auch genannt) nicht selbst zubereitet, sondern sie nach eigener Aussage vom Teufel persönlich erhalten hätten. Die überlieferten Rezepte stammen von Ärzten und frühen Wissenschaftlern, was erklären könnte, dass sie in ihrer Zusammensetzung mit den damals gebräuchlichen Arzneien auffällig übereinstimmen.
Der erste Arzt des Spätmittelalters, der ein Hexensalbenrezept niederschrieb, war Johannes Hartlieb (* um 1400; † 1468), der im Dienst des Wittelsbacher Herzogs Albrecht III. stand und ihm als Berater und Leibarzt diente. Johannes schrieb unter anderem um 1440 eines der frühesten deutschen Kräuterbücher und im Jahr 1456 "Das Buch aller verbotenen Künste" (Originaltitel: Das puch aller verpoten kunst, ungelaubens und der zaubrey). Da es sich um die erste bekannte Aufzeichnung eines Hexensalbenrezeptes handelt, sei hier der vollständige Text aus Hartliebs Buch wiedergegeben:
Hartlieb nennt die Flugsalbe unguentum pharelis, wobei die Bedeutung des Namens pharelis nicht bekannt ist und unguentum lediglich "Salbe" heißt.
Oft wird im Zusammenhang mit der Frage nach den Hexensalben auf die überlieferten Rezepte des Buches "Magiae naturalis sive de miraculis rerum naturalium" (1558) des italienischen Naturwissenschaftlers Giambattista della Porta (1538-1615) verwiesen. Er berichtet von einer Hexenausfahrt aufgrund einer Salbe, die von ihm wiedergegebene Rezeptur enthält vor allem die halluzinogenen Wirkstoffe alkaloidhaltiger Pflanzen, besonders aus der Familie der Nachtschattengewächse, sowie eher symbolische Komponenten (Fledermausblut u.ä.) Da allerdings della Portas Quellen nicht bekannt sind, lässt sich sein Bericht nicht als authentisch verifizieren.
Einige wissenschaftliche Selbstversuche, die entlang della Portas Rezeptur Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurden, belegen zwar die Wirksamkeit der Salbe, die Charakteristik der berichteten Räusche jedoch gilt allgemein eher als durch die Erwartungshaltung der Forscher induziert.
Johann Weichard Freiherr von Valvasor berichtet 1689 in seiner "Ehre des Herzogtums Krain" von einer Salbe, die verursacht, dass die Hexe "vor lauter Tanzen, Fressen, Sauffen, Musik u. dergl. träumt, also dass sie vermeynet, sie sei geflogen". Das von ihm überlieferte Rezept enthält als Wirkpflanzen "Schlaff-Nachtschatten" und "Wolffswurtz", beide stark giftig und berauschend.
Die Hexensalbe taucht auch unter folgenden Namen in der alten und neuen Literatur auf: Buhlsalbe, Flugsalbe, Hexenschmiere, Schlafsalbe, Unguenti Sabbati, Unguentum pharelis, Unguentum populi, Unguenta somnifera
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