Herbert von Karajan (geboren als Heribert Ritter von Karajan; griechisch-mazedonische Vorfahren namens Karajanis aus Kozani, nach anderen Quellen auch Karajanopoulos; * 5. April 1908 in Salzburg; † 16. Juli 1989 in Anif bei Salzburg) war ein bedeutender österreichischer Dirigent.
1946 wurde ihm von der russischen Besatzungsmacht wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft Berufsverbot erteilt, das aber 1947 bereits wieder aufgehoben wurde. 1948 wurde er Direktor und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (seit 1949 auf Lebenszeit). Ab diesem Zeitpunkt begann seine eigentliche Karriere. Nach einem Engagement an der Mailänder Scala (ständiger Gastdirigent von 1948 bis 1968) wurde er 1955 Nachfolger von Wilhelm Furtwängler und Sergiu Celibidache als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker (von diesem ursprünglich auf Lebenszeit abgeschlossenen Posten trat er im April 1989 zurück). Außerdem war er von 1957-1964 künstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper, wo er entscheidend zum Weltruhm des Hauses beitrug und viele wichtige Sänger erstmals an das Haus holte. Wegen eines Streites mit Direktor Egon Hilbert infolge eines Streiks des Opernpersonals verließ er die Staatsoper schließlich vorzeitig (es ging dabei um die Arbeitsbewilligung für einen von Karajan gewünschten italienischen Souffleur). Ab diesem Zeitpunkt wurde er zunehmend von gesundheitlichen Problemen geplagt. Trotzdem unternahm er noch zahlreiche Tourneen in alle Welt. 1967 begründete er die Salzburger Osterfestspiele, die er bis zu seinem Tod leitete: Jedes Jahr erarbeitete er dort eine Opernneuproduktion, als Orchester dienten ihm die Berliner Philharmoniker, bis er nach dem Bruch mit diesem Klangkörper 1989 erstmals auf das Leipziger Gewandhausorchester zurückgriff.
Herbert von Karajan war ein Gründungsmitglied der Paul-Hindemith-Gesellschaft in Berlin e.V.. Er war auch stark an den Techniken der Musikreproduktion interessiert und legte sehr viel Wert auf die Berichterstattung der Medien über klassische Musik. Er führte als einziger Österreicher nach Ende der Monarchie seinen Adelstitel, den er als Künstlernamen verstand.
Karajans Musizierstil war meist (in seiner frühen Zeit bei EMI war das anders) etwas akademisch ohne große Wagnisse, legte jedoch enormen Wert auf den Klang. Sein Klangideal war ein "entmaterialisierter" Klang, der alle Ansatzgeräusche etc. vermeidet. Das führte bei klangsinnlichen Werken wie solchen des Impressionismus oder auch bei Jean Sibelius zu großartigen Ergebnissen (Karajan dürfte der größte "Klangmagier" überhaupt gewesen sein), beim klassisch/romantischen Repertoire wurde sein Klangideal aber häufig als oberflächlich poliert kritisiert. Seine letzte Aufnahme war Bruckners 7. Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern.
Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u.a. erhielt er 1961 das österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1978 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wien). Seit 1997 finden im Festspielhaus Baden-Baden die "Herbert von Karajan Pfingstfestspiele" statt. Seit 2003 wird ebenfalls in Baden-Baden der Herbert-von-Karajan-Musikpreis verliehen.
Sony-Chef und Gründer Akito Morita war ein großer Freund klassischer Musik und insbesondere auch ein großer Verehrer Karajans und investierte enorm in das neue Medium CD. So entstand in der Kapelle von Karajans Anwesen das seinerzeit fortschrittlichste Aufnahmestudio der Welt, und fast alle heutigen bekannten digitalen Aufnahme- und vor allem Mikrofonierungstechniken entstanden dort, als Morita die besten Ingenieure und Tontechniker aus aller Welt dort versammelte, um Karajans "digitale Einspielung" des klassischen Standardrepertoires aufzunehmen. Diese Aufnahmen wurden wechselnd mit den Wienern und den Berlinern aufgenommen. Karajan trieb die Musiker und Tontechniker hierbei geradezu sklavisch an, um den "perfekten" Klang aufzunehmen: Frei von Ansatzgeräuschen, rauschfrei, jede Stimme, ja jedes Instrument sollte klar erkennbar sein und lebendig klingen. Es brauchte endlose Sitzungen, bis Karajan zufrieden war. In einem während dieser Aufnahmen entstandenen Dokumentarfilm kommen so auch Musiker und Tontechniker zu Wort, die sich verständlicherweise wenig begeistert über diese Akribie Karajans äußern. Diese Aufnahmen gelten heute allerdings als wenig gelungenes Beispiel frühen "Digitalklangs" - undurchsichtig und mit gläsern synthetischem Streicherklang. Unter dem Titel "Karajan Gold" versuchte die Deutsche Grammophon ein Remastering, das allerdings nur eine gewisse Besserung brachte.
Seine technischen Interessen erstreckten sich nicht nur auf die Aufnahmetechnik. Er war ein Freund schneller Autos und gehörte als langjähriger Porsche-Fahrer zu dem geringen Kreis Prominenter, die das limitierte Modell 959 erhielten. Daneben besaß er einen Pilotenschein und flog nicht selten seine eigene Cessna. Auch segeln auf größeren Yachten gehörte zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Meist wurden diese Aktivitäten - gewollt - medial begleitet.
Mann | Dirigent | Österreicher | NSDAP-Mitglied | Ehrenbürger | Korporierter (Schülerverbindung) | Geboren 1908 | Gestorben 1989
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