Hemer ist eine
mittlere kreisangehörige Stadt in
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland. Sie liegt im Norden des
Sauerlandes und gehört zum
Märkischen Kreis.
Geografie
Geografische Lage
Hemer liegt an der
Oese (bzw. am Hemer-Bach) in einer von ausgedehnten Wäldern bestimmten Mittelgebirgslandschaft im Nordwesten des
Sauerlandes. Der höchste Punkt im Stadtgebiet ist eine Erhebung des
Balver Waldes mit knapp 550 m, wohingegen der niedrigste Punkte nur 160 m über dem Meeresspiegel (in der Nähe des Gutes Edelburg) liegt. Nahe des Ortsteils Deilinghofen liegt das überregional bekannte
Felsenmeer.
Geologie
Hemer gehört zum
Rheinischen Schiefergebirge. Neben dem
Schiefer liegen
Kalkgesteine vor. Zwischen dem Ortsteil
Becke und der Stadt
Menden liegt deshalb auch ein Kalk
steinbruch.
Ausdehnung des Stadtgebiets
Die längste Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 11,3 km, von West nach Ost liegt sie bei ungefähr 8,1 km.
Landschaftlich gesehen dehnt sich das Stadtgebiet über das waldreiche Mendener Hügelland im Norden, die dicht besiedelte, weil waldarme Iserlohner Kalksenke und der Balver Wald im Süden aus. Wohngebiete erstrecken sich vor allem über die Südhänge des Hügellandes und die Kalksenke. Der Balver Wald ist weniger dicht besiedelt. Nur in den zwei Haupt-Bachläufen (Heppingser und Ihmerter Bach) haben sich Siedlungen gebildet.
Nachbargemeinden
Nachbarstädte sind im Uhrzeigersinn beginnend im Westen
Iserlohn,
Menden,
Balve,
Neuenrade und
Altena. Die kürzeste direkte Grenze hat Hemer mit Neuenrade, die nicht einmal einen Kilometer lang ist, die längste ist die zu Iserlohn mit knapp 13 km. Die Grenze zu Menden ist etwa 9,5 km, zu Balve ca. 11,5 km und zu Altena knapp 2 km lang.
Stadtgliederung
Offiziell ist Hemer nicht in
Ortsteile gegliedert. Allerdings haben sowohl die ehemaligen Gemeinden als auch manche kleinere Siedlungen noch ihre eigene Identität.
Geschichte
Im heutigen Hemeraner Stadtgebiet lebten schon um 1250 v. Chr. Hirten und Bauern. Es wird angenommen, dass schon seit 80.000 v. Chr. Menschen, vor allem Sammler, durch das Gebiet Hemers zogen. Zwischen 600 und 100 v. Chr. war das Gebiet von keltischer Kultur geprägt. Danach siedelten germanische Stämme der
Istwäonen im Gebiet des heutigen Hemers. Aus dem Jahre 650 stammen Grabfunde nahe der heutigen Innenstadt. Diese fränkischen Stämme gehörten wahrscheinlich zu den
Boruktariern. Da die Sachsen ab 700 n.Chr. auch Hemer eroberten, stand es seitdem unter
westfälische Herrschaft. Doch schon 777 werden die Gebiete in das
Frankenland eingegliedert. Durch den
Vertrag von Verdun gehörte die Siedlung Hemers ab 843 zum
Ostfränkischen Reich. Funde aus dem Felsenmeer zeigen, dass schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts Bergbau in Hemer betrieben wurde. Ab 919 gehörte Hemer zum
Deutschen Reich.
Die erste urkundliche Erwähnung Hemers datiert auf das Jahr 1072, als in einer Urkunde des Erzbischofs von Köln die Siedlung Hademare (wasserreicher Ort) erwähnt wird. Im selben Jahrhundert wurde auch Landhausen (als Lantensele) erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit bestand Hemer aus zwei Höfen und einer Kirche, der Vitus-Kirche aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Ursprünglich gehörte Hemer zwar zur Pfarrei Menden, seit 1124 war es dann eine eigene. 1140 wurde auch Sundwig zum ersten Mal urkundlich erwähnt, Westigs urkundliche Ersterwähnung erfolgte 1200. Im 14. Jahrhundert, damals gehörte es zur Grafschaft Mark und war Grenzort zum kurkölnischen Territorium, was die Burgen und Rittersitze wie Burg Klusenstein erklärt, hieß die Siedlung Hedemer, aus dem 1538 erstmals Hemer wurde. In dieser Zeit war Hemer vor allem als Schutz für die befestigte Stadt Iserlohn gedacht. 1614 fiel Hemer durch Erbschaft an Brandenburg (Preußen) und damit die Hohenzollern.
