Herborn ist eine alte, pittoreske
Fachwerkstadt an der
Dill im
Lahn-Dill-Kreis in
Deutschland, die bereits vor dem
Ersten Weltkrieg Eigenwerbung als "
Nassauisches Rothenburg" betrieb.
Geografie
Nachbargemeinden
Herborn grenzt im Norden an die Stadt
Dillenburg, im Nordosten an die Gemeinde
Siegbach, im Osten an die Gemeinde
Mittenaar, im Südosten an die Gemeinde
Sinn, im Süden an die Gemeinde
Greifenstein, sowie im Westen an die Gemeinden
Driedorf und
Breitscheid (alle im Lahn-Dill-Kreis).
Stadtgliederung
Herborn gliedert sich in die Stadtteile Amdorf, Burg, Guntersdorf, Hirschberg, Hörbach, Merkenbach, Schönbach, Seelbach und Uckersdorf und die Kernstadt Herborn.
Einwohner
(jeweils zum 31. Dezember)
Politik
Stadtverordnetenversammlung
Bei der Kommunalwahl am 26.03.2006 ergab sich folgende Sitzverteilung in der Herborner Stadtverordnetenversammlung:
Geschichte
Herborn wurde
1048 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt
1251 auf Betreiben der Grafen von
Nassau Stadtrechte.
1584 erhielt Herborn eine Hohe Schule, eine Gründung Johanns VI. von Nassau-Dillenburg, eines jüngeren Bruders Wilhelms von Oranien und Namensgebers des heutigen Gymnasiums Johanneum.
In Herborn entstand ab 1602 die erste Bibelübersetzung der Reformierten durch Johannes Piscator, die in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und den USA das kirchliche Leben der reformierten Gemeinden entscheidend geprägt hat. Sie ist in der akademischen Druckerei von Corvinus (heute ''Corvinsche Druckerei' bzw. Paul's Hof, benannt nach dem Besitzer, der Familie Paul') gedruckt worden.
1626 verlor die Stadt durch ein Feuer, das durch einen Unfall bei der Einquartierung von Soldaten entstand, 214 Häuser. Wenig später erlebten Herborn und Umgebung eine Welle von Hexenprozessen.
Zum Ende des 30-jährigen Krieges pflegte die Bürgerschaft 50 schwedische Soldaten, was ihr den Schutz durch die schwedische Armee einbrachte und damit den Ruf einer "Lazarettstadt", der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs währte.
Nach dem Wiener Kongress geriet Herborn in eine Randlage zu Preußen und seine Wirtschaft litt unter den Einfuhrzöllen. Erst 1836 trat Hessen-Nassau dem Zollverein bei und wurde 1866 sogar ganz von Preußen annektiert.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Herborn vom Bombenkrieg weitgehend verschont, nicht jedoch von der Auslöschung der jüdischen Gemeinde 1942 und der Deportation und Tötung zahlreicher Patienten der Psychiatrischen Kliniken.
Die Stadt wurde überregional bekannt durch ein Lastwagenunglück: Nach einer Schussfahrt mit überhöhter Geschwindigkeit aufgrund defekter Bremsen raste am 7. Juli 1987 gegen 20:45 Uhr ein mit etwa 34.000 Litern Kraftstoff beladener Tanklaster in ein Haus, in dem sich eine Eisdiele und eine - zu dem Zeitpunkt zum Glück geschlossene - Pizzeria befand. Der auslaufende Kraftstoff floss in die Kanalisation, explodierte und setzte mehrere Häuser in Brand. Insgesamt kamen sechs Menschen ums Leben, 40 wurden verletzt.
Hohe Schule Herborn
1584 wurde von
Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg die
Academia Nassauensis, die
Hohe Schule Herborn, gegründet. Diese später
reformierte universitätsähnliche Hochschule war mit vier Fakultäten ausgestattet. Trotz wiederholter Bemühungen lag noch um 1750 kein kaiserliches Privileg für die Führung der Bezeichnung "Universität" und die damit verbundenen Privilegien vor.
Herborn war die kleinste deutsche Hochschule mit nie mehr als 100 Studenten, was allerdings in ein Verhältnis mit der damaligen durchschnittlichen Hörerzahl von 300 bis 400 Studenten zu setzen ist. Weil sich der Kaiser trotz der unbestritten hohen Qualität der Lehre weigerte, der Hohen Schule die Universitätsprivilegien zu verleihen, hatte diese niemals ein Promotionsrecht.
