Carl Philipp Fohr 001.jpg]] Das Schloss Heidelberg ist die berühmteste Ruine Deutschlands und das Wahrzeichen der Stadt Heidelberg.
Seit seiner Zerstörung wurde das Heidelberger Schloss nur teilweise restauriert. Es steht 80 Meter über dem Talgrund am Nordhang des Königstuhls und dominiert von dort das Bild der Altstadt.
Über den Zeitpunkt der Gründung der unteren Burg ist nur bekannt, dass sie 1294 und 1303 entstanden sein muss. Die ältesten Werke, die das Heidelberger Schloss erwähnen sind:
Alle diese Werke sind meist oberflächlich und enthalten nichts Ernsthaftes. Anders verhält es sich mit Merians Topographia Palatinatus Rheni aus dem Jahr 1615, in der Kurfürst Ludwig V. als derjenige genannt wird, der „vor hundert und etlichen Jahren hat ein neu Schloß angefangen zu bauen". Auf Merians Angaben stützen sich die meisten Beschreibungen des Schlosses bis ins 18. Jahrhundert hinein. Das Bestreben, die Gründungszeit des Schlosses weiter rückwärts zu verlegen, führt später zu Hinweisen, dass bereits unter Ruprecht I. die berühmte Hofkapelle auf dem Jettenbühl errichtet worden sei.
Nach Ruprechts Tod im Jahr 1410 wurde der Herrschaftsbereich unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Die pfälzischen Stammlande gingen an den ältesten Sohn Ludwig III.. Nach dem Konzil von Konstanz brachte dieser als Stellvertreter des Kaisers und oberster Richter im Jahr 1415 im Auftrag Kaiser Sigismunds den abgesetzten Papst Johannes XXIII. auf dem Schloss in Gewahrsam bevor er auf Burg Eichelsheim (heute Mannheim-Lindenhof) gebracht wurde.
Der französische Dichter Victor Hugo besuchte 1838 Heidelberg und spazierte dabei besonders gerne in den Ruinen des Schlosses herum, dessen Geschichte er in einem Brief zusammenfasst:
Markgraf Karl I. musste zur Freilassung 25.000 Gulden zahlen, Sponheim als Pfand abgegeben und Pforzheim zum pfälzischen Lehen erklären. Der Metzer Bischof musste 45.000 Gulden zahlen. Das Wichtigste war aber, dass Friedrich I. von der Pfalz seinen Anspruch als Kurfürst gesichert hatte.
Die Sage berichtet, Friedrich habe seinen unfreiwilligen Gästen das Fehlen von Brot bei der Mahlzeit dadurch begreiflich gemacht, dass er sie durch das Fenster auf das verwüstete Land hinab blicken ließ. Dies wird in einem Gedicht von Gustav Schwab mit dem Titel "Das Mahl zu Heidelberg" nacherzählt, von dessen 15 Strophen hier die 13. zitiert werden soll:
Sie sprangen von den Stühlen
Und blickten in das Land:
Da rauschten alle Mühlen
Rings von des Krieges Brand;
Kein Hof ist da zu schauen,
Wo nicht die Scheune dampft,
Von Rosses Huf und Klauen
Ist alles Feld zerstampft.
Im Dreißigjährigen Krieg flogen zum ersten Mal Kugeln gegen das Heidelberger Schloss. Hiermit endet auch die eigentliche Geschichte des Schlossbaus. Die folgenden Jahrhunderte bringen hauptsächlich Zerstörungen und Wiederherstellungen.
Friedrich V. von der Pfalz nahm - trotz vieler Bedenken - die Königswürde von Böhmen an und löste damit eine Katastrophe aus. Nach der Schlacht am Weißen Berge war er als Geächteter auf der Flucht und hatte voreilig seine Truppen entlassen, so dass General Tilly, der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, eine unverteidigte Pfalz vor sich hatte. Am 26. August 1622 eröffnete er die Beschießung Heidelbergs und nahm am 16. September die Stadt, wenige Tage darauf das Schloss ein. Als die Schweden am 5. Mai 1633 die Stadt Heidelberg eingenommen und vom Königstuhls aus das Feuer auf das Schloss eröffneten, übergab der kaiserliche Kommandant am 26. Mai die Festung. Schon im folgenden Jahr versuchten Truppen des Kaisers erneut das Schloss zurück zu erobern, aber erst im Juli 1635 fiel es wieder in ihre Gewalt, wo es dann bis zum Friedensschluss blieb. Erst am 7. Oktober 1649 zog der neue Herrscher in das zerstörte Stammschloss seiner Familie wieder ein.
Victor Hugo fasst diese und die folgenden Ereignisse folgendermaßen zusammen:
Gegen die verbündeten europäischen Mächte beschloss der französische Kriegsrat durch Zerstörung aller Festungswerke und durch Verwüstung des pfälzischen Landes, dem Feinde die Möglichkeit des Angriffes von dieser Gegend her zu entziehen. Beim Ausrücken aus der Stadt am 2. März 1689 wurde neben dem Schloss auch die Stadt an vielen Ecken zugleich in Brand gesteckt. Johann Wilhelm ließ sofort nach seinem Einzug in die verwüstete Stadt die Mauern und Türme wieder herstellen. Als die Franzosen 1691 und 1692 erneut bis vor die Tore Heidelbergs gelangten, fanden sie die Stadt in einem so gutem Verteidigungszustand vor, dass sie unverrichteter Dinge abziehen mussten. Am 18. Mai 1693 standen die Franzosen bereits wieder vor der Stadt und nahmen sie am 22. Mai ein. Allerdings waren sie noch nicht im Besitz des Schlosses und versuchten wohl mit der Zerstörung der Stadt der Hauptoperationsbasis gegen das Schloss zu schaffen. Am folgenden Tage kapitulierte die Schlossbesatzung, und nun wurde nachgeholt, was 1689 in der Eile des Abzugs nur unvollständig ausgeführt worden war. Die Türme und Mauern, die beim letzten Mal der Zerstörung entgangen waren, wurden nun durch Minen gesprengt.
Sein Nachfolger Karl Theodor plante vorübergehend seinen Wohnsitz wieder ins Heidelberger Schloss zu verlegen. Als aber am 24. Juni 1764 der Blitz zweimal hintereinander in den Saalbau einschlug und das Schloss abermals brannte, betrachtete er das als ein Zeichen des Himmels und nahm Abstand von seinen Plänen, was Victor Hugo, dem die Ruinen des Heidelberger Schlosses lieb geworden waren, für einen Wink des Himmels hielt:
In den folgenden Jahrzehnten wurden zwar noch notwendige Erneuerungen vorgenommen, aber das Heidelberger Schloss blieb von nun an hauptsächlich eine Ruine.
Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gingen Heidelberg und Mannheim ging an Baden über. Der große Gebietszuwachs war Großherzog Karl Friedrich willkommen, das Heidelberger Schloss betrachtete er jedoch als unerwünschte Zugabe. Die Bauten verfielen, Heidelberger Bürger holten aus dem Schloss Steine, Holz und Eisen zum Bau ihrer Häuser. Auch Figuren und Verzierungen wurden abgeschlagen. August von Kotzebue äußerte sich 1803 voller Empörung über die Absicht der badischen Regierung, die Ruinen abtragen zu lassen. Das zerstörte Schloss wurde am Beginn des 19. Jahrhunderts zum Sinnbild für die patriotische Gesinnung, die sich gegen die napoleonische Unterdrückung richtete.
Schon vor 1800 erkannten Maler und Zeichner in der Schlossruine und der bergigen Flusslandschaft ein idealtypisches Ensemble. Den Höhepunkt bilden die Gemälde des Engländers William Turner, der sich zwischen 1817 und 1844 mehrfach in Heidelberg aufhielt und etliche Gemälde von Heidelberg und dem Schloss anfertigte. Ihm und anderen Künstlern der Romantik ging es dabei nicht um eine detailgetreue Bauaufnahmen. Sie pflegten eher einen recht freien Umgang mit der Wirklichkeit. So ist bei seinem Gemälde des Schlosses das Gelände mehrfach überhöht dargestellt.