Insgesamt vier Mal wütet die Pest in Hemer: 1616, 1620, 1623 und 1626. Von 1623 bis 1624 waren spanische Truppen in Hemer stationiert. Ab 1647 waren Nieder-, Oberhemer, Landhausen, Westig, Sundwig und Frönsberg im Gericht Hemer zusammen gefasst. 1700 wurde an die Stelle der Vitus-Kirche die St. Peter-und-Paul-Kirche gebaut, gestiftet von Jobst von Brabeck. Ab dem folgenden Jahr lag Hemer im Königreich Preußen. Nach einem großen Feuer 1648 brannte Niederhemer 1779 noch einmal ab. Mit dem Sieg Napoleons wurde Hemer 1806 Teil des Großherzogtums Berg. Am 2. Juni 1815 nach dem Sturz Napoleons wurde die von ihm gegründete Mairie Hemer zu einer Bürgermeisterei, der drei Steuergemeinden unterstellt waren (Hemer, Deilinghofen und Evingsen).
1841 wurde das Amt Hemer eingerichtet, welches die Gemeinden Becke, Brockhausen, Calle, Deilinghofen, Evingsen, Frönsberg, Ihmert, Kesbern, Landhausen, Lössel, Niederhemer, Oberhemer, Sundwig und Westig umfasste. Schon 1867 wurde die Amtssparkasse Hemer gegründet. 1892 wurde das Krankenhaus eröffnet. Am 1. April 1910 wurden Niederhemer und Oberhemer zur Gemeinde Hemer zusammengefasst, zum 1. August 1929 wurde aus Hemer, Sundwig, Westig und Landhausen sowie den nicht nach Iserlohn eingemeindeten Teilen der Gemeinde Calle eine gemeinsame Großgemeinde. Außerdem wurde Brockhausen mit Deilinghofen zusammengeführt. Am 30. Januar 1936 wurde Hemer das Stadtrecht verliehen. 1935 wurde Hemer Garnisonsstandort.
Während des Zweiten Weltkriegs befand sich das Kriegsgefangenenlager Stalag VI A in Hemer, in dem überwiegend sowjetische Kriegsgefangene Zwangsarbeit verrichten mussten. Am 14. April 1945 befreiten Teile der 9. US-Armee das Stalag VI A und damit 22.000 Gefangene. Die Stadt wurde zur Lazarettstadt. Auf zwei Kriegsgefangenenfriedhöfen liegen ca. 23.500 (meist sowjetische) Opfer beerdigt. Dabei ist die Kriegsgräberstätte auf dem Duloh mit 20.470 Toten die größere, am Höcklingser Weg liegen ca. 3.000 Opfer (die Zahlen sind teilweise geschätzt und werden in den nächsten Jahren durch die jetzt mögliche Forschung in den russischen Archiven präzisiert werden können). Ein Gedenkraum mit einer Ausstellung befindet sich in der Blücher-Kaserne und ist allgemein zugänglich. In der Nachkriegszeit errichteten die Alliierten im Ortsteil Deilinghofen eine Kaserne, in der zunächst kanadische, später britische Soldaten mit ihren Familien stationiert waren, und die das städtische Leben über mehrere Jahrzehnte mit prägten. So führte die von den Kanadiern gebaute Eishalle 1958 zur Gründung des Eishockey-Club Deilinghofen (ECD), heute Iserlohn Roosters. Es gab ein britisches Kino und einen britischen Supermarkt. Die Kaserne wurde nach der Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre aufgelöst und fast alle britischen Soldaten verließen die Stadt; ihre Wohnsiedlungen werden heute von der einheimischen Bevölkerung bewohnt.
Eingemeindungen
Das Amt Hemer wurde 1974 aufgelöst. Zum 1. Januar
1975 wurden die Gemeinden
Becke,
Deilinghofen,
Frönsberg und
Ihmert eingemeindet.
