HRKunze.JPG Heinz Rudolf Erich Arthur Kunze (*30. November 1956 in Mittwald-Espelkamp) ist ein deutscher Rocksänger, Musicalkomponist, -texter und -übersetzer und Zeitgeist-Literat. 25 Alben hat Heinz Rudolf Kunze seit 1981 aufgenommen, seine größten Single-Erfolge waren Dein ist mein ganzes Herz (1985) und Aller Herren Länder (1999).
Als Kind leidet er an einer akuten Knochenkrankheit und sucht seine Interessen daher nicht im Sport, sondern im Lesen von Büchern und dem Hören von Musik. Erste eigene Textentwürfe entstehen. Beim Christlichen Verein Junger Männer (CVJM) erlernt er seine ersten Gitarrengriffe. Kunze sagt dazu: „Beide Neigungen sind ungefähr gleich alt. Meine Eltern haben dies sehr früh erkannt und auch im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten immer gefördert und unterstützt. Ich musste eigentlich nie nach Büchern besonders fragen oder betteln.“ (Zitat aus einem Interview mit German RockNews, September 2000)
Nach dem Abitur beginnt Kunze ein Studium der Philosophie und Germanistik an der Universität Münster, kauft sich ein Wurlitzer-ElectroPiano und verbessert sein Klavier- und Gitarrenspiel. Als Keyboarder steigt er 1976 für kurze zeit in der Studentenband Tim Sah = Krokodil ein und arbeitet ein Jahr später zusammen mit Matthias Westing an, für diese Zeit ungewöhnlichen, deutschen Songs mit ernster, stockhausenmäßiger Musik, die bis zur Bühnenreife ausgearbeitet wurde. 1978 erhält der Dreiundzwanzigjährige für seine Texte Zu Karla übers Wochenende und Romanze den 1. Preis für Kurzprosa in einem niedersachsenweit ausgeschriebenen Wettbewerb; kurz danach erscheinen seine Preisgedichte zusammen mit anderen Werken in der 2. Buchanthologie Osnabrücker Autoren - Lyrik und Prosa.
Von der Bundeswehr als untauglich ausgemustert, ergänzt Heinz Rudolf Kunze Ende der 1970er Jahre seine öffentlichen Lesungen (Titel: Heiter-Satirisch-Absurd) mit Spieluhreinlagen, skurrilen Einfällen und Tonbandeinspielungen zu ersten kleinen literarischen Programmen. Unterstützt durch eine Studienstiftung reist er nach Oberitalien und lernt dort Robert Jaroslawski kennen, einen in Berlin lebenden Physiker und Gitarristen aus Polen. Diesem spielt er sein Programm vor und Jaroslawski ermuntert Kunze, die künstlerische Laufbahn mit allen „Risiken und Nebenwirkungen“ weiterzuverfolgen. Unter dem Projektnamen Provinzriesen tritt Kunze danach zusammen mit seinem Freund Michael Thiele und Gastgitarrist Jaroslawski in Osnabrück auf. 1979 heiraten Heinz und die ein Jahr jüngere Studentin Gisela. „...die klassische Hausfrau?“ will später die Brigitte über Kunzes Ehefrau wissen. Heinz schaut über seine Brille und kontert: „Sie macht meinen Bürokram - gegen richtige Bezahlung.“ Kunze gibt im Frühjahr 1980 erste Konzerte in Osnabrück, Regensburg und Berlin, die ihm Anerkennung einbringen. Wieder werden Texte von ihm in einem Buch mitveröffentlicht (Titel: Schreibfreiheit).
