Heinrich Schliemann.jpg Johann Ludwig Heinrich Julius Schliemann (* 6. Januar 1822 in Neubukow, Mecklenburg-Schwerin; † 26. Dezember 1890 in Neapel) war ein Kaufmann in St. Petersburg und Pionier der Feldarchäologie.
In den folgenden Jahren gründete Schliemann eine Bank für Goldhandel in Sacramento (Kalifornien) und investierte erfolgreich in amerikanische Eisenbahnprojekte. Schließlich wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Durch Waffenlieferungen an die zaristische Armee im Krimkrieg wurde er sehr reich und heiratete eine russische Kaufmannstochter. 1856 erlernte er Latein und Altgriechisch und wollte sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen.
Dies gelang ihm erst 1864; in diesem Jahr ging er auf ausgedehnte Studienreisen nach Asien sowie Nord- und Mittelamerika. 1865 verfasste er sein erstes Buch: La Chine et le Japon. Von 1866 an studierte er Altertumswissenschaften an der Sorbonne in Paris. 1868 übersiedelte er nach Griechenland und unternahm eine Studienreise in die Gegend von Troia. 1869 folgten die Promotion zum Dr. phil. an der Universität Rostock, Scheidung von seiner ersten Frau und die unverzügliche Heirat der 17jährigen Griechin Sophia Engastromenos. 1870 unternahm er an dem Hügel Hisarlik - illegal - erste Probegrabungen, ein Jahr später erfolgte die erste offizielle Grabungskampagne. 1874 führte er Versuchsgrabungen in Mykene durch, wo er zwei Jahre später die berühmten Schachtgräber entdeckte. Es folgten Ausgrabungen in Orchomenos und Alba Longa. 1881 schenkte er – auf Vermittlung seines Förderers Rudolf Virchow – seine Sammlung „trojanischer Alterthümer“ dem deutschen Volk und wurde Ehrenbürger Berlins. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse unter dem Titel Ilios sowie seine Autobiografie. Im folgenden Jahr nahm erstmals Wilhelm Dörpfeld an einer Grabung Schliemanns in Troia teil. 1884 begann er mit den Grabungen in Tiryns, die er – neben Sondierungen in Alexandria – 1885 fortsetzte. 1890 finanzierte er eine internationale Gelehrtenkonferenz am Ausgrabungsort in Troia.
Nach der siebenten Kampagne in Troia verstarb Schliemann am 26. Dezember 1890 überraschend in Neapel an den Folgen eines langjährigen Ohrenleidens (Hörsturz?). Seine Leiche wurde von Freunden nach Athen überführt und dort in einem prächtigen Mausoleum auf dem Ersten Friedhof von Athen (Proto Nekrotafeion Athinon) beigesetzt.
Zweifelhaft war auch sein Verhalten gegenüber den Vertretern des Osmanischen Reichs: er brachte den „Schatz des Priamos“ widerrechtlich an sich und außer Landes; erst nach einem Prozess zahlte er hierfür einen „Kaufpreis“.
Zwar gibt es überzeugende Hinweise, dass um diesen strategisch und handelspolitisch bedeutsamen Siedlungsplatz immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen geführt worden sind. Ein archäologischer Beweis dafür, dass der Troianische Krieg Homers tatsächlich um eben diese Siedlung geführt worden ist (davon war Schliemann restlos überzeugt), ist jedoch bisher nicht erbracht. Die weitverbreitete Legende (an der er gerne selbst gestrickt hat) „Heinrich Schliemann entdeckte die Stelle, an der die legendäre Stadt Troia stand ...“ ist in dieser Form daher unhaltbar. Trotz des fehlenden Beweises ist heute in der Fachwelt unumstritten, dass es sich bei der von Schliemann ausgegrabenen Stätte tatsächlich um Troia/Ilion handelt. Die Grabungen und Forschungen werden seit 1988 durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen und das Department of Classics der University of Cincinnati fortgesetzt.
Zweifellos aber hat Schliemann als erster eine bronzezeitliche Siedlung außerhalb Ägyptens und Mesopotamiens aufgedeckt und damit der Altertumswissenschaft ein völlig neues Arbeitsgebiet eröffnet.
Auch hat er durch seine zahlreichen Publikationen das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Siedlungsort – den die Fachwelt übereinstimmend für das historische Troia hält – sowie an seriöser archäologischer Forschung entscheidend gefördert.
Seine Berichte über die Zusammenhänge zwischen Tiryns, Mykene und Kreta rückten diese Stätten erst in das Bewusstsein der Geschichtswissenschaft. In Fachkreisen ist Schliemann daher heute zu Recht als „Vater der mykenischen Archäologie“ anerkannt.
Mann | Deutscher | Klassischer Archäologe | Ehrenbürger | Freimaurer (19. Jh.) | Geboren 1822 | Gestorben 1890 | Polyglott
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