Heinrich Graetz (* 31. Oktober 1817 in Xions, Provinz Posen; † 7. September 1891 in München) war ein jüdischer Historiker und Theologe. Von ihm stammt die Geschichte der Juden, ein Standardwerk der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts.
Biographie
Er wurde als Sohn eines
Schochets (jüdischer Schlachter, der ähnlich hohe ethische Anforderungen wie ein
Rabbiner erfüllen muss) geboren und besuchte ab 1827 das Gymnasium von
Oldenburg. 1837 bis 1840 lebte er im Hause von
Samson Raphael Hirsch. Ab 1842 besuchte er die
Universität Breslau und promovierte 1845 in
Jena zum Dr. phil. mit der Dissertation „Gnostizismus und Judentum“.
Ab 1852 hielt er in Berlin Vorlesungen über jüdische Geschichte. 1853 wurde er Dozent für jüdische Geschichte am „Jüdisch-Theologischen Seminar“ in Breslau, wo er 1869 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Von 1869 bis 1887 gab er die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ heraus, die mit einer lächerlichen Auflage von etwa hundert Medien erschien.
Graetz besuchte 1872 Palästina und gründete in Jerusalem ein Waisenhaus.
Er ist der Vater des Physikers Leo Graetz.
Bedeutung
Sein Buch ist das erste moderne jüdische Geschichtswerk, das im 19. Jahrhundert in jedem bürgerlichen jüdischen Haushalt im Regal stand. Aufgrund der neuen nationalen Strömung innerhalb des Judentums interpretierte er die jüdische Geschichte neu. Für ihn war die Geschichte der Juden eine Nationalgeschichte, keine Religionsgeschichte. Den Ereignissen der jüdischen Geschichte gab Graetz eine neue Bedeutung. So wurden z. B. die
Hasmonäer bzw.
Makkabäer, die eigentlich für die Freiheit der jüdischen Religion kämpften, in seinen Büchern „Nationalgesinnte“, „Männer (...) welche ihr Vaterland liebten“. Er übertrug somit die moderne Nationalstaatsidee des 18. und 19. Jahrhunderts auf frühere Zeiten. Graetz wurde durch sein Werk zu einem der Vordenker des
Zionismus. Nach Herausgabe seines Werkes wurde Graetz von vielen Stellen vorgeworfen, er sei allzu parteiisch an die Darstellung der Geschichte der Juden herangegangen, was sogar dem minder aufmerksamen Leser nach kurzer Lektüre, von Graetz hochtrabend pathetischem Stil beeinflusst, als durchwegs sinnvolle Kritik erscheint. Eine der wenigen wissenschaftlichen Größen, die trotz der Mängel des Werkes hinter Graetz standen, war
Theodor Mommsen.
Werke
- Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, 11 Bände, 1853–1876
Literatur
Weblinks
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