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Das Herzogtum Meranien war das Lehensgebiet über Meranien, welches nacheinander verschiedene Adelsgeschlechter erhalten hatten.

Geschichte


Entstehung

Das Herzogtum Meranien ist ein Produkt der staufischen Machtpolitik des 12. Jahrhunderts. Um die frisch erreichte Königsherrschaft ihres Geschlechts zu sichern, war es für die später so genannten Staufer Existenz sichernd notwendig, die Macht der Welfen innerhalb des Deutschen Königreichs, dem Regnum Teutonicorum zurück zu drängen. Die Entmachtung der Welfen geschah dabei auch durch Verkleinerung alter, bei gleichzeitiger Schaffung neuer Reichslehen - teile und herrsche als Prinzip eigener Machterhaltung.

Der erste der staufischen Könige, Konrad III. (1137-1152), hatte den Welfen Heinrich der Stolze bereits 1139 mit Reichs-Acht und Bann belegt, wodurch dieser seine Herzogswürde sowohl für Baiern als auch für Sachsen verlor. Als ein durch die Acht rechtlos Gewordener verlor der Welfe zusätzlich andere Reichs-, Kirchen- und klösterliche Lehen und Vogteien, was zugleich eine vielfältige Umschichtung der Adelsherrschaft im Reich nach sich zog - treue Gefolgsleute wurden belohnt und stiegen auf, neue Herren wurden stark und mächtig.

Nach dem Tod König Konrads III. wird sein Neffe Friedrich von Schwaben 1152 zum "rex" erhoben. Dieser Friedrich I., genannt Barbarossa, sucht den Ausgleich mit den ihm verschwägerten Welfen. Er gibt ihnen Teile ihrer verlorenen Lehen und Reichsgüter und damit Macht zurück. Auch in Bayern. Doch nur Teile des zuvor bestehenden Herzogtums Baiern erhält Heinrich der Löwe von seinem Vetter Friedrich im Jahr 1154 als Lehen zurück. Die zuvor bayerischen Ostmarken werden als neues Fahnenlehen und Territorial-Herzogtum Ostarrichi an die Familie der Babenberger gegeben (1156 = privilegium minus), die auch den bayerischen Nordgau jenseits der Donau behalten.

Tirol wird als eine reichsunmittelbare Grafschaft (dominium comitis tyrolis) ebenfalls dem Bayernherzog entzogen. Wobei die ersten Grafen "von Tyrol" in starker Beziehung zum Bistum Freising stehen (n. Fr. Prinz).

Mit dieser Neuordnung im Südosten des Reiches wurden auch treue und verdienstvolle Parteigänger des Königs im Kampf gegen das Papsttum belohnt und ihnen zugleich der Aufstieg zum "hohen" Reichsadel ermöglicht.

Dachau-Meranien

Die Zerstückelung Bayerns wird auch zur Geburtsstunde des "Herzogtums Meranien". Im Zusammenhang mit der Verkleinerung des bayerischen Ducatus wird ein Wittelsbacher, Konrad von Scheyern-Dachau, um 1153 zum ersten Herzog "von Meranien" erhoben. Er ist somit dem welfischen Löwen in Bayern ebenfalls nicht mehr zum Vasallendienst verpflichtet. Ein innerer Zusammenhang mit jenem "privilegium minus" von 1156 als auch dem Barbarossa-Privileg für Würzburg von 1168 scheinen hierbei bereits hervor.

Gleichzeitig mit der Erhebung Konrads zum Herzog von Meranien wird ein Konrad II. von Scheyern-Dachau (wohl sein Vater) zum "Dux" für Dalmatien und Istrien ernannt (gest. 1159). Diese beiden Wittelsbacher Konrade aus der Grafschaft Scheyern-Dachau sind somit die ersten dieser Dynastie, die vom Grafen in den höchsten Reichsadelstand aufstiegen. Der Ducat Meranien aber war nun ebenfalls nicht mehr Baiern. Das (Rest-)Herzogtum Baiern, welches der Welfe Heinrich der Löwe 1156 (zurück) erhält, ist wesentlich kleiner, als jenes, das seinem "stolzen" Onkel Heinrich 1139 entzogen worden war.

