Das Fach Heimatkunde bezeichnet ursprünglich die primär nahräumlich-geographisch geprägten Bildungsinhalte der Volksschule. In vielen Ländern ist diese Terminologie für die schulische Allgemeinbildung mittlerweile durch den Begriff Sachunterricht abgelöst worden. Es gibt auch Kombinationsformen wie Heimat- und Sachunterricht. Heimatkunde ist aber auch heute noch eine regional übliche Fachbezeichnung, etwa in vielen Kantonen der Schweiz.
Geschichte
Heimatkunde war als Begriff für den allgemein bildenden Unterricht insbesondere der jüngeren Schülerinnen und Schüler schon im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Wichtige Vertreter der Heimatkunde waren
C.W. Harnisch (1787-1864) und
A.F. Finger (1808-1888). Damals war Heimatkunde aber noch nicht durch Richtlinien abgesichert.
Weimarer Republik
Heimatkunde wurde in Deutschland in der
Weimarer Republik erstmals zu einem durch Richtlinien anerkannten
Unterrichtsfach. Vorher im 19. Jahrhundert war es Bestandteil des pädagogischen Diskurses insbesondere in der
Anschauungspädagogik.
Trotz der Bemühungen etwa von Hugo Conwentz war Heimatkunde häufig auf ländliche Idylle orientiert und konnte keine realistische Orientierung auf die Gegenwartsprobleme bieten. Lediglich Fritz Gansberg versuchte, die Heimatkunde als Großstadtheimatkunde zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Gegenwartsfragen zu öffnen. Es überwog aber die von Eduard Spranger beeinflusste Richtung der Heimatkunde, die ein "geistiges Wurzelgefühl" und "Bodenverbundenheit" propagierte.
Allerdings wurden seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch Konzepte der Arbeitsschule vertreten und aus dieser Perspektive in den Heimatkundeunterricht eingebracht.
Nationalsozialismus
Die Heimatkunde wurde fast nahtlos in ihren Inhalten zur Zeit des
Nationalsozialismus übernommen. In dieser Zeit wurden nur zusätzlich besondere Festtage wie Heldengedenktag, Sonnenwendfest und Hitlers Geburtstag ins heimatkundliche Themenspektrum eingefügt. Ansonsten blieb der als Gesamtunterricht konzipierte Heimatkundeunterricht weitgehend wie in der Weimarer Republik.
BRD
Auch nach dem
2. Weltkrieg war Heimatkunde in der
Bundesrepublik Deutschland das anerkannte Zentralfach des heimatkundlichen Gesamtunterrichts der
Grundschule. Erst in den
60er Jahren wurde das Fach zuerst durch
Sachkunde und später durch
Sachunterricht abgelöst. Die Kritik an der Heimatkunde bezog sich auf ideologische Überfrachtung, geographische Enge, zu wenig Wissenschaftlichkeit und zu starke Orientierung an Landidylle anstelle an Problemen der Gegenwart.
DDR
In der
DDR war Heimatkunde bis zu ihrem Ende
1989 Bestandteil der Unterstufenlehrpläne in den Klassen 1-4. Sie war dort ebenso wie Musik mit dem Fach Deutsch verbunden. Heimatkunde wurde in einen naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Bereich untergliedert. Ab Klasse 5 wurde sie durch das Fach Geografie ersetzt.
Schweiz
Heimatkunde liefert in der schweizerischen
Grundstufe (CH: Primarschule 1.-5./6. Klasse) das Vorwissen für Geografie, Geschichte und Biologie, welches in der Oberstufe in ebendiesen Fächern angewandt wird.
Heimatkunde ist neben Sprache (Deutsch) und Rechnen (Mathematik) eines der drei zählenden Fächer in der schweizerischen
Primarschule.
Andere Schweizer Regionen benutzen für diesen Inhaltsbereich andere Fachbezeichnungen wie Natur-Mensch-Mitwelt.
Österreich
In Österreich war Heimatkunde ein Schulfach in der
Volksschule aller vier Klassen bis in die
1970er Jahre. Dabei wurde vor allem auf die nähere Umgebung der Schüler eingegangen. Heute wird dieses Wissen im Sachkundeunterricht vermittelt. Der Begriff wird heute oft in Verbindung mit örtlichen Museen (
heimatkundliches Museum) verwendet.
Das Projekt Heimatkunde 34 ist ein Projekt, das im Rahmen der Wiener Festwochen 2004 von Wiener Schülern die Geschichte des Austrofaschismus und der Ereignisse von 1934 näher bringen soll. siehe: Schüler stochern in alten Wunden
Literatur
- A. Kaiser, D. Pech (Hrsg.): Geschichte und historische Konzeptionen des Sachunterrichts. Baltmannsweiler 2004
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