Lössel, das bereits 1920 zum Amt
Oestrich gewechselt war, wurde 1956 in
Letmathe eingemeindet, Evingsen war 1969 in
Altena eingemeindet worden. Kesbern wurde am 1. Januar 1975 in
Iserlohn eingemeindet, während alle anderen Gemeinden bis auf kleine Gebietsveränderungen in die Stadt Hemer integriert wurden.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner
|
| 1936 | 14.237 1)
|
| 1990 | 34.412
|
| 2002 | 38.017
|
| 2003 | 37.742
|
| 2004 | 37.898
|
| 2005 | 38.070
|
| 1) Stadt (Amt: 20.953)
|
Politik
Gemeinderat
Aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten erhöhte sich die Mitgliederzahl des
Rates der Stadt Hemer nach der
Kommunalwahl 2004 von 38 auf 42; davon entfallen auf die
- CDU 18 Sitze (- 2)
- SPD 11 Sitze (+ 1)
- UWG 6 Sitze (+ 2)
- GAH (Grüne Alternative Hemer) 4 Sitze (+ 2)
- FDP 3 Sitze (+ 1)
Bürgermeister
Eine
Bürgermeisterwahl fand
2004 nicht statt, weil bereits am 13. Juli 2003 Michael Esken mit 50,8 % der Stimmen gewählt wurde. Diese Wahl war erforderlich, da am 9. März 2003 der seit 1995 amtierende Bürgermeister Heinz Öhmann in
Coesfeld zum Bürgermeister gewählt wurde.
Hemers Bürgermeister seit 1910:
|
| - 1910-1912: Hermann Trump
- 1912-1919: Heinrich Grünewald
- 1919-1929: Fritz Clarfeld (DVP/DNVP)
- 1929-1933: Otto Renzig (DVP)
- 1933-1934: Rudolf Löbbecke (NSDAP)
- 1934-1945: Wilhelm Langemann (unabhängig, später NSDAP)
- 1945: Josef Kleffner (Zentrum)
- 1945-1946: Heinz Hoose (SPD)
- 1946-1948: Hermann Arendt (SPD)
- 1948-1949: Rudolf Maiworm (SPD)
- 1949-1952: Josef Kleffner (CDU)
|
|
- 1952-1956: Josef Hesse (Zentrum)
- 1956-1961: Karl Bode (FDP)
- 1961-1969: Fredi Camminadi (SPD)
- 1969-1974: Hans Meyer (CDU)
- 1975: Werner Beckmann (FDP), kommissarisch
- 1975-1987: Hans Meyer (CDU)
- 1987-1994: Klaus Burda (SPD)
- 1994-1995: Doris Ebbing (CDU)
- 1995-2003: Heinz Öhmann (CDU)
- seit 2003: Michael Esken (CDU)
Bis 1999 hatte ein Bürgermeister vor allem repräsentative Aufgaben, Chef der Stadtverwaltung war bis dahin ein
Stadtdirektor. Die Reform der Gemeindeordnung in NRW sah vor, unter bestimmten Bedingungen schon vor 1999 einen hauptamtlichen Bürgermeister (dann allerdings durch den Rat) wählen zu lassen. Da der Hemeraner Stadtdirektor Reiner Hermann 1994 kurz nach der Verabschiedung des Gesetzes vom Rat der Stadt Hemer abgewählt wurde, war Hemer die erste Stadt Nordrhein-Westfalens mit hauptamtlichem Bürgermeister.
Die Stadtdirektoren Hemers waren:
- 1946-1964: Heinz Hoose
- 1949-1956: vertreten durch Richard Ebeling
- 1960-1964: vertreten durch Ernst Liene
- 1965-1966: Wolfgang Kreft
- 1966-1990: Dieter Voss
- 1990-1994: Reiner Herrmann
Wappen
1936 wurden sowohl der Stadt als auch dem Amt Hemer jeweils ein Wappen verliehen. Beide Wappen enthalten die gleichen heraldischen Elemente: ein rot-weißes Schachbrettmuster als Symbol der historischen Zugehörigkeit zur
Grafschaft Mark, sowie drei Wolfshaken aus dem Familienwappen der
Brabecks. Der oben stehende Link zeigt eine ungefähre Abbildung des alten Wappens der Stadt (nicht des Amtes). Nachdem das Amt 1975 aufgelöst wurde, wählte die vergrößerte Stadt das alte Amtswappen als das neue Stadtwappen; zum einen, weil es als heraldisch und ästhetisch ansprechender angesehen wurde, zum anderen, um die eingemeindeten vormaligen Amtsgemeinden mit zu repräsentieren. Beide Wappen wurden von dem Wappenmaler Waldemar Mallek entworfen.
