Heinrich Isaac (italienisch Arrigo Tedesco; * um 1450 wahrscheinlich in Flandern; † 26. März 1517 in Florenz) war ein flämischer Komponist und Sänger.
Am 15. September 1484 ist in Innsbruck eine Zahlung an „Hainrichen ysaac Componist“ belegt. Offensichtlich befand Isaac sich auf Einladung Lorenzo de' Medicis auf dem Weg nach Florenz und weilte längere Zeit am Hof des Sigismund von Tirol, wo auch Paul Hofhaimer wirkte.
Lorenzo de' Medici war mit den Diensten Isaacs sehr zufrieden. Die Protektion Lorenzos für Isaac ging so weit, dass dieser ihm eine Frau vermittelte; er fand sie in der am 16. Mai 1464 geborenen Bartolomea Bello, der Tochter des Metzgers Piero Bello, der sein Geschäft unweit des Palastes der Medicis betrieb. Im Zusammenhang mit Streitigkeiten zwischen Isaac und Lorenzo Gianberti wegen einer Geldschuld im Februar 1489 wird berichtet, dass Isaac im San-Lorenzo-Viertel wohnte, wo auch der Medicipalast stand.
Im 8. April 1492 starb Lorenzo. Im September begab sich Piero, Lorenzos Nachfolger, mit seinem Hofstatt, in Erwartung der Krönung Papst Alexander VI. nach Rom, und Isaac erhielt wie Charles de Launoy und Piero di Bonello (Pietrequin) aus Anlass der Reise Kleidergeld. Bereits Ende Oktober 1492 war Isaac wieder in Florenz.
Infolge Zerrüttung der florentinischen Wirtschaft und des Hochkommens Savonarolas wurde der Chor am 1. April 1493 aufgelöst. Daraufhin trat Isaac in private Dienste des Piero de’ Medici. Doch im November 1494 wurden die Medicis aus Florenz vertrieben und Isaac verlor seinen Patron.
Man darf vermuten, dass Isaac sich nach Pisa wandte. Dort jedenfalls zeigt ihn ein Dokument vom 13. November 1496. Kaiser Maximilian I. hatte Station in Pisa gemacht und war auf Isaac aufmerksam geworden. Er befahl die „Zertrennung, Beurlaubung und Auslösung“ der „Capel, so zu Augspurg“ ist, die Übersied-lung der verbleibenden Kapellknaben von Augsburg nach Wien, und die Anschaffung von Sommerkleidern für den Kantor Kerner, die Sängerknaben und Isaac. Offenbar war Maximilian bestrebt, durch die Zusammenfassung der besten Teile seiner verschiedenen Kapellen, sich „zu Wien ain Capellen aufzurichten“, um „auf Brabantisch zu dis-cantieren“. Ein Innsbrucker Dokument vom 3. April 1497 tituliert Isaac als Hofkomponist. Am selben Tage unterschrieb Issak eigenhändig das Dienstgelöbnis.
Am 25. September 1499 setzte das Spital S. Maria Nuova als Gegenleistung für die Einzahlung gewisser Geldbeträge alljährlicher Naturallieferungen für Isaac und dessen Gattin fest. Dies zeigt, dass Isaac, ungeachtet seiner Anstellung bei Maximilian I., Florenz weiterhin als seinen Lebensmittelpunkt betrachtet hat.
Spätestens am 1. Februar 1500 hielt sich Isaac wieder am kaiserlichen Hof in Innsbruck auf und folgte seinem Dienstherren fast 2 Jahre lang auf dessen Reisen. So ist er am 15. April und 8. September 1500 in Augsburg, am 7. November 1500 in Nürnberg, am 20. März 1501 in Wels und am 10. November 1501 in Nürnberg nachgewiesen.
