Heinrich Albertz (* 22. Januar 1915 in Breslau; † 18. Mai 1993 in Bremen) war ein Pastor und ein deutscher Politiker (SPD). Der Theologe war von 1966 bis 1967 Regierender Bürgermeister von Berlin.
Heinrich Albertz wurde am 22. Januar 1915 in Breslau geboren. Nach dem Theologiestudium wurde Albertz Mitglied der Bekennenden Kirche. Im Dritten Reich wurde er mehrmals verhaftet. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach Celle kam er im Sommer 1945 als Leiter kirchlicher und staatlicher Flüchtlingsfürsorgestellen. 1946 entschloss er sich zum Eintritt in die SPD. Der CDU wollte er sich nicht anschließen. Ihn störte der Umstand, dass eine politische Partei den christlichen Glaubensbegriff für sich beanspruchte.
Er betätigte sich als "Flüchtlingspfarrer" und kümmerte sich um die Integration der Menschen, die ihre Heimat verloren hatten. Zusätzlich zu seinem politischen Engagement übernahm er von 1949 bis 1965 den Bundesvorsitz der Arbeiterwohlfahrt (AWO). 1948 bis 1955 Minister für Flüchtlingswesen und Soziales in Niedersachsen.
Otto Suhr holte ihn 1955 als Senatsdirektor nach Berlin (West).
1959 wurde Albertz unter Willy Brandt Chef der Senatskanzlei. Als Innensenator (ab 1961) und Bürgermeister und Senator für Polizei, Sicherheit und Ordnung (ab 1963) gehörte er zu den engsten Mitarbeitern und Beratern des Regierenden Bürgermeisters. Er gilt als einer der Väter der Entspannungspolitik.
Heinrich Albertz hatte im Laufe seiner politischen Laufbahn eine erstaunliche Wendung durchlaufen. Von einem liberal denkenden Theologen wandelte er sich als Innensenator des Regierenden Bürgermeisters Brandt zu einem (wie man heute sagen würde) "Law-and-Order"-Politiker.
Nach seiner eigenen Wahl zum Regierenden Bürgermeister im Jahr 1966 setzte bei ihm jedoch eine erneute Wandlung zurück zu seinen ursprünglichen Anschauungen ein.
Diese entwickelte sich vor allem im Zuge der Studentenunruhen, insbesondere unter dem Eindruck des Todes von Benno Ohnesorg bei dem Berlin-Besuch des Schahs von Persien am 2. Juni 1967. Er zweifelte nun zunehmend an seinen Ansichten aus der Zeit als Innensenator.
Auch verfügte er, anders als sein Vorgänger Brandt, nicht über den uneingeschränkten Rückhalt in seiner Partei.
Obwohl seine Partei bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 12.März 1967 unter seiner Führung noch 56,9 % der Stimmen erhielt, erklärte er im September 1967 seinen Rücktritt. Er hatte die Verantwortung für die Vorgänge um die Studentendemonstrationen während des Schahbesuchs auf sich genommen. 1970 legt Albertz auch sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus nieder.
Von 1970 bis 1979 war er in Berlin-Zehlendorf wieder als Pastor tätig. Bundesweit in die Schlagzeilen geriet er noch einmal 1975, als er sich im Rahmen der Lorenz-Entführung bereit erklärte, auf die Forderungen der Entführer einzugehen. Beim Gefangenenaustausch, der mit Zustimmung der Bundesregierung und des Berliner Senats vorgenommen wurde, wirkte er als Geisel der Entführer mit.
Er war engagiert in der Friedensbewegung in den 1980er Jahren. So unterstützte er am 10. Oktober 1981 in Bonn die Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss.
Am 1. September 1983, dem Antikriegstag, versperrte Albertz zusammen mit dem späteren saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine, dem Schriftsteller Heinrich Böll und mehreren tausend Demonstranten im Rahmen einer dreitägigen Sitzblockade die Zugänge des US-Militärdepots in Mutlangen, das als Stationierungsort von Pershing-II-Mittelstreckenraketen vorgesehen war.
Heinrich Albertz verstarb am 18. Mai 1993 in einem Altenheim der Arbeiterwohlfahrt in Bremen.
Er hinterließ seine Witwe Ilse Albertz, mit der er seit 1939 verheiratet war, sowie drei Kinder.
Mann | SPD-Mitglied | Senatoren Berlins für Inneres | Regierender Bürgermeister (Berlin) | Reformierter Theologe (20. Jh.) | Bekennende Kirche | Carl-von-Ossietzky-Medaille | Geboren 1915 | Gestorben 1993 | Christentumsgeschichte (Neuzeit)
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