Die Herkunft des Namens Meranien ist noch immer ein Objekt der Spekulation. Eine terra Marani in Friaul benennt E. Herrmann als Namengeber, doch meist wird dabei ein Badeplatz an der Adriaküste (Gebiet "am Meer"!) von Istrien favorisiert. Doch die Markgrafschaft für Istrien war Konrads Vater (?) als Herzogtum verliehen worden und kam danach (=1173) an die Grafen von Andechs, noch bevor diese ebenfalls Meranier geworden waren. Für den "Dachauer" Konrad I. von Meranien aber scheiden Istrien als auch "am Meer" als mögliche Namengeber aus. Auch die Frage, ob das Herzogtum Meranien bei seiner Gründung lediglich ein ideelles Titularfürstentum, oder ein Fahnenlehen repräsentierte, welches mit realen und dinglichen Rechten, Gütern und Lehen ausgestattet war, wird von der Historik unterschiedlich bewertet.

Nun war Konrad I. von Dachau-Meranien bereits als Graf von Scheyern-Dachau ein begüterter und einflussreicher Regionalfürst im Westen Bayerns gewesen. Nachdem die Welfen durch ihre Ächtung auch alle Lehen und Vogteien am Lechrain verloren hatten, zogen dort die Grafen von Diessen und Andechs als auch die Scheyern-Wittelsbacher und ihre Dachauer Linie den größten Nutzen aus dem Niedergang der Welfen. So ist Graf Konrad von Dachau u.a. als Vogt des rechtslechischen Reichsklosters St. Ulrich und Afra in Augsburg, sowie von St Andrä in Freising dokumentiert. Die Einfluss- und damit Machtzone der Wittelsbacher aus Dachau hatte somit den Lech erreicht - der Lechrain insgesamt und die dort liegenden Güter, Lehen und Rechte der Augsburger waren dabei zum Rivalitätsobjekt zwischen Diessen-Andechs und Scheyern-Dachau wie auch Scheyern-Wittelsbach geworden. Mit seiner Erhebung als Herzog und damit in den "Hohen" Adel des Reiches hatte Konrad "von Meranien"-Dachau Platzvorteil erreicht.

Der erste Herzog "von Meranien", Konrad I. von Dachau, war ein durch Besitz, Vogteirechte und Lehen zwischen Lech und Isar ein durchaus potenter Territorialfürst, dessen neuer Ducat durchaus mit realer Macht und Besitz ausgestattet war. Zumal wenn man in Betracht zieht, dass sein gleichnamiger Vater (?) ebenfalls Herzog, wenn auch von Dalmatien/Istrien, und Vetter Otto von Scheyern königlicher Pfalzgraf für Bayern war.

Im Buch der Geschichte wird dieser erste Herzog "von Meranien" jedoch kaum beachtet, seine Tage er verbrachte meist in Dachau, nannte sich selbst Herzog von Dachau. Er stirbt um Jahr 1180/82 ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen. Seine Witwe verkauft den Familienbesitz an Vetter Otto von Wittelsbach, der im Jahr 1180 Herzog des arg geschrumpften Bayern geworden war. Die Grafschaft Dachau zieht der bayerische Dux Otto ein.

Herzog Konrads Erbtochter Hedwig aber war zuvor Ehefrau jenes dritten Berthold von Andechs geworden - der seinerseits über seine markgräfliche Mutter Sophie aus Istrien vom König 1173 die istrische Markgrafen-Würde erhalten hatte. Nun brachte Hedwig von Dachau-Meranien den geblütsrechtlichen Anspruch auf das noch junge Herzogtum "Meranien" an die Andechser.

