Hera - Meyers.jpg | Hera1.JPG | Hera2.JPG Hera (Ἥρα) ist in der griechischen Mythologie die Gattin des Zeus. Hera ist die weibliche Form von "Heros" (Herr). Ihr obliegt der Schutz der Ehe und der Niederkunft.
Die eifersüchtige Hera beobachtet argwöhnisch die vielen Liebschaften Zeus' und weiß, wenn er ihren Wünschen nicht Folge leistet, ihrem Ärger durch Schmollen oder unbändiges Gezänk Luft zu machen. Zu tätigem Widerstand fehlt ihr jedoch der Mut; droht er ihr, so lenkt sie alsbald ein, weiß sich dann aber der List zu bedienen. Bereits Homer schildert dies nicht ohne Ironie (und Egon Friedell hat ihm bereits zugesprochen, damit die „unverstandene Frau“ charakterisiert zu haben).
Vielmehr sind die Kinder, als deren Mutter sie in der ältern Sage erscheint, alle auch Kinder des Zeus. So Ares, Hebe, die Eileithyien, jene die reife, mannbare Jungfrau, diese die Geburtsgöttinnen, endlich Hephaistos. Hera ist auch Wächterin über die Geheimnisse des ehelichen Lebens. Sie erscheint darum auch als Helferin in den Nöten der Entbindung, und in Argos wurde sie geradezu als Eileithyia, als Geburtsgöttin, verehrt. Wenn sie den Dionysos verfolgt und in Raserei stürzt und das gleiche Los über Athamas verhängt, weil er Erzieher des Gottes war, sowie über Ino, die denselben von Hermes zur Pflege empfangen hatte, so erscheint sie als Wächterin der Reinheit des olympischen Stammes.
Der Versuch der Hera, in Verbindung mit Poseidon und Athene den Zeus zu fesseln, deutet wohl ebenfalls auf einen Aufruhr der Natur hin. Wenn Hera sich mit den finstern Mächten der Tiefe verbindet und verderbliche Mächte erzeugt, so ist dies ein Bild der gefährlichen, in dichten Nebeln über der Erde gelagerten Luft. Auch der Pfau, welcher ihr als Attribut beigegeben ist, und dessen Augen im entfalteten Schweif die Pracht des gestirnten Himmels bedeuten, hat eine Beziehung zu ihrem Wesen. Doch ist zuzugestehen, daß eine Reihe von Zügen der Mythen um Hera auch auf sie als Mondgöttin passt. Eine solche war ursprünglich auch die mit der griechischen H. identifizierte italische Iuno.
Der Granatapfel in ihrer Hand ist das Symbol ehelicher Fruchtbarkeit, was auch jene verhängnisvollen Äpfel bezeichnen, welche Gaia bei ihrer Hochzeit hatte wachsen lassen. Die gewöhnlichsten Attribute sind außerdem: das Szepter als Zeichen der Herrschaft, die Patera oder Opferschale in der Hand, der Pfau (dessen Augen auf den Federn als die ihres getöteten einst tausendäugigen Dieners Argus gedacht werden) zu ihren Füßen, auch wohl der Kuckuck (als Bote des Frühlings), Blumen und Blätter (als Symbole des Natursegens).
Berühmt vor allen anderen Bildern war die kolossale Goldelfenbeinstatue des Polykleitos in ihrem Tempel bei Argos, von der uns römische Münzbilder noch eine Vorstellung geben. Hera erschien hier auf reich geschmücktem Thron sitzend, die Stirn mit einem Diadem geschmückt, worauf die Chariten und Horen im Relief gebildet waren; in der einen Hand hielt sie einen Granatapfel, in der anderen das Zepter, worauf der Kuckuck saß. Die Strenge dieser ältern Auffassung ist noch bewahrt in dem Farnesischen Herakopf in Neapel, während jüngere Werke mehr das Frauenhafte oder Königliche in der Göttin betonen.
Beides ist aufs Schönste vereinigt in dem vielbewunderten, von einer Kolossalstatue stammenden Kopf der Hera Ludovisi in Rom. Unter den statuarischen Darstellungen sind die bedeutendsten: die Barberinische Juno im Vatikan zu Rom und ein Marmortorso von Ephesos in Wien; erstere gibt das Motiv der Hera Teleia (Iuno Pronuba), deren berühmtestes Bild Praxiteles für Plataiai geschaffen hatte. Eine eigentümliche Gestaltung der Göttin, die aber die Kunst wenig beschäftigt hat, ist die Hera Eileithyia (Iuno Lucina). Unter den Mythen der Hera ist derjenige von der heiligen Hochzeit (hieros gamos) mit Zeus am häufigsten behandelt worden.
Stammbaum der griechischen Götter Die Übersetzung boopis = kindsäugig dürfte auf einem Rechtschreibfehler beruhen, es sollte rindsäugig oder besser kuhäugig heißen, siehe z. B. Benseler-Kaegi, Griechisch-Deutsches Schulwörterbuch 13. Auflage von 1911, Leipzig und Berlin, Druck und Verlag von B. G. Teubner, Seite 158: boopis von bous und ops = kuhäugig, großäugig, mit stark vorquellenden Augen, die als Schönheit galten. Beiname von Frauen, bes. aber der (kuhköpfigen) Here.
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