Torhaus_Wellingsbüttel.jpg Wellingsbüttel]] Das Herrenhaus Wellingsbüttel liegt in dem nach ihm benannten Hamburger Stadtteil Wellingsbüttel.
Geschichte des Gutes Wellingsbüttel
In bremischem Besitz / Reichsunmittelbarkeit des Gutes
Wellingsbüttel, erstmals
1296 urkundlich erwähnt, gelangte
1412 in den Besitz der
Bremer Erzbischöfe, die es vornehmlich an Hamburger
Domherren
verpfändeten.
1542 wurde Wellingsbüttel bis
1572 an Mitglieder der Familie Kalenberg als Gnaden
lehn, also nicht
erblich verlehnt, die ein erstes „Lusthaus nach der
Alster hin“ errichteten. Nach verschiedenen weiteren Belehnungen erhielt
1643 der
Kanzler des letzten Bremer Erzbischofs, Dietrich Reinking, das Gut als
Mannlehen, also mit der Möglichkeit, es zu vererben. Mit dem
Westfälischen Frieden 1648 gelangte das
Gut an
Schweden.
Königin Christine bestätigte
1649 den
Besitz Reinkings und erhob das
Gut zum Allodialgut. Dadurch wurde Wellingsbüttel ein freier, vererbbarer Besitz, der keinem
Lehnsherrn mehr unterstand. Wellingsbüttel erlangte unter dem
Juristen Reinking eine sehr eigentümliche
staatsrechtliche Stellung. Reinking, nun
Pfalzgraf und damit befugt, beim
Kaiser Recht zu suchen, betrachtete sein Gut als reichsunmittelbares Gut, das keinen
Richter mehr über sich hatte als den Kaiser höchstpersönlich.
Im Besitz der v. Kurtzrock / Entstehung der Baulichkeiten
1673 kaufte Theobald v. Kurtzrock das Gut Wellingsbüttel. Er war kaiserlicher
Resident in Bremen und
Thurn- und Taxischer Postmeister. Die v. Kutzrock lenkten die Geschicke des Gutes bis
1806. Um
1750 ließ Maximilian Günther v. Kurtzrock,
Minister des Niedersächsischen Kreises und Ober
postmeister zu Hamburg, das Herrenhaus in Wellingsbüttel errichten.
1757 schuf Georg Greggenhofer, fürstbischöflicher Hofbaumeister aus Eutin, für ihn das Torhaus als Fachwerkbau. Nach Streit über die Reichsunmittelbarkeit des Gutes ließ der dänische
Kronprinz 1806 das Gut besetzen, so daß der Gutsherr Clemens August v. Kurtzrock genötigt war, es an
Dänemark verkaufen.
Im Lehnsbesitz des Herzogs von Holstein-Beck / Erhebung zum Kanzleigut
1810 belehnte der dänische König seinen Verwandten
Herzog Friedrich Carl Ludwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck mit dem Gut. Der Herzog war Königlich-Preussischer
Generalleutnant gewesen und dann in Russische Dienste getreten. 1810 wurde er dänischer
General. Er ist Vorfahr der späteren Könige von Dänemark,
Griechenland und
Norwegen sowie des Prinzen Philipp von England. Er starb 1810. Während seines Besitzes wurde Wellingsbüttel zum
Kanzleigut erhoben. Ein der Königlich-Dänischen Kanzlei in Kopenhagen direkt unterstelltes Kanzleigut war der örtlichen Gerichtsbarkeit entzogen, übte eigene
Patrimonialgerichtsbarkeit und besaß Hoheitsrechte gegenüber den anderen Ortsbesitzungen.
Blütezeit des Kanzleigutes unter den Hamburger Großbürgern Jauch
Herrenhaus_Wellingsbüttel.jpg Wellingsbüttel "im Besitz des Herrn Jauch" um 1850 - Lithographie nach Adolf Hornemann]] Nachdem zunächst der Hamburger Kaufmann Hercules Roß das Gut erworben hatte, ging es
1846 im Wege der
Versteigerung in den Besitz von Johann Christian Jauch jun. (1802-1880) und seinem Sohnes Carl Jauch (1828-1888) über. Die
Jauch waren
Großbürger zu Hamburg. Johann Christian Jauch jun. betrieb mit seinem Vater und seinen Brüdern die in Hamburg führende Holzgroßhandlung J.C. Jauch & Söhne. Durch den
Brand der Stadt Hamburg im Jahre
1842 und den jahrelangen Wiederaufbau der zerstörten Stadtteile war die Familie zu beträchtlichem
Reichtum gelangt. Unter den Jauch erlebte das Gut seine Blütezeit. Im Gegensatz zu den wohlhabenden Gutsherren war die Lage der Bewohner des Dorfes Wellingsbüttel desolat. Das Dorf und seine Armenlasten waren bereits unter dem Besitz von Herzog Friedrich Carl Ludwig von Holstein-Beck von dem Gut getrennt worden.
