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Heinrich VIII. (* 28. Juni 1491 in Greenwich; † 28. Januar 1547 in London) war vom 22. April (gekrönt am 24. Juni) 1509 an bis zu seinem Tod am 28. Januar 1547 König von England. Er wurde 1542 auch König von Irland, das er vorher als Lord regiert hatte. Er war auch für seine sechs Frauen berühmt. Im Englischen gibt es den Abzählreim "Divorced, beheaded, died. Divorced, beheaded, survived" (Geschieden, Geköpft, gestorben. Geschieden, geköpft, überlebt), der sich auf diese sechs Frauen bezieht.

Leben


Jugend und Thronfolgefrage

Heinrich war der zweitälteste Sohn des englischen Königs Heinrich VII. und von dessen Frau Elisabeth von York. Ursprünglich war er als zweitältester Sohn für den geistlichen Stand vorgesehen und wurde auch, fern der Staatspolitik, so erzogen. Als sein älterer Bruder Arthur Tudor 1502 überraschend starb, wurde Heinrich Fürst von Wales und somit offizieller Thronfolger. Die klerikale Ausbildung wurde abgebrochen und mit der Vorbereitung auf die später zu erwartende Übernahme des Regierungsamtes begonnen. Zudem wollte Heinrich VII. sein gerade aufgebautes Bündnis mit Spanien erhalten, das auf der Heirat Arthurs mit Katharina von Aragón beruhte und nun durch den Tod des Thronfolgers in Gefahr geriet. Da die Bibel verbot die Witwe seines Bruders zu heiraten ließ Heinrich VII. sich von Katharina bezeugen, dass die Ehe mit Arthur nie vollzogen worden war, so dass ein päpstlicher Dispens eingeholt werden konnte, der die Ehe mit Heinrich ermöglichte.

Am 21. April 1509 starb Heinrich VII.. Heinrich heiratete Katharina von Aragón nun auf Grund des letzten Willens seines Vaters. Sowohl als Fürstin von Wales wie als Königin war Katharina überaus volksverbunden und populär. Ihr erstes Kind war 1510 eine Totgeburt. Prinz Heinrich wurde am Neujahrstag 1511 geboren, starb aber nach 52 Tagen. Katharina hatte dann eine Fehlgeburt, gefolgt von einem weiteren früh verstorbenen Sohn. Im gleichen Jahr trat Heinrich der von Papst Papst Julius II. ins Leben gerufenen Heiligen Liga bei, einem Bündnis gegen die Expansionspolitik Ludwig XII. von Frankreich und zur Befreiung Italiens. Im Jahr 1514 fiel Heinrich im Zuge der Italienischen Kriege mit seiner Armee in Frankreich ein. Der schottische König Jakob IV., der durch die Auld Alliance mit Frankreich verbündet war, erklärte England den Krieg. Jakobs Feldzug fand kurze Zeit später seinen blutigen Höhepunkt in der Schlacht von Flodden Field. Nahe der englisch-schottischen Grenze fielen der schottische König und mit ihm viele hochrangige Adlige sowie zehntausend seiner Untertanen. Nach dem Tode Julius II. suchte sein Nachfolger Papst Leo X. den Frieden mit Frankreich, und auch die Heilige Liga hört auf zu existieren.

Im Februar 1516 gebar Katharina im Palast von Placentia in Greenwich, London die Tochter Mary, später Königin Maria I. von England. 1518 hatte sie eine weitere Fehlgeburt. Weil sich kein Thronnachfolger einstellte, begann Heinrich zu glauben, seine Ehe sei verflucht und eine Bestätigung des Buches Leviticus, nach dem eine Ehe eines Mannes mit der Frau seines Bruders kinderlos bliebe.

Scheidung von Katharina von Aragón

Da Katharina ihrem König nicht den gewünschten männlichen Thronfolger schenkte, verlangte Heinrich die Scheidung von Katharina, gestützt auf Recherchen seines Geheimdiplomaten Richard Croke und einem Gutachten Stephen Gardiners, das die Ehe mit der Witwe seines Bruders als von Anfang an nichtig erklärte. Papst Clemens VII. verweigerte dem jedoch unter dem Druck von Katharinas Neffen Karl V. seine Zustimmung.