1939 erhielten auch alle anderen sechs amtsangehörigen Gemeinden Wappen verliehen, die als gemeinsames Kennzeichen alle die drei Wolfsangeln enthielten. In drei Wappen (Becke, Deilinghofen, Frönsberg) wurde auf adlige Familien der jeweiligen Gemeinde Bezug genommen. In den anderen drei (Evingsen, Ihmert, Kesbern) wurden Symbole der lokalen Industrien dargestellt.
Städtepartnerschaften
Seit 1967 bestehen
Städtepartnerschaften mit den beiden französischen Städten
Beuvry-la-Forêt und
Steenwerck, die die Stadt von den Gemeinden Ihmert bzw. Becke übernommen hat. Darüber hinaus gibt es Städtefreundschaften mit
Schelkowo in Russland,
Obervellach in Österreich, sowie den deutschen Städten
Bretten und
Doberlug-Kirchhain. Eine Schulpartnerschaft verbindet das Woeste-Gymnasium mit der Bablake School im englischen
Coventry.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Hemer-Felsenmeermuseum1-Asio.JPG
Theater
Ein richtiges Theater gibt es in Hemer nicht, jedoch werden die Schulaulen des Gymansiums und des Schulzentrums Parkstraße (Realschule und Hauptschule II) für Aufführungen genutzt. Für Konzerte steht zudem das Jugend- und Kulturzentrum zur Verfügung.
Museen
- Der Fabrikant Peter Grah ließ die heute nach ihm benannte Jugendstil-Villa zwischen Hemer und Sundwig 1902 errichten. In den 80er Jahren übergab die Stadt das Haus dem Bürger- und Heimatverein Hemer, die es seit 1989 als Heimatmuseum nutzt. Zu sehen sind Ausstellungsstücke zur Erdgeschichte, sowie zur Industrie- und Stadtgeschichte.
Bauwerke
Die älteste Kirche Hemers war die Vitus-Kirche in Niederhemer. Diese war bis zur Reformation katholische Pfarrkirche, wurde danach zu einem evangelischen Gotteshaus. Ab 1700 gab es mit der
St. Peter und Paul-Kirche wieder eine katholische Kirche in direkter Nachbarschaft zur Vitus-Kirche. Als dann der fünfjochige Saalbau der Ebbergkirche mit viergeschossigem Turm vom Mühlenbauer
Johann Hermann Stindt erbaut wurde, ist die Vitus-Kirche 1818 abgebrochen worden. Die Grundsteinlegung der Ebbergkirche erfolgte am 14. April 1819, die
Einweihung fand am 13. August 1820 statt. Aus dem 14. Jahrhundert stammt die evangelische Stephanuskirche in Deilinghofen.
Andere historische Bauwerke:
- Das Alte Amtshaus, das seit 1978 als Musikschule genutzt wird, wurde 1908 gebaut. Die Entwürfen stammten von Otto Blume. Das Gebäude sollte ursprünglich wohl Zentrum eines wilhelminischen Stadtkerns werden. Bis in die 70er wurde es als Rathaus des Amtes Hemer genutzt.
Hemer-AlbertsMuehle2-Asio.JPG
- Die Sundwiger Mühle ist mittlerweile die einzige Wassermühle des Märkischen Kreises. Die benachbarten Gebäude wurden teilweise schon weitaus früher errichtet. Ab 1726 wurden dort eine Bäckerei und eine Nagelschmiede betrieben, nachdem ein Pächter das Grundstück von der evangelischen Kirchengemeinde übernahm. 1816 baute Johann Hermann Stindt dort eine Getreidemühle. Als der Müller Johann Peter Alberts sich in die Eigentümerfamilie einheiratete, wurde 1858 der Mühlenbetrieb begonnen. Ab 1865 gab es die heute noch vorhandene Wassermühle.
- Aufgrund der Grenzlage zu Kurköln ließen die Grafen von der Mark 1353 die Burg Klusenstein im Hönnetal errichten. Die Burg steht auf einem im Hönnetal typischen Kalkstein-Felsen und wird heute von den Rheinisch-Westfälichen Kalkwerken verpachtet.
