Das Herzogtum Sachsen war ein frühmittelalterliches Stammesherzogtum zwischen dem Niederrhein und der Unterelbe. Es entstand im 7. Jahrhundert im Siedlungsgebiet der Sachsen und wurde an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert von Karl dem Großen erobert und dem Frankenreich angeschlossen. 1180 wurde das ursprüngliche Herzogtum Sachsen zerschlagen.
Das Kerngebiet des sächsischen Herzogtums umfasste das Gebiet der heutigen bundesdeutschen Länder Niedersachsen, Holstein, Westfalen und den nördlichen Teil von Sachsen-Anhalt. Heinrich der Löwe eroberte Mecklenburg und Pommern und erweiterte das Herzogtum so nach Osten.
772-804 führt Kaiser Karl der Große einen 32 Jahre währenden Krieg gegen das Herzogtum Sachsen. 772 beginnt dieser Krieg, Karl erobert die Eresburg (heute Obermarsberg bei Paderborn) und zerstört die Irminsul, ein sächsisches Heiligtum. Karl zieht 773 nach Italien und die Sachsen nutzen die Gelegenheit und erobern die Eresburg zurück. 774/775 unternimmt Karl einen neuen Kriegszug gegen die Sachsen. Er erobert erneut die Eresburg, dazu die Sigiburg. Bei Höxter geht er über die Weser und zieht gegen die Ostfalen. 776 muss Karl wieder nach Italien. Die Sachsen lassen auch diese Gelegenheit nicht ungenutzt und erobern die Eresburg und die Sigisburg erneut zurück. 777 hat Karl inzwischen in Paderborn die Karlsburg erbauen lassen, um seine Herrschaft in Westfalen abzusichern. Dort hält er Heerschau. Einige Sachsen kommen und lassen sich taufen.
779 beginnt Sachsenherzog Widukind aus dem Fürstenhaus der Brunonen einen Guerillakrieg gegen die Franken. Karl zieht mit seinem Heer bis an die Elbe. Karl läßt 782 in der Nähe von Verden an der Aller aufständische Sachsen köpfen. Eine zeitgenössische Quellen spricht von 4500 getöteten Sachsen. Diese Zahl gilt in der aktuellen Forschung als massiv überzogen. 783 verlieren die Sachsen Schlachten bei Detmold und am Fluss Hase. Widukind zieht sich in die Widukindsburg bei Rulle im Osnabrücker Land zurück. 784 findet die Schlacht im Dreingau statt.
785 nehmen die Franken Widukind gefangen, Widukind wird getauft. 792-795 unternimmt Karl erneut einen Feldzug gegen die Sachsen. 794 findet die Schlacht auf dem Sintfeld statt. Zwischen 796 un 799 machen die Sachsen erneut Aufstände gegen die Franken. Der Reichstag der Franken wird als Siegergeste 799 in Paderborn gehalten, mitten im Land der überwältigten Sachsen. 804 wird der letzte Aufstand der Sachsen von den Franken niedergeschlagen.
804 besteht das Herzogtum Sachsen aus den Teilen Engern, Westfalen. Ostfalen und Nordalbingien sind nun dem Kaiserreich endgültig einverleibt. 852 gründet Liudolf, Herzog in Sachsen, Nachkomme Widukinds und Stammvater der Ottonen, das Kloster Gandersheim. 880 fällt Brun, Sohn Liudolfs, im Kampf gegen die Wikinger. Bruns jüngerer Bruder Otto wird Herzog. 912 wird Heinrich, Sohn Ottos, Nachfolger als sächsischer Herzog.
919 wird der Sachsenherzog Heinrich als Heinrich I., auch Heinrich der Vogler genannt, auf dem Reichstag von Fritzlar zum König des ostfränkischen Reiches gewählt. 936 wird Heinrichs Sohn Otto I. in Aachen zum König erhoben. 938 wird der Machtkampf Ottos I. mit seinem Bruder Heinrich und Halbbruder Thankmar, kriegerisch als Konflikt in Westfalen um die Burg in Dortmund und die Eresburg ausgetragen.
938 wird Hermann Billung Markgraf, 953 wird er von Otto I. zu seinem Stellvertreter in Sachsen ernannt und erhält damit de facto die Herzogstellung. 961 wird Otto II. Mitregent.
962 wird Otto I., der Große, zum römischen Kaiser. Er stirbt 973 in seiner Pfalz Memleben und Otto II. wird Kaiser. Hermann Billung stirbt in Quedlinburg und Bernhard I. Billung wird Herzog in Sachsen.
983 beendet ein dänischer Aufstand den zunehmenden sächsischen Einfluss in Haithabu. Erhebung der Slawen. Otto II. stirbt in Rom. Otto III. wird in Verona zum König gewählt.
1002 stirbt mit Otto III. der letzte sächsische Kaiser. Herzog Bernhard I. trotzt dem neuen Kaiser Heinrich II. die Zusicherung aller Stammesrechte für die Sachsen ab. 1011 stirbt Herzog Bernhard I. Billung und sein Sohn Bernhard II. wird Herzog. Sein Sohn Ordulf Billung heiratet 1042 Wulfhild, die Halbschwester des dänisch-norwegischen Königs Magnus. Dänen und Sachsen kämpfen gemeinsam gegen die Wenden. 1059 stirbt Bernhard II. und die Herzogwürde geht über auf seinen Sohn Ordulf.
1066 Ordulfs Sohn Magnus betreibt den Sturz des Erzbischofs Adalbert von Bremen. Herzog Magnus wird mit dem Tod seines Vaters 1072 neuer Herzog. 1106 stirbt er ohne männlichen Erben, womit die Billunger-Dynastie endet. Die billungischen Lande gehen über Magnus Töchter Wulfhild und Eilika an die Welfen und Askanier. Lothar von Süpplingenburg wird Herzog von Sachsen.
1112 wird Otto von Ballenstedt von Heinrich V. zum Herzog von Sachsen ernannt. 1115 besiegt Lothar von Süpplingenburg den Kaiser in der Schlacht am Welfesholz und wird 1125 in Mainz zum König (Lothar III.) gewählt. Er stirbt 1137. Der Welfe Heinrich X. der Stolze, seit 1126 bereits Herzog von Bayern, und Ehemann Gertruds, der Tochter Lothars III., wird sächsischer Herzog. 1138 strebt Heinrich X. nach der Königswürde, gerät jedoch in Reichsacht. Die Herzogwürde wird vom neuen König Konrad III. an den Askanier Albrecht der Bär (Schwiegersohn von Magnus) übergeben. Nachdem 1139 Heinrich X. stirbt, verzichtet 1141 Albrecht der Bär auf die sächsische Herzogwürde, nachdem er sich gegen die Macht der Welfen nicht durchsetzen kann.
1142 gibt König Konrad III. die Herzogwürde an den Welfen Heinrich der Löwe. Dieser betreibt eine besonders intensive Expansionspolitik. Heinrich unterwirft die Slawen in Mecklenburg und Pommern (Slawenfeldzüge). 1180 entzieht Kaiser Friedrich Barbarossa Heinrich dem Löwen das Lehen. Das Herzogtum Sachsen endet durch Teilung. Die Erzbischöfe von Köln übernehmen Westfalen-Engern als eigenständiges Herzogtum, die Askanier mit Bernhard I. das reduzierte Herzogtum Sachsen mit Teilen Engerns und Ostfalen.
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