Helge Schneider (* 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr) ist Unterhaltungskünstler, Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur und Jazzmusiker. Bekannt wurde der Entertainer durch Bühnenshows, in denen er hintergründigen Unsinn, Parodien und Klamauk mit Jazzmusik verbindet. Das wichtigste Element seiner Arbeit ist die Improvisation. Helge Schneider 2002.jpeg
Anfänglich ein guter Schüler, verliert Schneider bald jedes Interesse an der schulischen Laufbahn und bricht diese ohne Abschluss "In beiderseitigem Einverständnis" ab und beginnt eine Lehre als Bauzeichner.
1972 beginnt er nach einer Sonderbegabtenprüfung das Pianostudium am Duisburger Konservatorium, welches er bald darauf ebenfalls abbricht, weil ihm "das Auswendiglernen von Noten" nicht entspricht. Sein Interesse gilt vielmehr dem Jazz. In der folgenden Zeit versucht er sich erfolglos in verschiedenen Berufen wie Landschaftsgärtner, Dekorateur, Tierpfleger und Polsterer.
Seine Freizeit verbringt er in diesen Jahren gerne im Stehcafe von Eduscho, wo er die Menschen um sich herum beobachtet und sich Bewegungen und Sprechweisen einprägt. Als besonders beeindruckend und unterhaltsam empfindet er dabei ältere Männer, die trotz vieler Unzulänglichkeiten immer souverän bleiben. Diese "Oppas" werden zu seinem Vorbild. In Interviews nennt Schneider diese Zeit sein "Eduscho-Studium" und räumt ihr große Bedeutung für seine spätere Arbeit ein.
Ab 1977 ist Schneider ausschließlich künstlerisch tätig, da er sich nun vor die Aufgabe gestellt sieht seine Familie zu ernähren: Er verdient seinen Unterhalt mit verschiedenen Bandprojekten (Schneider/Weiss Duo aka El Snyder & Charly McWhite), Kompositionsaufträgen, als Stummfilmbegleiter und als Schauspieler (u. a. mit Christoph Schlingensief). In diesen Jahren entwickelt er die Grundlagen seines musikalischen Stils und eignet sich große Bühnenerfahrung an.
1985 bis 1991 ist Schneider Ko-Moderator neben Evi Seibert und Reinhold Beckmann in der TV-Musik-Sendung Offshow des WDR, in der er kleine Sketche zeigt und Musiker interviewt. In der Sendung Queens Palace des Hessischen Rundfunks tritt er mit Sketchen auf, teilweise begleitet von Hans-Werner Olm.
1989 veröffentlicht Schneider seinen ersten Tonträger, „Seine größten Erfolge“ mit Songs aus dem Film "Johnny Flash".
Ab 1990 steigt Schneiders Bekanntheit in Deutschland durch seine Auftritte unter seinem selbstzugelegten Beinamen "Die singende Herrentorte", einer Mischung aus absurden Geschichten, parodistischen Schlagern und Jazzmusik.
1992 gelingt ihm der kommerzielle Durchbruch mit seinem fünften Album, „Guten Tach“.
1993 wird Schneider durch einen TV-Auftritt bei Wetten dass einem Millionenpublikum bekannt und das Stück „Katzeklo“ platziert sich in den deutschen Charts. Mit dem Kinostart von Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem erreicht der Kult um Schneider seinen Höhepunkt und löst in Deutschland eine kontrovers geführte Diskussion über den kulturellen Wert seiner Arbeit und die Situation des deutschen Humors an sich aus. Erst Jahre später wird Schneider als erfolgreicher Entertainer und Künstler allgemein anerkannt.
Helge Schneider ist geschieden und hat mit drei Frauen insgesamt vier Kinder, eines davon an Kindes Statt angenommen.
In Interviews bezeichnet sich Schneider als einen, der Sinn im Unsinn findet. Erwartungen des Publikums werden dabei nach Möglichkeit nicht bedient. Schneider bewegt sich hemmungslos zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen Kindersprache und Literatur, verbindet Alltag und Albernheiten mit einem breiten kulturellen Hintergrund und verliert sich in ausufernden anarchischen Erzählungen. Dabei entstehen immer wieder Momente der Überraschung, die für Schneider selbst genauso unerwartet sind wie für das Publikum.
Die von Schneider praktizierte Form extremen Unsinns fand schnell (vor allem junge) Anhänger, wurde aber genauso Zielscheibe heftiger Kritik. In den Medien und von Vertretern der Kultur-Elite wurde seine Kunst lange Zeit als debile Unkultur und bedauernswerte Zeit-Erscheinung des Humorverfalls bezeichnet und zum Synonym für die Spaßgesellschaft im Deutschland der 90er Jahre. Heute findet sie wachsende gesellschaftliche Akzeptanz, ist Thema kulturwissenschaftlicher Arbeiten und wird vom Feuilleton zitiert.
Seit er 2003 mit „Mendy - das Wusical“ am Schauspielhaus Bochum eine erste Theaterproduktion geschaffen hat, wird er von vielen Seiten als Nachfolger großer deutschsprachiger Humoristen wie Christian Morgenstern und Ernst Jandl anerkannt.
Schneider wird von vielen Seiten eine außerordentliche Musikalität bescheinigt, sowie die Fähigkeit, praktisch jedes Instrument in kürzester Zeit zu lernen und es, wenn auch nicht technisch perfekt, so doch authentisch spielen zu können. Schon als Kind begann er aus eigenem Antrieb heraus Klavier zu spielen. Heute beherrscht er außerdem Saxophon, Vibraphon, Akkordeon, Gitarre, Geige, Hawaiigitarre, Schlagzeug, Trompete, Hammond-Orgel und andere.
Schneider ist Jazzmusiker und stark beeinflusst von Künstlern wie Thelonious Monk, Louis Armstrong, Duke Ellington und Dave Brubeck. Er legt überzeugende Interpretationen von Jazzstandardstücken wie Summertime, Round midnight und Take Five vor. Von Anfang an war ihm die Musik das Wichtigste in seinen Shows, den Klamauk und die Erzählungen fügte er hinzu, um „die Leute abzuholen“. Schneider erreicht mit seiner Musik ein Publikum, das sonst kaum mit Jazz in Berührung kommt, und sieht sich selbst ein wenig als Botschafter des Jazz.
Schneiders Begleitband war lange Zeit „Hardcore“, bestehend aus Buddy Casino (Hammond-Orgel, Klavier) und Peter Thoms (Schlagzeug, Gesang, Tanz). Beide spielten auch Rollen in Schneiders Filmen. 1999 gründete er die Band „Firefuckers“ und machte einen kurzen Ausflug in die Hardrockmusik. 2004 und 2005 tourte er mit einem Jazztrio, bestehend aus Schlagzeuger Pete York und Bassist Jimmy Woode, die auch als Schauspieler in seinem vierten Film „Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm“ mitwirkten. Doch auch Soloauftritte gehören seit jeher zu Schneiders Repertoire.
Seit Dezember 2005 steht er mit Peter Burschs Bröselmaschine auf der Bühne.
In den 80er Jahren war Schneider als Musiker und Schauspieler an Filmen von Werner Nekes (Johnny Flash, 1986) und Christoph Schlingensief (Menu Total, 1987, Mutters Maske, 1988 und andere) beteiligt. Vor allem die Zusammenarbeit mit Schlingensief wurde für Schneider zu einer wichtigen stilistischen Inspirationsquelle. Hier erlernte er dramaturgische Techniken, die Darstellung von Typen und übernahm Stimmungsmuster in seine eigenen Filme. Die Düsternis von Schlingensiefs Filmen und seine exzessive, am Theater orientierte Dramatik ersetzte er durch eine fröhliche, oft gewollt infantile Heimat-Atmosphäre und die augenzwinkernde Darstellung des Ruhrgebiets-Alltags.
Schneiders erste eigene Filmarbeit ist der Kurzfilm "Stangenfieber" (1987), der vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert und teilweise mit dem selben Stab wie die Schlingensief-Filme realisiert wurde.
Von 1979 bis 1984 entstanden Schneiders frühe Hörspiele. Die im Keller seines Freundes Haim Hüttner auf einem 8-Spur-Gerät aufgenommenen, von Schneider allein gesprochenen Stücke sind atmosphärische Momentaufnahmen, die z. T. autobiografisch aus dem rauhen Alltag des Ruhrgebiets schöpfen und diesen persiflieren. Laut Schneider entstand ein Großteil der Dialoge und Charaktere aus auf der Straße aufgeschnappten Satzfetzen und Gesprächen am Nebentisch, die sich in nächtlichen Aufnahmen zu improvisierten Sprachexperimenten verbanden. Auch Radio- und Fernsehsendungen wie Nachrichten, Sportschau und Werbung werden nachempfunden.
Die einzelnen Stimmen wurden stets nacheinander aufgenommen, teilweise verfremdet und schließlich zusammengeführt. Durch dieses einfache technische Verfahren entsteht der Eindruck, man würde mehrere Charaktere gleichzeitig hören, teilweise bis zu fünf, die sich im Gespräch befinden. Bedingt durch die zeitversetzte Aufnahme können sich die "Sprecher" allerdings nicht gegenseitig hören und fallen sich mitunter ins Wort oder reden aneinander vorbei. Dieser Effekt ist durchaus beabsichtigt und gibt den Hörspielen eine latent kommunikationskritische Färbung.
Bis heute greift Schneider auf seinen Alben sowie bei seinen Auftritten gelegentlich auf die Form des Hörspiels zurück.
In seinen Kriminal-Romanen ermittelt der Autor selbst als Kommissar Schneider in obskuren Fällen, die durch ihre irrealen Wendungen und oft stark übersteigerte Beschreibung von Gewalt dadaistische Züge annehmen. Wichtig ist Schneider dabei vor allem, Persönlichkeit und Alltag der Hauptfigur zu beschreiben, was er auch in Film (00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter, 1994) und Theater (Aprikose, Banane, Erdbeer - Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur) fortsetzte.
Im ersten Teil seiner Autobiografie Guten Tach - Auf Wiedersehen (1992) beschreibt Schneider seine Kindheit und Jugend im kleinbürgerlichen Ruhrgebiet der 50er Jahre, sowie seinen langsamen, von vielen Fehlschlägen und manchem kuriosen Erlebnis gesäumten Aufstieg vom Versager ohne Schulabschluss zum erfolgreichen Künstler.
In seinem Buch Eiersalat - Eine Frau geht seinen Weg (1999) nimmt Schneider die Rolle einer Frau an und schreibt ein - ins Absurde überzogenes - feministisches Pamphlet gegen die Männerwelt.
In Globus Dei, 2005 berichtet Schneider von einer fiktiven Weltreise, die ihn vom Nordpol nach Patagonien führte, und von der Begegnung mit vielen verschiedenen Kulturen und Menschen.
Siehe auch: Artikel in Wikinews
Die Malerei dagegen ist ein Teil im Werk Schneiders, den er bisher kaum öffentlich gemacht hat. In der vom WDR produzierten Doku Mister Katzeklo wird 50 (2005) wird ein Bild kurz gezeigt und in Test-Aufnahmen zu einem seiner Kino-Filme (als DVD-Extra veröffentlicht) ist ein Bild im Hintergrund zu sehen. Schneiders Stil zeichnet sich durch flächige Farbigkeit und das unvermittelte Auftauchen fratzenhafter Gesichter, vergleichbar denen in seinen Zeichnungen, aus.
Anfang der 90er bestimmten ein dunkler Seemans-Anzug mit goldenen Knöpfen, später ein blauer Anzug mit Schlaghose und groß gemusterteter Krawatte das Bild. Schneider wechselt mit der Kleidung auch die Rollen. Das schmuddelige Western-Outfit aus Texas (wiederum gepaart mit Plateau-Schuhen) oder der beige Popeline-Mantel mit Handtasche des Kommissars 00Schneider sind genauso im Gedächtnis wie die absurde Kostümierung aus Jagdhut, Midi-Rock und Wanderstiefeln auf dem Cover des Buches Eiersalat. Aktuell tritt Schneider in einem irrwitzigen hellblauen gestrickten Einteiler mit der klassischen 70er-Jahre-Krawatte auf. Auswirkungen Schneiders auf die Modewelt sind nicht bekannt.
Deutscher | ECHO-Preisträger | Filmregisseur | Geboren 1955 | Jazz-Musiker | Mann | Schauspieler | Kultur (Ruhrgebiet)
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Helge Schneider".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world