- Barocker Adelssitz Gut Edelburg
- Die Edelburg, die direkt an der B 7 zwischen Hemer und Menden liegt, wurde schon 1375 erstmals urkundlich erwähnt. Das Herrenhaus wurde am Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut. Es diente verschiedenen Adelsfamilien als Sitz. Heute ist die Edelburg vor allem für ihre über die Grenzen Hemers hinaus bekannten Reit-Turniere bekannt. Der Reitplatz schließt gleich an das Gut an.
- Wie die Vitus-Kirche wurde auch das im Barockstil erbaute Haus Hemer im Jahr 1072 erstmals urkundlich erwähnt. Es geht aber wahrscheinleich auf einen noch älteren Bauernhof zurück. In seiner heutigen Form wurde das Gebäude 1614 fertig gestellt. Es gehört seit 1957 der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul, die es erst als Kinderheim, mittlerweile als Kindergarten nutzt.
- Das Standesamt ist heute in der ehemaligen „Villa Prinz“ oder Türmchenvilla untergebracht, die der Fabrikant August Prinz 1899 errichten ließ. Besonders auffällig ist der über das Dach reichende Eckturm mit sogenannter Zwiebelhaube. Seit 1982 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Parks
Im zentrumsnahen
Friedenspark liegt ein Altersheim der
Hermann-von-der-Becke-Stiftung. Das Haupt-Wohnheim aus dem späten
19. Jahrhundert wurde 2005 um einen modernen Bau erweitert.
Natur
Bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist das
Felsenmeer, ein 700 m langes und 100 bis 200 m breites
Karstgebiet mit eingestürzten Höhlen, welche von einem
Buchenwald überwachsen sind. Ein Grund dafür ist unter anderem der im 19. Jahrhundert eingestellte
Bergbau in diesem Gebiet. Das Gesamtgebiet erstreckt sich über 13 Hektar.
Die Heinrichshöhle, eine Tropfsteinhöhle, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Felsenmeer in Sundwig. Eine besondere Attraktion ist das vollkommen erhaltene Höhlenbär-Skelett. Den Namen erhielt die Höhle durch ihren Entdecker Heinrich von der Becke.
Sport
Der Hemeraner Ortsteil Deilinghofen ist Geburtsort des heutigen
DEL-Clubs
Iserlohn Roosters, der seit 1971 im Nachbarort
Iserlohn spielt. Im Stadtgebiet liegen zwei Schwimmbäder, das „Hademarebad“, städtisches Hallenbad, und das „Freibad am Damm“, städtisches Freibad im Stadtteil Stübecken. In den letzten Jahren wurde öfter über die Schließung des Hallenbades diskutiert, um auf seiner Position mehr Platz für Ladenlokale zu schaffen.
Regelmäßige Veranstaltungen
Die jährliche
Oster-
Kirmes gehört ebenso zu den Hemeraner
Traditionen wie die über den ganzen Sommer verteilt stattfindenden
Schützenfeste. Im Stadtgebiet bestehen sechs Vereine, das größte Fest veranstaltet der
Bürgerschützenverein Hemer 1864. Die
Hemeraner Herbsttage finden seit 1972 jährlich am letzten September-Wochenende statt. Diese locken nach Angaben der Stadt 100.000 Besucher nach Hemer. Seit zwei Jahren finden ebenso jährlich die
Hemeraner Wirtschaftstage, an denen sich die heimische Wirtschaft der Bevölkerung präsentieren kann, statt. Außerdem bekommen die Schüler der weiterführenden Schulen die Möglichkeit sich über das Thema Ausbildung zu informieren. Am selben Wochenende findet stets das beliebte Bachfest mit
Entenrennen über die Oese statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Wirtschaft Hemers war schon früh erfolgreich. Durch Bodenschätze wie Erze, viel Brennholz aus den großen Waldgebieten und die Wasserkraft der Bäche entstand in Hemer schon früh die bis heute wichtige Metall verarbeitende Industrie. Schon im
10. Jahrhundert entwickelte sich der Erzabbau und die Eisenverhüttung sehr gut. In den heutigen Ortsteilen Westig und Sundwig wurden zu Beginn der
Neuzeit die ersten Papier-, Fingerhutsmühlen und Hochöfen Westfalens errichtet. Heute herrschen kleine und mittelständische Unternehmen vor. Typische Produkte aus Hemer sind oder waren Draht, Armaturen und Badaustattungen, Messingerzeugnisse, Kunststoffteile und Spezialmaschinen.
