Hephthaliten-Reich (425-563).PNG Die Hephthaliten waren ein Volk oder auch eine Dynastie mit unklarem Ursprung, welche um 425 ein Reich in Mittelasien begründete, das bis 563 bestand. Als Alternativbezeichnungen sind auch aus dem Chin. „Yeh-tai“ und aus dem Arab. „Haital“ bekannt.
Eine gebräuchliche Alternativbezeichnung des Volkes lautet Weiße Hunnen. Sie ist aus der türkischen Turkologie als Ak Hun (Weiße Hunnen) bekannt. Auch die Römer bzw. Byzantiner benannten sie verschiedentlich als Weiße Hunnen, die Inder verwendeten ebenfalls den Begriff (Sveta) Hunas, wobei hier jedoch unklar ist, ob damit die Hephthaliten oder bestimmte, ihnen nicht näher verwandte Nachfolger gemeint sind. Man geht heute davon aus, dass sie zumindest zum Teil zur Völkerfamilie der Indogermanen gehörten und womöglich verwandt waren mit den Tocharern oder Iraniern. Auch turkomongolischer oder hunnischer Einfluss, etwa aus dem Altai-Gebiet, kann nicht abgesprochen werden.
In religiöser Hinsicht werden im Liang-shu die Verehrung von Himmel und Feuer (wohl Zoroastrismus) erwähnt. Nach Aussage der den Pilgermönche Sung-Yün und Hui Sheng (um 520) waren es keine Buddhisten, doch legen archäologische Hinweise auch diese Religion nahe. Eine chinesische Chronik (das Zhou Shu) behauptet, dass die Hephthaliten Polyandrie getrieben hätten. Diese Behauptung wird in den erst kürzlich entdeckten Schriftrollen von Baktrien, welche vom Iranistiker und Baktrien-Experten N. Sims-Williams untersucht wurden, bestätigt – womöglich ein Beleg für ihre (überwiegend) indogermanische Herkunft, denn Polyandrie war nachweislich in iranischen Gebieten weit verbreitet (Prof. Enoki Kazuo, "On the nationality of Hephthalites", 1955) .
Es gibt jedoch auch schwache Belege für den Gebrauch türkischer Mundarten (oder ihnen verwandte Sprachen); so könnte der Name „Mihirakula“ von mihr-qul, d.h. Sklave Mithras abgeleitet sein. Es ist hier aber anzumerken, dass „Mihirakula“ zu den späteren „Weißen Hunnen“ des indischen Subkontinents gehörte und es nicht eindeutig geklärt ist, ob es sich bei diesen „Weißen Hunnen“ tatsächlich um Hephthaliten gehandelt hat, da indische Quellen kaum zwischen Chioniten, Hephthaliten, Hunnen oder anderen Invasoren unterscheiden und diese allgemein als „Hunnen“ bezeichnen. Gesichert ist zumindest der Gebrauch einiger türkischer Adelstitel (z.B. „Khagan“), welche aber auch erst nach dem Influx türkischer Nomaden ins hephthalitische Gebiet ihren Weg in die baktrischen Dokumente gefunden haben könnten.
Gemäß den Pilgermönchen Sung-Yün und Hui Sheng haben die Hephtaliten keine Schrift gehabt, laut dem Liang-shu keine Buchstaben. Die Münz-Inschriften in griechischer Kursivschrift sind daher eher als Verwaltungs- oder Propagandamaßnahme einzuordnen, etwas, was es auch schon bei den Kuschan gab.
Nach der Vernichtung der Kidariten-Horde verlagerte sich ihr Interessenschwerpunkt im frühen 6. Jahrhundert auf Indien. Unter Toramana (reg. ca. 490-510/5) erreichte der Staat der Hephthaliten seinen Machthöhepunkt. Toramana siegte bei Eran über den Gupta-Thronanwärter Bhanugupta (reg. 503-30) und seinen General Goparaja, der in der Schlacht fiel. Die indischen Quellen bieten dazu eine übereinstimmende Schilderung von Grausamkeit und Unterdrückung. Bhanugupta zog sich nach Bengalen zurück.
Das Hephthaliten-Reich wurde zwischen 557 und 563 von einem Bündnis zwischen Göktürken (unter Istämi Shad/Khagan († 576)) und Sassaniden (unter Chosrau I.) vernichtet. Die entscheidende Schlacht bei Buchara 563 soll acht Tage gedauert haben. Reste der Hephthaliten hielten sich noch mehrere Jahrzehnte im indischen Grenzgebiet (vgl. Harsha) und gingen allmählich im ostiranischen wie auch indischen Volkstum auf. Für die Perser brachte die Zerschlagung des Hephthalitenreich jedoch nicht die erhoffte Entlastung an der Nordostgrenze, da an ihre Stelle bald die Türken traten.
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