Während des sieben Jahre andauernden Scheidungsprozess verliebte sich Heinrich in Elisabeth Blount. Um 1517 kam diese als Hofdame von Katharina von Aragón, an den Hof und wurde schnell Heinrichs Mätresse. Am 15. Juni 1519 brachte Sie Heinrichs Sohn zur Welt, der Henry Fitzroy genannt wurde. Dieser Sohn war jedoch für den König illegitim, das heißt, er hatte keine Ansprüche auf den englischen Thron. 1520 verliebte sich der König in Mary Boleyn. Diese Liebschaft gab er aber fünf Jahre später zugunsten ihrer Schwester Anne Boleyn auf.Field of the cloth of gold.jpg, 1774 ]] Um die Scheidung nun endgültig durchzusetzen beanspruchte Heinrich die Suprematie der Krone über die Kirche in England und trennte sie von der Katholischen Kirche. Durch die Suprematsakte von 1534 schuf Heinrich die Anglikanische Kirche, als deren Oberhaupt seither die englischen Könige fungieren. Er zwang jeden seiner Untertanen dazu, einen Eid auf dies zu schwören, doch widersetzte sich sein ehemaliger Lordkanzler Thomas More und wurde deshalb angeklagt und exekutiert.

Heinrichs lange Rivalität mit König Franz I. von Frankreich wurde durch das Bündnis Frankreichs mit Schottland sehr bedrohlich, da beides katholische Länder waren. Er und Franz trafen sich 1520 bei Calais auf dem Field of the Cloth of Gold (Cloth of Gold war ein Gewebe, in das dünne Fasern aus Gold in traditionelle Materialien, häufig Seide, verwoben wurde. Es wurde für zeremonielle Kleidung oder als Baldachin für den Thron benutzt). 1546 wurde letztendlich Frieden mit Frankreich geschlossen.

Ehe mit Anne Boleyn

Nach seiner Scheidung von Katharina und der Trennung der Englischen Kirche von Rom heiratete er am 25. Januar 1533 Anne Boleyn. Anne, der er in der Werbungszeit wunderbare Liebesbriefe geschrieben hatte, gebar ihm seine Tochter. Heinrich nannte sie nach seiner Mutter Elisabeth. Sie wurde später Königin Elisabeth I. von England. Das zweite Kind wäre ein Junge gewesen, doch erlitt Anne eine Fehlgeburt. Da sie es weder verstand, Heinrich bei Laune zu halten, noch ihm den ersehnten männlichen Thronerben schenkte, wurde Anne Boleyn zur Last für Heinrich. Jedoch hatte er Angst, dass wenn er die Ehe mit ihr beenden würde, seine erste Ehe mit Katharina von Aragón wieder gültig wäre. Diese hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er eines Tages zu ihr zurückkehren würde. Als Katharina von Aragon im Januar 1536 starb, wurde Anne Boleyn kurz darauf unter dem Vorwand des vielfachen Ehebruchs angeklagt und zusammen mit ihren angeblichen Liebhabern (einer davon war z. B. ihr Bruder George) am 19. Mai 1536 enthauptet.

Jane Seymor und Anna von Kleve

Die nächste Frau in Heinrichs Leben, die bereits vor dem Ende ihrer Vorgängerin an Heinrichs Seite stand, war Jane Seymour. Als im Oktober 1536 die Pilgerreise der Gnade, eine große Rebellion der Katholiken im Norden Englands ausbrach kündigte sie die größte Krise während Heinrichs Regierungszeit an. Da Heinrich den Aufständischen militärisch unterlegen war musste er verhandeln. Heinrich schickte seinen Vertrauten Thomas Howard nach Doncaster wo die Aufständigen zwischen 30 000 und 40 000 Mann versammelt hatten. Er bot ein Generalpardon an und machte weit reichende Zugeständnisse. Unter anderem sollte Jane Seymour in York zur katholischen Königin gekrönt werden. Nachdem sich der Aufstand aufgelöst hatte, hielt Heinrich seine Versprechen jedoch nicht. Er ließ die ahnungslosen Anführer verhaften und wegen Hochverrats hinrichten. Jane Seymour, die ihm einen kränklichen Sohn Eduard (* 12. Oktober 1537 - † 6. Juli 1553) schenkte, starb kurz nach der Geburt des Kindes am 24. Oktober 1537 vermutlich an Kindbettfieber.