Der Retter des Schlosses war der französische Graf Charles de Graimberg. Er kämpfte gegen die badische Regierung, für die das Heidelberger Schloss das „alte Gemäuer mit seinen vielfältigen, geschmacklosen, ruinösen Verzierungen" war, um die Erhaltung der Schlossruinen. Er versah bis 1822 das Amt eines freiwilligen Schlosswächters und wohnte eine Zeit lang im Vorbau des Gläsernen Saalbaues, von dem aus er den Schlosshof am besten übersehen konnte. Lange bevor es in Deutschland eine Denkmalpflege gab, war er der Erste, der sich um den Erhalt und die Dokumentation des Schlosses kümmerte, als bei der romantischen Schwärmerei noch niemand daran dachte, den Verfall zu unterbinden. In Auftrag Graimbergs verfasste Thomas A. Leger den ersten Schlossführer. Mit seinen in hoher Auflage produzierten druckgraphischen Ansichten verhalf Graimberg der Schlossruine zu einem Bekanntheitsgrad, der den Fremdenverkehr nach Heidelberg lenkte.
Die Großherzogliche badische Regierung errichtete im Jahr 1883 ein „Schloßbaubüro", das unter Oberaufsicht des Baudirektors Josef Durm in Karlsruhe vom Bezirksbauinspektor Julius Koch und dem Architekten Fritz Seitz geleitet wurde. Aufgabe des Büros war, eine möglichst genaue Bestandsaufnahme zu machen und zugleich Maßnahmen zur Erhaltung oder Instandsetzung der Hauptgebäude vorzuschlagen. Die Arbeiten dieses Büros endeten 1890 und bildeten die Grundlage für eine Kommission von Fachleuten aus ganz Deutschland, deren einhellige Überzeugung war, dass eine völlige oder teilweise Wiederherstellung des Schlosses nicht in Betracht komme, dagegen eine Erhaltung des jetzigen Zustandes mit allen Mitteln zu erstreben sei. Nur der Friedrichsbau, dessen Innenräume zwar durch Feuer zerstört worden waren, der aber nie Ruine war, sollte wiederhergestellt werden. Diese Wiederherstellung geschah schließlich in der Zeit von 1897 bis 1900 durch Karl Schäfer mit dem enormen Kostenaufwand von 520.000 Mark.
Mark Twain beschrieb 1878 in seinem Buch "Ein Bummel durch Europa" das Heidelberger Schloss folgendermaßen:
Im 20. Jahrhundert verfielen die US-Amerikaner noch mehr dem Heidelberg-Mythos und trugen ihn hinaus in die Welt. So kommt es, dass auch Japaner das Heidelberger Schloss auf ihren Kurzreisen durch Europa zu den wenigen Zwischenstopps zählen. Heidelberg hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts jährlich mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher und etwa 900.000 Übernachtungen. Die Mehrzahl der ausländischen Besucher kommt entweder aus den USA oder aus Japan. Wichtigster Anlaufpunkt ist laut einer Befragung des geografischen Instituts der Universität Heidelberg das Schloss mit seinen Aussichtsterrassen.
Der Heidelberger Professor Ludwig Giesz beschreibt in seinem 1960 erschienenen Aufsatz «Phänomenologie des Kitsches» die Bedeutung von Ruinen für den Tourismus:
Auch Günter Heinemann wirft die Frage auf, ob man das Heidelberger Schloss nicht vollständig restaurieren könnte. Beim Blick vom Stückgarten über den Hirschgraben auf die gut instand gehaltenen Ruinen des Schlosses fragt er sich, ob man das Ganze nicht wieder aufbauen sollte:
Friedrich hielt sich von Oktober 1612 bis April 1613 fast ein halbes Jahr in England auf und der erst 17-Jährige nahm dabei Kontakt mit bedeutenden Architekten auf, die später seine Umbau- und Neubaupläne im Heidelberger Schloss umsetzten. Es waren Inigo Jones und Salomon de Caus, die sich beide gut kannten und im Dienst des englischen Königshauses standen. Caus begleitete das junge Paar auf der Rückreise nach Heidelberg. Jones kam im Juni 1613 ebenfalls nach Heidelberg. Sehr bald wurde der Bau eines gewaltigen Lustgartens in Angriff genommen. Allerdings war die Anlage für die Ebene gedacht waren und musste nun am Hang eines Berges umgesetzt werden. Dazu mussten erst einmal Erdbewegungen durchgeführt werden, die die Zeitgenossen als achtes Weltwunder betrachteten.
Unter der Herrschaft von Friedrich V. versuchte die Kurpfalz zur protestantischen Vormacht im Heiligen Römischen Reich zu werden, was aber in einem Debakel endete. Nachdem Friedrich 1619 - gegen dem ausdrücklichen Rat vieler Ratgeber - die Wahl zum böhmischen König angenommen hatte, konnte er die Krone nicht behaupten, weil er die Schlacht am Weißen Berg gegen die Truppen des Kaisers und der katholischen Liga verlor. Er erhielt den Spottnamen "Winterkönig", da sein Königtum nur etwas mehr als einen Winter überstand. Nun trat der Dreißigjährige Krieg in eine weitere Phase ein und Friedrich wurde zu einem politischen Flüchtling.
Nach seiner Flucht nach Rhenen in Holland sprach Kaiser Ferdinand II. 1621 über Friedrich die Acht und Aberacht aus. Seine pfälzische Kurwürde wurde 1623 auf Herzog Maximilian I. von Bayern übertragen, der dem Kaiser auch die Oberpfalz abkaufte.
In Rhenen, westlich von Arnheim, lebte die Familie von den geretteten Staatsgeldern, der großzügigen Unterstützung des englischen Königs und anfänglich auch von der Unterstützung der Regierung der Vereinigten Niederlande. Friedrich starb im Exil und hoffte für den Rest seines Lebens seine Position in der Pfalz zurückzugewinnen.
Liselotte, die Enkelin Friedrichs V., wurde im Heidelberger Schloss geboren, wuchs aber bei ihrer Tante Sophie in Hannover auf und kehrte mit ihrem Vater oft nach Heidelberg zurück. Mit 19 Jahren wurde sie aus politischen Gründen mit dem Bruder des französischen Königs verheiratet und führte mit diesem eine unglückliche Ehe. Als ihr Bruder Karl kinderlos starb, erhob Ludwig XVI. Ansprüche auf die Pfalz und versuchte diese Ansprüche mit Krieg durchzusetzen. Liselotte schreibt in einem Brief an ihre Tante Sophie in Hannover:
Noch nach sechsunddreißig Jahren in Frankreich empfand sie Heidelberg als ihre Heimat und schreibt in einen Brief an die Raugräfin:
Auf die Kinder Liselottes mit Philipp geht in männlicher Linie das Haus Orléans zurück, das mit Louis-Philippe, dem so genannten Bürgerkönig, im Jahre 1830 auf den französischen Thron kam.
Briefe Liselottes vom französischen Hof, mit plastischen Schilderungen der damaligen Sitten, wurden überliefert. Die meisten davon schrieb sie an ihre Tante Sophie, die Kurfürstin von Hannover, und ihre Halbschwester, die Raugräfin Luise zu Pfalz (1661-1733); aber auch mit Leibniz korrespondierte sie. Insgesamt soll sie geschätzte 60.000 Briefe in Deutsch und Französisch verfasst haben, von denen etwa ein Zehntel erhalten ist.
Die Kindheit Liselottes spielte sich in einem eher bürgerlichen Rahmen ab. Karl Ludwig liebte es, mit seinen Kindern in der Stadt Heidelberg und auf den Hängen des Odenwalds spazieren zu gehen. Liselotte, die sich selber später als "dolle Hummel" charakterisierte, ritt im Galopp über die Hügel um Heidelberg und genoss ihre Freiheit. Oft schlich sie sich in aller Frühe aus dem Schloss, um auf einen Kirschbaum zu klettern und sich mit Kirschen vollzustopfen. Im Jahr 1717 erinnert sie sich als Herzogin an ihre Jugendzeit in Heidelberg und schreibt:
In seinem Wohnhaus (heute: Palais Graimberg, am Anfang des Fußwegs zum Schloss) legte er ein Kuriositätenkabinett mit Fundstücken aus dem Schloss an, die später zum Grundstock des Kurpfälzischen Museums wurde. Seine Sammlung der „Altertümer" zur Geschichte der Stadt und des Schlosses finanzierte er übrigens aus eigenem Vermögen. Ihm ist es zu verdanken, dass das Schloss noch steht. Er führte auch die ersten historischen Grabungen im Schloss durch und wohnte eine Zeit lang im Schlosshof, um zu verhindern, dass die Bürger Heidelbergs Baumaterial für ihre Häuser aus dem Schloss herausbrachen.
