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Heinrich Schliemann.jpg Johann Ludwig Heinrich Julius Schliemann (* 6. Januar 1822 in Neubukow, Mecklenburg-Schwerin; † 26. Dezember 1890 in Neapel) war ein Kaufmann in St. Petersburg und Pionier der Feldarchäologie.

Leben


Schliemann wuchs bis zum Alter von zehn Jahren in Ankershagen auf. Sein Vater Ernst Schliemann war protestantischer Prediger. Nach dem Tod der Mutter kam er im Alter von zehn Jahren in die Familie seines Onkels Friedrich Schliemann. Aus Geldmangel konnte er jedoch kein Gymnasium besuchen. 1836 begann er eine Lehrzeit als Handelsgehilfe bei einem Krämer, die er aus gesundheitlichen Gründen nach fünfeinhalb Jahren abbrechen musste. Danach war Schliemann für kurze Zeit in Hamburg angestellt. 1841 wollte er - völlig verarmt - nach Venezuela auswandern, das Schiff strandete jedoch vor der niederländischen Insel Texel. Ein Jahr später bekam er eine Stellung als Kontorbote in Amsterdam und begann Fremdsprachen zu erlernen – was ihm anscheinend außerordentlich leicht fiel. Innerhalb eines Jahres lernte er Niederländisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. 1844 begann er noch Russisch zu lernen. 1846 gründete er im Auftrag seines Arbeitgebers eine Handelsniederlassung in St. Petersburg; bereits ein Jahr später eröffnete er dort ein eigenes Handelshaus und erwarb die russische Staatsbürgerschaft.

In den folgenden Jahren gründete Schliemann eine Bank für Goldhandel in Sacramento (Kalifornien) und investierte erfolgreich in amerikanische Eisenbahnprojekte. Schließlich wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Durch Waffenlieferungen an die zaristische Armee im Krimkrieg wurde er sehr reich und heiratete eine russische Kaufmannstochter. 1856 erlernte er Latein und Altgriechisch und wollte sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen.

Dies gelang ihm erst 1864; in diesem Jahr ging er auf ausgedehnte Studienreisen nach Asien sowie Nord- und Mittelamerika. 1865 verfasste er sein erstes Buch: La Chine et le Japon. Von 1866 an studierte er Altertumswissenschaften an der Sorbonne in Paris. 1868 übersiedelte er nach Griechenland und unternahm eine Studienreise in die Gegend von Troia. 1869 folgten die Promotion zum Dr. phil. an der Universität Rostock, Scheidung von seiner ersten Frau und die unverzügliche Heirat der 17jährigen Griechin Sophia Engastromenos. 1870 unternahm er an dem Hügel Hisarlik - illegal - erste Probegrabungen, ein Jahr später erfolgte die erste offizielle Grabungskampagne. 1874 führte er Versuchsgrabungen in Mykene durch, wo er zwei Jahre später die berühmten Schachtgräber entdeckte. Es folgten Ausgrabungen in Orchomenos und Alba Longa. 1881 schenkte er – auf Vermittlung seines Förderers Rudolf Virchow – seine Sammlung „trojanischer Alterthümer“ dem deutschen Volk und wurde Ehrenbürger Berlins. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse unter dem Titel Ilios sowie seine Autobiografie. Im folgenden Jahr nahm erstmals Wilhelm Dörpfeld an einer Grabung Schliemanns in Troia teil. 1884 begann er mit den Grabungen in Tiryns, die er – neben Sondierungen in Alexandria – 1885 fortsetzte. 1890 finanzierte er eine internationale Gelehrtenkonferenz am Ausgrabungsort in Troia.

Nach der siebenten Kampagne in Troia verstarb Schliemann am 26. Dezember 1890 überraschend in Neapel an den Folgen eines langjährigen Ohrenleidens (Hörsturz?). Seine Leiche wurde von Freunden nach Athen überführt und dort in einem prächtigen Mausoleum auf dem Ersten Friedhof von Athen (Proto Nekrotafeion Athinon) beigesetzt.

Ausgrabungen


Troia

Schliemann_Trojanische_Altertümer_EA.jpg Heinrich Schliemann war nicht der erste, der unter dem Hügel namens Hissarlik in der Troas die Reste der Stadt Troia (auch Ilion, daher der Name des Epos Ilias Homers) vermutete. 1863 wurden dort von dem Briten Frank Calvert erste Ausgrabungen durchgeführt. Während der ersten drei Grabungs-Kampagnen (ab 1871) ließ Schliemann von seinen Arbeitern einen 40 m breiten und über 15 m tiefen Graben mitten durch den Hügel treiben, in der Hoffnung, so Ilion, die Burg des Priamos, zu finden. Dabei wurden wichtige Siedlungsspuren aus sämtlichen Schichten unwiederbringlich zerstört. Er war jedoch lernfähig: in den folgenden Jahren und bei Grabungen an anderen Orten nahm er die Hilfe eines Fachmannes (Wilhelm Dörpfeld) in Anspruch und ging erheblich vorsichtiger zu Werke.