In der Radiodokumentation Kunze-Und-Lürig-Tonkunst (2000) beschreibt Kunze seine damaligen Versagensängste an diesem Scheideweg seines Lebens zwanzig Jahre zuvor. Überraschend gewinnt er auch hier den 1. Preis und eine Plattenfirma (WEA) offeriert dem Jungtalent sofort einen Fünf-Jahres-Vertrag; eine richtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte, denn nur wenige Jahre später findet man die Schallplatten Kunzes in Gesellschaft von Westernhagen, Interzone, Grönemeyer oder Lindenberg. Zuerst aber tingelt er noch durch die Lande, wie beim 'Bardentreffen', dem Nürnberger Festival der Liedermacher. Kunze tritt selbst Mitte 1981 noch nicht mit Band, sondern nur mit Mick Franke auf und auch seine Alben werden zunächst noch hinten im Deutschrock-Regal einsortiert. Das Debütalbum Reine Nervensache (1981) wird wohlwollend aufgenommen - mehr nicht. Auf ihm finden sich mit Romanze (seinem mit dem 1. Preis ausgezeichneten Text als Song), der Originalaufnahme der Bestandsaufnahme, mitgeschnitten vom Würzburger Pop-Nachwuchs-Festival, Wir leben alle im Erdgeschoß, Balkonfrühstück am Pfingstmontag und Noch hab' ich mich an nichts gewöhnt, bereits fünf große Kunze-Klassiker für spätere (Live-)Zeiten.
Im Jahre 1982 erhält Heinz Rudolf Kunze den Kleinkunstpreis Berliner Wecker sowie den Willy-Dehmel-Preis im Rahmen des SWF-Liederfestivals. Er veröffentlicht sein zweites Album Eine Form von Gewalt (ausgezeichnet mit dem Deutschen Schallplattenpreis - heute bekannt als ECHO) und 1983 sein drittes mit Titel Der schwere Mut- allein der kommerzielle Erfolg will sich nicht einstellen; Kunzes Werke sind Kunst und (noch) kein Kommerz. Dafür inspiriert er die Kulturszene. Auf Der schwere Mut findet sich sogar ein Titel (Man kann doch zu sich stehen, wie man will), der später Benjamin von Stuckrad-Barre zu seinen beiden Remix-Büchern inspirierte. Kunze wird dafür auf andere Art 'geadelt': für den Spiegel darf er ein Randy Newman-Essay verfassen; kurz danach moderiert er für den NDR und den SFB eigene Newman-Sendungen.
Kurz danach befindet sich Kunze im Ausnahmezustand, so der Titel seines Albums aus dem Jahre 1984 - und das nicht ohne Grund: Zum ersten Mal enthält ein Kunze-Studioalbum auch reine Kunze-Kompositionen; ein Schritt, mit dem sich Heinz Rudolf Kunze deutlich von seinem langjährigen Partner und Freund Mick Franke abzunabeln beginnt. Außerdem enthält das Album mit der deutschen Version des alten Kinks-Klassikers Lola (Komposition: Ray Davies) Kunzes ersten größeren Hit und - was noch wichtiger ist - er gibt damit auch sein Debüt als Übersetzer.
Nach der Trennung von Mick Franke gelingt ihm 1985 mit dem inzwischen zu Evergreen gewordenen Dein ist mein ganzes Herz der kommerzielle Durchbruch, für den Leadgitarrist, Komponist und Produzent Heiner Lürig mitverantwortlich ist. Der Erfolgs-Express Kunze-Lürig scheint in den Folgejahren kaum noch zu bremsen: Mit Leib und Seele 1985, Finden Sie Mabel und Ich brauch Dich jetzt 1986 (alle drei Titel aus dem Album Wunderkinder) werden die weiteren Hits. 1986 absolvieren Kunze und Lürig mit ihrer Band Verstärkung auch eine Tour durch 33 deutsche Städte, erhalten für das Wunderkinder-Album wieder eine Goldene Schallplatte und zudem die Goldene Stimmgabel. 1987 folgt der RTL Sonderlöwe in der Sparte Neues Deutsches Lied für das zweite Live-Doppelalbum Deutsche singen bei der Arbeit aus dem gleichen Jahr.