Heinrich heiratete erst am 6. Januar 1540 widerstrebend erneut, auf Betreiben seines Kanzlers Thomas Cromwell. Diese von ihm vermittelte, vierte Frau war die deutsche Anna von Kleve. Da politische Gründe für eine Allianz mit dem Herzogtum von Jülich-Kleve-Berg sprachen, entschied sich Heinrich zur Unterzeichnung des Heiratsvertrages mit Anna von Kleve. Bereits bei einem ersten heimlichen Treffen aus Neugierde war Heinrich enttäuscht. Anna war sehr streng konservativ erzogen, konnte zwar gut nähen und sticken, hatte aber keine Fremdsprachen (und somit auch nicht Englisch) gelernt, war keine gute Unterhalterin und weit weniger hübsch als auf einem Portrait, das er vor Unterzeichnung des Heiratsvertrages von seinem Hofmaler Hans Holbein hatte malen lassen. Ein offizieller Grund für die Verweigerung einer Eheschließung ließ sich aber nicht finden. Noch während der Ehe begann Heinrich eine leidenschaftliche Affäre mit Annas eigener Hofdame Katharina Howard. Bereits im Juli 1540 wurde die Ehe wieder annulliert. Anna von Kleve lebte nach der Scheidung in England und baute einen sehr liebevollen Kontakt zu Heinrichs Kindern auf. Pikanterweise bewohnte sie Hever Castle, also den ehemaligen Besitz der Familie Boleyn. Sie überlebte Heinrich um 10 Jahre. Thomas Cromwell wurde des Hochverrats und der Ketzerei angeklagt, zum Tode verurteilt und am 28. Juli 1540 hingerichtet.

Katharina Howard und Katharina Parr

Die folgende Ehe mit der jungen Katharina Howard, einer Cousine Anne Boleyns, wurde noch im Scheidungsmonat am 28. Juli 1540 geschlossen. Katharina konnte nicht besonders gut mit ihm umgehen, zumal Heinrich zu dieser Zeit bereits alles andere als eine angenehme Erscheinung war. Zum Verhängnis wurde ihre Liebschaft mit dem Kammerdiener Thomas Culpeper. Sie wurde wegen Ehebruchs angeklagt und am 13. Februar 1542 enthauptet. Als Folge daraus wurden auch zahlreiche andere Mitglieder der Herzogsfamilie gefangen genommen; so auch Thomas Howard und sein Sohn, der Dichter Henry Howard, Earl of Surrey. Seine letzte Frau, die knapp 30-jährige Catherine Parr, die schon zweimal verwitwet war, heiratete er am 12. Juli 1543. Als Heinrich ein Jahr nach ihrer Hochzeit, zusammen mit dem deutschen Kaiser Krieg gegen Frankreich führt, setzt er Katharina als Regentin ein, und lässt sie die Staatsgeschäfte führen. Sie wird auch zum Vormund der drei Kinder bestimmt. Während dieser Zeit begann sie Gebete abzufassen. Diese schrieb sie in Englisch, obwohl diese üblicherweise in Latein geschrieben wurden. Ein Zeichen, dass sie wie auch die zweite Frau Heinrichs Anne Boleyn eine moderne Anschauung von Religion hatte. Ihr eigener Kopf in Fragen der Religion und ihr Widerspruchsgeist, weckten das Misstrauen des Lordsiegelbewahrer Stephen Gardiner der ein Verfahren gegen sie einleitet. Kurz vor Heinrichs Tod gelang es ihr aber den König zu beschwichtigen.

