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Helmut Berve (* 22. Januar 1896 in Breslau; † 6. April 1979 in Hechendorf am Pilsensee) war ein deutscher Althistoriker, dessen Werk von prosopographischen Forschungsleistungen ebenso geprägt ist wie von seiner nationalsozialistischen Weltanschauung.

Leben


Berve studierte ab 1916 Geschichte in Breslau und München, wo er 1921 bei Walter Otto zum Dr. phil. promoviert wurde. 1924 habilitierte er sich ebendort über prosopographische Untersuchungen des Hellenismus. Zwei Jahre später publizierte er sein auf der Habilitationsschrift aufbauendes, zweibändiges Werk Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. Während er im ersten Band unterschiedliche Aspekte der Herrschaft Alexanders untersuchte, widmete er sich im zweiten Band einer intensiven prosopographischen Betrachtung aller Personen im Umfeld des makedonischen Königs. Das Werk gilt heute noch als ein unverzichtbares Grundlagenwerk.

1927 folgte Berve einem Ruf als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Geschichte in Leipzig, wo unter anderem Alfred Heuß und Hans Schaefer zu seinen Studenten zählten.

Bereits im April 1933 wurde Berve Mitglied der NSDAP. Noch im selben Jahr wurde er zum Dekan der Philosophischen Fakultät in Leipzig berufen. Von 1940 bis 1943 fungierte er zudem als Rektor der Universität Leipzig, ehe er 1943 einen Ruf nach München annahm. Gemeinsam mit Joseph Vogt leitete er außerdem den altertumswissenschaftlichen Kriegseinsatz, wofür sie u.a. die Sammelbände Das neue Bild der Antike und Rom und Karthago herausgaben.

Zwischen 1933 und 1945 propagierte er in zahlreichen Schriften die Einbindung der Altertumswissenschaften in das nationalsozialistische Weltbild. In seinen Forschung idealisierte Berve die Kriegergemeinschaft Spartas und scheute auch vor rassischen Ansätzen und der Betrachtung des Herrentums des antiken Adels nicht zurück. Besonders deutlich wurde seine Nähe zum nationalsozialistischen Weltbild in seinen Betrachtungen zur vermeintlichen „Verschmelzungspolitik“ Alexanders des Großen. Infolge seiner politischen Vergangenheit wurde er 1945 als vorbelastet aus dem Hochschuldienst entlassen.

Ab 1949 übernahm er wieder Lehraufträge. 1954 schließlich erhielt er abermals einen Ruf – als Professor für Alte Geschichte an die Universität Erlangen. Darüber hinaus war er zwischen 1960 und 1967 Vorsitzender der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts.

Berve war Ehrendoktor der Universität von Athen, ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

Werke (Auswahl)


  • 1926 Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage, 2 Bde.
  • 1931–1933 Griechische Geschichte, 2 Bde.
  • 1934 Kaiser Augustus
  • 1937 Sparta
  • 1937 Miltiades
  • 1938 Thukydides
  • 1949 Gestaltende Kräfte der Antike
  • 1967 Die Tyrannis bei den Griechen

Literatur


  • Karl Christ: Helmut Berve (1896–1979). In: Ders. Neue Profile der Alten Geschichte. Wiss. Buchges., Darmstadt 1990, S. 125–187, ISBN 3-534-10289-4.
  • Linda-Marie Günther: Helmut Berve. Professor in München 6.3.1943–12.12.1945. In: Jakob Seibert (Hrsg.): 100 Jahre Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (1901–2001). Duncker und Humblot, Berlin 2002, S. 69–105, ISBN 3-428-10875-2.
  • Stefan Rebenich: Alte Geschichte in Demokratie und Diktatur. Der Fall Helmut Berve. In: Chiron 31 (2001), S. 457–496.

Weblinks


Mann | Deutscher | Althistoriker | Geboren 1896 | Gestorben 1979 | Nationalsozialismus (Person) | NSDAP-Mitglied

 

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