Von 1502 bis 1506 wohnte Isaac überwiegend in Florenz. Am 9. April 1502 und im Jahr 1504 zahlte er dort Geldbeträge an das Spital S. Maria Nouva als Anzahlung an eine Rente für sich und seine Ehefrau. Am 15. August 1502 setzte er sein Testament auf, das er in der Kirche S. Maria dei Servi (= S. Annunziata) hinterlegte. Er bestimmte, dass man ihn in S. Maria dei Servi begraben möge und setzte seine Ehefrau zur Alleinerbin ein. Am 4. Juli 1506 diente er als Treuhändler für seine verwitwete Schwägerin Margherita, die den Sänger Charles de Launoy geheiratet hatte. Isaac versorgte sie mit Geld für eine Aussteuer anlässlich ihrer Wiederverheiratung mit Michele Gaudenti. Am selben Tag verpflichtete sich dieser Isaac gegenüber zu Unterhalt und Versorgung der Maria de Launoy, Margheritas Tochter, überdies zur Rückzahlung gewisser, Isaac geschuldeter Geldbeträge.
"Ich muss Euer Gnaden mitteilen, dass Isaac der Sänger in Ferrara gewesen ist und eine Motette über eine ‘La mi la sol la sol la mi’ betitelte Fantasie geschrieben hat; diese ist sehr gut, und er schrieb sie in zwei Tagen. Daraus kann man nur schließen, dass er sehr schnell in der Kunst der Komposition ist; im übrigen ist er gutartig und umgänglich, .... er hat sich die Zeit von einem Monat für die Antwort ausbedungen, ob er dienen will oder nicht. Wir haben ... ihm 10 Dukaten pro Monat versprochen.... Mir scheint er gut geeignet, Euer Gnaden zu dienen, besser als Josquin, weil er zu seinen Musikern von liebenswürdigerem Wesen ist und öfter neue Werke komponieren will. Dass Josquin besser komponiert, ist richtig, aber er komponiert, wenn er es will und nicht, wenn man es von ihm erwartet, und er verlangt 200 Dukaten als Lohn während Isaac für 120 kommen will. ...."
Der von April bis Juli 1507 in Konstanz abgehaltene Reichstag und die im Februar 1508 in Trient erfolgte Krönung Maximilians waren Höhepunkte in Isaacs Karriere. Für den Reichstag entstanden „Sancti Spiritus assit“ und „Imperii proceres“. Noch eindrucksvoller ist die sechstimmige Motette „Virgo prudentissima“, von der überliefert ist, dass Isaac sie in Konstanz komponiert hat; sie dürfte am 15. August 1508 erklungen sein.
Im Januar 1508 weilte Isaac noch immer in Konstanz. Niccolò Machiavelli berichtet, er habe hier „Arrigo, den Komponisten, der seine Frau hier hat“, gesprochen. Am 14. April 1508 beschloss das Kapitel der Konstanzer Kathedrale auf Bitten des Rektors der Kaiserlichen Kapelle, Georg Slatkonia, Isaac mit der Komposition von Meßpropria der Hauptfeste zu beauftragen. Isaac hat diesen Auftrag angenommen. Die Kompositionen füllen den 2. Band der von Issacs Schüler Ludwig Senfl 1550/1555 herausgegeben Choralis constantinus. Schon am 18. Mai 1509 scheint der Auftrag zu-mindest zum größten Teil erfüllt worden zu sein. Am 29. November 1509 beschloss das Konstanzer Domkapitel, Isaac für die gelieferten Kompositionen zu honorieren. Übrigens war die Komposition durch Boten geliefert worden.
Am 1. September zogen die Medicis wieder in Florenz ein. Dennoch trug sich Isaac vielleicht mit dem Gedanken, Florenz für einige Zeit zu verlassen. Daraus deutet, dass er am 16. November 1512 den Kleriker Andrea Pasquini zu seinem Bevollmächtigten einsetzte und am 24. November 1512 sein zweites Testament aufsetzte. Zwei Änderungen: er wollte im Grab der Confraternità di Sancte Barbara in der gleichnamigen Kapelle zu S. Maria de Servis (S. Annunziata) bestattet werden.
Am 13. März 1513 wurde Kardinal Giovanni de' Medici, der Sohn Lorenzo Magnificos, zum Papst gewählt. Isaac gratulierte Leo X. mit der Motette „Optime divino date munere pastor“, die vielleicht für den Besuch des habsburgischen Gesandten Matthäus Land in Rom im November/ Dezember 1513 geschrieben wurde. Es kann sein, dass Isaac selbst nach Rom ging, um dort Bitte nach Wiederaufnahme seiner Besoldung und einem Amt im Florenz zu tun.
Am 10. Mai 1514 schrieb Giuliano de' Medici, jüngerer Bruder des Papstes, an seinen Neffen Lorenzo, dem nunmehrigen Haupt des Florentiner Zweiges, und ersuchte diesen um eine Pension für Isaac. Zwei Tage später richtete Lorenzos Sekretär aus Rom ein Schreiben nach Florenz und informiert seinen Herren sowohl über Giulanos Brief als über einen, der im Auftrag des Papstes geschrieben worden war. Die Mächtigen in Florenz reagierten prompt. Am 30. Mai 1514 befahlen die Aufseher der Opera del Duomo Zahlungen an „Meister Arrigo, den Sänger“. Am 19. August 1514 folgte die Administration von S. Annunziata, ausdrücklich auf Bitten des Papstes. Weitere Zahlungen sind zwischen 1514 und 1516 verzeichnet. Isaacs Titel als ‘Vorsteher’ oder ‘presidente della cappella’ war ein Ehrenamt. Ähnliche Anstrengungen wie zur Erlangung einer Florentiner Pension unternahm Isaac auch bei Maximilian I.. Wahrscheinlich begab er sich zu diesem Zweck im Herbst 1514 nach Innsbruck, wo Maximilian am 9. Oktober die Wiederaufnahme der Zahlungen an Isaac anordnete. Zahlungen kamen erst nach Maximiliams Anordnungen am 27. Januar 1515 zustande.
Vom 30. November 1515 bis zum 19. Februar 1516 besuchte Leo X. Florenz. Täglich wurden aus diesem Anlass polyphone Messen an San-Lorenzo gesungen. Sicher hat sich Isaac an der musikalischen Ausgestaltung des Besuches beteiligt, wenn auch nicht bekannt ist, was im einzelnen aufgeführt wurde.
Ab Herbst 1516 war Isaac krank. Am 4. Dezember 1516 setzte er sein drittes Testament auf, das zum größtenteils die Verfügungen der vorangegangenen wiederholt. Am 26. März 1517 starb er und wurde einen Tag später begraben; auf Bitten seiner Witwe war eine Messe aufgeführt worden. Isaacs Witwe starb am 30. Mai 1534, nachdem sie ihr Testament am 3. Februar 1521 gemacht und ihre jüngere Schwester Antonia und ihre Nichte Maria, die Tochter ihrer Schwester Margherita mit Charles de Launoy, eingesetzt hatte.
Der Choralis constantinus (CC), eine Sammlung von Mess-Propria für die Sonntage und die Hauptfeste des Kirchenjahres, hat seinen Ursprung in einem 1508 an Isaac ergangenen Auftrag des Kathedralkapitels zu Konstanz, die Propria für die Hauptfeste zu komponieren. Bereits vor Mai 1509 war ein erheblicher Teil der Musik beim Kapitel abgeliefert. Doch erst 1550 wurde der erste Teil der Propria Isaacs bei Formschneider in Nürnberg gedruckt; Editor war Ludwig Senfl. 1555 folgten zwei weitere Bände.
Die Forschung hat gezeigt, daß der 2. Band (CC II) der Lithurgie von Konstanz entspricht, Band I (CC I) und Band III (CC III) aber der Lithurgie von Passau folgen, nach der sich der Gottesdienst in der Hofkapelle Maximilians I. richtete und die im Graduale Pataviense * (Wien, 1511) überliefert ist. Also enthält nur Band II die Musik, die im Auftrag des Kathedralkapitels zu Konstanz entstanden ist, während die Bücher I und III Musik enthalten, die Isaac für die Hofkapelle komponiert hat.
Isaac starb über der Vollendung des Zyklus; fehlende Stücke wurden von Senfl anlässlich der Veröffentli-chung hinzugefügt, eine von Isaac unvollendet hinterlassene Sequenz (CC III /25) von ihm beendet. Auch Senfl gelang die Vollendung nicht; nach seinem Tode 1543 wurde die Lücken innerhalb des Zyklus durch andere geschlossen. Aus diesem Grunde weiß man nicht, ob der Zyklus, so wie er überliefert wurde, Isaacs Intentionen entspricht.