Johann_Christian_Jauch_jun..jpg um 1850]] Viele seitdem auf ihren Flächen selbständige Kleinbauern gerieten in Armut, verloren ihr Land in
Konkursverfahren oder verkauften es an die Jauch. Bis
1876 erwarben die Jauch acht umliegende Besitzungen hinzu, darunter das Landhaus "Grüner Jäger" sowie den bei Hamburger Ausflüglern geschätzten Gasthof Sander. Die Jauch ließen mit Ausnahme des Landhauses "Grüner Jäger", das sie als Jagdhaus nutzten, sämtliche Gebäude auf den hinzuerworbenen Flächen niederlegen. Sie fügten die Ländereien, mit denen sie das Gut, in dem bereits der frühere Landsitz der Hamburger Familie Sillem an der Alster aufgegangen war, von anfangs 110 ha auf 250 ha vergrößerten, dem Gutspark zu. Die ohnehin nicht besonders ertragreiche Landwirtschaft trat unter den Jauch in den Hintergrund - Wellingsbüttel wurde Schauplatz ausgedehnter
Jagden und gesellschaftlicher Ereignisse. Die jagdliebenden Jauch ließen - wie schon neben ihrem Stadthaus am Stadtdeich in Hamburg, bei dem sich gar ein Bärenzwinger befand - hinter dem Herrenhaus einen Hirschpark anlegen, der nebenbei die Anziehungskraft Wellingsbüttels als beliebte Landpartie der Hamburger noch vergrößerte. Zur Erweiterung der Jagdmöglichkeiten pachteten die Jauch zu den eigentlichen Gutsflächen den landschaftlich reizvollen
Duvenstedter Brook hinzu und setzten dort Fasane aus. Die von den Jauch nach Wellingsbüttel geholten Bediensteten, insbesondere die für die große Haushaltung benötigten Köchinnen, sind Stammeltern einer Reihe heute in Wellingsbüttel ansässiger Familien geworden.
1883 wurde auf Wellingsbüttel der spätere Oberst und Freikorpsführer Hans Jauch († 1965) geboren.
Wandel des Gutes zu einem Villenvorort Hamburgs
1888 erwarb die
Bankierswitwe Behrens das Gut von den Erben des Carl Jauch (1828-1888), baute das Herrenhaus um, starb aber bereits
1891. Neuer Besitzer wurde der Hamburger Kaufmann Otto Jonathan Hübbe, der es
1910 in die
Alsterthal-Terrain-Gesellschaft m.b.H. einbrachte, die
1912 in der Alsterthal-Terrain-
Actien-Gesellschaft (ATAG) aufging. Ziel war die Aufsiedlung des Alstertals und die Versilberung des Besitzes der Grundeigentümer, die ihre Güter in die ATAG eingebracht hatten. Die letzten
landwirtschaftlichen Flächen verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg, Wellingsbüttel verstädterte endgültig und ist heute ein
Villenvorort Hamburgs.
Baulichkeiten
Theobald Joseph v. Kurtzrock errichtete um etwa 1750 das
Herrenhaus Wellingsbüttel und 1757 das
Torhaus. Das
Herrenhaus, dessen Baumeister unbekannt ist, ist nicht gänzlich in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Es wurde 1888 durch den Architekten Martin Haller um ein Geschoss aufgestockt. Das Herrenhaus ist ein neunachsiger
Barockbau mit
Mittelrisalit, hinter dem der zentrale Saal des Herrenhauses liegt. Der Entwurf des Torhauses stammt von Georg Greggenhofer. Ausgeführt wurde der Plan von dem Maurermeister Leptien. Das Torhaus ist dem
Backsteinbarock zuzurechnen. Es trägt einen
Dachreiter und eine Uhr. Das Torhaus ist heute ist wegen seiner Nutzung als
Heimatmuseum und Veranstaltungsort zum kulturellen Mittelpunkt des Alstertals geworden. Beide Gebäude stehen unter
Denkmalschutz.
Tourismus
- Das Alstertalmuseum des Alstervereins im Torhaus Wellingsbüttel, Wellingsbüttler Weg 75a, 22391 Hamburg, Tel.: 040/5366679, Öffnungszeiten: sonnabends und sonntags, 11.00 bis 13.00 und 15.00 bis 17.00, Eintritt: frei. Museumsleiter: Ing. F. Ferdinand Ziesche, Tel.: 040/6024284.
- Der Bürgerverein Wellingsbüttel mit seinem Kulturkreis Torhaus hat sich gegenüber der Stadt Hamburg verpflichtet, den von ihm genutzten Teil der Torhauses zu erhalten und das Haus mit kulturellem Leben zu füllen. Pro Jahr werden ca. 35 bis 45 Veranstaltungen wie Konzerte jeder Art, Dichter- und Autorenlesungen, Ausstellungen, Vorträge, Seminare und Kurse, Kinovorführungen, Fahrten zu literarischen und geschichtlichen Stätten und Kunstführungen angeboten. Der Weihnachtsmarkt der Kunsthandwerker sowie ein in Planung befindlicher Ostermarkt runden das Angebot ab. Geschäftsstelle: Peter Kohn, Wellingsbüttler Weg 38, Tel. 536 70 925, Fax 536 70 926.
- Das Herrenhaus soll künftig als Alsterdomizil genutzt werden. Dies beinhaltet eine teilweise Nutzung als Café mit Gartenterasse und - im Kellergeschoß - als Beauty- und Wellnessfarm Haus Alstertal.
Lage
D-22391 Hamburg-Wellingsbüttel, Wellingsbütteler Weg 75
Literatur
- Fiege, Hartwig: Geschichte Wellingsbüttels - Vom holsteinischen Dorf und Gut zum hamburgischen Stadtteil, Neumünster 1982 ISBN 3-529-02668-9
- Fiege, Hartwig: Über die Wellingsbütteler Gutsbesitzerfamilie Jauch in: Jahrbuch des Alstervereins 1984, Hamburg 1984
- Rackowitz, Dorothee, und Caspar von Baudissin: 700 Jahre Wellingsbüttel 1296-1996,Hamburg 1993 ISBN 3-925-80006-9
Weblinks
Herrenhaus
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