Herzinsuffizienz ist ein in der Medizin häufig gebrauchter Begriff und beschreibt das Unvermögen des Herzens, im Blutkreislauf die vom Körper benötigte Blutmenge zu fördern. Die gebräuchliche deutsche Übersetzung „Herzschwäche“ trifft den Begriff nur ungenau, weil nicht nur eine krankhaft verminderte Pumpfunktion (systolische Herzinsuffizienz oder Herzmuskelschwäche), sondern auch eine gestörte Füllung des Herzens (diastolische Herzinsuffizienz bei normaler oder gar gesteigerter Pumpfunktion) zur Herzinsuffizienz führen kann. Eine akute schwere Herzinsuffizienz wird gelegentlich als Herzversagen bezeichnet, wobei eine allgemein akzeptierte Definition dieses insbesondere in Leichenschauscheinen häufig verwandten Begriffs fehlt. Kritiker wenden ein, dass Herzversagen wohl auch deshalb als häufigste Todesursache genannt wird, weil das Herz letztlich bei jedem natürlich Verstorbenen versagt hat und die tatsächlich zum Tode führende Krankheit oft nicht ermittelt wurde.
Die Herzinsuffizienz kann nur das linke Herz (Linksherzinsuffizienz), nur das rechte Herz (Rechtsherzinsuffizienz) oder beide Herzhälften (globale Herzinsuffizienz) betreffen. Sie kann als Folge vieler verschiedener Krankheiten des Herzens und auch anderer Organe auftreten und weist in der Regel auf ein bereits ernstes Krankheitsstadium mit verkürzter Lebenserwartung hin, wenn die Ursache nicht behandelt werden kann. Allerdings wurde besonders in der Vergangenheit auch oft aus Verlegenheit eine Herzinsuffizienz diagnostiziert, ohne dass beweisende Befunde erhoben wurden.
Prävalenz und Inzidenz der Herzinsuffizienz sind altersabhängig. Im Alter von 45 bis 55 Jahren leiden weniger als 1 Prozent der Bevölkerung an Herzinsuffizienz, 65- bis 75-Jährige bereits zu 2–5 Prozent und über 80-Jährige zu fast 10 Prozent. Männer sind etwa 1,5-fach häufiger betroffen als gleichaltrige Frauen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt der Anteil der diastolischen Herzinsuffizienz auf mehr als 30 Prozent, bei Frauen auf mehr als 40 Prozent.
Die Herzinsuffizienz führt zur Mangelversorgung des Körpers und seiner Organe mit Sauerstoff, weiterhin kann es vor dem rechten und linken Herzen zum Aufstau von Blut in den Körpervenen oder den Lungenvenen kommen. In Abhängigkeit von der betroffenen Herzseite spricht man von einer Rechts-, Links- oder Globalinsuffizienz.
Die Herzfunktion ist mit einer natürlichen Pumpe vergleichbar. Wie bei jeder Pumpe kann eine Funktionsstörung nur durch 2 Prinzipien erfolgen: 1. durch verminderte Arbeitsleistung infolge einer Verringerung der Blutaufnahme oder -abgabe sowie 2. durch Funktionsstörungen der Pumpenventile. Auf das Herz bezogen bedeutet dies, dass eine Herzinsuffizienz u. a. entstehen kann, wenn
Bei 80–90 Prozent der von Herzinsuffizienz Betroffenen liegt eine Funktionsstörung des Herzmuskels zugrunde, knapp zwei Drittel davon im Sinne einer Herzmuskelschwäche. Die häufigste Ursache der Herzinsuffizienz ist in westlichen Ländern eine Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit oder KHK) bei 54–70 Prozent der Patienten, bei 35–52 Prozent begleitet von Bluthochdruck. Bei 9–20 Prozent ist der Bluthochdruck (Hypertonie) alleinige Ursache der Herzinsuffizienz.
Die Herzinsuffizienz führt zur Flüssigkeitsretention („Wasseransammlung“) im Körper, bei der Linksherzinsuffizienz in der Lunge und bei der Rechtsherzinsuffizienz hauptsächlich in den Beinen (Beinödeme) und im Bauchraum (Aszites).
Die schwerste Form der Herzinsuffizienz ist der kardiogene Schock, der sich meist mit schwerer Atemnot, Bewusstseinstrübung, kaltem Schweiß, schwachem und schnellem Puls und kühlen Händen und Füßen bemerkbar macht.