Andechs-Meranien

Nach dem endgültigen Sturz des Welfen Heinrich der Löwe im Jahr 1180 werden die Machtverhältnisse auch in Bayern neu geregelt - wurden treue Gefolgsleute belohnt. Die steirische Mark an der Mur wurde von Bayern abgetrennt und als ein neues Herzogtum Steiermark an die dortigen Markgrafen vergeben. Das restliche Bayern erhielt der bisherige Pfalzgraf Otto von Wittelsbach als neuer Herzog verliehen. Und auch "Meranien" erhielt einen neuen Herrn. Graf Berthold IV. von Andechs, dessen Vater 1173 Markgraf von Istrien geworden war, wurde von Kaiser Rotbart zum neuen Herzog "von Meranien" erhoben.

Dieser vierte Berthold von Andechs aber wurde nun ein Meranier von ganz anderem Schlag, als es sein Dachauer Onkel Konrad zuvor gewesen war. Bertholds Familie stammte ursprünglich von Dießen am gegenüberliegenden Ufer des Ammersees. Doch schon sein Großvater - Graf Berthold II. - war von dort nach Andechs umgezogen, hatte hoch auf dem Berg über dem Seeufereine neue Burg erbaut und die Tochter Sophia des Markgrafen Popo I. von Istrien geheiratet. Damals war jene Verbindung zwischen Andechs und einem vermuteten Meranien am istrischen Ufer der Adria entstanden. Die edle Sophia aber hatte den Grafen von Andechs lediglich den geblütsrechtlichen Anspruch auf das Markgrafenamt für Istrien eingebracht, kein "meranisches" Namensgut. Um 1173 war ihr gräflich-andechsischer Sohn Berthold III. dann zum Nachfolger des verstorbenen Markgrafen von Istrien, Ulrich III., aufgestiegen. Als solcher nahm er sich jene bereits erwähnte Hedwig aus dem Hause Wittelsbach/Dachau und Meranien - die Tochter des ersten Herzogs Konrad I. von Meranien - zum Ehegemahl. Aus dieser Ehe entspross bald ein vierter Berthold - bereits von Geburt ein Graf von Andechs sowie Markgraf von Istrien. Durch seine Mutter Hedwig zugleich ein präsumtiver von Meranien, mit geblütsrechtlichen Anspruch auf diese noch junge Herzogtum. Dieser Anspruch war nun, 1180, nach dem endgültigen Sturz des welfisch-bayerischen Löwen, von Kaiser Barbarossa eingelöst worden.

Als treue Gefolgsleute des Kaisers blieben die einstigen Grafen von Diessen und Andechs nun als Herzöge von Andechs-Meranien fest im Bild der Geschichte verankert. Als ein machtvolles und machtbewußtes Reichsfürstengeschlecht von höchstem Adel besaßen sie bald Güter und Lehen in Burgund, Oberfranken, Niederbayern, Istrien (!) und Slovenien, sowie ihre Stammgrafschaft Andechs mit dem umliegenden Herzogtum Meranien. Eine durchgehende Landbrücke von eigenen Besitzungen erstreckte sich vom Lechrain und Mering über Innsbruck (Burg Ammras) bis nach Meran an der Etsch und nach Meransen im Pustertal. Das Herzogtum Meranien war ein realer Territorialstaat geworden, welcher den westlichen Teil des alten Herzogtums Baiern zwischen Augsburg und Bozen zu einen eigenen Feudalfürstentum und Landesherrschaft hatte werden lassen.

Im Herzogswappen der Meranier aber lässt sich deutlich die Basis ihres Aufstiegs zum hohen Reichsadel ablesen. Jener vierte Berthold, der als erster der Andechser zum Herzog "von Meranien" befördert wurde, hatte jenen Reichsadler im Wappen, der auch die kaiserliche Fahne des Barbarossa bei der symbolischen Übergabe eines fürstlichen Lehens (=sog. Fahnenlehen) zierte. Den schreitenden Löwen der Welfen, deren Güter und Rechte am Lechrain und anderswo die Meranier nach dem Sturz des Heinrich der Löwe übernommen hatten, schritt als ein zweites Wappentier nun bei diesen Meraniern mit. Der Adler des Rotbart und der welfische Löwe bilden gleichermassen das Fundament meranischer Herzogsgewalt der Andechser - so wie es ihr Wappen zeigt.

