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Das Babylonische Wurzelziehen (oft auch Heron-Verfahren) ist ein alter iterativer Algorithmus zur Bestimmung einer rationalen Näherung der Quadratwurzel einer Zahl. Es ist ein Spezialfall des Newton-Verfahrens.

Die Iterationsvorschrift lautet:

x_{n+1}=\frac{x_n + \frac{a}{x_n}}{2}.

Hierbei steht a für die Zahl, deren Quadratwurzel bestimmt werden soll. Der Startwert x_0 der Iteration kann, solange er nicht gleich Null ist, beliebig festgesetzt werden, wobei zu beachten ist, dass negative Werte gegen die negative Quadratwurzel konvergieren.

Triviales Beispiel


Im Folgenden ein triviales Beispiel für die Wurzel aus 9 und die Annäherung nach vier Berechnungsschritten an den wahren Wert \sqrt{9} = 3 :

a=9 und x_0=1

x_1=\frac{1 + \frac{9}{1}}{2} =\frac{10}{2}=5

x_2=\frac{5 + \frac{9}{5}}{2} =\frac {\frac {34}{5}} {2} =\frac{34}{10} = 3{,}4

x_3=\frac{\frac{34}{10} + \frac{9}{\frac{34}{10}}}{2} =\frac{\frac{34}{10} + \frac{90}{34}}{2} =\frac{257}{85} \approx3{,}0235

x_4=\frac{\frac{257}{85} + \frac{9}{\frac{257}{85}}}{2} =\frac{\frac{257}{85} + \frac{765}{257}}{2} =\frac{65537}{21845} \approx3{,}00009

Geometrische Veranschaulichung des Heron-Verfahrens


Der Flächeninhalt eines Quadrates kann über das Quadrat der Länge seiner Seiten berechnet werden. Die Bestimmung der Quadratwurzel einer gegebenen Zahl a kann also geometrisch gedeutet werden als Bestimmung der Seitenlänge (genauer: als rationale Näherung zu \sqrt{a}) eines Quadrates mit dem Flächeninhalt a.

Die Idee ist nun, von einem Rechteck des Flächeninhaltes a auszugehen und die Seitenlängen einem Quadrat immer weiter anzunähern.

Dazu wird ein Startwert gewählt, im obigen Fall gilt a=9 und als Startwert wurde x_0=1 gewählt. Geometrisch bedeutet dieses, dass von einem Rechteck der Seitenlänge x_0=1 ausgegangen wird. Die andere Seitenlänge dieses Rechtecks ergibt sich aus dem vorgegebenen Flächeninhalt: y_0=\frac{9}{1}= 9

Bei der Betrachtung ist unmittelbar ersichtlich, dass es eine geeignetere Näherung an ein Quadrat gibt, denn die eine Seitenlänge x_0=1 ist zu klein, die andere mit y_0=9 zu groß.

Um eine verbesserte Annäherung an die Länge einer Quadratseite zu erhalten, kann das arithmetische Mittel der Seitenlängen x_0 und y_0 dienen (Hier gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, das Verfahren zu verfeinern.):

x_1=\frac{x_0 + y_0}{2} =\frac{9 + 1}{2}=5

Die Länge der zweiten Seite dieses neuen Näherungs-Rechtecks ergibt sich wieder durch den vorgegebenen Flächeninhalt a:

y_1=\frac{a}{x_1}=\frac{9}{5}= 1{,}8

Die Werte x_1=5 und y_1=1{,}8 sind geometrisch gedeutet die Seitenlängen eines zweiten Näherungs-Rechtecks. Dieses und die folgenden Rechtecke lassen sich nun weiter verbessern durch erneute Bildung des arithmetischen Mittelwertes als verbesserte Näherung an die Seitenlänge eines Quadrates mit der Seitenlänge \sqrt{a}.

Konvergenz


Das Verfahren konvergiert relativ rasch innerhalb weniger Schritte. Da es sich aus dem Newtonschen Näherungsverfahren ableiten lässt, ist die Konvergenzordnung 2.
Es gelten:
\sqrt{a} \le x_{n+1} \le x_n (n = 1, 2...)
und
\lim_{n \to \infty}x_n = \sqrt{a}

Fehler


Für den Fehler der Heron-Folge {x_n} (n \ge 1) gilt:
\frac{a}{x_n} \le \sqrt{a} \le x_n (Einschließung), sowie
x_n-\sqrt{a} \le \frac {1}{2\sqrt{a}} \left( x_{n-1}-\sqrt{a} \right)^2 (quadratische Konvergenz)

Implementierung in Software


Das Verfahren eignet sich besonders gut zur Implementierung in Software, wird heute angesichts der breiten Verfügbarkeit numerischer Prozessorhardware aber nur noch selten benötigt. Man kommt dabei nur mit Grundrechenarten aus, s. o.

Wenn dazu noch eine Gleitkommadarstellung mit einem Zweier-Exponenten benutzt wird, wird der Ansatz relativ einfach:

  • Zunächst spaltet man vom Exponenten eine gerade Anzahl ab, so dass als Exponent entweder eine 0 oder 1 übrigbleibt, die Zahl also auf das Intervall { ½ , 2 } normalisiert wird. In diesem Intervall ist die Wurzelfunktion eine nur schwach gekrümmte Kurve, lässt sich also numerisch gut behandeln.
  • Als Startwert für die eigentliche Iteration gibt es mehrere Möglichkeiten, diese Kurve durch eine noch einfachere zu approximieren. Mit den komplizierteren Ansätzen lässt sich ggf. ein Iterationsschritt einsparen:
    • eine einfache Konstante (z. B. 1);
    • eine Gerade mit Steigung 1/2 und einer additiven Konstante von 1 (als Vereinfachung des nachfolgenden Falls);
    • eine Gerade mit Steigung 1/2 und einer additiven, optimierten Konstante von \left( 2\cdot \sqrt*{2} - \sqrt{2} \right)^2 \approx 0{,}929683 ;
    • eine Gerade mit optimierter Steigung und einer additiven Konstante.
  • Ausgehend von dem so ermittelten Startwert führt man eine feste Anzahl von Iterationsschritten durch. Die nötige Anzahl, um die gewünschte Genauigkeit zu erreichen, lässt sich dank der obigen Fehlerabschätzung als Worst Case innerhalb des Startintervalls direkt ausrechnen. Bei 32 Bits Mantisse und dem mittleren Startansatz braucht man z. B. nur drei Schritte. Diese fest gewählte Anzahl erspart wesentlich aufwendigere Abfragen auf Erreichung der Genauigkeit. Der Ersatz der genannten Konstanten durch die Zahl 1,0 ändert daran nichts. Auch der noch kompliziertere Ansatz brächte zumindest bei dieser Genauigkeit keine Einsparung eines weiteren Iterationsschritts. Bei höheren Genauigkeitsanforderungen kann das anders aussehen.
  • Zum Schluss muss man den Exponenten restaurieren, indem man die Hälfte des im ersten Schritt abgespalteten Werts wieder hinzufügt.

Verallgemeinerung des Verfahrens


Dieses Verfahren kann man leicht verallgemeinern, so dass man die n-te Wurzel berechnen kann. Je größer n aber ist, umso mehr Schritte werden benötigt, um die Wurzel genau zu berechnen.

Die Iterationsvorschrift lautet hier:

x_{m+1}=\frac{x_m + \frac{a}{x_m^{n-1}}}{2}

Geschichte


Dieses Verfahren ist auch unter dem Namen Heron-Verfahren bekannt. Es wurde nach Heron von Alexandria benannt und entstammt seiner Formelsammlung.

Numerische Mathematik

 

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