Adhémar de Monteil carries the Holy Lance.jpg als Träger der Heiligen Lanze, Darstellung aus einem hochmittelalterlichen Manuskript]]
Die Heilige Lanze ist das älteste Stück der Reichskleinodien der römisch-deutschen Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie enthält angeblich ein Stück des Nagels vom Kreuz Christi. Nach der Legende gehörte die Lanze Mauritius, dem Anführer der Thebaischen Legion oder nach anderen Quellen dem römischen Hauptmann Longinus, der mit ihr den Tod Jesu überprüfte, so dass sie auch mit dessen Blut getränkt sein soll.
Zeitweise war sie das bedeutendste Stück der Insignien, später trat an ihre Stelle die Reichskrone. Die Lanzenspitze wurde in einem Hohlraum im Inneren des Querbalkens des Reichskreuzes aufbewahrt. Ein Herrscher, der diese Lanze besaß, galt als unbesiegbar. Sie war das sichtbare Zeichen dafür, dass seine Macht von Gott ausging, dass er der Stellvertreter Christi war.
Mindestens vier Lanzen bzw. deren Spitzen sollen die „echte“ Heilige Lanze sein. Eine wurde im 13. Jahrhundert von Ludwig IX. von den Kreuzzügen nach Paris gebracht und verschwand später. Eine zweite existiert im ersten christlichen Staat der Welt, in Armenien.
Die Lanze wird heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg unter der Inventarnummer XIII, 19 ausgestellt. Sie wurde während der Napoleonischen Feldzüge von Nürnberg nach Wien gebracht um sie zu beschützen.
Adolf Hitler ließ die Lanze knapp vor dem 2. Weltkrieg wieder nach Nürnberg bringen. Dort wurde sie von Soldaten der Alliierten in einem Bunker gefunden und zurück nach Wien gebracht.
Dieser Dorn galt jahrhundertelang als der „Heilige Nagel“. Ein (Kreuz-)Nagel kann er keinesfalls gewesen sein. Jedoch befinden sich auf zwei von den drei mondsichelförmigen Ausnehmungen mit knotenartigen Verdickungen des Dorns messingtauschierte Kreuze, die vielleicht eingelagerte Kreuznagelpartikelchen markieren.
Dort, wo sich das Lanzenblatt verjüngt, um in den Schaft überzugehen, ist auf jeder Seite der Lanze eine Eisenklinge angebracht, in deren Rücken zu diesem Zweck Ösen gebohrt worden sind. An diesen nachträglich angefügten Eisenblättern, welche oft als Messerklingen interpretiert worden sind, fallen ungewöhnlich tiefe Scharten auf, wie von einer scharfen Klinge, im Gegenhieb aufgefangen.
Halt und Befestigung finden diese „Messerklingen“ hauptsächlich durch die von den Manschetten weitgehend verdeckten Lederbänder und dem kunstvoll verspannten Silberdraht. Da die Art ihrer Verbindung mit dem Hauptteil des Lanzenblattes sehr ähnelt wie bei dem oben eingefügten Eisendorn, wird schon seit langem angenommen, dass beides im gleichen Arbeitsgang ausgeführt wurde, also vor etwa 1000 Jahren.
Das Lanzenblatt ist gebrochen. Wahrscheinlich brach es beim Ausstemmen des Spaltes kurz vor dem Jahr 1000, da in eine vereinfachte, noch existierende Kopie, die Kaiser Otto III. nach Krakau verschenkt hat, auch eine Nachbildung dieses Dorns eingepasst ist. Die Bruchstelle ist dreifach verkleidet, zuerst mit einem schmalen Eisenband, dann mit einem breiten Silberblech und zuletzt mit einem Goldblech. Die silberne Manschette trägt auf einem vergoldeten Streifen folgende lateinische Inschrift:
Der Auftraggeber der silbernen Manschette ist Heinrich IV. Er ließ diese in der Zeit zwischen 1084 und 1105 anbringen.
Die oberste goldene Manschette, die Kaiser Karl IV. anfertigen ließ, ist mit der lateinischen Inschrift +LANCEA ET CLAVUS DOMINI, (deutsch: „+ Lanze und Nagel des Herrn“) versehen.
Schon das Mitführen der Heiligen Lanze bei Kriegszügen garantierte dem Herrscher die Unbesiegbarkeit. Daher ließ auch Otto III. auf seinem Zug nach Rom 996 die Lanze dem Heer voraustragen. Otto III. schätzte die Lanze so sehr, dass er im Jahre 1000 eine Kopie an den polnischen Herzog Boleslaw I. von Polen weitergab, als er diesen zum "socius et amicus" des Heiligen Römischen Reiches ernannte. Boleslaw I. leitete aus diesem Vorgehen für sich die Königswürde ab. Otto III. hatte die Lanze stets bei sich gehabt, auch als er im Alter von 21 Jahren in Italien ohne direkte Nachkommen starb. Bei der Überführung seines Leichnams nach Aachen im Jahre 1002 in Begleitung des Erzbischofs Heribert von Köln brachte der spätere Kaiser Heinrich II. die Reichskleinodien in seine Gewalt, um sich die Thronfolge zu sichern. Die Heilige Lanze war jedoch schon vorausgeschickt worden, und so setzte Heinrich II. auch den Bruder Erzbischof Heriberts, den Bischof von Würzburg, gefangen, um so die Herausgabe der Lanze zu erzwingen.