Sie wurde bald eine der wichtigsten Bildungsstätten der kalvinistisch-Reformierten in Europa. Der bedeutendste Student war Johann Amos Comenius von 1611 bis 1613, ein bekannter Förderer der Pädagogik.
Die Universität wurde 1817 geschlossen; die theologische Fakultät wurde in ein evangelisches theologisches Seminar umgewandelt. 1825 wurde der spätere Prälat (Landesbischof) der Badischen Landeskirche, D. Ludwig Hüffell, zum Professor in Herborn ernannt.
Heute befindet sich hier ein Theologisches Seminar der evangelischen Landeskirche.
Städtepartnerschaften
Herborn unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
- Museum Herborn in der Hohen Schule
- Heimatmuseum Herborn-Seelbach
- Heimat- und Industriemuseum Burg
- Heimatstube Hörbach
- Infozentrum der EAM
Bauwerke
Rathaus
Herborn.jpg
aus dem 16. Jahrhundert, nach einem Brand im 17. Jh. wieder aufgebaut.
Besonderheit des Herborner Rathauses ist der umlaufende
Fries mit den Wappen Herborner Bürgerfamilien.
Weitere Bauwerke
- Die Evangelische Stadtkirche aus den Jahren 1598-1609
- Die zahlreichen Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jh.
- Der Marktbrunnen aus dem Jahre 1730
- Der Paulshof aus dem Jahre 1606
- Die Hohe Schule (mit dem Heimatmuseum) aus den Jahren 1591-1599, im Jahre 1645 umgebaut
- Die Stadtmauer mit einigen erhaltenen Türmen
- Das Schloss
Parks
Der Ortsteil Uckersdorf bildet mit seinem Vogelpark einen überregionalen Anziehungspunkt.
Naturdenkmäler
Touristisch ist nicht nur die Altstadt attraktiv, sondern auch die umgebende Mittelgebirgslandschaft des sich westlich anschließenden
Westerwaldes.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Sommerfest (Juli)
- Bärenkirmes (August)
- Martinimarkt (November)
- Ponyfest in Herborn/Schönbach (Mai/Juni)
Ferienstraßen
Herborn liegt an der
Deutschen Fachwerkstraße und an der
Solmser Straße.
Infrastruktur
Verkehr
Herborn_Blick_auf_die_Stadt.jpg
Die Stadt liegt direkt an der Autobahn
A 45 / (
E 40/
41) sowie an der Bahnstrecke
Siegen—
Herborn—
Wetzlar—
Gießen und gehört dem
Rhein-Main-Verkehrsverbund an.
Medien
Neben dem Herborner Tageblatt, einem Ableger der Wetzlarer Neuen Zeitung gibt es zur Zeit das Herborner Echo aus dem Dillenburger Verlag Weidenbach, welches mit erstgenannter, außer im Lokalbereich, eng verknüpft ist.
Öffentliche Einrichtungen
- Polizei (Schutzpolizei)
- Amtsgericht
- Feuerwehr
- Rehbergpark g. GmbH (Zentrum für Soziale Psychiatrie)
- Staatl. Amt für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz u. Veterinärwesen
- Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche
- Gesundheitsamt des Lahn-Dill-Kreises
Bildung
In Herborn gibt es zur Zeit 10 Kindergärten bzw. Kindertagesstätten von denen 5 durch die Stadt Herborn und 5 durch die evangelische und katholische Kirchengemeinde betrieben werden. Insgesamt werden ca. 700 Kindergartenplätze angeboten.
Die Diesterweg-Grund- und Hauptschule befindet sich in der Innenstadt, die Comenius-Grund-,Haupt- und Realschule in der Alsbach und das Johanneum-Gymnasium in der Au.
Außerdem ist im Schloss von Herborn das (einzige) Theologische Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beheimatet, ein (letzter) Ableger der untergegangenen Hohen Schule und Erbe der bedeutenden Bibliothek.
Literatur
- Gottfried Zedler/ Hans Sommer: Die Matrikel der Hohen Schule und des Paedagogiums zu Herborn, Wiesbaden 1908
- Gerhard Menk: Die Hohe Schule Herborn in ihrer Frühzeit (1584 - 1660). Ein Beitrag zum Hochschulwesen des dt. Kalvinismus im Zeitalter der Gegenreformation, Wiesbaden 1981
Siehe auch
Weblinks
- http://www.herborn.de/
- http://herborn1987.de/
-
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