In Auftrag Graimbergs verfasste Thomas A. Leger den ersten, auf der Grundlage schriftlicher Quellen verfassten Schlossführer. Ein Exemplar dieses Führers aus dem 1836 "Le guide des voyageurs dans la ruine de Heidelberg" (deutsch: "Führer für Fremde durch die Ruinen des Heidelberger Schlosses"), erwarb Victor Hugo während seines Aufenthalts in Heidelberg. Dieses mit Notizen versehene Exemplar wird heute im "Maison de Victor Hugo" in Paris ausgestellt.
An Charles de Graimberg erinnert eine Ehrentafel, die 1868 am Durchgang zum Altan angebracht wurde:
Auf der Terrasse hoch gewölbten Bogen
War eine Zeit sein Kommen und sein Gehn
Die Chiffre von der lieben Hand gezogen
Ich fand sie nicht sie ist nicht mehr zu sehn
O schließt euch nun ihr müden Augenlider
Im Dämmerlicht der fernen schönen Zeit
Umtönen mich des Freundes hohe Lieder
Zur Gegenwart wird die Vergangenheit
Schließt euch um mich ihr unsichtbaren Schranken
Im Zauberkreis der magisch mich umgibt
Versenkt euch willig Sinne und Gedanken
Hier war ich glücklich und geliebt
Diese Verse schrieb Marianne von Willemer
In Erinnerung an ihre letzte Begegnung mit
Goethe in den Herbsttagen des Jahres 1815
Unmittelbar gegenüber der Goethegedenktafel steht der Ginkgo, dessen Blatt Goethe als Symbol der Freundschaft an Marianne von Willemer sandte. Das Gedicht wurde später in das Buch "Suleika" im Westöstlichen Divan aufgenommen. Goethe Ginkgo Biloba.jpg Es ist überliefert, dass sich Goethe mit Freunden die Blätter des Ginkgo betrachtete und über deren Form fachsimpelte. Eines der Blätter sandte er als Ausdruck seiner Zuneigung an Marianne von Willemer, der dritten Ehefrau seines Frankfurter Freundes, des Bankiers Johann Jakob von Willemer, die mehr als zwanzig Jahre jünger war als er selbst. Der mit Goethe befreundete Kunstsammler und Schriftsteller Sulpiz Boisserée erwähnt in einer Tagebucheintragung die Entstehungsgeschichte des Gedichtes "Gin(k)go biloba":
Der Text des Gedichts lautet:
Der Brief mit dem Gedicht, dem Goethe zwei Ginkgo-Blätter beilegte, ist heute im Goethe-Museum Düsseldorf zu sehen. Der 1795 gepflanzte Ginkgo, zu dem Goethe im September 1815 Marianne von Willemer führte, steht heute allerdings nicht mehr. Noch 1928 hieß es, dass der Ginkgobaum im Schlossgarten wohl "noch derselbe ist, dem Goethe die Anregung zu seinem schönen Gedicht verdankte". Wahrscheinlich stand der Baum sogar noch im Jahr 1936.
Johann Andreas von Traitteur erinnert 1798 an diese Wassertransporte:
Die Wasserqualität in Mannheim war so schlecht, dass sich die vornehmen Familien der Hofgesellschaft, die es sich leisten konnten, diesem Verfahren anschlossen und ebenfalls Wassertransporte von Heidelberg nach Mannheim finanzierten. In der kurfürstlichen Residenz gab es noch im Jahr 1777 unter den Hofbediensteten einen „Heidelberger Wasserfüller".
Erst nach und nach wurde daraus von Generation zu Generation eine Ansammlung großzügiger Wohngebäude. Die Altstadt kam erst lange danach. Zunächst gab es eine Berg-Stadt für Bedienstete und Beamte am Hangweg.
Der renommierte Kunsthistoriker Georg Dehio beschreibt das Heidelberger Schloss folgendermaßen:
Lange Zeit glaubte man, dass die Geschichte des Heidelberger Schlosses mit diesem Bauwerk beginne. Doch bei umfangreichen archäologischen Untersuchungen, die während Renovierungsarbeiten Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt wurden, fand man Fragmente romanischer und frühgotischer Fenster. Der Baubeginn des Schlosses wird somit auf die Jahre um 1300 geschätzt.
1534 wurde der Ruprechtsbau durch Ludwig V. um ein steinernes Obergeschoss erweitert. Ein Absatz in der Mauerung an der vorderen Kante sowie die Jahreszahl 1534 im Inneren des Gebäudes künden noch heute von dem Umbau.
Ein Engelswappen über dem Portal ziert das Bauwerk. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um das Abzeichen des Bauherrn handelt, der sich auf diese Weise für die Nachwelt verewigt hat. Der Überlieferung nach handelt es sich bei den beiden Engeln auf dem Wappen um eine Darstellung der Kinder des Baumeisters, die bei den Bauarbeiten am Schloss von einem Gerüst stürzten und ums Leben kamen.
Wilhelm Sigmund erzählt diese Legende folgendermaßen:
Zwei liebliche Zwillingsknaben waren die Freude des Baumeisters, der das Heidelberger Schloss gebaut hat. Um sie stets bei sich zu haben, hat er sie oft mitgenommen auf sein hohes Baugerüst und freute sich der schwindelfreien Jungen. Aber eines Tages tat der eine einen Fehltritt und riß den anderen mit in die Tiefe. Da ward der Meister schwermütig, also daß der Bau ins Stocken kam.Der Meister wurde über dieses Unglück schwermütig und vernachlässigte seine Arbeit, so dass sein Auftraggeber verärgert war. Weiter heißt es in der Legende:
Kaiser Ruprecht aber ward böse, daß der Bau so langsam fortschritt und ließ durch den Priester, der die Kinder beerdigt hat, den Meister vermahnen. Der sagte, es sei alles fertig, aber wie er den Abschluß des Tores machen solle, falle ihm in seinem Gram nicht bei. ...Zitiert nach heidelberger-altstadt.de
Alsbald ward dem Meister offenbar, wie er den Abschluß des Tores zu bilden habe. Er meißelte seine Knaben, wie sie ihm erschienen waren, als liebliche Engelkinder, die einen Rosenkranz tragen. In der Mitte des Kranzes setzte er den Zirkel, das Sinnbild seiner Kunst, von der er für immer Abschied nahm.
Als Ruprecht III. im Jahr 1400 als Ruprecht I. deutscher König wurde, diente das Gebäude zu Repräsentationszwecken. Deshalb ist auch am Ruprechtsbau eine Wappentafel mit dem Reichsadler angebracht, der auf das Königtum verweist. Im Inneren des Ruprechtsbaus befindet sich ein Renaissance-Kamin, eines der wenigen Elemente der Innenausstattung, die noch heute erhalten sind.
Ruprecht ließ das älteste erkennbare Wohngebäude des Schlosses, den nach ihm benannten Ruprechtsbau errichten. außerdem begann er den Bau der Heiliggeistkirche und der Universität Heidelberg, deren Namensgeber er ja auch zum Teil ist ("Ruperto Carola").
Der Friedrichsbau ist der erste Palast des Schlosses, der auch mit einer repräsentativen Fassade zur Stadtseite hin errichtet wurde. Im Erdgeschoss des Bauwerks befindet sich die Schlosskirche, welche noch heute unbeeinträchtigt erhalten ist. Die Obergeschosse des Gebäudes wurden als Wohnraum genutzt.
Nach den verheerenden Bränden 1693 und 1764 wurde dieser Teil des Schlosses als einziger Teil wieder aufgebaut. 1890 bis 1900 wurde der Friedrichsbau nach Entwürfen des Karlsruher Professors Carl Schäfer grundlegend im Stil des Historismus erneuert. Damals entzündete sich eine sehr kontroverse Diskussion darüber, wie die Innenräume gestaltet werden sollten. Insbesondere der Kunsthistoriker Georg Dehio hatte sich dafür ausgesprochen, das Bauwerk in seiner gewachsenen Struktur zu erhalten. Letztendlich entschied man sich für eine Innenausstattung im Neorenaissance-Stil. Viele Räume des Friedrichbaus zeigen heute in freier Komposition einen Stilpluralismus. Letztlich wurden die Räume aber nie wieder als Wohnräume genutzt, sondern fungierten als musealer Bau.
Friedrich gab sich reichlich seinem Vergnügen hin und ruinierte die Finanzen seines Landes. Seine Ausschweifungen und den Kater danach beschreibt er in eigenen Worten: "bin wohl wieder voll gewest".
Bleibende Bedeutung hat Kurfürst Friedrich IV., da er in den Jahren 1606 / 1607 die nach ihm benannte Festung Friedrichsburg gründete, aus der die Residenz und Stadt Mannheim hervorging. Seine Haupttätigkeiten am Heidelberger Schloss waren die Errichtung des nach ihm benannten Friedrichsbaus und des Altanbaus sowie der Ausbau der drei Türme an der Ostseite.
Die Fassade des vier Stockwerke hohen Gebäudes ist durch 16 allegorische Figuren verziert, die das Regierungsprogramm des Kurfürsten symbolisieren. Die Figuren stammen von dem Niederländer Alexander Colin, der später für die Habsburger arbeitete. Als Ottheinrich 1559 starb, war der Bau noch nicht fertig gestellt. Frühere Abbildungen (in Matthäus Merians "Kurpfälzisches Skizzenbuch") zeigen, dass der Ottheinrichbau vor dem Dreißjährigen Krieg zwei überdimensionierte Doppelgiebel erhalten hatte, die mit der horizontalen Gliederung des Baues, der sich wesentlich an italienischen Vorbildern der Frührenaissance orientierte, schlecht harmonierten. Dies war offenbar auf einen von Kurfürst Friedrich III. veranlassten Planwechsel zurückzuführen und nicht in der ursprünglichen Bauplanung vorgesehen. Unter Karl Ludwig erhielt der Ottheinrichsbau nach dem Dreißigjährigen Krieg eine neue Bedachung, die riesigen Doppelgiebel verschwanden.
Figurenprogramm an der Fassade des Ottheinrichsbaus
Die 16 Standbilder (außer den vier Portalfiguren) sind allegorische Darstellungen und Gestalten aus dem Alten Testament und der Götterwelt. Von letzteren hatte der Ottheinrichsbau noch im 18. Jahrhundert den Namen „der heidnische Bau":
Die vier Standbilder des Erdgeschosses werden durch unbeholfene Verse in gotischer Schrift erklärt:
Den Sinn dieses Figurenprogramms erklärte der Heidelberger Archäologe K. B. Stark folgendermaßen:
Auf Grund seiner aufwändigen Lebensführung drohte Ottheinrich der Bankrott. In seinen Besitz kam auch ein Schuldschein aus dem Nachlass seiner Großmutter Hedwig. Dieser Schuldschein über 32.000 Gulden, ausgestellt von König Kasimir IV. von Polen aus Anlass der Heirat seiner Tochter Hedwig mit Georg von Wittelsbach, war vom polnischen Königshof jedoch nie ausgezahlt worden. Ottheinrich ließ Zins und Zinseszins errechnen und kam auf die Summe von 200.000 Gulden. So brach Ottheinrich 1536 zu seinem Großonkel, dem polnischen König Sigismund I. nach Krakau auf. Während der dreiwöchigen Verhandlungen konnte Ottheinrich zwar die Ausbezahlung des Schuldscheins erreichen, nicht jedoch die Auszahlung der Zinsen.
Ottheinrich regierte nur drei Jahre und gehört dennoch zu den bedeutendsten Kurfürsten. Am Schloss ließ er den nach ihm benannten Ottheinrichsbau errichten, der als herausragendes Beispiel deutscher Renaissance-Architektur gilt.
Ursprünglich handelte es sich bei dem Ludwigsbau um ein symmetrisches Gebäude. Kurfürst Ottheinrich ließ jedoch den nördlichen Teil jenseits des Treppenturms abreißen, um Platz für den Ottheinrichsbau zu machen.
Der Ludwigsbau hatte ursprünglich nach Norden eine größere Ausdehnung, so dass der Treppenturm in der Mitte der Front saß. Im Jahr 1764 wurde er durch ein Feuer zerstört.
Unter dem Wappen auf der Außenseite sind zwei Affen dargestellt, die das Spiel Strangkatzenziehen betreiben. Dies ist wohl als Anspielung auf die Kraftproben der Edelknaben zu sehen, die im obersten Geschoss des Ludwigsbaus wohnten.
Im Jahr 1523 schlug Ludwig den Ritteraufstand unter Franz von Sickingen nieder. Während der Bauernaufstände 1525 versuchte er mit den Bauern zu verhandeln, da er Forderungen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft für gerechtfertigt hielt. Nachdem die Unruhen aber außer Kontrolle gerieten, beteiligte er sich an der Niederschlagung der Bauern.
Ludwig V. gilt als der „Schlossbauer". Seine besondere Bedeutung hat er durch den Ausbau der großen Schlossbefestigungen, der Errichtung des „Westwalls" und des „Dicken Turms", aber auch durch die Modernisierung der anderen Bauten in der Residenz.
Mit der Errichtung des Englischen Baus setzte man sich über die Grundgedanken von Schutz und Wehr hinweg, da Zwinger und Burggraben überbrückt wurden und so einem möglichen Feind bessere Angriffsmöglichkeiten bot.
Der Englische Bau - heute eine Ruine - ist das letzte Großgebäude in der Geschichte des Heidelberger Schlosses. Er wurde aus Platzgründen außerhalb des Schlossgevierts angelegt und befindet sich zwischen dem Dicken Turm und dem Fassbau. Unterhalb vom Englischen Bau verläuft die große Rittertreppe.
Heute finden in der Ruine Empfänge und Aufführungen der Schlossfestspiele statt. Auf 500 Quadratmeter Fläche ist Platz für etwa 300 Sitzplätze.
Elisabeth wurde 1596 als einzig überlebende Tochter Jakobs VI. von Schottland, der als James I. auch König von England und Irland werden sollte, geboren. Ihren Namen hat sie nach der englischen Königin Elisabeth I.
Nach Vorverhandlungen im Jahr 1612 trafen zwei pfälzische Gesandte mit einem Werbebrief am englischen Königshof ein, wo die Verbündeten den Plan einer Verbindung beider Herrscherhäuser begrüßten. Danach reiste Friedrich zur Brautwerbung nach England reiste. Doch die Königin war gegen die Heirat, weil der Friedrich »nur« ein Kurfürst war. Aber seine äußere Erscheinung nahm die Engländer und die sechzehnjährige Prinzessin für sich ein. Die beiden galten als das Traumpaar ihrer Zeit.
Elisabeth bewog Friedrich V. neben Anderen zur Annahme der Krone von Böhmen und teilte nach der Schlacht am Weißen Berg bis zu dessen Tod im Jahre 1632 sein Schicksal als Flüchtling. Die Hoffnung auf Hilfe ihrer königlichen Verwandtschaft in England erwies sich als trügerisch.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs wollte Elisabeth zusammen mit Prinz Ruprecht wieder zurück nach Heidelberg, doch ihr Sohn Kurfürst Karl Ludwig lehnte dieses Ansinnen ab, denn er hatte ohnehin mit seiner zerrüttete Ehe mit Charlotte von Hessen-Kassel, der Affäre mit Luise von Degenfeld und dem Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg zu tun.
Der so genannte Bibliotheksbau wurde In enger Verbindung mit dem benachbarten Frauenzimmerbau auf der Westseite des Schlossberings hinzugefügt. Bei diesem Bau ist der erstmals im 17. Jahrhundert auftauchende Name irreführend, da eine primäre Nutzung zur Unterbringung einer kurfürstlichen Bibliothek nicht belegt ist. Vielmehr handelt es sich bei dem gewölbten Raum im ersten Obergeschoss um eine so genannte Tafelstube für die kurfürstliche Herrentafel gehandelt haben muss. Tafelstuben kamen im 16. Jahrhunderts auf, als die Fürsten nicht mehr täglich die Hofstube aufsuchten, sondern sich in separateRäume in den Obergeschossen zurück zogen.
Der Bibliotheksbau unterscheidet sich von anderen Schlossgebäuden des 16. Jahrhunderts darin, dass er bis in die oberen Stockwerke in Stein gewölbt war. Man führt das darauf zurück, dass hier nicht nur die Bibliothek, sondern auch die Kurfürstliche Münze aufbewahrt wurde. Der Bibliotheksbau war der "Tresor" des Schlosses und der Hofhaltung. Im Erdgeschoss sind seine Mauern drei Meter dick. Über die wuchtigen Erdgeschossräume, von denen einige bemalt waren, weitete sich der Bibliothekssaal, der eine lichte Höhe von 6,60 Metern gehabt haben muss.
Der Königsaal verlor nach der Fertigstellung der Festsäle im Gläsernen Saalbau und im Ottheinrichsbau seine Rolle als Repräsentationsraum. Er wurde zu einem Raum, in dem bei ungünstiger Witterung Ritterspiele stattfanden, Versammlungen abgehalten wurden oder bei festlichen Gelegenheiten die Dienerschaft tafelte.
1689 brannte der Festsaal völlig nieder und diente später als Arbeitsraum für die Küfer, die am Großen Fass arbeiteten und damit dem Gebäude den Namen „Bandhaus“ gaben. Da die Küfer klagten, dass ihnen das Regenwasser auf die Fässer liefe, ließ Karl Theodor die Ruine mit dem jetzigen Notdach versehen. Heute ist das Gebäude hauptsächlich unter dem Namen „Königssaal“ bekannt, auch wenn dieser Königssaal lediglich das Erdgeschoss des ehemaligen Frauenzimmerbaus einnimmt. In den 1930er Jahren wurde das Parterre wieder hergerichtet und dient seitdem der Stadt Heidelberg als Festsaal für Veranstaltungen aller Art.
Ungewöhnlich an dem Gebäude ist der spätgotische Stil, denn zur Bauzeit hatte sich bereits der Renaissance-Stil durchgesetzt
Auf das Große Fass schaut die Statue des Fasswächters Perkeo, Symbol des Weingenießers, dem Karl Philipp die Obhut über das Fass übergeben hatte. Karl Philipp hatte ihn aus Innsbruck, wo er vor seiner Thronbesteigung kaiserlicher Statthalter von Tirol gewesen war, als Hofnarren mitgebracht. Der Legende nach hatte der Kurfürst ihn gefragt, ob er das Große Fass allein austrinken könne. Der soll geantwortet haben: "Perché no?" (Italienisch: warum nicht?). Daraus leitet sich der Name Perkeo her. Reinhard Hoppe erzählt die Geschichte folgendermaßen:
Die Beauftragung Perkeos als Fasswächter liest sich bei Reinhard Hoppe wie eine Persiflage:
"In Heidelberg ließ ihm der Kurfürst eine farbige Uniform machen, steckte ihm einen großen Orden an und hängte ihm einen riesigen Kellerschlüssel an die Seite. Perkeo erfreute den ganzen Hofstaat und die Bürger der Stadt durch seine Spaße. Schon zu seinen Lebzeiten wurde ihm ein Denkmal errichtet, das er selbst entworfen und angefertigt hatte. Heute steht es an der Wand neben dem Faß, und dabei hängt seine geheimnisvolle Uhr. Zieht nur am Ring, dann könnt ihr das kunstvolle Werk betrachten!Zitiert aus Reinhard Hoppe: "Heimat um Heidelberg" nach heidelberger-altstadt.de
Das war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloß,
An Wüchse klein und winzig, an Durste riesengroß.
Man schalt ihn einen Narren, er dachte: "Liebe Leut',
Wärt' Ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheut!"
Wein soll das einzige Getränk gewesen sein, das Perkeo seit seiner Kindheit zu sich genommen habe. Als er im hohen Alter erstmals krank wurde, riet ihm sein Arzt dringlich von Weingenuss ab und empfahl ihm, Wasser zu trinken. Trotz großer Skepsis nahm Perkeo diesen Rat an und starb am nächsten Tag.
Perkeo war ein bedauernswertes Geschöpf und musste – wie Victor Hugo erwähnt – täglich fünfzehn Flaschen Wein trinken, sonst wurde er ausgepeitscht.
Am 24. Juli 1764 schlug der Blitz zweimal hintereinander ein und der Saalbau brannte bis auf die Kellergewölbe aus.
1897 wurde in der westlichen Wand des Gläsernen Saalbaus eine vermauerte frühgotische Fenstergruppe entdeckt, die auf eine Bebauung des Schlossareals in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hindeutet.
Es wird vermutet, dass beim Bau des Gläsernen Saalbaus der Ottheinrichsbau bereits geplant war, da die hintere Hälfte des Gebäudes hinter dem Ottheinrichsbau steckt und ohne Fassadenschmuck ausgeführt wurde.
Der Aufgang zu den oberen Geschossen führte in die Wohnungen der Schlossbeamten. Die in der südöstlichen Ecke des Innenhofs liegenden Wirtschaftsgebäude sind kunstgeschichtlich nicht besonders bedeutend.
Die eigentliche Küche lag im Südosten des Schlosses und schloss an den Gesprengten Turm an. Zu diesen Räumen und ihrer RAndlage im Schlosshof schreibt Günter Heinemann in seinem Heidelberg-Buch:
Der Turm wirkte von der Stadt aus bedrohlich, was auch in der Absicht des Erbauers lag, denn Ludwig der Friedfertige war der Ansicht, dass nur die Furcht den Frieden erhalten könne.
Friedrich V. ließ den oberen Teil des Turms in ein Theater umgestalten, das dem 1613 abgebrannten Londoner Globe Theatre nachempfunden war. Mit diesem Theatersaal im Dicken Turm zeigte sich er Kurfürst der britischen Herkunft seiner Frau verbunden und wollte er die Shakespearsche Theatertradition fortführen. Die fast kreisförmige obere Plattform des Dicken Turms hatte einen Durchmesser von fast 28 Metern und eine Fläche von 85 Quadratmetern. Auf der Inschrifttafel am Dicken Turm wird nicht nur der Erbauer des Turmes genannt, sondern auch auf die Umgestaltung des oberen Stockwerkes hingewiesen. Diese Aufgabe traute sich nur der Nürnberger Baumeister Peter Karl zu. Die lateinische Inschrift lautet:
Nach der Zerstörung des Jahres 1693 erhielten die Bürger der Stadt Heidelberg offiziell die Genehmigung, sich die abgesprengten behauenen Steine des Dicken Turmes zu holen, um damit ihre Häuser wieder aufzubauen. So wurde beispielsweise der Adelshof des Generalleutnants und Oberstjägermeisters Freiherr von Venningen in der Hauptstraße 52 („Riese") mit ausdrücklicher Erlaubnis des Kurfürsten aus Quadersteinen des Dicken Turmes errichtet.
Es ist nicht sicher, wo der Gegenpapst Johannes XXII. in Heidelberg gefangen gehalten wurde. Manche Darlegungen nennen das Schloss. Dann könnte der Turm Seltenleer das Papstgefängnis gewesen sein. Vermutlich war aber in der Nähe der Alten Brücke untergebracht, denn in einem übersetzten Brief eines Italieners an Papst Paul V. wird der Brückenaffe ("ins Gefängnis, so man den alten Affen nennet") genannt.
Der Torturm aus roten Sandsteinquadern ist, von der Sohle des Burggrabens gemessen, 52 Meter hoch und hat eine Grundfläche von 12,50 Metern im Quadrat. Er ist heute der höchste der Schlosstürme. Von der Befestigung sind noch ein dickes Eichentor mit einem Pförtchen (Nadelöhr) und die Spitzen des Fallgatters erhalten. Die verschieferte Turmhaube wurde dem Turm erst in der Barockzeit, um das Jahr 1716, aufgesetzt, um den Eingangsbereich zum zerstörten Schloss vor dem Verfall zu retten.
Die Frontseite wird von den so genannten, 3,40 Meter hohen, Torriesen sowie den Schild tragenden Löwen dominiert. Der angeblich silberne Wappenschild ist verschollen und wurde wahrscheinlich eingeschmolzen. Die beiden Rittergestalten werden auf die Jahre 1534 und 1536 datiert. Sie stehen auf runden Konsolen und werden von Baldachinen geschützt.
Die Brücke zwischen Torhaus und Torturm wurde 1693 von französischen Mineuren gesprengt und unter Kurfürst Karl Philipp mit Zugbrücke wiederhergestellt. Erst 1810 wurde die Zugbrücke aufgegeben und mit einem weiteren Brückenpfeiler eine feste Straßenverbindung geschaffen, deren Pfeiler aus dem zwanzig Meter tiefen Graben aufragen. Am Torturm erkennt man noch die Löcher für die Ketten, an denen die ehemalige Zugbrücke hing.
"Derjenige, so die Aufgabe des Schlossherrn, der den Ring an der Schlosstür durchbeißen kann, wird der nächste König. Im Stillen dachte der Schlossherr, wer sich an dieser Aufgabe nicht die Zähne ausbeißt, der hat auch im Leben Bestand.Zitiert nach heidelberger-altstadt.de
Viele versuchten sich an dieser Aufgabe, doch alle bissen sich die Zähne aus. Da versuchte es eine Hexe. Sie hatte starke Hexenzähne und war der Meinung, dass es ein Leichtes sei, den Ring zu durchbeißen. Sie hätte es auch fast geschafft, aber dann im letzten Moment versagten Ihre Zähne den Dienst und zerbarsten in Stücke.
Die Kurpfälzer waren froh, dass die böse Hexe nicht an die Macht gekommen war. Und bis heute noch kann man den Ring am Schlosstor mit dem tiefen Riss und dem Abdruck eines Zahns sehen. Und immer noch geht die Sage um:
“Wer den Eisenring am Torturm durchbeißen kann, bekommt das Schloss geschenkt”.
Der Turm wurde im Jahr 1693 von franzöischen Soldaten im Pfälzer Erbfolgekrieg gesprengt, nachdem eine Minensprengung 1689 wirkungslos verpufft war. Die mächtige Mauerschale ruht heute noch auf dem Schuttkegel von damals. Bei der Sprengung erwies sich übrigens das Fugenmaterial als widerstandsfähiger als der Rotsandstein, aus dem der Turm gemauert war.
Der Turm hatte ursprünglich eine Höhe von etwa 28 Meter. 1610 wurde er auf 42,50 Meter ausgebaut. Heute ragt er als Ruine immerhin noch 33 Meter hoch.
Einer der Bewunderer dieser Ruine war Johann Wolfgang Goethe, der diesen Turm am 23. September 1779 von der Brücke über den Burggraben aus zeichnete. Goethe hatte Heidelberg achtmal besucht, den vierten Besuch aber verschwieg er. So wurde er erst im Jahr 1899 von der Forschung aufgedeckt. Anscheinend hatten ihn politische Geheimpläne, womöglich die Schaffung eines Fürstenbundes gegen die Übermacht Friedrichs des Großen, nach Heidelberg geführt. Karl August und Goethe unterbrachen auf jedem Fall am 23. September 1779 ihre Schweizer Reise in Heidelberg und verbrachten den ganzen Nachmittag auf dem Schloss. Herzog Karl August „kroch in den alten schönen Trümmern herum", während Goethe die früheste Zeichnung des zerstörten Pulverturms anfertigte.
Der Apothekerturm ist ein Flankierungsturm, der in der gleichen Zeit wie der Glockenturm und der Gesprengte Turm errichtet wurde. Der Turm teilt die 125 Meter lange Ostseite des Schlosses ungefähr in der Mitte. Die alten Schießscharten sind zugemauert oder durch Fenster ersetzt. Um das Jahr 1600 wird der Turm aufgestockt und umgebaut zu einem Wohnturm für den sich vergrößernden Hofstaat.
Das Deutsche Apothekenmuseum erhielt erst im Jahr 1957 einige Räume im Ludwigsbau und im Apothekerturm für seine Sammlung. Zuvor war dieses Museum in München und – nachdem es im Zweiten Weltkrieg ausgebombt wurde, in der Bamberger Neuen Residenz untergebracht.
Zu den Exponaten des Museums gehören eine Haus- oder Reiseapotheke aus dem Besitz eines Feldherrn, wertvolle Aufbewahrungsgefäße für Arzneimittel und Mörser aus der Zeit der Gotik und Renaissance. Außerdem sind vier alte Apothekeneinrichtungen, so genannte "Offizinen" aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu besichtigen. Mittelpunkt des Museums ist die Arzneimittelsammlung ("Materia medica"), in der die Arzneimittel aus dem Mineral-, Tier- und Pflanzenreich ausgestellt sind.
Der Glockenturm in der Nordostecke ist das Wahrzeichen der Schlossbauten. Er ist eine Ruine seit in der Nacht auf den 25. Juni 1764 der Blitz hier einschlug. Das daraus resultierende Feuer vernichtete alle Gebäude bis auf die Außenmauern.
Mit der Anlage der Fassade zum Altan durchbrach man die Tradition der Randhausbebauung an einer geschlossenen Außenmauer.
An der Stützmauer des Schlossaltans ließ Pfalzgraf Friedrich II. eine Inschrift mit seinem Namen und die Anfangsbuchstaben seiner lateinischen Devise hinzufügen:
Der Unterbau unter dem Altan dienten der Aufbewahrung von Waffen, Munition, Versorgungsgütern und als Schutzräume für die Soldaten. Der Altan schließt nicht unmittelbar an den Friedrichsbau an, sondern hält einen Abstand von etwa acht Metern. Durch diesen Zwischenraum führt der Burgweg von der Stadt her.
Unterhalb des Altans im Altangarten, der ehemaligen „Großen Batterie" ist ein stark patiniertes bronzenes Geschützrohr ausgestellt, an dessen Mündung der französische Name „Le Coco" (was etwa „Hähnchen" bedeutet) eingegossen ist. Gegossen wurde dieses Geschütz im dritten Jahr der Französischen Republik, also 1794, im französischen Douai. „Le Coco" wurde möglicherweise bei der Niederlage eines französischen Truppenkontingents bei Handschuhsheim erbeutet und als Siegestrophäe auf das Schloss gebracht.
Als einmal bei einem Gastmahl oder einer sonstigen Veranstaltung in den oberen Schloßräumen plötzlich Feuer ausbrach, wußten sich alle Damen und Herren schnell in Sicherheit zu bringen - bis auf einen Ritter. Dieser war mit den Gemächern, den Treppen und Gängen nicht vertraut und fand schließlich alle Ausgänge durch das Feuer versperrt. An den Vorhängen und anderen leicht entzündbaren Stoffen fand das Feuer neue Nahrung. Umsonst waren die Hilferufe des Eingeschlossenen. Niemand hörte ihn, vielleicht glaubten ihn die Geretteten auch gerettet.Zitiert aus Wilhelm Sigmund: "Alt Heidelberg" nach heidelberger-altstadt.de
So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich durch einen Sprung durch das Fenster in die Tiefe in Sicherheit zu bringen. Und der Himmel belohnte die kühne Tat des Ritters. Unverletzt kam er unten an. Aber durch den Sprung bohrte sich der starke Stiefel in den Boden ein und hinterließ dort einen Fußstapfen, der heute noch zu sehen ist. Das Volk belegte diese sonderbar vertiefte Stelle auf dem Schloßaltan mit dem Namen Rittersprung
Heute probieren Schlossbesucher, ob ihr Schuh in die Fußstapfen des Ritters passt. Einer anderen Sage zufolge stammt der Fußabdruck von Kurfürst Friedrich IV., der volltrunken aus dem Fenster seines Palastes, dem Friedrichsbau, sprang und auf der Schlossterrasse aufkam.
Am Fuß der Mauer des Westwalls sind neun Vertiefungen zu sehen, die auf Versuche französischer Mineure im Jahr 1693 zurück gehen, den Westwall durch so genannte Kettensprengungen niederzulegen. Doch das erbeutete Pulver war durch Feuchtigkeit nur bedingt brauchbar, außerdem war Entsatz von den Reichstruppen im Anmarsch, so dass die Sprengkommandos nicht die Zeit hatten, ihre Arbeit abzuschließen. Ein zusätzliches Hindernis für Angreifer könnte eine Inundation gewesen sein. Das Bächlein auf der Sohle des Hirschgrabens, eine so genannte Künette, konnte aufgestaut werden und so den Hirschgraben überfluten.
Kurfürst Johann Wilhelm, der in Düsseldorf residierte, war mit der Residenz in Heidelberg nicht zufrieden und plante, das Schloss nach Auffüllung des westlichen Burggrabens durch Neubauten zu erweitern.
Auf Kurfürst Karl Theodor weist auch die lateinische Inschrift hin:
Der in den Granit getriebene Schacht ist durch eine eiserne Tür verschlossen, über welcher folgende lateinische Inschrift zu lesen ist:
Die Mauerpartie unterhalb der Türme und Gebäude diente gleichzeitig der Abstützung der Ostpartie des Schlosses gegen das Friesental hin und zu Wehrzwecken. Ein Teil dieser Kasematten war verschüttet, ist aber wieder freigelegt. Zwischen Apothekerturm und Krautturm sind sie noch vollständig erhalten. Von außen kann man sie nur an den Schießscharten erkennen. Durch Umnutzung und Umbauten unter den verschiedenen Kurfürsten wurden diese Kasematten zum Teil erheblich geschwächt. Im Jahr 1998 wurde deshalb aus Sicherheitsgründen ein Teil des Friesenbergwegs am Fuß der Kasematten gesperrt.
Die auf den Gesprengten Turm zulaufende Sperrmauer, die Wasserkasematten, ist eine doppelt gewölbte Galerie aus dem 16. Jahrhundert, deren Unterteil den Zugang zum Burggraben vom Friesental her abriegelte. Das Oberteil diente als Wasserleitung, die Wasser vom Königstuhl in das Schloss hinein leitete.
Im Zeughaus wurden Waffen, Munition und Rüstungen aufbewahrt. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Zeughaus schwere Schäden durch Beschuss vom Heiligenberg auf der anderen Seite des Neckars. Diese Schäden sind heute noch an den Ausflickungen im Mauerwerk sichtbar. 1693 wird das Zeughaus im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen gesprengt. Anschließend wurde es aber wieder instand gesetzt. Im Jahr 1764 brannte das Zeughaus aus und wurde nicht wieder hergestellt.
Die Karlsschanze war ein reiner Militärbau zur Sicherung des Nordtores. Der Transport zum Schloss mit Fuhrwerken führt nun ausschließlich durch das Südtor.
Der Stückgarten bildet die Westterrasse des Schlosses. Ursprünglich war diese Anlage von Kurfürst Ludwig V. zur Aufstellung von Kanonen eingerichtet worden. Indem Friedrich V. diesen Bereich in einen Lustgarten umwandeln ließ, schwächte er die Verteidigungskraft des Schlosses.
Das Lustwandeln durch den umgestalteten Stückgarten war ein hochherrschaftliches Vergnügen, zu dem es den Zugang durch das Elisabethentor gab. Der Stückgarten, der nicht zum Hortus Palatinus gehörte, wurde erst im 19. Jahrhundert in die Gesamtanlage miteinbezogen. In der Höhe des Elisabethentors schloss ihn ein Vogelhaus gegen die Schlosszufahrt ab. Eine Allee lief auf den Englischen Bau zu und Zierbeete bedeckten die Gartenfläche.
Als der Dreißigjährige Krieg nach Heidelberg übergriff, erwiesen sich die um das Schloss aufgeführten Terrassen als hinderlich für die Verteidigung. Da sich von diesen Terrassen aus das Schloss wie auf einem Präsentierteller anbot, wurden eiligst oberhalb des Gartens Wälle und Schanzen errichtet.
Bei klarer Sicht ist vom Stückgarten ein Blick bis in den Pfälzerwald jenseits der Rheinebene möglich. Der Blick nach unten führt über die Dächer der Stadt Heidelberg oder den Burggraben.
Das Tor soll eine Überraschung für die junge Ehefrau gewesen sein und wurde in einer einzigen Nacht des Jahres 1615 als Geschenk anlässlich ihres 20. Geburtstags errichtet. Doch gibt es keinen urkundlichen Beleg dafür. Es trägt die in Stein geschlagene lateinische Widmung:
Das Elisabethentor wurde im Stil eines Triumphbogens errichtet ist und ist das erste Monument des Barock auf dem Heidelberger Schloss. Architekt des Tors war Salomon de Caus, einer der beiden Architekten, die mit Elisabeth nach Heidelberg gekommen waren. Die vier Säulen sind als Baumstämme dargestellt, um die sich Efeu rankt. Im Laub ist allerlei Getier versteckt: Frosch, Käfer, Schnecke, Eidechse oder Eichhörnchen.
Die Genehmigung für den Abbruch der Orangerie wurde anlässlich eines Besuches des Kurfürsten im Jahr 1805 erteilt. Danach wurden der Stückgarten, der Schlossvorhof, der Terrassengarten zu einer Gartenanlage zusammengefasst und als öffentlicher Park für die Bevölkerung freigegeben.
Bemerkenswert ist der Baumbestand, der aus einer Sammlung des Kurfürsten resultiert.Der Hortus Palatinus wurde von den Zeitgenossen als "achtes Weltwunder" betrachtet. Dies ist heute schwer nachzuvollziehen, da von dem ursprünglichen Garten nicht mehr viel erhalten ist. Deshalb passt es umso besser, dass 2003 das European Media Laboratory der Klaus Tschira Stiftung ein virtuelles Modell des Hortus Palatinus erstellte. Touristen sollen später mit semitransparenten Bildschirmen durch den Garten spazieren und dabei die geometrische Ordnung des manieristischen Gartens nachempfinden können. Bei der Rekonstruktion werden historische Entwürfe und sogar der Sonnenstand berücksichtigt. Ähnliches hatte der flämische Maler Jacques Fouquières geleistet, als er 1620 den Schlossgarten so malte, als sei er schon fertig.
Nachdem im Jahr 1832 ein Lehrstuhl für Forstbotanik an der Technischen Hochschule Karlsruhe eingerichtet worden war, ließ das Interesse an diesen Anpflanzungen stark nach. Im Lauf der Jahre durchsetzten immergrüne Koniferen den ursprünglich mit Laubhölzern bestückten Park und veränderte den Gesamteindruck erheblich.
Um die vielen Springbrunnen und die Wasserkünste zu speisen, war eine große Menge Wasser erforderlich. Die Lage des Gartens am quellreichen Nordhang des Königstuhls erleichterte jedoch die Versorgung mit Wasser. Hatte das Wasser die Brunnen auf den verschiedenen Terrassen passiert, so wurde es im Bassin auf der Unteren Terrasse gesammelt. Von hier konnte es dann ins Friesentälchen abfließen.
Zu den dramatische Treppenanlagen gehörte die Pyramidentreppe, die von der Hauptterrasse zum unteren Garten führen sollte. Beim Abstieg über die geländerlosen Steilseiten sollten die Besucher des Gartens den Eindruck bekommen, sie könne über das Neckartal hinwegfliegen.
Das Knotenornament bestand aus verschlungenen und sich kreuzenden Pflanzenbändern. Bevorzugt für diese Broderien waren Thymian, Rosmarin, Lavendel und Salbei. Die Zwischenräume wurden mit farbigen Kieseln, gestoßenem Glas oder gemahlenem Gestein ausgefüllt.
Hier begann Kurfürst Karl Philipp im Jahr 1719, die Gartenanlage Friedrichs V. in eine barocke Form zu bringen. Hier stand auch die Figurengruppe, die später - nach einem Zwischenaufenthalt im Schwetzinger Schloss und einigen Ergänzungen - im Jahr 1767 auf dem Marktplatz von Mannheim aufgestellt wurde.
Zu den exotischen Bäumen hier zählen:
In einem anderen Knotenfeld stand in einer achteckigen Beckeneinfassung der Brunnen mit Fratzengesichtern aus Metall. Die jetzige Beckeneinfassung wurde im Jahr 1973 mit einigen alten Steinen aus der Zeit von Salomon de Caus rekonstruierte.
Die Große Grotte hatte vier Räume, wobei nur die beiden inneren Grottenräume waren. Die beiden äußeren Räume waren wohl für technische Zwecke bestimmt. Salomon de Caus schreibt hierzu:
Im ersten Grottenraum floss das Wasser kaskadenartig in ein Becken, in dem ein Springbrunnen eine Kugel balancieren sollte. Durch Öffnungen in der Decke konnte das Ganze effektvoll beleuchtet worden. Im zweiten Grottenraum stand ein steinerner Tisch, in dem geheimnisvolle Wasserkünste (Wasserspiele) eingebaut gewesen sein sollen, die man durch einen versteckten Mechanismus einschalten konnte.
Die etwa 60 Jahre alten Pomeranzenbäume wurden vom Herrengarten in der westlichen Vorstadt mit großem Aufwand auf das Schloss geschafft. Die Überführung der Bäume wurde als besondere gärtnerische Leistung in der Inschrifttafel der Nischenarchitektur mit dem Standbild Friedrichs gewürdigt.
