article

ICD-10-Code
B02 Herpes zoster
DGK Guertelrose.jpg

Herpes Zoster, auch Gürtelrose genannt, wird durch das Varizella-Zoster-Virus beim erwachsenen Menschen ausgelöst. Dieses Virus gehört zur Familie der Herpesviridae und wird häufig bereits in der Kindheit übertragen und verursacht in dieser Lebensphase die Windpocken.

Erreger


Als Erreger dieser Erkrankung ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV) - auch als Humanes-Herpes-Virus-3 (HHV-3) bezeichnet - nachgewiesen. Dieses Virus ist ein behülltes, doppelsträngiges DNA-Virus (dsDNA) und gehört zur Familie der Herpesviridae, zur Unterfamilie Alphaherpesvirinae und zur Gattung der Varicellaviren. Alle Viren dieser Familie sind mit einem ikosaedrischen Kapsid (mit einer aus Dreiecksflächen bestehenden Proteinhülle) ausgestattet, die jeweils noch von einer Hüllmembran umgeben ist. Das Varizella-Zoster-Virus ist mit den Herpes-simplex-Viren nahe verwandt.

Schätzungen zufolge sind rund 90 Prozent der über 14-jährigen Europäer durch Windpocken-Infektionen bereits Träger von Varizella-Zoster-Viren. Damit ist ein Großteil der europäischen Bevölkerung Träger dieses Virus. Die Tatsache, dass bei nicht erheblich vorgeschädigten Menschen und bei nicht erfolgter Doppelinfektion oder Sekundärinfektion (siehe auch Infektion) die von diesen Erregern verursachte Erkrankung nur extrem selten einen tödlichen Verlauf nimmt, zeigt zum Einen, dass diese Viren stark an den Menschen als ihren Reservoirwirt angepasst sind, den sie für ihre Vermehrung brauchen. Die dennoch ausgelösten Erkrankungssymptome sind von diesen Viren im Grunde nicht beabsichtigt und eher als ein Unfall anzusehen. Zum Zweiten wird dadurch auch deutlich, dass sich der Mensch ebenfalls im Verlaufe vieler Generationen an dieses Virus anpassen konnte.

Übertragung


Die Erstinfektion eines gesunden Menschen äußert sich üblicherweise in der bekannten Kindererkrankung Windpocken. Die hoch ansteckenden Erregerviren werden per Tröpfcheninfektion, also direktes Einatmen von Ausatmungströpfchen (Expirationströpfchen) infizierter Personen, oder über Kontaktinfektion beziehungsweise Schmierinfektion mit den Viren der auf Gegenständen oder Körperoberflächen niedergegangenen infektiösen Expirationströpfchen übertragen, wenn sie anschließend sofort über die Schleimhäute beispielsweise in Mund, Nase oder Augen in den Körper gelangen. Da die Erreger an der Luft nur für etwa zehn Minuten überlebensfähig sind, ist eine Übertragung durch herumliegende Kleidung oder Spielzeug in der Regel nicht zu befürchten.

Auch wenn die Betroffenen normalerweise nach einer Windpocken-Erkrankung ein Leben lang immun gegen die Krankheit sind, verbleibt das Virus nach dem Abklingen der Erkrankung normalerweise dennoch im Körper und kann später beispielsweise ausgelöst durch Stress oder geschwächtes Immunsystem, in seltenen Fällen auch durch Sonneneinwirkung wieder aufwachen. Die Viren verstecken sich in den Nervenknoten des Rückenmarks, den so genannten Spinal-Ganglien, sowie in den Ganglien der Hirnnerven. Die Gürtelrose ist demnach keine Infektion im eigentlichen Sinne, sondern die erneute Aktivierung des Varizella-Zoster-Virus nach einer mehr oder weniger langen Latenzzeit. Während die Gürtelrose eigentlich schon ansteckend wäre, ist die tatsächliche Gefahr, sich durch eine Gürtelrose mit Zoster-Viren zu infizieren, gering.

Krankheitsverlauf/Symptome


Das Nervengewebe entzündet sich bei einer Aktivierung des „versteckten“ Virus. Die Inkubationszeit beträgt 14-16 Tage. Symptome sind Brennen und teils starke Schmerzen in dem Hautbereich, der durch den betroffenen Nervenstrang versorgt wird und in dem Nervenstrang selbst. Gelegentlich ist vorher allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Ermattung und leichtes Fieber zu beobachten. Vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit treten häufig Schmerzen in mehr oder weniger großen Bereichen des Körpers auf, in denen sich das Nervengewebe entzündet. Deshalb leiden manche kurz vor dem eigentlichen Krankheitsausbruch an Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder Ähnlichem. Zwei bis drei Tage nach Auftreten der anfänglichen Schmerzen treten leicht erhabene, gerötete Stellen auf, die im weiteren Verlauf Knötchen und dann Bläschen bilden. Die Bläschen füllen sich mit einer klaren oder weißen, eitrigen Flüssigkeit, welche infektiös ist. Die Rötung und Bläschenbildung tritt normalerweise stark lokalisiert (um den Nervenstrang) und meistens nur auf einer Körperseite auf; in seltenen Fällen kann es zu beidseitigem Befall kommen. In einigen Fällen kann der Ausschlag aber auch ganz ausbleiben. Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und verschorfen. Diese Phase kann 1-4 Wochen dauern.

