Die Hexenprozesse von Salem im kolonialen Amerika führten zu einer Reihe von Verurteilungen und Hinrichtungen wegen Hexerei im Jahre 1692 in Salem, Massachusetts. Sie waren Folge einer Epoche von Parteikämpfen und puritanischer Paranoia. Die Prozesse führten zu 25 Hinrichtungen und Dutzenden von weiteren Verhaftungen. Hexenprozesse waren in den Kolonien Nordamerikas bis zu den Prozessen von Salem, anders als in Europa, nur vereinzelt bekannt.
1692 beschuldigten im damaligen Salem eine Reihe von jungen Mädchen, insbesondere Abigail Williams, Ann Putnam und Betty Parris, andere Stadtbewohner, sie magisch vereinnahmt zu haben und daher Hexen oder Zauberer sein zu müssen, die mit dem Satan im Bunde stünden.
Die unter der Bedrohung durch Indianer stehende Dorfgemeinschaft, die nach der Aufhebung des Bay-Colony-Vertrages von 1684 und dem Aufstand von 1689 ohne formale Regierung war, glaubte den Anschuldigungen und verurteilte die Beschuldigten dazu, entweder zu gestehen oder als Hexen gehängt zu werden. Die Anschuldigungen verbreiteten sich schnell, und innerhalb weniger Monate kam es in den umliegenden Gemeinden Andover, Amesbury, Salisbury, Haverhill, Topsfield, Ipswich, Rowley, Gloucester, Manchester, Malden, Charlestown, Billerica, Beverly, Reading, Woburn, Lynn, Marblehead und Boston zu ähnlichen Anschuldigungen.
Die ersten drei Beschuldigten waren Sarah Good, Sarah Osborne und Tituba. Sarah Good war eine stadtbekannte Bettlerin, die besitzlose Tochter eines französischen Gastwirts (der Selbstmord beging, als Sarah noch Teenager war), der häufige Selbstgespräche über "Unterhalt" nachgesagt wurden. Sarah Osborne war eine bettlägerige ältere Dame, die es sich mit den Putnams dadurch verdorben hatte, dass sie die Kinder ihres ersten Mannes um ihr Erbe gebracht hatte, indem sie es ihrem neuen Mann geschenkt hatte. Tituba war die indianische Sklavin von Samuel Parris. Obwohl sie in historischen oder fiktionalen Interpretationen der Salemer Prozesse immer wieder als Schwarze geschildert wird, gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sie nicht amerikanische Ureinwohnerin gewesen sein sollte.
Am ersten März wurden diese Frauen der Hexerei beschuldigt und inhaftiert. Andere Anschuldigungen folgten: Dorcas Good (die vierjährige Tochter von Sarah Good), Rebecca Nurse (eine bettlägerige, sehr religiöse Großmutter), Abigail Hobbs, Deliverance Hobbs, Martha Corey und Elizabeth und John Proctor. Mit steigender Zahl der Beschuldigten stieg auch die Zahl der Gefängnisinsassen, und die Bevölkerung sah sich einem schwerwiegenden Problem gegenüber: Ohne eine organisierte Regierung gab es keine Möglichkeit, diese Verdächtigen in einem Prozess zu verurteilen. Erst gegen Ende Mai kam Gouverneur Phips nach Salem, um ein Anhörungsgericht zu bilden (englisch "Oyer and Terminer"). Sarah Osborne und Sarah Goods neugeborenes Kind waren mittlerweile in Haft verstorben, viele andere Inhaftierte krank. Insgesamt warteten vielleicht 80 Personen im Gefängnis auf ihren Prozess.
Im Verlauf des Sommers hörte das Gericht sich ungefähr einmal im Monat Fälle an. Von den Beschuldigten wurde nur eine entlassen, als die Mädchen ihre Anschuldigungen widerriefen. Alle anderen Fälle wurden mit dem Urteil, die Beschuldigten wegen Hexerei hinzurichten, beendet, kein einziger Angeklagter wurde freigesprochen. Nur diejenigen, die sich schuldig bekannten und weitere Verdächtige nannten, wurden nicht exekutiert. Aufgrund ihrer Schwangerschaft wurde die Hinrichtung von Elizabeth Proctor und mindestens einer weiteren Beschuldigten auf die Zeit nach der Geburt verschoben. Bei vier Exekutionen im Verlauf des Sommers wurden 19 Personen gehängt, unter anderem ein angesehener Geistlicher, ein ehemaliger Gendarm, der sich geweigert hatte, weitere der Hexerei Verdächtigte festzunehmen, und mindestens 3 weitere bisher einigermaßen angesehene Persönlichkeiten. Sechs der Hingerichteten waren Männer, der Rest meist verarmte Frauen höheren Alters.
Giles Corey wurde als einziger nicht gehängt. Da sich der achtzigjährige Bauer weigerte, eine Verteidigung vorzubringen, wurde er einer "peine fort et dure" genannten Folter unterzogen. Dabei wird der Beschuldigte so lange mit Steinen überhäuft, bis sie ihn langsam zerdrücken. Nach drei Tagen unvorstellbarer Qualen erlag Corey dieser Folter. Auch wenn häufig vermutet wird, dass Corey nicht aussagen wollte, um zu vermeiden, dass seine Besitztümer vom Staat beschlagnahmt werden, so ist dies unwahrscheinlich. In anderen Prozessen wurden die Besitztümer verurteilter Hexen nicht beschlagnahmt, beziehungsweise die Besitztümer angeklagter, aber nicht verurteilter Personen wurden schon vor dem Verfahren beschlagnahmt. Einige Historiker vermuten, dass Coreys besonderer Charakter als sturer und streitlustiger alter Mann zu seiner Unwilligkeit auszusagen führte, da er wusste, dass er ohnehin verurteilt werden würde.
Zusammen mit den Menschen litt das Land unter den Verfahren. Ernten wurden nicht gepflegt und Rinder vernachlässigt. Einige angeschuldigte, aber nicht verhaftete Leute machten sich mit ihren beweglichen Besitztümern nach New York und weiter davon. Sägemühlen standen still, da entweder ihre Eigentümer vermisst wurden und die Arbeiter verhaftet waren oder diese in den Gefängnissen und Prozessen gafften. Der Handel wurde stark behindert und kam fast ganz zum Erliegen, während die Bedrohung durch die Indianer im Westen nicht abnahm.
Der Zwischenfall hinterließ einen so tiefen Eindruck, dass er dazu beitrug, den Einfluss des puritanischen Glaubens auf die Regierung Neuenglands zu beenden und damit indirekt zu den Gründungsprinzipien der Vereinigten Staaten von Amerika beitrug.
Außerdem gab es große Spannungen innerhalb der puritanischen Gesellschaft. Sie hatte ihren Gründungsvertrag in der Glorious Revolution von 1688 verloren und sah sich einer ungewissen Zukunft gegenüber. Die Siedler standen unter ständigen Angriffen durch Indianer und konnten nicht auf englische Hilfe bei der Verteidigung hoffen. Die Verteidiger mussten aus den Reihen ihrer jungen Männer gestellt werden und im Krieg König Philips im Jahre 1675 war die gesamte Bevölkerung dezimiert worden. Jeder zehnte Siedler in Neuengland verlor sein Leben bei Indianerangriffen. Obwohl dieser Krieg zuende war, blieben Indianerangriffe und Geplänkel eine ständige Bedrohung. Neuengland wurde mehr und mehr zu einer Handelskolonie und sowohl Puritaner als auch Nicht-Puritaner verdienten eine Menge Geld, was die Puritaner zugleich als notwendig aber auch sündig ansahen. Das Ansehen der Kaufleute wuchs, das Ansehen der Geistlichen hingegen sank.
Die vielleicht überzeugendste neuere Theorie ist die von Mary Beth Norton, Autorin von "In the Devil's Snare". Sie vertritt die These, dass wahrscheinlich mehrere oder alle der oben angeführten Punkte eine wichtige Rolle spielten. Salem und der Rest Neuenglands standen unter ständigem Druck durch häufige Indianerangriffe, welche eine angstvolle Atmosphäre verursachten und daher in großem Maße zu der Hysterie beitrugen. Sie vermutet, dass die meisten der angeklagten Hexen und betroffenen Mädchen enge gesellschaftliche oder persönliche Bindungen zu den Indianerangriffen der vorigen 15 Jahre hatten. Die Ankläger erwähnten häufig einen "schwarzen Mann", diskutierten mögliche Treffen der vermeintlichen Hexen mit Indianern und beschrieben Folterbilder aus Geschichten über Entführungen durch Indianer. Ferner hatten die puritanischen Geistlichen seit König Philips Krieg die Indianer häufig als mit dem Teufel und Hexerei in Verbindung stehend bezeichnet. In bis zu fünfstündigen, glühenden Predigten stellten sie die amerikanischen Puritaner als eine Armee Gottes dar, die von Satan und seinen Dämonen bedrängt wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Puritaner Indianer mit dem Teufel assoziierten. Indianerangriffe sahen sie als Versuche des Teufels an, die puritanische Gesellschaft zu zerstören. Mit all diesen Einflüssen waren die Puritaner im Jahre 1691 reif für eine Hexenhysterie.
Das Dorf Salem war ein Mikrokosmos der puritanischen Anspannungen. Das halbe Dorf bestand aus Bauern, die den Geistlichen Samuel Parris in seinem Bestreben unterstützten, sich von der Stadt Salem loszulösen und eine selbstständige Gemeinde zu bilden. Die andere Hälfte der Dorfbewohner wollte Teil der Stadtgemeinde bleiben, die Handelsbeziehungen aufrecht erhalten und verweigerte dem Geistlichen und seiner Familie die finanzielle Unterstützung. Zusätzlich hatten eine Reihe von aus Maine und New Hampshire vor Indianerattacken Geflüchteter in Salem bei Verwandten Unterschlupf gefunden und brachten Horrorgeschichten darüber mit. Als Ergebnis war Salem 1691 ein Pulverfass und die Reihe von scheinbar besessenen jungen Mädchen war der Funke, der es zu Detonation brachte.
1957 verfilmte die DEFA in französisch-deutscher Koproduktion ein auf den Prozessen basierendes Theaterstück von Arthur Miller unter dem Titel Die Hexen von Salem. Mitwirkende waren unter Anderen Yves Montand, Simone Signoret und Sabine Thalbach, das Drehbuch wurde von Jean-Paul Sartre geschrieben, die Musik stammte von Hanns Eisler.
1996 wurde das Thema unter dem Titel Hexenjagd (englischer Originaltitel: The Crucible) erneut verfilmt, das Drehbuch schrieb dieses mal Miller selbst. Darsteller waren u.A. Daniel Day-Lewis als John Proctor, Winona Ryder als Abigail Williams, Paul Scofield als Judge Thomas Danforth, Joan Allen als Elizabeth Proctor und Bruce Davison als Reverend Samuel Parris. Der Film wurde für zwei Oscars nominiert.
The Crucible (movie)
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