Zweifelhaft war auch sein Verhalten gegenüber den Vertretern des Osmanischen Reichs: er brachte den „Schatz des Priamos“ widerrechtlich an sich und außer Landes; erst nach einem Prozess zahlte er hierfür einen „Kaufpreis“.

Zwar gibt es überzeugende Hinweise, dass um diesen strategisch und handelspolitisch bedeutsamen Siedlungsplatz immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen geführt worden sind. Ein archäologischer Beweis dafür, dass der Troianische Krieg Homers tatsächlich um eben diese Siedlung geführt worden ist (davon war Schliemann restlos überzeugt), ist jedoch bisher nicht erbracht. Die weitverbreitete Legende (an der er gerne selbst gestrickt hat) „Heinrich Schliemann entdeckte die Stelle, an der die legendäre Stadt Troia stand ...“ ist in dieser Form daher unhaltbar. Trotz des fehlenden Beweises ist heute in der Fachwelt unumstritten, dass es sich bei der von Schliemann ausgegrabenen Stätte tatsächlich um Troia/Ilion handelt. Die Grabungen und Forschungen werden seit 1988 durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen und das Department of Classics der University of Cincinnati fortgesetzt.

Zweifellos aber hat Schliemann als erster eine bronzezeitliche Siedlung außerhalb Ägyptens und Mesopotamiens aufgedeckt und damit der Altertumswissenschaft ein völlig neues Arbeitsgebiet eröffnet.

Mykene

Die frühhistorische Ruinenstätte Mykene besuchte Schliemann erstmals 1869. Hier suchte er – im Gegensatz zu Anderen – die Grablege Agamemnons (des sagenhaften Königs und Oberbefehlshabers der griechischen Streitmacht vor Troia) nicht außerhalb, sondern innerhalb der Burgmauern. Er begann 1876 mit den Ausgrabungen. Der größte Fund war die so genannte Goldmaske des Agamemnon aus Mykene, die nach heutigen Erkenntnissen allerdings nicht Agamemnon zugesprochen werden kann, da sie aus einer um etwa 300 Jahre früheren Ära stammt.

Weitere Ausgrabungsorte

Weiterhin unternahm Schliemann teils umfangreiche Grabungskampagnen in Orchomenos (Schatzhaus des Minyas), Ithaka und Tiryns.

Würdigung

Sein unbekümmertes Vorgehen bei den ersten Grabungen in Hissarlik hat Schliemann viel Kritik eingebracht. Dabei wurde übersehen, dass er sich nicht auf Vorbilder stützen konnte. Dass er seine Methoden grundlegend geändert hat, machte ihn (neben Flinders Petrie und besonders Wilhelm Dörpfeld) zu einem der Wegbereiter der Archäologie als Feldarbeit und der wissenschaftlich-methodischen Grabungstechnik, welche bis dato lediglich in der schatzsuchhaften Aushebung wertvoller Einzelobjekte, nicht aber der nun systematischen Freilegung eines Grabungsareals bestand.

Auch hat er durch seine zahlreichen Publikationen das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Siedlungsort – den die Fachwelt übereinstimmend für das historische Troia hält – sowie an seriöser archäologischer Forschung entscheidend gefördert.

Seine Berichte über die Zusammenhänge zwischen Tiryns, Mykene und Kreta rückten diese Stätten erst in das Bewusstsein der Geschichtswissenschaft. In Fachkreisen ist Schliemann daher heute zu Recht als „Vater der mykenischen Archäologie“ anerkannt.

Werke (Auswahl)


  • La Chine et le Japon au temps présent, Paris: Librairie centrale 1867
  • Ithaka, der Peloponnes und Troja, Leipzig 1869 (mit Autobiographie)
  • Trojanische Altertümer, Leipzig 1874
  • Mykenä, Leipzig 1877
  • Ilios, Leipzig 1881
  • Orchomenos, Leipzig 1881
  • Reise in der Troas, Leipzig 1881
  • Troja, Leipzig 1883
  • Tiryns, Leipzig 1886.

Literatur


  • Wilfried Boelke: Heinrich Schliemann. Ein berühmter Mecklenburger. Schwerin, Demmler ca 1996.
  • Wilfried Boelke und Reinhard Witte: Heinrich-Schlienmann-Museum Ankershagen/Mecklenburg. Führer durch die ständige Ausstellung, Ankershagen 2003 (mit ausführlichem Literaturverzeichnis)
  • Carl Schuchhardt: Die Ausgrabungen Schliemanns in Troja, Tiryns, Mykenä, Orchomenos und Ithaka. Leipzig 2000 (Reprint der von 1891).
  • Reinhard Witte und Wilfried Boelke (Hrsg.), Mitteilungen aus dem Heinrich-Schliemann-Museum Ankershagen (zuletzt Heft 8 "Schliemann einmal heiter betrachtet" von R. Witte), 2004

Weblinks


Mann | Deutscher | Klassischer Archäologe | Ehrenbürger | Freimaurer (19. Jh.) | Geboren 1822 | Gestorben 1890 | Polyglott

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