Nuremberg Trials. Defendants in their dock; Goering, Hess, von Ribbentrop, and Keitel in front row.gif, Ribbentrop, Keitel; dahinter: Dönitz, Raeder, Schirach, Sauckel]] Hermann Wilhelm Göring (* 12. Januar 1893 in Rosenheim, Bayern; † 15. Oktober 1946 in Nürnberg durch Selbstmord) war der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und einer der führenden Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus. Er wurde in den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.
Sein jüngerer Bruder Albert Göring, der die nationalsozialistische Ideologie entschieden ablehnte und bedrängten Menschen (Juden und Nicht-Juden) durch seine Kontakte und Informationen vor Willkürakten und Horror des Nationalsozialismus beschützen konnte, war während des Zweiten Weltkriegs Leiter der Skoda-Werke in Pilsen.
Zwei Schwestern Görings (Olga Therese Sophie und Paula Elisabeth Rosa) waren in Österreich mit Juristen verheiratet.
Er hatte noch einen älteren Bruder: Karl Ernst Göring (* 3.8.1885 + 4.10.1932)
Göring trat mit 12 Jahren in eine Kadettenschule in Karlsruhe ein, die seine Disziplin jedoch nicht besonders verbesserte. Vier Jahre später wechselte er an die Kadettenanstalt Lichterfelde bei Berlin. Mit Abitur und Offiziersexamen schloss er die Kadettenanstalt ab und trat 1912 in das Badische Infanterie-Regiment "Prinz Wilhelm" Nr. 12 in Mülhausen im Elsaß ein.
Im Krieg selbst erwies sich Göring als taktierender und kluger Anführer; er war zunächst Leutnant der Infanterie. Wegen seines Rheumatismus wurde er 1915 in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er wenig später von seinem Freund und Kampfflieger, Bruno Loerzer, überzeugt wurde, der Luftwaffe beizutreten. Göring verließ ohne Genehmigung das Krankenhaus und diente kurz darauf als Beobachter in einer Fliegertruppe. 1916 bekam er offiziell eine Pilotenausbildung.
Am 14. März desselben Jahres schoss er seinen ersten feindlichen Bomber ab. Nachdem er sich als erfolgreicher Jagdflieger auszeichnete, als Führer der Jagdstaffel 26 fungierte und schließlich zum Hauptmann aufstieg, wurde ihm im Juli 1918 eine weitere Ehre zuteil. Nachdem der Kommandeur des Jagdgeschwaders Nr. 1 Hauptmann Wilhelm Reinhard bei einem Testflug tödlich verunglückte, wurde Göring Kommandeur dieses, als Richthofens „Fliegender Zirkus“ bekannten, Geschwaders. In seiner neuen Position erzielte er schließlich seinen 22. und letzten Luftsieg.
Bereits nach seinem 19. Abschuss war ihm der Orden Pour le Mérite verliehen worden. Die Verleihung stellte eine Ausnahme dar, da ein Kampfpilot dafür zu diesem Zeitpunkt eigentlich 20 Luftsiege benötigte.
Seine Rolle im Ersten Weltkrieg ist nicht ganz unumstritten. Da Göring sein ganzes Leben lang einen ausgeprägten Hang zur Egozentrik zeigte, wird angenommen, dass er gerade deswegen so schnell krank wurde und sich dann für die Luftwaffe entschied, weil diese schnellen Ruhm und Bekanntheit als Kriegsheld versprach - ganz im Gegensatz zum anonymen Massensterben in den Schützengräben. So wird auch teilweise behauptet, er habe manche Abschüsse frei erfunden.
Görings Nimbus als Kriegsheld und seine Verbindungen zur Aristokratie machten ihn zu einem idealen Anwärter für die noch junge NSDAP, in die er 1922 eintrat. Hitler ernannte ihn im Dezember 1922 zum Leiter der SA. Am 9. November 1923 nahm er am Putschversuch in München teil, der von der Polizei blutig niedergeschlagen wurde. Göring, der mitten im Kugelhagel stand, wurde durch einen Schuss in den Oberschenkel schwer verletzt. Mit seiner Verwundung wurde er von Mitputschisten in den Hof Residenzstraße 25 getragen. Der jüdische Eigentümer des Anwesens, Robert Ballin, nahm den stark blutenden Göring bei sich auf. Ballin und seine Frau wurden dafür durch Göring vom Holocaust verschont. Wegen der Schmerzen erhielt der Verletzte vom Arzt Morphium, was der Beginn von Görings Rauschgiftsucht war, die bis 1945 andauern sollte. Über Österreich floh dieser bald für vier Jahre ins Ausland. Er ging zuerst nach Italien, wo er Mussolini kennen lernte, und schließlich nach Schweden, bis eine Generalamnestie ihm die Rückkehr erlaubte. Er verbrachte eine kurze Zeit in einer psychiatrischen Klinik, war aufgrund seiner Morphiumsucht im September 1925 sogar in einer geschlossenen Abteilung. Ende 1927 kehrte er nach Deutschland zurück und trat erneut in die NSDAP und SA ein.
1928 wurde Göring einer der ersten NSDAP-Abgeordneten im Reichstag und nun von Hitler zum SA-Obergruppenführer ernannt. Damit war er in einer wichtigen Schlüsselstellung, um Hitler den Weg zur Macht zu ebnen.
Göring entwickelte sich - zumindest im Auge der Öffentlichkeit - nach Hitler zum zweiten Mann im nationalsozialistischen Staat; 1934 wurde er per Gesetz zum Nachfolger Hitlers im Falle dessen Tods bestimmt.