Choralis constantinus I
1. Ad aspersionem: Asperges me. 2. De sanctissima trinitate. 3. Dominica I. post Penthecosten. 4. Dominica II. post Penthecosten. 5. Dominica III. post Penthecosten. 6. Dominica IV. post Penthecosten. 7. Dominica V. post Penthecosten. 8. Dominica VI. post Penthecosten. 9. Dominica VII. post Penthecosten. 10. Dominica VIII. post Penthecosten. 11. Dominica IX. post Penthecosten. 12. Dominica X. post Penthecosten. 13. Dominica XI. post Penthecosten. 14. Dominica XII. post Penthecosten. 15. Dominica XIII. post Penthecosten. 16. Dominica XIV. post Penthecosten. 17. Dominica XV. post Penthecosten. 18. Dominica XVI. post Penthecosten. 19. Dominica XVII. post Penthecosten. 20. Dominica XVIII. post Penthecosten. 21. Dominica XIX. post Penthecosten. 22. Dominica XX. post Penthecosten. 23. Dominica XXI. post Penthecosten. 24. Dominica XXII. post Penthecosten. 25. Dominica XXIII. post Penthecosten. 26. Dominica Prima Adventus. 27. Dominica II. Adventus. 28. Dominica III. Adventus. 29. Dominica IV. Adventus. 30. Dominica infra octavam epiphaniae. 31. Dominica I. post octavam epiphaniae. 32. Dominica II. post octavam epiphaniae. 33. Dominica in Septuagesima. 34. Dominica in Sexagesima. 35. Dominicia Quinquagesima. 36. In Die Dinerum. 37. Dominica Invocativ. 38. Dominica Reminiscere. 39. Dominica oculi. 40. Dominica laetare. 41. Dominca Judica. 42. Dominica palmarum. 43. Dominica Quasimodo geniti. 44. Dominica Misericordia Domini. 45. Domenica Jubilate. 46. Domenica cantare. 47. Domeniva vocem jocunditatis. 48. Domenica exaudi.
Choralis constantinus II
1. Natalis Domini. 2. Circumcisionis Domini. 3. Ephiphanias Domini. 4. Purificationis Mariae. 5. Annunciationis Mariae. 6. De resurrectione Domini. 7. De ascensione Domini. 8. De Sancto Spiritu. 9. De corpore Christi. 10. Johannis Baptistae. 11. Johannis et Pauli. 12. S. Petri et Pauli. 13. Visitationis Mariae. 14. Mariae Magdalenae. 15. Assumptio Mariae. 16. De S. Geberhardo. 17. De Sancto Pelagio. 18. Navitatis Mariae. 19. De dedicatione templi. 20. De Sancta Cruce. 21. Omnium Sanctorum. 22. De S. Martino. 23. Praesentationis Mariae. 24. De Sancto Conrado. 25. Conseptionis Mariae.
Choralis constantinus III
1. In Virgilia Unius Apostoli. 2. (Commune) de Apostolis. 3. (Commune) de Martiribus. 4. (Commune) de uno Martyre. 5. (Commune) de Confessoribus. 6. (Commune) De Virginibus & Tractus. 7. De Annunciatione Beate Virginis. 8. De Beate Virgine post Nativitatis Christi. 9. De Commemoratione Beate Virginis. 10. Seorsum de sanctis: In Die (SS.) Philippi et Jacobi. 11. De Sancta Cruce. 12. In Virgilia (S:) Joannis Baptista. 13. In Die S. Joannis Baptiste. 14. In Virgilia (SS.) Petri et Pauli. 15. In Die Sanctorum Petri et Pauli. 16. In Commemoratione S. Pauli. 17. De Visitatione Marie Virginis. 18. In Divisione Apostolorum. 19. De S. Mariae Magdalene. 20. In Virgilia (S.) Laurentii. 21. In Die S. Laurentii. 22. De Assumptione Beate Marie. 23. In Die Nativitatis Marie. 24. De S. Michaele. 25. In Die S. Ursule et Sociarum.
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