Meistens tritt Zoster im Bereich des Brustkorbes auf. Gelegentlich können auch Rücken, Arme oder Beine betroffen sein. Bei Zoster ophthalmicus sind Gesicht und Augen betroffen. Bei Befall der Gesichtsnerven kann es zu vorübergehenden Lähmungserscheinungen oder Verlust des Geschmackssinns kommen. Sind die Augen betroffen, kann durch Hornhautvernarbung teilweise oder vollständige Erblindung die Folge sein. Zoster oticus bezeichnet einen Befall des Gehörgangs. Mögliche Folgen sind hier neben den Zoster-typischen starken Schmerzen Schwerhörigkeit und Störungen des Gleichgewichtssinnes. Unbehandelt können dauerhafte Hörbeeinträchtigungen oder Taubheit die Folge sein. Zoster generalisatus bezeichnet einen Befall des gesamten Nervensystems; diese Krankheitsform ist lebensbedrohlich, tritt aber üblicherweise nur bei starker primärer Schwächung des Immunsystems auf (z. B. bei AIDS, Leukämie oder anderen Krebs-Formen). Herpes Zoster tritt auch im Genitalbereich auf. Er zieht über das ganze Geschlechtsteil großflächig bis auf die Oberschenkel. Im Lymphabflussgebiet des betroffenen Hautareals lassen sich nicht selten aktivierte Lymphknoten nachweisen.

Komplikationen


Komplikationen sind selten und betreffen meist nur stark immungeschwächte Menschen. Zu den Komplikationen gehören Zoster-Meningitis (Hirnhaut-Entzündung), Zoster-Enzephalitis (Hirngewebe-Entzündung) und Zoster-Myelitis (Rückenmark-Entzündung). Auch die selteneren Zoster-Formen wie Zoster generalisatus, Zoster ophthalmicus und Zoster oticus werden gelegentlich zu den Komplikationen gezählt.

In seltenen Fällen bleiben Schmerzen auch nach Ausheilung bestehen. Man spricht in einem solchen Fall von postherpetischer oder post-Zoster–Neuralgie.

Therapie


Das Varizella-Zoster-Virus kann mit Virostatika behandelt werden. Üblicherweise erfolgt die Behandlung mit Brivudin, Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir, meistens in Tablettenform. In Ausnahmefällen ist auch eine intravenöse Behandlung möglich. Meistens ist die zusätzliche Gabe von starken Schmerzmitteln angezeigt. Bei etwa acht Prozent der betroffenen Patienten können die akuten Schmerzen nicht durch Schmerzmittel beeinflusst werden.

Neuerdings gilt die Behandlung mit Brivudin (Zostex®, in Österreich MevirZostex®) als wirksam und vielversprechend http://www.gesundheit.com/gc_detail_3_gc22120215.html

Fälle von postherpetischer Neuralgie (etwa 30 % der Betroffenen haben noch vier bis fünf Wochen nach der Verkrustung diffuse oder lokal begrenzte, teils starke Schmerzen) sind oftmals schwer zu behandeln. In Betracht kommen hier neben Schmerzmitteln auch Antidepressiva und Neuroleptika, gelegentlich sogar chirurgische Eingriffe. Die Behandlung mit Elektrotherapie (Galvanisation, Reizstrom oder TENS) kann Schmerzen lindern. Dabei sind jedoch Hautläsionen (Bläschen und Pusteln) zu berücksichtigen.

Vorbeugung


Ein Impfstoff (Zostavax™), der vorbeugend das Erkrankungsrisiko auf etwa die Hälfte senkt und bei den übigen Fällen die Schmerzen deutlich lindert, wurde am 25. Mai 2006 in den USA durch die zuständige Behörde FDA zugelassen http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=24350.

Quellen


Weblinks


  • Über die Bildersuche von Google lassen sich mit dem Stichwort Herpes zoster viele beispielhafte Bilder finden.
    • http://images.google.de/images?q=Herpes+zoster&ie=ISO-8859-1&hl=de

Krankheit

Helvedesild | Herpes zoster | Herpes zoster | Zona | 帯状疱疹 | Gordelroos | Helvetesild | Półpasiec | Shingles | Bältros | โรคงูสวัด

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Herpes Zoster".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld