| Wissenschaftlicher Name
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| Cerambyx cerdo
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| Linnaeus, 1758
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Der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo), auch Heldbock, Riesenbock oder Spießbock genannt, ist ein in Deutschland vom Aussterben bedrohter Käfer aus der Familie der Bockkäfer, Unterfamilie Cerambycinae. Die ehemals häufig anzutreffende Art ist in Mittel- und Südeuropa, auch in Südschweden, im Kaukasus und Nordafrika beheimatet.
Merkmale
Der schwarzbraune Große Eichenbock wird 24 bis 53 Millimeter lang. Die nach hinten getragenen schwarzen Fühler des Männchens können das Doppelte der Körperlänge erreichen, die Fühler des Weibchens erreichen in etwa Körperlänge. Die Fühler sind im ersten Glied verdickt, punktiert und runzlig. Die Beine des Großen Eichenbocks sind schwarz, an der Unterseite des ersten und zweiten Hinterfußgliedes befindet sich eine Längsrille. Die schwarzen Flügeldecken werden nach hinten heller bis braunrot. Die Flügeldeckennaht ist zu einem feinen Dorn ausgezogen. Ähnlich sehen die in Südeuropa (bis Süd-Österreich und Slowakei) anzutreffenden
C. welensii Küster, 1846 und
C. miles Bonelli, 1812 aus.
Lebensweise
Die vollentwickelte
Imago des Großen Eichenbocks hält sich fast ausschließlich an ihrem Geburtsbaum auf. Tagsüber versteckt sie sich unter loser Rinde, in alten Fraßgängen oder im Laub im direkten Umfeld des Baumes. In warmen Sommernächten mit Temperaturen über 18 °C, vor allem im Juni und Juli, fliegt das Imago kleinere Strecken, selten auch bis zu 4 Kilometer. Entsprechend gering ist die Verbreitungstendenz dieser sehr ortstreuen Tiere. Zwischen 20 und 22 Uhr ist ihre Hauptaktivität. Sie ernährt sich am Saftfluss verletzter
Eichen und reifem Obst. Die adulten Tiere werden maximal 46 Tage (Männchen) bzw. 59 Tage (Weibchen) alt. Während seiner nächtlichen Aktivität erzeugt der Große Eichenbock
stridulierende Geräusche, in dem er die vorderen zwei seiner drei Brustsegmente aneinander nickt.
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Je ein bis drei Eier auf einmal, insgesamt 60 bis 450, legt das Weibchen mehrmals in die knorrige Rinde alter Eichen. Nach bis zu drei Wochen schlüpfen die Larven und fressen sich zur ersten Überwinterung in das Kambium, im zweiten Jahr ins Splintholz und im dritten (bis fünften Jahr) ins Kernholz. Die neun bis zehn Zentimeter langen Larven ernähren sich von den Assimmilaten, Vitaminen und Mineralstoffen im Saftfluss des Baumes. Sie verpuppen sich im Juli oder August im Hakengang. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen je Baum bis zu 200 Käfer von Ende September bis Oktober, die dann ein drittes Mal in der Puppenwiege überwintern. In manchen Fällen dauert die Entwicklung auch vier oder fünf Jahre.
Lebensraum und rechtlicher Schutz
Der Große Eichenbock bevorzugt sonnenexponierte, kränkelnde oder absterbende alte
Stieleichen, seltener
Traubeneichen,
Buchen oder
Ulmen. Vollständig tote Bäume (
s. a.: Totholz) werden gemieden. Bevorzugt werden durchfeuchtete Stämme an sonnenexponierten Stellen, ursprünglich wohl in
Eichen-
Urwäldern der Zerfallsphase und
Hartholzauen, Restvorkommen gibt es vor allem in alten
Parkanlagen und
Hutewäldern.
Der Große Eichenbock ist heute vom Aussterben bedroht und nach der FFH-Richtlinie (Anh. II und IV) der EU streng geschützt. In Deutschland ist die Art in Thüringen ausgestorben, in Schleswig Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Bayern sind nur noch Einzelvorkommen bekannt, die zum Teil auf einzelne Bäume (!) beschränkt sind. In Berlin sind zur Zeit an vier Orten Vorkommen bekannt. Flächenhafte Vorkommen sind noch in Südhessen, Baden-Württemberg (Großraum Karlsruhe), Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg vorhanden.
Rückgang und Gefährdungsursachen
Wann der Rückgang der Art begonnen hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Die Art hat seit dem Mittelalter durch die Rodung großer Waldflächen sicher Teile ihres Areals eingebüßt. Trotzdem ist eine Lebensraumverbesserung für den Großen Eichenbock gebietsweise denkbar, da durch die Kulturtätigkeit auch viele Bäume freigestellt wurden (Hutung und Ackerbau). Auch das Schälen der Eichen in
Lohwäldern könnte den Populationen potenziell förderlich gewesen sein, seine Lebensgrundlage jedoch gleichzeitig zerstört haben. In der Neuzeit wurde nach den
Wüstungsperioden der
Pest die Hutenutzung stark ausgedehnt. Vor allem in dem von Rotbuchen dominierten Norden Mitteleuropas konnte sich die Stieleiche signifikant ausbreiten.
Klimaschwankungen dürften dabei aber auch eine Rolle gespielt haben. Der Große Eichenbock kann daher auch nicht als eindeutiger Kulturfolger eingestuft werden. Restvorkommen des Großen Eichenbocks in kontinentaleren Bereichen ((Buchen-)Eichen-Mischwälder) und in Beständen azonaler Hartholzauen könnten auch Urwaldrelikte darstellen.
In der Forstwirtschaft wurde der Große Eichenbock als Schädling eingestuft. Das lässt auf eine weite Verbreitung schließen. Steigende Getreidepreise und der Holzbedarf des 17. Jahrhunderts verursachten weitere Rodungen der (Hute-)Wälder. Auch die Weiterentwicklung der Landwirtschaft (Futterbau) ließen die Hutung zunehmend unattraktiv werden und förderte Grünland und Acker. Die gemeinschaftliche und oft ungeregelte Bewirtschaftung der Wälder wurde aufgegeben oder verboten. Hartholzauen wurden zunehmend durch Stromregulierungen geschädigt und zu Ackerland oder Bauland umgewandelt. Ehemalige Hutewälder wurden aufgeforstet oder gerodet. Spätestens diese tiefgreifenden Veränderungen der Landschaft im 17., 18. und 19. Jahrhundert haben den starken und anhaltenden Rückgang des Großen Eichenbocks besiegelt.
Bekannte und anhaltende Rückgangsursachen sind vor allem:
- Umwandlung von Hartholz-Auwäldern in Grünland und Acker.
- Umwandlung von Eichenwäldern in Nadelholzforsten.
- Umwandlung von Urwäldern mit Eichenmischbeständen in Wirtschaftswälder mit Nutzung der Bäume lange vor dem biologischen Alterstod.
- Aufgabe bzw. Umwandlung von Hutewäldern in andere Forsten.
- Aufforstung von Lichtungen und Bestandslücken und damit Beschattung der Alteichen.
- Beseitigung oder Sanierung von absterbenden Alteichen in Park- und sonstigen Grünanlagen aus ästethischen Gründen oder im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht.
Schutzmaßnahmen und -strategien
Der Rückgang des Großen Eichenbocks lässt sich nur langsam bremsen, da Eichen erst in einem Alter ab 80 bis 150 Jahren für diese Käferart interessant werden. Die Ausbreitung (Wiederbesiedelung) und der genetische Austausch der
Populationen ist durch die sehr kleine
kritische Verbunddistanz von weniger als zwei Kilometern in der heutigen intensiv genutzten Landschaft
Mitteleuropas und
Westeuropas nicht mehr gegeben (
vgl. a. Biotopverbund). Die verbliebenen und potenziellen Habitate des Großen Eichenbocks sind daher streng zu schützen und müssen durch eine angepasste Pflege und Bewirtschaftung erhalten werden. Dies ist eine der national vorrangig zu verfolgende Maßnahmen nach der FFH-Richtlinie. Der Umbau der
Forsten zu naturnahen
Waldgesellschaften ist, trotz der langer Laufzeiten, weiter zu verfolgen. Größere zusammenhängende Laubwaldökosysteme, vor allem auf natürlichen Standorten der Stieleiche, sollten ihrer natürlichen
Sukzession überlassen werden. Gegebenenfalls muss steuernd eingegriffen werden, um
Neophyten wie
Robinie und amerikanische
Roteiche und
Zerreiche, die direkte und starke Standortkonkurrenten sind, zu verdrängen. Eine extensive
Forstwirtschaft, die Bevorzugung der langsamwüchsigen
Stieleiche gegenüber
Kiefern, und eine weitgehender Verzicht auf „Baumpflege“ in Parks, Friedhöfen und
Gärten könnte den weiteren Rückgang der Art bremsen.
Literatur
- Neumann V (1985): Der Heldbock, A. Zimsen Verlag Wittenberg (Neue Brehm Bücherei)
- Jiři Zahradnik, Irmgard Jung, Dieter Jung, Jarmila Hoberlandtova, Ivan Zpevak: Käfer Mittel- und Nordwesteuropas, Parey Berlin 1985, ISBN 3-490-27118-1
Weblinks
Bockkäfer
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