Um eine koronare Herzkrankheit als Ursache der Herzinsuffizienz feststellen oder ausschließen zu können, wird oft eine Herzkatheteruntersuchung mit Koronarangiografie durchgeführt. Dabei können die Druckverhältnisse im und am Herzen direkt gemessen und evtl. Verengungen der Herzkranzgefäße beurteilt werden.
Seit Anfang des 21. Jahrhunderts steht mit der Bestimmung der Plasmakonzentration des brain natriuretic peptide (BNP bzw. NTproBNP) ein Test zur Verfügung, der auch in der Alltagsroutine für die Diagnostik einer Herzinsuffizienz hilfreich sein kann. Je nach Ausmaß der Herzinsuffizienz sind die Werte mäßig bis stark erhöht, während niedrig normale BNP- oder NTproBNP-Spiegel bei einem unbehandelten Patienten eine Herzinsuffizienz weitgehend ausschließen.
Die nicht-medikamentöse Therapie besteht im NYHA-Stadium IV aus einer weitgehenden körperlichen Schonung, während bei stabilen Patienten in allen übrigen Stadien ein dosiertes körperliches Ausdauertraining nützlich ist. Erhöhtes Körpergewicht sollte reduziert werden, ebenso die tägliche Zufuhr von Kochsalz.
Bei der medikamentösen Therapie der Herzinsuffizienz wird zwischen Medikamenten mit einer gesicherten prognostischen Indikation und solchen mit einer symptomatischen Indikation unterschieden.
Leidet der Patient an einer akuten (dekompensierten) Herzinsuffizienz, z. B. nach einem Herzinfarkt, ist die Gabe von negativ inotrop wirksamen Medikamenten nicht angezeigt, das betrifft insbesondere Betablocker. Nach langwierigen Diskussionen gilt deren lebensverlängernder Effekt bei der Behandlung der chronischen kompensierten Herzinsuffizienz aber als gesichert.
| Klassifikation der New York Heart Association (NYHA) | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| NYHA I | Keine körperliche Einschränkung. Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine inadäquate Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris. |
| NYHA II | Leichte Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris bei alltäglicher körperlicher Belastung. |
| NYHA III | Höhergradige Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris bei geringer körperlicher Belastung. |
| NYHA IV | Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und in Ruhe. Bettlägrigkeit. |
| Klassifikation der American Heart Association (AHA) | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stadium A | Hohes Herzinsuffizienzrisiko, da Faktoren vorliegen, die stark mit der Entstehung einer Herzinsuffizienz assoziiert sind; keine strukturelle Herzerkrankung, noch nie Herzinsuffizienzsymptome. |
| Stadium B | Strukturelle Herzerkrankung, die eng mit der Entstehung einer Herzinsuffizienz assoziiert ist, bisher keine Herzinsuffizienzsymptome. |
| Stadium C | Frühere oder derzeitige Herzinsuffizienzsymptome bei struktureller Herzerkrankung. |
| Stadium D | Fortgeschrittene strukturelle Herzerkrankung und schwere Herzinsuffizienzsymptome in Ruhe trotz maximaler medikamentöser Therapie (spezielle Therapie erforderlich, z. B. Herztransplantation, Katecholamine i. v., Kunstherz). |
| ICD-10-Codes Herzinsuffizienz | ||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| I11.0- | Hypertensive Herzkrankheit mit (kongestiver) Herzinsuffizienz |
| I13.0- | Hypertensive Herz- und Nierenkrankheit mit (kongestiver) Herzinsuffizienz |
| I50.00 | Primäre Rechtsherzinsuffizienz |
| I50.01 | Sekundäre Rechtsherzinsuffizienz |
| I50.11 | Linksherzinsuffizienz ohne Beschwerden (NYHA-Stadium I) |
| I50.12 | Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden bei stärkerer Belastung (NYHA-Stadium II) |
| I50.13 | Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden bei leichterer Belastung (NYHA-Stadium III) |
| I50.14 | Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden in Ruhe (NYHA-Stadium IV) |
| I50.19 | Nicht näher bezeichnete Linksherzinsuffizienz |
| I50.9 | Nicht näher bezeichnete Herzinsuffizienz |
| R57.0 | Kardiogener Schock |
Congestive heart failure | Insuficiencia cardíaca | Insuffisance cardiaque | 心不全 | Hartfalen | Hjartesvikt | Hjertesvikt | Hjärtsvikt | Suy tim ứ huyết
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Herzinsuffizienz".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world