Heinz Brandt (* 16. August 1909 in Posen; † 8. Januar 1986 in Frankfurt am Main) war kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, SED-Funktionär und Opfer der DDR-Justiz.
Während des Streiks am 16. Juni 1953 erwirkte Brandt eine Herabsetzung der eben erhöhten Normen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde er aus seinen Parteifunktionen entfernt.
Nach dem XX. Parteitag der KPdSU konnte Brandt nach Moskau reisen, um dort das Schicksal seiner Geschwister zu erkunden. Er erfuhr, daß sein Bruder den Stalinschen Repressionen zum Opfer gefallen, seine Schwester nach Sibirien verbannt worden war. Der Einblick in das Stalinsche Terrorsystem veranlasste ihn 1958, die DDR zu verlassen und in die Bundesrepublik Deutschland zu gehen. Nachdem er dort begonnen hatte, als Chefredakteur für das IG Metall-Organ Metall zu arbeiten, wurde er am 16. Juni 1961 in die DDR entführt. Als er das Angebot ausschlug, öffentlich zu erklären, er sei aus Enttäuschung über die Bundesrepublik Deutschland wieder in die DDR zurückgekehrt, wurde er 1962 zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt, u.a. wegen des Vorwurfs, Beziehungen zum Ostbüro der SPD unterhalten zu haben.
Eine weltweite Kampagne von Amnesty International und Bertrand Russell führte 1964 zu seiner Freilassung; er war der erste solchermaßen aus DDR-Haft freigekämpfte Häftling. Von der Bundesrepublik Deutschland aus engagierte sich Brandt dann selbst für die Freilassung politischer Häftlinge aus der Haft in kommunistischen Lagern.
Brandts parteipolitisches Engagement in der Bundesrepublik Deutschland verlief eher unglücklich, schon 1968 trennte er sich von der SPD, 1979 auch von den Grünen, bei denen er dann mitgearbeitet hatte. Bei unabhängigen Linken behielt Brandt dauerhaft einigen Einfluss. 1977 kritisierte Brandt die einseitige Pro-Atomkrafthaltung vieler Gewerkschafter und gründete gemeinsam mit anderen DGB-Mitgliedern die gewerkschaftliche Antiatomkraftinitiative Aktionskreis Leben, was ihm ein Ausschlussverfahren seitens des IGM-Vorstandes einbrachte, welches erst nach einer breiten innergewerkschaftlichen Solidaritätskampagne eingestellt wurde.
1980 gab Brandt den Anstoß für die Gründung der „Solidarität mit Solidarnosc“ und bemühte sich, vor allem die Linke in Deutschland für die Solidarisierung zu gewinnen. Brandts politische Position in seinen letzten Lebensjahren kommt sehr klar in einem Brief zum Ausdruck, den er am 5. Juli 1984 an die Humanistische Union, Landesverband Berlin, richtete: „Wer nicht allüberall vorbehaltlos für Menschenrechte und Menschenwürde, unsere verfaßten Grundrechte und bürgerlichen Freiheiten, für Freiheit und Demokratie überhaupt eintritt, ist auch kein glaubwürdiger Anti-Nationalsozialist, schon gar nicht ein besonders radikaler (möge er sich auch noch so heftig als ‚Anti-Faschist‘ bezeichnen, was Schlimmes ahnen läßt).“
Mann | Deutscher | Carl-von-Ossietzky-Medaille | KPD-Mitglied | SPD-Mitglied | Geboren 1909 | Gestorben 1986
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