Heimcomputer war eine in den 1980er Jahren gebräuchliche Bezeichnung für Computer, die vor allem privat genutzt wurden. Obwohl Heimcomputer als persönliche Rechner der Definition eines Personal-Computers entsprachen und von den Herstellern teils auch als solche bezeichnet wurden, waren sie in Preis und Ausstattung vor allem auf den privaten Anwender und auf die Verwendung für Unterhaltungszwecke zugeschnitten. Der Begriff Heimcomputer wurde in den 1980er Jahren daher vorwiegend zur Unterscheidung vom teureren, vorwiegend geschäftlich eingesetzten Personal-Computer gebraucht.
Die Entwicklung der Heimcomputer ging dabei einher mit der Entwicklung der Spielkonsolen und Computerspiele. Zu einigen Heimcomputermodellen gab es sogar technisch fast identische Geräte als Spielkonsole, welchen nur die Tastatur fehlte.
Der erste digitale, programmierbare Computer für den Heimgebrauch war der bereits 1949 von Edmund C. Berkeley, dem Begründer der ACM, vorgestellte Relaisrechner Simon.Edmund Callis Berkeley: Giant Brains or Machines That Think, New York: John Wiley & Sons 1949 (7. Aufl. 1963), Seite 22-41 Simon bestand aus nur 50 Relais. Im Handel erhältlich war Simon lediglich als Bauplan, von dem in den ersten zehn Jahren seiner Verfügbarkeit über 400 Exemplare verkauft wurden.http://www.blinkenlights.com/pc.shtml
Die Anfänge der Heimcomputer im modernen Sinn liegen in den 1970er Jahren, als von einigen kalifornischen Firmen Bausätze für kleine Computer an Hobby-Elektronikbastler vertrieben wurden (zum Beispiel für den Altair 8800). Die drei ersten Computer für Heimanwender und Kleinbetriebe, die nicht als Bausatz vertrieben wurden, waren der TRS-80 von Radio Shack, einer Ladenkette für Radios und Fernseher in den USA, der Apple II und der Commodore PET 2001. Alle drei wurden im April 1977 auf der Consumer Electronics Show, einer Handelsmesse in Las Vegas, vorgestellt. Als einer der ersten Heimcomputer kam 1980 der ZX-80 von Sinclair in den Handel, 1981, der Nachfolger ZX-81, bald darauf der ZX-Spectrum. Alle drei basierten auf dem Z80 Prozessor von Zilog. Texas Instruments setzte mit einem eigenen Prozessor und dem Rechner TI-99 sogar schon 16-bit-Technik ein. Ein weiterer früher Heimcomputer, aber mit dem 6502-Prozessor von MOS Technologies, war der VC20 von Commodore.
In Deutschland sah die Marktsituation etwas anders aus: Apple verlangte hier enorm hohe Preise, so dass vor allem Commodore den Markt in diesem Segment und in diesen Jahren dominieren konnte; Apple, Tandy, Sinclair und Texas Instruments folgten mit deutlichem Abstand. Sinclair_ZX81.jpg | MSX-Hit_Bit_HB-75P.jpg
Betriebssystem und BASIC als Programmiersprache waren oft im ROM gespeichert und bildeten eine Einheit, mussten also nicht beim Start geladen werden, weshalb die meisten Heimcomputer nach dem Einschalten innerhalb weniger Sekunden einsatzbereit sind. Mit MSX wurde durch Microsoft und Sony der Versuch unternommen, Betriebssystem und BASIC zu standardisieren und einen Programmaustausch zwischen Computern unterschiedlicher Hersteller zu ermöglichen. Der MSX-Standard war unter anderem in Südamerika und Japan erfolgreich, konnte sich in Deutschland aber nicht durchsetzen.
IBM dagegen beherrschte den Markt der Großrechner und Abteilungsrechner; lange Zeit hatte die Unternehmensführung den neuen Markt der „Personal Computer“ für nicht lukrativ gehalten und vernachlässigt. 1981 änderte sich dies: Innerhalb kürzester Zeit entwickelte IBM auf Grundlage von Standard-Elektronikelementen einen eigenen Personal Computer und warf diesen auf den Markt, den IBM-PC. Nachdem ein Vertrag mit dem damals führenden Anbieter von Mikrocomputer-Betriebssystemen Digital Research gescheitert war, wurde auf ein Angebot von Microsoft zurückgegriffen, das MS-DOS.