Wie sehr er sich wandeln kann, beweist Heinz Rudolf Kunze 1992 mit seinem Album Draufgänger: krachender Gitarren-Rock, deutlich beeinflusst vom Grunge der beginnenden 1990er, bestimmt dieses erste Konzeptalbum Kunzes. Draufgänger ist ein wildes, lautes, unruhiges Album, auf dem Kunze auch erstmals deutsch-deutsche Befindlichkeiten nach der Wende in Liedform aufnahm (Verraten und verkauft oder auch Held der Arbeit, 1992 als Single ausgekoppelt). Mit Finderlohn enthält das Album aber auch einen eher ruhigen Titel, den Kunze und Lürig u.a. bei der Sendung 1199 des Deutschen Fernsehfunks (DFF) live spielen und der auch als Single erscheint.
1994 setzt Heinz Rudolf Kunze mit seinem Album Kunze: Macht Musik wieder stärker auf musikalische Vielfalt: Voluminöse Chöre, ausgefeilte Rhythmuswechsel, Pedal-Steel- und Country-Gitarren und Mellotron-Klänge. Als Abschiedsalbum für seine alte Verstärkung gedacht, enthält es neben magischen Momenten (Goethes Banjo, Freier Fall) ebenso kommerzielle Songs (Leg nicht auf, Tohuwabohu, Einfacher Mann) und mit Sex mit Hitler sogar einen Titel, der kurzzeitig auf dem Index der Bundesprüfstelle landete. Das Album ist zugleich Schlusspunkt einer Epoche, die mit Dein ist mein ganzes Herz begonnen hat.
Erst zwei Jahre später, Anfang 1996, wird Kunzes nächstes Studioalbum erscheinen. Deshalb zieht er zuvor mit seinem zweiten literarisch-musikalischen Programm Der Golem aus Lemgo durch die Lande. Auf dem neuen Studioalbum Richter-Skala mit komplett neuer Verstärkung überließen Kunze und Lürig den Neuen in der Band bewusst mehr Spielraum, wodurch außergewöhnliche Songs wie Manchmal, König mit leeren Händen oder Möchtegern Opfer entstehen. Mit Ich steh Dir bei (dem Titelsong der SAT.1-TV-Serie Max Wolkenstein) und Halts Maul werden zudem zwei Singles ausgekoppelt. Der Musik Express/Sounds meint dazu, Kunze sei nun an dem Punkt angelangt, (Zitat) „an dem die eigene Arbeit der seiner Idole ebenbürtig ist.“ Nach dem Ende der Nach oben offenen-Richterskala-Tour gerät HRK dann heftig in das Kreuzfeuer der deutschen Medien, als er sich während eines Interviews im Spiegel unter dem Titel Austritt aus der NATO für eine Quote pro Deutscher Rockmusik stark macht. Später wird man erkennen: Kunze ist der Entwicklung in Deutschlands Medienszene um fast zehn Jahre voraus.
Im Herbst 1999 erhält Heinz Rudolf Kunze erneut die Goldene Stimmgabel, diesmal in der Sparte Deutsch/Rock Progressiv, und eine goldene CD für die Übersetzungsarbeit am Musical Miss Saigon. In der traditionsreichen Lagerhalle in Osnabrück gibt es außerdem ein ausverkauftes Heinz-Rudolf-Kunze-Event der besonderen Art: Deutschland Radio Berlin zeichnet unter dem Titel Fettnaphia 99 - Die Weltgrößte Fachmesse Für Einheitsbrei auf, ein einmaliges Programm, das HRK speziell für diesen Zweck geschrieben hat. Kunze nutzt die Zeit bis zum neuen Album um nochmals und wiederum wenig leise für das Deutsche Rock Radio-Projekt zu werben; der Ausdruck „Deutsch-Rock-Quote“ macht daraufhin erneut die Runde durch die Medien und Kunzes Unterstützer aus der deutschen Musikbranche machen sich plötzlich ganz rar. Auch kein WUnder, denn der Mann ist mit seiner Idee der Zeit ja immer noch weit voraus.