Die hochedlen Töchter diese Fürstenhauses aber wurden zu begehrten Heiratsobjekten des europäischen Hochadels jener Epoche.

Ende des Herzogtums

Im Jahr 1208 wird in der andechs-meranischen Residenz in Bamberg König Philipp von Schwaben von einem Wittelsbacher erstochen. Philipp war der letzte noch lebende Sohn des bereits damals zum Mythos gewordenen Kaisers Friedrich Barbarossa gewesen. Nach der Ermordung des Staufers wurde der welfische Gegenkönig und Sohn des Löwen - Otto von Braunschweig - als der vierte dieses Namens König im Deutschen Reich. Obwohl die historischen Fakten eindeutig belegen, dass kein Andechs-Meranier an diesem Königsmord beteiligt war, konnte sich die noch junge herzogliche Sippe vom Vorwurf der Mittäterschaft und Mitschuld nicht mehr befreien. Philipps Tod riss auch sie mit in den Untergang. Noch schneller als sie mit und durch Barbarossa einst aufgestiegen war, so fiel sie jetzt tief. Enteignet, rechtlos und geächtet war ihre eigene Geschichte schnell zu Ende. Ihre Besitzungen und Grafschaften in Meranien - zwischen Lechrain und Isar - fielen dabei als Beute dem Herzog von Bayern - Ludwig der Kelheimer - aus dem Hause Wittelsbach zu. Er hatte sich rechtzeitig mit König Philipps Rivalen und einstigem Gegenkönig, dem Welfen Otto IV., arrangiert und wurde nun ebenfalls Nutznießer des bamberger Königsmordes. Die Güter der Meranier aber wurde nun (wieder) zu einem Teil des inzwischen wittelsbachisch gewordenen Bayern. Die weltlichen Klostervogteien der Andechs-Meranier im Land fielen dabei ebenfalls an Wittelsbach - ließen deren Herzogtum zur bayerischen Landesherrschaft werden. Der Kampf der Andechs-Meranier um ihre Rehabilitation aber scheiterte. Der Herzogstitel "von Meranien" wurde danach nicht mehr verliehen. Sein letzter Träger - Otto VIII. - starb rechtlos und verfemt im Jahr 1248. Mit ihm erlosch das Reichsadelsgeschlecht der Meranier. Das Reichsfürstentum Meranien aber gab es nicht mehr. Insgesamt nur fünf Jahrzehnte lang hatte es existiert - von 1153 bis 1208. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass von Meranien nicht viel mehr als sein Mythos und sein Wappen erhalten blieben.

Nur in den mittelalterlichen Sagen von Hug- und Wolfdietrich wirkt auch ein "Berchtung von Meran" noch heldenhaft mit. Und in der Legende verwob sich die Erinnerung an Meranien dann untrennbar mit jener der Grafen von Diessen und Andechs - wurde Teil der Heiligenverehrung des seligen Rasso von Grafrath, der Heiligen Hedwig von Schlesien sowie der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Und es ist wohl diesen Heiligenviten zu verdanken, dass die Erinnerung an Meranien überhaupt erhalten blieb.

Herzöge von Meranien


Adelsgeschlechter


Folgende Adelsgeschlechter wurde mit dem Herzogtum Meranien im Laufe der Zeit belehnt:

Literatur


  • Glaser, H. (Hrsg.) Die Zeit der frühen Herzöge, Hirmer / Piper 1980, ISBN 3-7774-3210-5
  • Herzöge und Heilige - Das Geschlecht der Andechs-Meranier, Katalog zur Landesausstellung im Kloster Andechs 1993 ISBN 3-927233-29-3
  • Jordan, K. Heinrich der Löwe, dtv 1993 ISBN 3-406-04033-0
  • Lehmann, Joh. Die Staufer, Gondrom 1991, ISBN 3-8112-0903-5
  • Schneidmüller, B. Die Welfen - Herrschaft und Erinnerung, Kohlhammer 2000 ISBN 3-17-014999-7

Historisches Territorium

 

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