Kaiser Karl IV. aus dem Hause der Luxemburger entdeckte die Heilige Lanze als Machtsymbol wieder. Da sich die Kaiserkrone im Besitz seiner Widersacher aus dem Hause Wittelsbach befand, ließ Karl die Lanze zur Legitimation seiner Kaiserwürde aus dem Zisterzienserkloster Stans in Tirol auf seine Residenz nach Prag bringen. Erst ab dem beginnenden 13. Jahrhundert ist durch ein päpstliches Schreiben die Legende überliefert, bei der Heiligen Lanze handle es sich um die gleiche Lanze, die von einem römischen Legionär mit dem Namen Longinus zur Überprüfung des Todes Jesu am Kreuz verwendet worden war. Zuvor hatten die Splitter der in der Lanze verarbeiteten Nägel, die angeblich vom Kreuz Christi stammten, ausgereicht, um den Ruf der Lanze als bedeutende Reliquie zu begründen. Wurden anfangs nur die Partikel von Nägeln erwähnt, so wurde später der Dorn in der Mitte der Lanzenspitze als Nagel vom Kreuz des Herrn bezeichnet. Vielleicht kam es durch den Einbau dieses Mittelstücks zum Bruch der Lanze, vielleicht aber auch bei der Entnahme von Material für Kopien, die Otto III. anfertigen ließ.
Karl IV. ließ sich die Bedeutung der Heiligen Lanze als doppelte Reliquie vom Papst bestätigen und richtete zu ihren Ehren einen Feiertag ein. Um 1354, zur ersten Feier des "Hochfests der Heiligen Lanze samt Kreuznagel", ließ Karl IV. den Bruch durch eine goldene weitere Manschette, über den ersten beiden aus Eisen und Silber, weiter festigen und entsprechend beschriften. Diese Manschette enthält eine Inschrift, die die Lanze als doppelte Reliquie kennzeichnet und den Nagel vom Kreuz Jesu erwähnt: LANCEA ET CLAVUS DOMINI - Lanze und Nagel des Herrn.
Unter Kaiser Sigismund brachen in Böhmen die Hussitenkriege aus. Die Reichsinsignien und damit auch die Heilige Lanze wurden außer Landes gebracht und von Sigismund 1424 der Stadt Nürnberg zur Aufbewahrung übergeben. Die Heilige Lanze zog, besonders am Hochfest zu ihrer Verehrung, große Pilgerscharen nach Nürnberg. Erst mit der Reformation endete die Bedeutung der Lanze als Reliquie.
Im Verlauf der napoleonischen Kriege waren die Reichskleinodien neuerlich gefährdet. Kaiser Franz II. befürchtete, Napoléon könnte den Anspruch auf den römisch-deutschen Kaisertitel erheben, sollte er in den Besitz der Reichsinsignien kommen. Daher ließ er diese 1796 zusammen mit der Heiligen Lanze zuerst nach Regensburg und 1800 in seine Schatzkammer in der Hofburg in Wien bringen.
Gegen diese Thesen spricht auch, dass sich die Lanze zusammen mit den anderen Insignien des römisch-deutschen Kaisertums zu Kriegsende noch immer in Nürnberg befand, wo sie von amerikanischen Soldaten gefunden wurde. 1946 wurden die Reichskleinodien als Beutegut des Dritten Reichs von den USA an die Schatzkammer in Wien zurückgegeben. Auch Gerüchte, die Lanze habe dabei ihren Weg in die Vereinigten Staaten gefunden und nur eine Kopie sei in der Schatzkammer ausgestellt worden, bewahrheiteten sich nicht. Röntgenaufnahmen und andere zerstörungsfreie Materialprüfungen des Interdisziplinären Forschungsinstitutes für Archäologie der Universität Wien in den vergangenen Jahren zeigten, dass es sich dabei um die oftmals beschriebene, 1200 Jahre alte Lanze handelt.
Der Historiker Adolf Hofmeister schrieb dazu bereits im Jahre 1908:
Der Apostel Thaddäus soll eine Lanze, mit der auf Golgota der Tod Christi festgestellt wurde, nach Armenien gebracht haben. Sie wurde in dem im 4. Jahrhundert gegründeten Kloster Geghard (40 km südöstlich von Eriwan) aufbewahrt. So erhielt das Kloster um 1250 seinen heutigen Namen: Geghardavank („Kloster zur Heiligen Lanze“). Bis in die Gegenwart ist Geghard eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten der armenischen Christen.
König Ludwig IX. von Frankreich (1214-1270), der an zwei Kreuzzügen teilnahm, brachte viele Reliquien nach Paris, so die Dornenkrone zu deren Aufbewahrung er die Sainte-Chapelle erbauen ließ, und die Spitze einer Lanze, die dem römischen Hauptmann Longinus gehört haben soll. 1492 bot Sultan Bajazeth II. dem Papst Innozenz VIII. eine Longinuslanze an, die nach der Eroberung von Konstantinopel 1453 in seinen Besitz gekommen sei, und deren abgebrochene äußerste Spitze die von Ludwig IX. nach Paris gebrachte Reliquie gewesen sein soll. Diese Papstlanze befindet sich heute im Petersdom in Rom. Das vordere Ende der Speerspitze aus Sainte-Chapelle ging während der Französischen Revolution verloren.
Kaiser Otto III. ließ zwei Kopien der ihm mit den Reichsinsignien übergebenen Heiligen Lanze herstellen. Diese übergab er an die Fürsten Polens und Ungarns. Wie viel Originalmaterial der ursprünglichen Heiligen Lanze in die Kopien eingearbeitet worden ist, ist nicht bekannt. Die polnische Lanze befindet sich heute in Krakau.
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