Bedeutende Hemeraner Unternehmen sind:
- Die Firma ALBERT besteht seit über 25 Jahren in Hemer. Heute bestehen fünf Niederlassungen auf der ganzen Welt (Brasilien, USA, Russland, Ungarn, Polen).
- Reinhold Giersch gründete das Unternehmen 1951 und stieg drei Jahre später in das heutige Hauptgeschäftsfeld Ölbrenner ein. Ab 1962 wurden auch eigene Ölbrenner hergestellt. Heute produziert Giersch auf etwa 4.000 m²
- Grohe ist Marktführer auf dem Gebiet der Badarmaturen. Das Unternehmen wurde 1936 vom heutigen Ehrenbürger der Stadt Hemer Friedrich Grohe gegründet. Aufsehen erregte das Unternehmen, da es die Ursache des berühmt gewordenen Heuschrecken-Ausspruchs Franz Münteferings war.
- Die Firma Haltec produziert seit 1988 Hallen und Zelte. Damit gehört es heute zu den europaweit führenden Unternehmen. Standorte befinden sich in mehreren deutschen Großstädten, sowie in Frankreich, der Niederlande, Österreich, Polen und der Schweiz.
- 1953 wurde KEUCO als „Paul Keune & Co. KG“ gegründet. Seitdem werden in Hemer Badausstattungen produziert, das Unternehmen hat sich zum Marktführer auf diesem Gebiet entwickelt. In vielen Ländern wurden Niederlassungen gegründet.
- Papier-Union hat in seiner Branche, des Papier- und Kartonhandel, einen Marktanteil von knapp 20 %. Einer der 16 deutschen Standorte befindet sich in Hemer.
- Hemers Ortsteil Sundwig ist größter Standort und Namensgeber der Sundwig GmbH. Als 1988 die Mehrheit an einen österreichischen Anlagenbaukonzern ging, wurde der alte Name Sundwiger Eisenhütte durch den heutigen ersetzt.
- Das Sundwiger Messingwerk repräsentiert einen traditionellen Wirtschaftszweig in Hemer: die Drahterzeugung. Auf diesem Gebiet gehört das Traditions-Unternehmen zu den Marktführern in Deutschland.
Verkehr
Straße
Hemer verbindet das Sauerland mit dem Ruhrgebiet durch die
B 7 und die
A 46 (Hagen–Iserlohn–Hemer), dessen letzte Ausfahrt Hemer ist, obwohl sie schon auf Iserlohner Stadtgebiet endet. Schon lange wird über die Lückenschließung zwischen Hemer und
Arnsberg diskutiert, die nun bis 2010 tatsächlich erfolgen soll. Als wichtige West-Ost-Verbindung dient die L 682 zwischen der B 7 und der kurz hinter der Stadtgrenze im Hönnetal verlaufenden
B 515. Die B 7 mit der
B 236 im
Lennetal verbindet die L 683 durch Westig, Bredenbruch und Ihmert.
Öffentlicher Personennahverkehr
Die Stadt verfügt über lokale und regionale
Buslinien (unter anderem nach
Iserlohn,
Menden,
Altena und
Lüdenscheid) und gehört der
Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe an. Der Busverkehr wird im wesentlichen durch die
Märkische Verkehrsgesellschaft betrieben.
Schiene
Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in
Iserlohn und
Menden. Seit dem Ende des
19. Jahrhunderts bestand eine direkte Bahnverbindung zwischen Hemer, Iserlohn und Menden. 1989 wurde der
Schienenpersonennahverkehr zwischen Iserlohn und Menden mit der Fahrt eines historischen Dampfzuges auf der Strecke Hemer–Iserlohn eingestellt. Die Gleise zwischen Hemer und Iserlohn sind inzwischen vollständig demontiert. Das Bahnhofsgebäude wurde 1984 als
Denkmal unter Schutz gestellt. 1985 ist der Bahnhof Westig in Privatbesitz übergegangen. Über die Nutzung des ehemaligen Bahnhofs in der Stadtmitte wird diskutiert.
Flughafen
Der nächste größere Flughafen ist in
Dortmund, 3 Regional-Flugplätze befinden sich in
Iserlohn.