Die Marktposition von IBM sorgte dafür, dass sich der IBM-PC im Bürobereich schnell durchsetzte – viele Unternehmen wollten ihre Rechnersysteme aus einer Hand beziehen und bestellten ihre PCs daher bei demselben Anbieter, von dem auch ihre größeren Systeme kamen.
Ende 1982 brachte Commodore den C64 als Nachfolger des VC20 auf den Markt. Aufgrund seines im Vergleich mit den „professionellen“ Computern wie dem Apple II und dem IBM PC wesentlich günstigeren Preises wurde dieser „Brotkasten“ schnell zum meistverkauften Homecomputer aller Zeiten. Zur etwa selben Zeit vermarktete auch Sinclair Research mit großem Erfolg seine beiden populären Modelle ZX-81 gefolgt von ZX Spectrum. Im Gegensatz zu diesen beiden führte Sinclairs letzter technisch fortschrittlicher Rechner, der seit 1984 erhältliche Sinclair QL („Quantum Leap“, Quantensprung), nur noch ein reines Nischendasein im Computermarkt.
Apple konzentrierte sich mittlerweile nach einigen Misserfolgen mit neuen Modellen auf den avantgardistischen Apple Macintosh und errang mit diesem im High-End-Bereich und insbesondere beim Desktop Publishing eine führende Position.
1985 kam mit dem Commodore Amiga und dem Atari ST jedoch bereits eine neue Generation von Heimcomputern auf den Markt, die in der damaligen technologischen Spitzenklasse mitspielte. Beide verwendeten Prozessoren aus der Motorola-68xxx-Serie, die auch im Macintosh eingesetzt wurden, und boten bisher im Heimbereich unbekannte grafische Möglichkeiten. Prozessor- und Speicheraustattung konnten leicht mit dem Spitzenmodell der IBM-PC-Serie, dem IBM AT, mithalten. Neu war auch die grafische Benutzeroberfläche. Beim Atari ST lehnte sich das „Look and Feel“ stark an den Apple Macintosh an, der Amiga zeigte hier mehr Eigenständigkeit. Windows dagegen steckte damals noch in den Kinderschuhen; kein IBM-PC-Benutzer kam ohne DOS-Kenntnisse aus.
Insbesondere der Atari ST erreichte aufgrund dieser Vorteile in Verbindung mit dem günstigen Preis in Europa bald hohe Verkaufszahlen und wurde auch im professionellen Bereich eingesetzt (Desktop Publishing, Buchhaltung, Sekretariat, Kassencomputer). Durch die eingebauten MIDI-Schnittstellen eroberte er sich aber vor allem eine führende Stellung im Musikbereich.
Etwa zur selben Zeit erschienen auch der erste Archimedes-Computer des britischen Herstellers Acorn, der auf 32-Bit-RISC-Prozessoren beruhte und damit technologisch seiner Zeit weit voraus war. Er erreichte aber nie eine ausreichende Marktdurchdringung, das Software-Angebot blieb klein. Bereits 1990 musste der Hersteller aufgeben.
Der Markt für Heimcomputer war Ende der 1980er-Jahre in viele nicht zueinander kompatible Systeme zersplittert. Von Anfang bis etwa Mitte der 1990er Jahre folgte eine Konsolidierungsphase, nach der außer den unter Microsofts Windows-Betriebssystemen laufenden, zum IBM-PC kompatiblen Geräten keine Heimcomputer im engeren Sinne mehr angeboten wurden.
Schon Ende der 80er verschwanden die älteren Systeme vom Markt, die noch auf einer 8-Bit-Architektur beruhten und den neuen 16-Bit Prozessoren mit ihrem größerem Adressraum unterlegen waren.
Klare Sieger waren zunächst die Atari- und Amiga-Systeme. Den beteiligten Firmen unterliefen jedoch einige unternehmerische Fehler – unter anderem durch Vernachlässigung des professionellen und des US-Markts und erfolglose Konzentration auf den europäischen Markt –, die sie letztlich in die Verlustzone führten und eine Weiterentwicklung der Technologie verhinderten.
Damit hatte sich der IBM-PC durchgesetzt, der
Nachdem Microsoft Anfang der 1990er nicht nur den Rückstand der Windows-Oberfläche gegenüber den Betriebssystemen der Atari- und Amiga-Systeme aufholen konnte, sondern gleichzeitig offensiv die Entwicklung von Spielen für das eigene Betriebssystem forcierte und Hardware-Hersteller bei der Entwicklung von Grafik- und Sounderweiterungen förderte, die die auf dem IBM-PC basierenden "Personal Computer" zu attraktiven Unterhaltungsgeräten machten, wurde Windows schnell zum beliebtesten Betriebssystem für Heimcomputer.
Dadurch wiederum wurde die Marktmacht von Microsoft stark genug, dass auch die Versuche von IBM und anderen Hardware-Herstellern, durch die Entwicklung eigener Betriebssysteme unabhängiger zu werden, scheiterten; OS/2 und andere Neuentwicklungen erreichten nie den Heimcomputer-Markt, der mittlerweile ebenso bedeutend für die Weiterentwicklung des PC-Bereiches geworden war wie die Anwendung als Bürocomputer.
Der Heimcomputer war das erste programmierbare Computersystem, das Anfang der 1980er Jahre in den privaten Haushalten weite Verbreitung fand. Vor allem technisch vorgebildete Menschen waren von den neuen Möglichkeiten fasziniert und begannen, als Freizeitbeschäftigung Programme zu schreiben. In den Schulen gelang es vielfach Mathematik- und Physiklehrern, ihre Schüler für den Umgang mit Computern zu begeistern. Neben erwachsenen Männern interessierten sich auch Jugendliche, ebenfalls vorwiegend männlichen Geschlechts, für Programmierung und Computerspiele. Ein Phänomen dieser Zeit waren die sogenannten Computerkids, Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, die durch intensive Beschäftigung mit dem Heimcomputer Kenntnisse und Fähigkeiten entwickelten, die die ihrer eigenen Elterngeneration übertrafen. Junge Computer-Enthusiasten aus dieser Zeit bildeten auch die erste Hacker-Generation. Der amerikanische Spielfilm WarGames (1983) stellte diesen Zusammenhang in dramatischer Überhöhung dar.
In Osteuropa fand eine ähnliche Entwicklung von Heimcomputern wie in Westeuropa statt. Vor der Wende bereits begehrt, fanden ab 1990 noch viele westliche Heimcomputer ihren Weg nach Osteuropa, da sie gegenüber PCs wesentlich preisgünstiger waren.
In der DDR wurden die Heimcomputer in Kleincomputer umbenannt, als sich abzeichnete, dass die heimische Produktion nur die Nachfrage in Schulen und Betrieben decken konnte. Die Kleincomputer in der DDR basierten alle auf dem U880 als Prozessor, einem Nachbau des Z80.
Die ersten Computer waren der Polycomputer 880 und der LC80 (LC für Lerncomputer). Diese verfügten nicht über einen Bildschirmanschluss und waren nur geeignet, die Grundfunktionen eines Mikrorechners zu demonstrieren.
Aus dem VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen/Thüringen kam der HC900. Er wurde später als KC85/2 verkauft. Weiterentwicklungen dieser Serie waren der KC85/3 und KC85/4.
Robotron.jpg Parallel dazu wurde in Dresden vom Kombinat Robotron der Z9001 entwickelt, welcher später als KC85/1 sowie nahezu unverändert als KC87 verkauft wurde.
Weiterhin gab es eine Reihe von Eigenbaucomputern, deren Baupläne teils in Zeitschriften veröffentlicht wurden.
1989/1990 wurden noch die Computer KC Compact und BIC 5105, letzterer als Bildungscomputer für Schulen gedacht, vorgestellt, erreichten aber keine große Verbreitung mehr.
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