Herrenwyk ist ein Ortsteil Lübecks.
Herrenwyk ist ein überwiegend von Industrie geprägter Stadtteil von Lübeck. Bis in die 90er Jahre prägten das Hochofenwerk, die Flender-Werft und die Fischindustie diesen Arbeiterstadtteil. Auch die über die Trave führende Herrenbrücke, eine der größten Klappbrücken Europas, gehörte zum Erscheinungsbild Herrenwyks.
Die Flender Werft wurde 1917 gegründet. Geplant war ursprünglich nur der Bau von Schwimmdocks; sehr schnell begann dann aber auch die Konstruktion von Schiffen und U-Booten. In den 50er Jahren zählte die Flender-Werft mit bis zu 4000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Lübeck. Aufgrund der Schiffbaukrise musste die Belegschaft immer mehr reduziert werden. Dennoch hielt sich die Werft, bis sie sich mit dem Bau von zwei Schnellfähren für die griechische Reederei Superfast Ferries übernahm und im Oktober 2002 Insolvenz beantragen musste. 800 verbliebene Arbeitsplätze fielen weg. Damit endete auch die 120-jährige Geschichte des Eisen- und Stahlschiffbaus in Lübeck.
Bis zu Beginn der 90er Jahre war der Ortsteil Herrenwyk Standort eines großen Hüttenwerks. Das in diesem Hochofenwerk anfallende Gichtgas wurde von einem Kraftwerk in Lübeck-Herrenwyk verbrannt. Der Grundstein für das Werk wurde am 7. November 1905 gelegt und im August 1907 in Betrieb genommen. 1937 übernahm Friedrich Flick das Werk, 1954 erfolgte die Umwandlung in die "Metallhüttenwerke Lübecke AG", ab 1958 GmbH. Nach einem Konkursverfahren 1981 wurde das Werk 1992 abgerissen und eingeebnet. Das Gelände wurde von der am 20. April 1982 gegründeten "Neue Metallhüttenwerke Lübeck GmbH" verwaltet, die es seit 1991 auch nicht mehr gibt.
Am 11. Juni 1911 ging das Kraftwerk der Nordwestdeutschen Kraftwerke AG NWK neben dem Hochofenwerk in Lübeck-Herrenwyk in Betrieb. Ein zweites Kraftwerk folgte 1942 in Lübeck-Siems. Beide Kraftwerke, die zuletzt zur Preussen Elektra gehörten, wurden Anfang der 90er Jahre stillgelegt und mittlerweile abgebrochen.
Die Herrenbrücke war ein Klappbrücke mit 4 Stahlklappen. Mit ihrem Bau wurde am 1. September 1960 begonnen. Mit ihren Vorlandbrücken und der eigentlichen Klappbrücke kam sie auf eine Länge von ca. 550m, die Breite der Fahrbahnplatte betrug 27m und die lichte Weite zwischen den Strompfeilern 62m. Bei einer max. Höhe für die Schifffahrt von 22m konnten viele Fahrzeuge die Brücke ohne Öffnung passieren.
Aufgrund der vielen Defekte und immens hoher Reparatur- und Instandhaltungskosten wird die Herrenbrücke seit September 2005 abgerissen und durch den mautpflichtigen Herrentunnel ersetzt.
Die derzeit größte Investition in Herrenwyk wird im Hafenbereich getätigt, wobei interessanter Weise in diesem Stadtteil drei Hafenbetreiber miteinander konkurrieren: Die HHLA Hamburger Hafen und Lagerhaus AG betreibt ein neues Containerterminal für den schienengebundenen Containertransport, die städtische Lübecker Hafengesellschaft baut den neuen Seeland-Kai und die private Lehmann-Gruppe baut das ehemalige Werftgelände der Flenderwerke zu einem Fährterminal um.
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