| Herbst-Drehwurz | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Orchideen (Orchidaceae) |
| : | Neottioideae |
| : | Cranichideae |
| : | Spiranthinae |
| : | Drehwurzen (Spiranthes) |
| : | Herbst-Drehwurz |
Die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis), auch Drehähre, Schraubenstendel oder Herbst-Wendelähre genannt, aus der Gattung der Drehwurzen (Spiranthes) ist die am spätesten blühende heimische Orchideenart. Durch ihre besonderen Ansprüche an ihren Standort ist sie sehr selten geworden.
Die sehr zierlich anmutenden Pflanzen variieren in der Größe zwischen 5 und 30 cm. Die Blattrosette formt sich aus 3-7 glänzenden Blättern, die in aller Regel dicht am Boden anliegen mit einer Länge von 1,5 bis 3,5 cm und einer Breite von 1 bis 1,5 cm. Entlang des Blütenstängels befinden sich 3 bis 5 scheidige Blättern. Er ist besonders im Bereich der Blütenähre stark behaart und gibt diesem ein graugrünes Aussehen. Die Blütenähre ist 3 bis 12 cm lang und mehr oder weniger spiralförmig gedreht. Die Blüten sind klein und duftend. Die drei Tepalen des äußeren, die zwei des inneren Perigonkreises und die Lippe sind ca. 5-7 mm lang. Der Rand der Lippe ist gekerbt und erscheint aus der Nähe betrachtet wie ausgefranst.
Der Wachstumszyklus während der Vegationsperiode weicht bei dieser Art sehr stark von den anderen heimischen Orchideen ab: Zwischen Juli und August beginnt der Blütentrieb zu wachsen. Zu dieser Zeit sind noch keine Laubblätter sichtbar. Während der Blütezeit zwischen Ende August und Anfang Oktober treiben sie direkt neben dem Blütentrieb aus. Sie überdauern den Winter und verwelken bis zum Beginn des Sommers. Der nächste Blütentrieb wächst dann aus der Mitte der nicht mehr vorhandenen Blattrosette.
Die Pflanze besitzt zwei Rüben als Speicherorgane, die auch als Wurzeln das Wasser aufnehmen. Es werden keine zusätzlichen Wurzeln gebildet. Vom Herbst bis zum Einziehen der Pflanze werden in der Regel zwei neue Rüben gebildet, seltener auch nur eine oder drei. Die alten sterben langsam ab.
Wie viele andere heimische Orchideen, zum Beispiel die Ragwurzen (Ophrys), ist die ursprüngliche Herkunft der Herbst-Drehwurz das Mittelmeergebiet. Erst als der Mensch zwischen 7.000 und 4000 v. Chr sesshaft wurde und Wälder rodete, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, entstanden die Lebensräume für diese Orchidee und die Ausbreitung nach Norden begann.
In Deutschland liegen die Verbreitungsschwerpunkte auf der Frankenhöhe, im Fränkischen Jura, der Schwäbischen Alb und im Alpenvorland. Wenige Standorte im südlichen Sachsen-Anhalt. Außerhalb dieser Gebiete nur noch sehr selten anzutreffen. Im Westen und Nordwesten Deutschlands sind vermutlich alle Standorte erloschen.
In Österreich kommt die Art noch in allen Bundesländern vor, ist aber ebenfalls selten.
In der Schweiz liegen die meisten aktuellen Nachweise am Vierwaldstättersee, im Rheintal bei Chur, im Gebiet des Walensee und im Tessin.
Typische Begleitpflanzen sind oft die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Besenheide (Calluna vulgaris) und der Steife Augentrost (Euphrasia stricta).
Die Böden der Biotope sind in der Regel oberflächlich versauert, was auch verschiedene Begleitpflanzen andeuten, z. B. die Besenheide. Selten findet man sie zusammen mit kalkliebenden Pflanzen. Beispielsweise am Rand des Nördlinger Ries wächst sie zusammen mit der Silberdistel und der Gewöhnlichen Kuhschelle, die beide kalkliebend sind.
Nach dem trockenen Sommer 2003 gab es wenig bis keine blühende Pflanzen. Erwartet wurde eine verspätete Blüte im Oktober, aber diese Vermutung bestätigte sich nicht.
Pflanzengesellschaften:
(Aufschlüsselung siehe Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer)
Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch die Herbst-Drehwurz unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.
Die Herbst-Drehwurz ist abhängig von der regelmäßigen Beweidung ihrer Standorte durch Schafe. Wird diese aufgegeben, verfilzen die Flächen schnell und die konkurrenzschwache Art wird von größeren Pflanzen überwuchert und erhält nicht mehr genug Licht zur Photosynthese. Zunächst bleiben die Blüten aus, nach wenigen Jahren verschwinden auch die Pflanzen. Zu starke oder zur falschen Zeit durchgeführte Beweidungen stellen ebenfalls eine Gefährdung dar. Verweilen die Schafherden zur Blütezeit zu lange auf den Standorten werden die Blütentriebe entweder abgefressen oder niedergetrampelt. Eine rasch durchziehende Herde hinterläßt aber in der Regel genügend Blütentriebe, deren Samen für den Erhalt der Art sorgen.
Die Bestandsentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist abnehmend.
Um auf diese in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohte Art hinzuweisen, wurde sie im Jahr 2001 vom Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) in Deutschland zur Orchidee des Jahres erklärt.
Es wurde eine Hybride mit der Sommer-Drehwurz (Spiranthes aestivalis) beschrieben.
Siehe auch:
Regionale Links
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