Medien
Die wichtigsten Tageszeitungen Hemers sind der
Iserlohner Kreisanzeiger und die
Westfälische Rundschau, die ein gemeinsames Redaktionsbüro in der Stadt haben. Seit 1885 erscheint der IKZ, zuerst einige Zeit als „Hemer Zeitung“. Zweimal wöchentlich (mittwochs und sonntags) erscheint der kostenlose „Stadtspiegel“, jeden Samstag der ebenfalls kostenfreie „Wochenkurier“. Der gesamte Märkische Kreis ist Sendegebiet des Lokalradios
Radio MK.
Öffentliche Einrichtungen
Hemer-Lungenklinik.JPG |
Hemer-Ebbergkirche1-Asio.JPG
Hemer ist seit 1956 Bundeswehrstandort. Mittlerweile ist die
Blücher-Kaserne die einzige
Kaserne im Märkischen Kreis und beherbergt ein
Panzerbataillon, zwei Sanitäts-, eine Panzerpionierkompanie und ein Kraftfahrausbildungszentrum. Sie wurde nach dem
preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher benannt. Am 2. November 2004 gab der damalige Verteidigungsminister
Peter Struck bekannt, dass im Rahmen der Bundeswehrreform der Standort Hemer komplett aufgegeben wird. Voraussichtlich wird dies im ersten oder zweiten Quartal 2007 geschehen. Dabei wird das Panzerbataillon 203 nach
Augustdorf verlegt.
Die weitere Nutzung des 28 ha großen, an die Innenstadt angrenzenden Kasernengeländes ist noch unklar. Ein Großteil der 346 ha Übungsgelände wird wahrscheinlich für Belange des Natur- und Landschaftsschutzes verwendet werden.
In Hemer befindet sich neben dem allgemeinem städtischen Paracelsus-Krankenhaus die überregional bekannte Lungenklinik. Sie verfügt über vier Fachabteilungen: Pneumologie, Thoraxchirugie, Radiologie und Anästhesie. Außerdem ist ein Forschungs-Institut integriert. Aufsehen erregte der erste SARS-Fall in Deutschland im Jahr 2002. Damals infizierte sich ein Hattinger mit dem Virus und konnte in der Lungenklinik geheilt werden. Das Dortmunder Fußball-Idol Lothar Emmerich verstarb nach Krankheit in Hemer.
Im Ortsteil Frönsberg befindet sich die nach Hans Prinzhorn benannte Westfälische Klinik Hemer. 1964 kaufte die AOK das Gelände und nahm den Betrieb kurz darauf auf. 1975 begann man mit dem Bau einer neuen Klinik, die drei Jahre später mit 494 Betten eröffnet wurde. Sie erhielt den Märkischen Kreis und damit 455.000 Menschen als Pflichtversorgungsgebiet. Dieses Gebiet wurde 1981 noch um die Stadt Hagen, 1984 um den Ennepe-Ruhr-Kreis erweitert. Bis 1987 allerdings wurde das Pflichtversorgungsgebiet um Teile des Märkischen und des Ennepe-Ruhr-Kreises verkleinert. Seit dem selben Jahr trägt die Klinik auch ihren heutigen Namen. Zu Beginn der 1990er Jahre ging man Kooperationen mit Kliniken in der ehemaligen DDR und in Polen ein, 2000 auch mit einer ukrainischen Fachklinik. Heute unterhält die Klinik mehrere Abteilungen: Psychotherapie/ Depressionsbehandlung, Psychiatrie, Suchtkrankenbehandlung und Gerontopsychiatrie. Daneben existieren eine Tagesklinik und eine Institutsambulanz. Im Westfälischen Wohnverbund können Menschen mit psychischen Behinderungen betreut werden.
Zudem gibt es in Hemer eine Stadtbücherei und das „Jugend- und Kulturzentrum am Park“.
Bildung
Schulen
Zum kommenden Schuljahr werden fünf der acht Hemeraner Grundschulen ein Ganztagsangebot anbieten. Aktuell sind dies schon die Brabeckschule (Stübecken, Landhausen), die Freiherr-vom-Stein-Schule (Sundwig) und die Woesteschule (nördliche Stadtmitte). Hinzu kommen die Diesterwegschule (Westig) und die Ihmerter Schule. Die anderen drei Grundschulen heißen Deilinghofer Schule, Oesetalschule (Becke) und Wulfertschule (südliche Stadtmitte).
Wulfertschule-Hemer.JPG
In Hemer liegen zwei Hauptschulen, eine in der Urbecke (Hauptschule I Urbecker Straße), eine am Stadtpark (Hauptschule II Parkstraße).
