Heinrich Harrer (* 6. Juli 1912 in Obergossen, Marktgemeinde Hüttenberg; † 7. Jänner 2006 in Friesach) war ein österreichischer Bergsteiger, Olympiateilnehmer, Forschungsreisender, Geograph und Autor. harrer02s.jpg
Im Wintersemester 1933/34 wurde Harrer beim ATV Graz aktiv. In dieser Zeit wurde er Akademischer Abfahrtsweltmeister, Österreichischer Golfmeister und war u.a. als Hüttenwart auf der Tauplitz für die vereinseigene Schutzhütte Grazerhaus zuständig. Von 1933 bis 1938 absolvierte er ein Studium in den Fächern Geographie und Sport an der Karl-Franzens-Universität in Graz.
1936 hätte Harrer bei den Olympischen Spielen in der Abfahrt und im Slalom teilnehmen sollen. Dazu kam es aber nicht, da das österreichische wie auch das Schweizer Alpin-Skiteam den Wettbewerb aufgrund von Streitigkeiten um den Profi-Status von Skilehrern boykottierte. Ein Jahr später wurde er Nationaltrainer der österreichischen Damenski-Nationalmannschaft.
Vom 21. bis 24. Juli 1938 durchkletterte er zusammen mit Anderl Heckmair, Fritz Kasparek und Ludwig Vörg als erster die Eiger-Nordwand. Nach der Erstbesteigung der Eiger-Nordwand im Jahre 1938 wurde er von Adolf Hitler empfangen und erhielt von ihm ein Foto mit persönlicher Widmung. Bereits vor der Eiger-Expedition war Harrer der SS und der NSDAP beigetreten. Er wurde Sportinstruktor der SS im Rang eines Oberscharführers (das entsprach dem Wehrmachtdienstgrad Feldwebel), eine Tätigkeit, die er jedoch nach eigenem Bekunden nie ausübte.
Im gleichen Jahr heiratete er Lotte Wegener, die Tochter des 1930 im Grönlandeis verstorbenen deutschen Polarforschers Alfred Wegener.
Aufschnaiter wurde Berater der tibetischen Regierung in landwirtschaftlichen und städtebaulichen Fragen, Harrer zunächst Übersetzer und Fotograf für die tibetische Regierung, später Lehrer, Berater und schließlich Freund des jungen XIV. Dalai Lama. Mit diesem verband ihn bis zuletzt eine tiefe Freundschaft.
Wegen des tibetisch-chinesischen Konflikts von 1950/1951 floh Harrer zusammen mit dem Dalai Lama nach Indien. Von dort kehrte er wenig später nach Europa zurück.
Über die Flucht aus dem Internierungslager nach Tibet und die danach in Lhasa verbrachten fünf Jahre schrieb er das Buch "Sieben Jahre in Tibet". Dieses wurde zu einem Welterfolg (übersetzt in 53 Sprachen, weltweite Auflage bisher über 4 Mio.) und machte den Kärntner und den Tiroler berühmt. Es wurde später auch verfilmt. Aufgrund der Publizität dieser Verfilmung wurde durch journalistische Recherchen seine Verstrickung in den Nationalsozialismus offenbart.
Die Ehe mit Lotte Wegener wurde noch während Harrers Gefangenschaft in Indien geschieden. Seine zweite Ehe dauerte nur ein Jahr: 1953, nach Harrers Amazonas-Expedition, wurden Etta Truxa und Heinrich Harrer wieder geschieden. Sein bleibendes Glück fand er schließlich mit seiner dritten Frau Carina, die er in einem Golfclub 1957 kennenlernte.
Als Autor schrieb er über 20 Bücher. Sein bekanntestes Werk ist der Bestseller Sieben Jahre in Tibet, in dem Harrer seine Zeit mit Peter Aufschnaiter in Tibet und seine Bekanntschaft mit dem XIV. Dalai Lama beschreibt. 1997 verfilmte Jean-Jacques Annaud das Buch mit Brad Pitt in der Rolle des Heinrich Harrer.
Harrer wurde, als sich 1997 herausstellte, dass er 1938 SS- und NSDAP-Mitglied geworden war, kritisiert, weil er diese Fakten niemals öffentlich thematisiert habe. Nach seinen Angaben im Antrag auf Heiratserlaubnis (1938) hätte er sogar seit 1933 der in Österreich illegalen SA angehört, was er 1997 in einem Interview allerdings für eine aus den damaligen Umständen erklärbare Angeberei erklärte. Insbesondere wurde Harrer der Vorwurf gemacht, er habe sich und seine bergsteigerischen Leistungen seinerzeit für die NS-Propaganda einspannen lassen.
In seinem 1953 verfaßten autobiografischen Bericht über die Zeit in Tibet sind allerdings keinerlei Spuren von Herrenmenschen-Denken zu finden, im Gegenteil: er zeigt Interesse und Verständnis für die fremde Kultur.
Er blieb zeitlebens ein Freund des Dalai Lama, dessen Bekanntschaft er in den 40er Jahren in Tibet gemacht hat.
Heinrich Harrer starb am 7. Jänner 2006 im Alter von 93 Jahren im Krankenhaus in Friesach in Kärnten.
Mann | Österreicher | Bergsteiger | NSDAP-Mitglied | SS-Mitglied | Autor | Korporierter im ATB | Geboren 1912 | Gestorben 2006
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