Die Ernst Heinkel Flugzeugwerke A.G. war eine der größten deutschen Flugzeugbaufirmen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Heinkel-Werke hielten 1352 Patente auf dem Gebiet des Flugwesens und 587 Schutzrechte im Triebwerksbereich - ein Beweis für großen Erfindergeist in Mecklenburg. Maschinen und Lizenzen wurden nach Dänemark, Finnland, Schweden, Ungarn, Russland und nach Asien verkauft. Es wurden Zivil- und später insbesondere auch Militärflugzeuge konstruiert.
Die Heinkel-Werke waren schon 1932 zum größten Industriebetrieb Mecklenburgs geworden. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von etwa 1000 im Jahre 1932 über rund 9000 Mitte 1939 auf etwa 16.000 Ende 1944. Das neue Werk in Rostock-Marienehe verfügte über bisher unbekannte soziale Einrichtungen wie billiges und gutes Gemeinschaftsessen aus der Kantine oder ein Gesundheitshaus, wo beispielsweise auf vorbeugenden Gesundheitsschutz (z.B. mit Kneipp-Kuren) geachtet wurde. Dazu kamen eine großzügig ausgelegte Lehrlingsausbildung und berufliche Weiterbildung im Betrieb, Sportstätten und kulturelle Betreuung für die Familie. Der Bau von geförderten Wohnungen für die Betriebsangehörigen ließ ganze Stadtteile neu entstehen. Die Firma zahlte vor Kriegsbeginn meist überdurchschnittlich Löhne zu vergleichbaren Industrien. Von insgesamt über 55.000 Beschäftigten waren im Jahre 1945 circa 17.000 Arbeiter (auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) angestellt.
Ab 1935 unterstützten die Heinkel-Werke das Heereswaffenamt, wo Wernher von Braun die Entwicklung eines Raketenantriebs mit flüssigem Brennstoff voran trieb. Es entstand die Heinkel He 176, die, ausgerüstet mit einem Raketentriebwerk der Kieler Firma Walter, am 15. Juni 1939 in Peenemünde erstmals flog.
Mit seiner Konzernpolitik geriet Ernst Heinkel, der Typus eines eigenbrötlerischen Erfinder-Unternehmers, aber immer mehr unter den Einfluss staatlicher Durchdringung und musste sich schließlich einer von der Rüstungsbehörde vorgegebenen finanziellen Konsolidierung beugen, die sich 1943 in der Gründung der „Ernst Heinkel AG“ (EHAG) niederschlug. Grund dafür war, dass ab 1942 offensichtlich wurde, dass sich der Flugzeugpionier mit seiner Firmenstrategie, immer neue Werke und Tätigkeitsbereiche zu akquirieren, übernommen hatte. Das von Heinkel noch im Nachhinein als positiv hervorgehobene „Heinkel-Tempo“ erwies sich letztendlich als schlecht koordinierte und kaum konzentrierte Entwicklungspolitik, deren ständige Terminüberschreitungen bei der Fertigung mit Improvisationen nicht mehr länger zu kaschieren waren. Mit der Konstruktion der AG wurde Heinkels direkter Einfluss auf seine Betriebe vorerst gestoppt. Zwar behielt er zwei Drittel des Gesellschaftskapitals, musste sich aber mit dem Posten eines Aufsichtsratsvorsitzenden begnügen.
Mit der Besetzung Rostocks durch sowjetische Truppen am 1. Mai 1945 kam der Flugzeugbau zum Erliegen. Alles noch irgendwie Brauchbare aus den teilweise zerbombten Werksanlagen wurde demontiert und in die Sowjetunion gebracht und die Überreste der Hallen und Gebäude wurden gesprengt. Ein bedeutendes Kapitel deutscher und internationaler Technik- und Flugzeuggeschichte war beendet.
Die Firma Heinkel hatte in Rostock Fertigungsstätten in Marienehe, in der Bleicherstraße, der Werftstraße und am Patriotischen Weg. Außerdem gab es Stätten in Lübz, Rövershagen und Barth. Dazu kamen Fertigungsstätten in Berlin-Reinickendorf und Leegebruch, in Schwechat bei Wien, in Jenbach/Tirol (ab 1939), im Harz, in Krakau und bei Paris. Eine fensterlose Backsteinmauer (10 x 30m) der ehemaligen Heinkel-Werke befindet sich noch heute in Rostock (auf dem Gelände der ehemaligen Schiffswerft Neptun) und steht seit dem Abriss der Gebäude, die als Lehrwerkstatt dienten, im Jahre 1993 als Denkmal in der Lübecker Straße. Des weiteren sind zahlreiche Bauten des Fischereihafens in Marienehe ehemalige Heinkelgebäude.
Bald nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigte sich die Firma Heinkel mit Konstruktionsleistungen für Dritte (z. B. 3-Zylinder-Zweitaktmotoren für Saab-Pkw), um dann mit der Fertigung von Motoren (z. B. stammen die wassergekühlten 2-Zylinder-Zweitakt-Motoren der Maico-Kleinwagen von Heinkel), Mopeds ("Heinkel Perle"), Kabinenrollern ("Heinkel Kabine 153" und "154") und Motorrollern zu beginnen, deren bekanntester der Motorroller Heinkel Tourist mit 175 ccm Viertaktmotor ist. Dieser wurde bis Mitte der 60er Jahre in großen Stückzahlen verkauft, u. a. war er auch als Postzustellerfahrzeug oder als Polizeifahrzeug im Einsatz. Von der "Heinkel Kabine" wurden ca. 17.000 Stück in Deutschland, Argentinien, Irland und England (dort als "Trojan" bis 1965) gefertigt. Bis in die späten 1960 Jahre produzierte Heinkel auch Motoren.
Im Jahr 2004 waren in Deutschland noch ca. 4.000 dieser Roller gemeldet, was für die Qualität und Langlebigkeit spricht.
Ab 1958 wurde in Speyer die Flugzeugentwicklung unter der Bezeichnung Ernst Heinkel Fahrzeugbau weiterbetrieben. Dort wurde auch die Heinkel Kabine bis zum Verkauf der Anlagen nach Irland gefertigt.
Von 1959 bis 1965 beteiligte sich Heinkel an der Entwicklungsring Süd GmbH (EWR), einem Gemeinschaftsunternehmen mit Messerschmitt und Bölkow zur Entwicklung des Senkrechtstarters EWR VJ 101.
1964 ging die Firma gemeinsam mit Weserflug und Focke-Wulf in der Firma Vereinigte Flugtechnische Werke (VFW) auf. Während VFW inzwischen seinerseits in der EADS aufging firmiert das Werk in Speyer heute unter der Bezeichnung Pfalz Flugzeugwerke GmbH.
Heinkel | Motorrollerhersteller | Ehemaliges Unternehmen (Deutschland) | Unternehmen (Mecklenburg-Vorpommern)
Heinkel | Heinkel | ハインケル | Heinkel (merk) | Heinkel
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