Die einzige Realschule der Stadt ist nach einem berühmten Sohn der Stadt, Hans Prinzhorn, benannt und liegt in einem Schulzentrum zusammen mit der Hauptschule II Parkstraße.
In Nachbarschaft zum Schulzentrum Parkstraße liegt das Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium, die höchste Schule der Stadt. Der heutige Namensgeber gab im 19. Jahrhundert Sprachunterricht in Hemer und damit den ersten höheren Unterricht. Die Schule wurde 1924 gegründet, seit 1999 gibt es einen bilingualen Zweig. Eine Höhere Schule gibt es in Hemer mit der Gründung der „Privatschule für höheren Unterricht“ schon seit 1829.
Hemer ist Standort insgesamt dreier Sonderschulen. Für Lernbehinderte besteht die Pestalozzischule, die Felsenmeerschule ist eine Westfälische Schule für Körperbehinderte und die Wilhelm-Busch-Schule ist eine Schule für Erziehungshilfe des Märkischen Kreises.
Weitere Bildungseinrichtungen
- Volkshochschule Menden-Hemer-Balve
- Musikschule der Stadt Hemer im Alten Amtshaus
- Abendgymnasium des Rahel-Varnhagen-Kolleg: Das Hagener Kolleg hat eine Zweigstelle im Woeste-Gymnasium.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- Ruth und Friedrich Grohe (Fabrikantenehepaar) wurden am 10. Dezember 1974 Ehrenbürger.
- Anlässlich der Stadterhebung Hemers wurde am 30. Januar 1936 Adolf Hitler Ehrenbürger. 1995 befasste sich der Stadtrat mit der Thematik. Er hob die Ehrenbürgerschaft nicht auf, distanzierte sich jedoch von der damaligen Entscheidung und stellte sich auf den Standpunkt, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tode erloschen sei.
Seit der kommunalen Neuordnung wurde die Ehrenbürgerschaft nicht mehr verliehen. Stattdessen werden verdiente Bürger seit 1988 mit sogenannten "Ehrenbriefen" ausgezeichnet. Bisher ausgezeichnet wurden
- 1988: Otto Braun, Hugo Sülberg, Ursula Eckert, Heinz Eckert und Dr. Huga Banniza
- 1989: Karl Wiemann, Heinrich Humbeil
- 1990: Irmgard Althaus, Johannes Ecker
- 1991: Dr. Alfred Meyer
- 1993: Dr. Nikolai Gubarev
- 1994: Albrecht Koch
- 2000: Emil Nensel
- 2001: Hans-Hermann Stopsack, Klaus Hennecke
- 2004: Dieter Voss
- 2005: Hermann-Josef Geismann
Söhne und Töchter der Stadt
- 1763, 12. September, Johann Hermann Stindt, † 12. Juli 1846, Mühlenbauer
- 1807, 15. Februar, Friedrich Leopold Woeste, † 7. Januar 1878, Theologe, Lehrer und Sprachwissenschaftler, führte in Hemer die höhere Schule ein
- 1853, 16. Oktober, Willibrord Benzler, Bischof von Metz
- 1866, 6. Juni, Hans Prinzhorn, Psychiater und Kunsthistoriker
- 1954, 22. Juni, Wolfgang Becker, Regisseur
Persönlichkeiten, die vor Ort wirken
Literatur
- Stopsack, Hans-Hermann (Hrsg.) im Auftrag der Volkshochschule Menden-Hemer-Balve: Hemer 1944 - 1949. Erinnerungen, Zeitzeugenberichte und Dokumente aus einer Zeit des Umbruchs. Selbstverlag. Menden/Hemer 2004.
- Stopsack, Hans-Hermann: Vom Amt zur Stadt. Selbstverlag, Hemer 2000. ISBN 3-00-006685-3
- Thomas, Eberhard; Fischer, Klaus: Hemer. Stadt-Bild-Verlag, Leipzig 1996. ISBN 3-931554-12-0
- Stopsack, Hans-Hermann; Thomas, Eberhard (Hrsg.) im Auftrag der Stadt Hemer und der Volkshochschule Menden-Hemer-Balve: Stalag VI A Hemer. Kriegsgefangenenlager 1939 - 1945. Eine Dokumentation. Hemer 1995.
Weblinks
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