Sie überlebte ihn allerdings nur um etwas mehr als ein Jahr. Nach Heinrichs Tod heiratete sie Thomas Seymour und starb am 5. September 1548 an den Folgen der Geburt ihrer Tochter Mary.

Tod und Nachfolge

Es ist bekannt, dass Heinrich in seinem späteren Leben stark übergewichtig war und möglicherweise an Gicht, Syphilis oder Diabetes litt. Als er noch jünger war, soll er jedoch ein lebhafter Mann gewesen sein. Sein Übergewicht stammte von einem Turnierunfall aus dem Jahr 1536. Er litt an einer Unterschenkelwunde, die ihn zwar nicht von Übungen abhielt, jedoch fortschreitend vereiterte und wahrscheinlich indirekt zu seinem Tod führte.

Heinrich starb 1547 in London und wurde in Windsor begraben. Bei seinem Tod hinterließ er drei Kinder, die, wie von ihm testamentarisch festgelegt nacheinander auf den englischen Thron kamen: Eduard VI., Maria I. und Elisabeth I.

Nachruf


Heinrich gilt nicht zu Unrecht als Prototyp des Renaissance-Herrschers. Er war gebildet, sprach mehrere Sprachen und korrespondierte mit Humanisten wie Erasmus von Rotterdam. Für seine Streitschrift zur Verteidigung des rechten katholischen Glaubens verlieh der Papst ihm den Titel "Verteidiger des Glaubens". Er war musikalisch und komponierte. Im Tanzen, Ringen, Jagen und diversen Waffenübungen tat er sich ebenso hervor wie in der Urform des Tennis und wohl auch des Fußballs (es existiert jedenfalls eine Rechnung für Fußballschuhe für ihn). Während seines ganzen Lebens war der König ein begeisterter Glücksspieler, der unter anderem Würfel- und Kartenspiele mochte. Es wird behauptet, er habe sogar während der Geburt Elisabeths gespielt.

Heinrich VIII. verstärkte die englische Seemacht und gründete eine effiziente Marine. Sein Flaggschiff, die Mary Rose, sank jedoch am 19. Juli 1545 während eines Gefechts mit den Franzosen nach langer und erfolgreicher Fahrt beim Auslaufen aus dem Hafen von Portsmouth vor den Augen Heinrichs. In den 1980ern wurde das Schiff geborgen und gab wertvolle archäologische Hinweise auf diese Periode. Heute wird es in Portsmouth ausgestellt.

Heinrich in Film und Musik


Über Heinrich und seinen Hofstaat wurden viele Filme gedreht. Drei, die hier Erwähnung finden sollen, sind Das Privatleben von Heinrich VIII. von 1933 mit Charles Laughton und die BBC-Fernsehserie Die Sechs Frauen Heinrichs VIII. von 1972 mit Keith Michell.

2003 wurde die Lebensgeschichte von Heinrich VIII. mit großem Aufwand neu Verfilmt: "Henry VIII". Ray Winstone spielt Heinrich. Weitere bekannte Darsteller sind Helena Bonham Carter und Sean Bean

1969 verfilmte Charles Jarrott mit Königin für tausend Tage, wenngleich historisch nicht ganz korrekt, die Liebesgeschichte und Ehe zwischen Heinrich VIII. (Richard Burton) und Anne Boleyn (Genevieve Bujold). Der Film wurde im Jahr 1970 mit vier Golden Globes prämiert und für zehn Oscars nominiert.

Eine viel zitierte Legende behauptet, das alte englische Volkslied Greensleeves sei von Heinrich VIII. für seine zweite Frau Anne Boleyn komponiert worden.

Der Yes-Keyboarder Rick Wakeman veröffentlichte 1972 ein Konzeptalbum mit dem Titel The Six Wives Of Henry VIII.. Wakeman widmete jeder von den sechs Ehefrauen Heinrichs einen Song und versuchte nach eigenen Angaben, die Beziehung des Königs zu seinen Gemahlinnen musikalisch umzusetzen. Das Album verkaufte sich millionenfach und wird von vielen Kritikern als Wakemans bestes Soloalbum angesehen

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