Auch das Jahr 2000 vergeht ohne neues Kunze-Studioalbum. Dafür spielt er mit seiner Verstärkung auf der EXPO 2000 und begeistert hierbei mehr als 15.000 Zuschauer, hält bei der Abschlussveranstaltung des EXPO-Schülerwettbewerbes Meine Welt 2020 - Reportagen aus der Zukunft eine Rede zum Thema, übersetzt erfolgreich Musicals wie Rent ins Deutsche und veröffentlicht Bücher (nach Mücken und Elefanten und Nicht dass ich wüsste folgt Heimatfront). 2001 erscheint dann das lange erwartete Album Halt, welches sofort auf Position 10 in die Charts einsteigt. Kunze nimmt hierbei jedoch erstmals Impulse von außen hinzu: Neben seinem langjährigen Produzenten und Freund Heiner Lürig produziert Chris von Rautenkranz (Blumfeld) vier Titel des Albums. im selben Jahr geht Kunze mit Lürig, dem Rest der Verstärkung sowie dem Halt-Programm erneut auf eine ausgedehnte Deutschland-Tour und veröffentlicht mit Klärwerk außerdem ein weiteres Buch.
Im Frühjahr 2003 erscheint zuerst die Single Mach auf und wenig später das Album Rückenwind. Trotz der massiven Unterstützung von mehreren Songwritern wird das Album ebenso wie die Singleauskopplung kein großer Erfolg. Dafür bewundert man Kunzes prophetisches Talent: Jürgen Möllemann begeht Freitod per Fallschirm, ganz so wie es HRK in seinem Song Freier Fall knapp acht Jahre zuvor vorausgeahnt hat. Kunzes Fallschirm gegen dessen freien Fall ist ein Angebot der Landesbühne Hannover und Heiner Lürigs, ein eigenes Musical zu schreiben. Zusammen mit Heiner Lürig als Komponisten schreibt HRK die Texte für das Musical Ein Sommernachtstraum nach William Shakespeare.
2004 steht weiter im Zeichen der Veränderung. Kunze schreibt an seinem zweiten eigenen Musical, diesmal über Edgar Allan Poe. Titel: Poe - Pech und Schwefel (Musikkomposition: Frank Nimsgern), welches im September Premiere in Saarbrücken hat. Kunze veröffentlicht zur zweiten Saison des Musicals Sommernachtstraum ein Buch mit allen Texten und Illustrationen von F.W. Bernstein und bereitet ein weiteres eigenes Buch vor. Weiterhin liest Texte des Malers Edvard Munch, die Verwandlung anlässlich Franz Kafkas 80. Todestages und beim 95. Deutschen Katholikentag in Ulm. Und Kunze spricht Klartext (so der Titel eines Interviews) zum Thema 'Heiner Lürig' (Zitat): „Wir hatten uns ja für ein Album getrennt und haben dann beim Sommernachtstraum gemerkt, dass wir ohne einander nicht sein können * man kann es sich vorstellen und man darf es sich vorstellen, dass daraus wieder mehr wird.“)
Anfang 2005 erscheint Kunzes 25. Album Das Original mit Heiner Lürig als Produzent und neuem (alten) Bandmitglied. Mit diesem Album und dessen Single-Auskopplungen Immer für dich da und Mehr als dies, der Hymne des Evangelischen Kirchentages 2005 kehrte Heinz Rudolf Kunze auch auf die großen Bühnen zurück. Zum 25jährigen Bühnenjubiläum zeichnet der WDR in Hannover an zwei Tagen eine große HRK-Rockpalast-Gala auf, die erst von verschiedenen TV-Sendern ausgestrahlt und damm im November 2005 als DoppelDVD-Box Man sieht sich plus BonusLiveCD veröffentlicht wird. Bereits im Oktober erscheint Kunzes Buch Artgerechte Haltung. Im Dezember dann ist HRK der Star bei der großen Veranstaltung der Jenaer Universität anläßlich des 70. Todestages von Kurt Tucholsky. Zusammen mit Rainer W. Sauer liest Kunze in einer Radioübertragung Tucholskys Texte und singt Werner Schneyders Lied "Schlafen Sie gut, Herr Tucholsky!".
Für 2006 ist zwar keine Veröffentlichung eines neuen Kunze-Albums vorgesehen. Dafür arbeiten Kunze und Lürig aber intensiv an ihrem zweiten Musical nach William Shakespeare: Was ihr wollt.
Mann | Deutscher | Rocksänger | Geboren 1956
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