Henri Langlois (* 13. November 1914 in İzmir, Türkei, † 13. Januar 1977 in Paris) war ein bedeutender Filmarchivar und der Gründer und langjährige Leiter der Cinémathèque Française.
Unter seiner Führung war die Arbeit der Cinémathèque stark durch Langlois' "freihändigen" Stil geprägt. Bestandsverzeichnisse, die professionellen Maßstäben genügt hätten, gab es für lange Zeit nicht, weil Langlois alles im Kopf hatte. Außerdem wurde nicht immer Wert auf eine sachgemäße Lagerung gelegt. Und zwar auch mit der Konsequenz, dass eine Reihe von Filmkopien verrotteten bzw. einem Brand zum Opfer fielen. Unkonventionell war auch die Führungsstruktur: Langlois ließ sich von niemandem in die Karten schauen und hatte seine Ehefrau Mary Meerson, Lotte H. Eisner sowie Marie Epstein, die Schwester des Regisseurs Jean Epstein, als inneren Zirkel um sich geschart.
Der zunehmenden Bedeutung der Cinémathèque als "Gedächtnis des Kinos" schadeten diese Verhältnisse aber nicht wirklich. Während der Besetzung Frankreichs durch die deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg konnten zum Beispiel zahlreiche Filme vor dem Zugriff der Besatzer gerettet werden. Von den Beständen alter Filme ging darüber hinaus eine enorme Wirkung auf die Arbeit der Regisseure der Nouvelle Vague (unter anderem François Truffaut, Jean-Luc Godard, Claude Chabrol und Alain Resnais) aus. Einige von ihnen wurden deshalb als les enfants de la cinémathèque (Kinder der Cinémathèque) bezeichnet.
Langlois' eigenwilligen Führungsstil nahm der damalige Kulturminister, der Filmemacher André Malraux, im Jahr 1968 zum Anlass, die staatlichen Subventionen für die Cinémathèque zu streichen. Das Ziel dieser Aktion, nämlich die Entlassung Langlois', konnte Malraux damit allerdings nicht erreichen. Zwar wurde die Cinémathèque für einige Zeit geschlossen. Unter maßgeblicher Beteiligung von Alain Resnais, Francois Truffaut, Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Jean-Luc Godard und anderer Größen des Kinos kam es zu massiven Protesten und sogar zu einer kurzzeitigen Unterbrechung der Filmfestspiele von Cannes. Malraux musste daraufhin schließlich einlenken. Diese so genannte "Langlois-Affäre" ist später in mehreren Spielfilmen verewigt worden, so im Vorspann von Truffauts Geraubte Küsse und in Bertoluccis Die Träumer.
Über Langlois' Lebenswerk gibt der im Jahr 1970 gedrehte Dokumentarfilm Henri Langlois Auskunft. In Interviews äußern sich darin u.a. Ingrid Bergman, Lillian Gish, François Truffaut, Catherine Deneuve und Jeanne Moreau. Für sein Lebenswerk erhielt Langlois im Jahr 1974 einen Ehrenoscar.
Henri Langlois starb am 13. Januar 1977 an Herzversagen und wurde auf dem Pariser Friedhof Montparnasse beigesetzt. Posthum wurde er im gleichen Jahr mit dem Ehrenpreis des César ausgezeichnet.
Mann | Franzose | Geboren 1914 | Gestorben 1977 | Archivar | Filmgeschichte
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