Er wurde am 30. August 1933 zum General der Infanterie befördert was ein Überspringen von fünf Rängen bedeutete da er als Hauptmann aus der Reichswehr austrat. Dies sollte ihm in militärischen Kreisen eine gewisse Autorität beim Aufbau der Luftwaffe verschaffen. Im Mai 1935 wurde Göring der Oberbefehl über die neu gegründete Luftwaffe übertragen.
1937 wurde Göring zum Leiter des 4-Jahresplans ernannt. Damit war er faktisch Wirtschaftsdiktator in Deutschland. Den Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht verdrängte er schnell. Sein Auftrag war es, die deutsche Wirtschaft kriegsbereit zu machen. Letztlich scheiterte er an dieser Aufgabe; sein faktischer Nachfolger in dieser Funktion wurde 1942 Albert Speer.
Nach der Reichspogromnacht 1938 ersann er, den deutschen Juden eine Geldbuße von einer Milliarde Reichsmark aufzuerlegen. Später, 1941, sollte auch er den Befehl an Heydrich zur 'Endlösung' der Judenfrage unterzeichnen. Im Nürnberger Prozess behauptete er allerdings später, nichts von der Ermordung der Juden gewusst zu haben. Hitlers Kriegsplänen stand Göring skeptisch gegenüber, da er deren Erfolgsmöglichkeiten bezweifelte. 1938, in der Tschechenkrise, arrangierte er - hinter dem Rücken des Außenministers Ribbentrop, gemeinsam mit Mussolini die Konferenz von München. Hitler nahm ihm dies übel, da die Krise nach seiner Ansicht ein einmalig günstiger Anlass für seinen Krieg gewesen wäre. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs wurde Göring außenpolitisch kaltgestellt, um nicht noch einmal Hitlers Pläne zu stören.
Im Juli 1940 wurde Göring vom Generalfeldmarschall zum Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches befördert, ein eigens für ihn geschaffener Dienstgrad.
Bis zum Frankreichfeldzug wurde Göring als Held der Luftwaffe gefeiert; seine nicht einhaltbare Zusage, die Evakuierung der englischen Truppen in Dünkirchen durch die Luftwaffe zu verhindern, wurde im Siegesrausch vergessen. Als sich das Kriegsgeschick wendete (und vor allem auch wegen Görings katastrophaler Luftkriegsstrategie gegen England, s. Luftschlacht um England), fiel er mehr und mehr in Ungnade. Er war auch mitverantwortlich für das Debakel von Stalingrad, weil er Hitler wider besseres Wissen zusagte, die eingekesselte Armee aus der Luft versorgen zu können. In seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan organisierte er die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete. Dass dabei Millionen von Menschen verhungern würden, bezeichnete er als notwendig und erwünscht.
Im Volksmund wurde Göring wegen seiner auffälligen, oft aus Uniform und vielen Orden bestehenden Garderobe Goldfasan oder "Lametta-Heini" genannt. Er bekleidete unzählige Posten, die er sich alle gut bezahlen ließ. Wie Hitler und Himmler unterstand auch Hermann Göring eine bewaffnete „Elite-Einheit“: Die SA-Standarte „Feldherrenhalle“, deren „Ehren-Standartenführer“ er wurde.
Nicht nur seine Gier nach Auszeichnungen, auch seine Sammelleidenschaft und Prunksucht war maßlos: Museumsdirektoren zitterten vor seinem Besuch, da er Gemälde, die ihm gefielen, einfach konfiszieren ließ. Trotz der angespannten Lage der deutschen Streitkräfte in der Sowjetunion feiert Göring seinen 50. Geburtstag mit enormem Aufwand und fordert vom Finanzminister weitere 2 Mio. Reichsmark zur Vergrößerung von „Carinhall“. Hitler war diese Korruption bekannt und er duldete sie.
In seinem politischen Testament vom 29. April 1945 enthob ihn Hitler aller Ämter, verstieß ihn aus der Partei und ließ ihn letztendlich verhaften. Direkt vorangegangen war die Fehleinschätzung Görings, Hitlers Ankündigung, er würde bis zum Schluss in der Reichskanzlei bleiben, als Abdankung zu sehen und zu versuchen, nach dem Gesetz von 1934 die Nachfolge Hitlers anzutreten.
Von Göring selbst stammt eine andere Version, danach hatte er von Anfang an drei Kapseln bei sich. Eine versteckte er so, dass sie "gefunden" wurde, eine weitere wurde so gründlich versteckt, dass sie nicht gefunden wurde, während des Nürnberger Prozesses hatte Göring diese Kapsel bei sich im Stiefel. Die dritte Kapsel befand sich in einer Dose mit Hautcreme in Görings Gepäck, auf die Göring durch einen amerikanischen Offizier, dessen Vertrauen er zu diesem Zweck gewinnen konnte, Zugriff hatte.
Görings Leben und vor allem seine Karriere wurden in der dreiteiligen Dokumentationsreihe Göring - Eine Karriere dargestellt.
Mann | Deutscher | Militärperson (Deutsches Reich) | Militärperson (3. Reich, Luftwaffe) | Jagdpilot (Erster Weltkrieg) | Pour le Mérite (Militärorden) | NSDAP-Mitglied | SA-Mitglied | Politiker (Weimarer Republik) | Reichstagsabgeordneter | Ministerpräsident (Preußen) | Kriegsverbrecher | Politiker (3. Reich) | Geboren 1893 | Gestorben 1946 | Luftkrieg
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