Salomon de Caus stellte die kleinen Zitrusbäumchen mit ihren gelben Früchten bewusst auf Augenhöhe in hoch sitzende Erdkästen, um den Eindruck zu erwecken, dass die Pomeranzen das ganze Jahr über im Freien wachsen. Im Winterhalbjahr wurden aber diese empfindlichen Pflanzen durch einen Holzverschlag geschützt. Die alten Pomeranzenbäume wurden im Jahr 1619 vom unteren zum oberen neuen Garten gebracht, aber nachdem Kurfürst Friedrich V. mit seinem Hof nach Prag gezogen war, um sich zum König von Böhmen krönen zu lassen, wurden die Arbeiten eingestellt.
In der Mitte dieses so genannten Rosenrondells ließ Freiherr von Oberndorff im Jahr 1771 das Oktogon erbauen, ein achteckiges Lusthaus mit vier Türen und vier Fenstern, das wohl von ihm selbst zu gesellschaftlichen Zwecken genutzt wurde. Von diesem Gebäude ist keine Abbildung bekannt. Im Jahr 1891 wurde in der Mitte des Rondells das Scheffeldenkmal errichtet, das im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurde.
Die Wirtschaft im Rosenrondell wurde allmählich um wichtigsten Teil des Gartens, für deren Erweiterung sich fast alle Kreise der Stadt einsetzten. Bereits 1865 richtete der Pächter an die Domänenverwaltung die Bitte, einen Musikpavillon zu errichten, denn das Musikzelt sei zu klein und unschön. Der Pächter verzichtete im Gegenzug auf seine Schweineställe. Schon im Jahr 1874 regte der Schlossverein ohne Erfolg eine Vergrößerung der Wirtschaft an. Im Jahr 1879 beantragte er die Errichtung eines neuen Musikpavillons, da die Akustik im alten sehr schlecht sei. Die Bauinspektion entgegnete, dass der Hauptmangel in der schwachen Besetzung des Orchesters mit 8 bis 10 Mann liege, die sich »auf ihren Instrumenten abmartern müßten«, um ihre Streichmusik zur Geltung zu bringen.
In den 1880er Jahren fanden täglich Konzerte in der Gartenwirtschaft statt. Das Finanzamt verlangte lediglich aus Fürsorge für das Städtische Orchester, dass wenigstens an einem Wochentag keine Konzerte abgehalten würden. Die Domänenverwaltung wehrte sich gegen den Ausbau der Gartenwirtschaft mit der Begründung, dass dies »unvereinbarlich mit dem landschaftlichen und historischen Charakter« des Schlossgartens sei. Aber 1895 gab sie nach, ließ eine neue Gartenwirtschaft erbauen. Durch diesen Ausbau der Gartenwirtschaft rückte der Schlossgarten immer mehr ins öffentliche Interesse und wurde zum Vergnügungspark.
Jahrzehnte lang wuchsen die Sträucher und Bäume ungehindert, sodass das Schloss vom Garten aus so gut wie nicht mehr zu sehen war. Außerdem waren die Grotten und sonstigen Bauwerke zum größten Teil eingestürzt. Von 1923 vollzog sich jedoch ein Wandel als die Verwaltung des Schlosses und des Gartens vom Domänenamt auf das Bezirksbauamt überging.
Der Leiter dieses Amts begann nach längerem Studium der historischen Unterlagen des Hortus Palatinus mit Sanierungsarbeiten und wollte den Garten von den Zutaten befreien, die das harmonische Bild von Schloss und Garten beeinträchtigten. In jahrelanger Arbeit wurde der Garten so durchforstet, dass alle Gartenteile zueinander in erkennbare Beziehung kamen. Die hölzernen Schutzgeländer oder Hecken längs der Terrassen wurden durch steinerne Balustraden ersetzt, wodurch der Terrassenaufbau stärker in Erscheinung trat.
Das relativ große Schlosspark-Casino auf dem schönsten Platz der Hauptterrasse wurde nun als störend empfunden. Der Versuch, den Restaurationsbetrieb ganz zu beseitigen, schlug jedoch fehl und führte zu heftigen Anfeindungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Schlossgarten keinerlei Aktivitäten mehr. Erst als sich die Volkswirtschaft zu erholen begann, nahm das Interesse am Schlossgarten wieder zu. In der Lokalpresse wurde heftig über das Schlosspark-Casino diskutiert. Erst als die Gartenwirtschaft im Jahr 1971 wegen Unrentabilität geschlossen wurde, konnte das Gebäude abgerissen werden.
Ihren Namen hat die Scheffelterrasse nach einer Bronzestatue des Dichters Joseph Victor von Scheffel, die von 1891 bis 1942 hier stand und 1942 eingeschmolzen wurde. Erst am 26. Juni 1976 wurde ein neuer Scheffelgedenkstein enthüllt. Dieser Stein ist bescheidener als das frühere Denkmal und zeigt ein Medaillon mit dem Bildnis Scheffels, das als Abguss vom Scheffelgrab in Karlsruhe genommen wurde.
Scheffel schrieb mehrere Gedichte über Heidelberg. Eines davon wurde in der Vertonung Anton Zimmermanns (als Studentenlied populär. Zitiert sei hier nur die erste Strophe:
Alt-Heidelberg, du feine,Scheffel war in Heidelberg sehr bekannt und es befanden sich an vielen Stellen Abbilder von ihm. Nur auf der Scheffelterrasse fehlte seit dem Ersten Weltkrieg das Scheffeldenkmal. Da beschlossen einige Studenten, eine Scheffelbüste zu stehlen und sie auf der Scheffelterrasse aufzustellen. Am folgenden Morgen lag sie beschädigt auf dem Boden. Ein Student rief einen Schlosswärter herbei und fragte schelmisch:
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.
Scheffels Trinkfestigkeit besingen die Heidelberger Burschenschaftler in einem ihrer Lieder:
"Nur ein Burgzwerg traf´s noch besser, der ging recte gleich zum Spund,Zitiert nach Auf Scheffels Spuren durch Heidelberg
und das größte aller Fässer schlürft er aus bis auf den Grund. –
Seine Tat so kühn gelungen lebt im Lied unsterblich fort,
und der Sänger, der´s gesungen, ragt in Erz gegossen dort.
Schar um Schar zum Scheffelheine wogt empor auf Waldespfad
und 'Alt Heidelberg', Du Feine“, summt´s dort oben früh und spät."
Am äußersten Ende der Scheffelterrasse, wo die Balustrade nach rechts abknickt, stand die Redoute. Hier wollte Salomon de Caus ein turmartiges Gebäude mit einer offenen Halle errichten. Von dieser Lage hätte man einen beeindruckenden Rundblick über das Schloss, die Stadt Heidelberg und das Neckartal gehabt. Man arbeitete noch am Fundament, als Ende 1619 die Arbeiten eingestellt wurden.
In der Rückenlehne ist ein Wiedehopf dargestellt, der im Orient als Liebesbote galt. Der Obere Text auf der Bank lautet:
Der untere Text soll die Empfindungen Mariannes verdeutlichten:
Wenige Meter neben der Steinbank befindet sich ein zwei Meter hohes Goethedenkmal mit einem bronzenen Kopf des Dichters. Es wurde am 5. Mai 1987, dem Europatag, enthüllt. Auf dem Sandsteinsockel steht folgende eingemeißelte Inschrift:
Auf der Zwischenterrasse sind einige exotische Bäume zu sehen:
Auf der Oberen Terrasse gibt es keine gärtnerische Anlagen. Nur längs der Mauer waren Bäumchen gepflanzt. Diese Terrasse war als Aussichts- und Promenierterrasse vorgesehen. Sie sollte auch als Spielplatz für das Palamaill-Spiel dienen und außerdem so weit verlängert werden, dass ein Blick auf die Westseite des Schlosses möglich gewesen wäre.
Auf der gegenüber liegenden Ostseite des Friesentals befindete sich das Karmeliterwäldchen, in dem nur noch wenige Überreste an das ehemalige Kloster der Karmeliter erinnern, die hier bei der, von Kurfürst Ruprecht I. gestifteten Jakobskapelle eine Unterkunft für studierenden Mitbrüder errichtet hatten. In der Karmeliterkirche befand sich auch eine Grablege der Wittelsbacher. Weil es sich dabei um die unmittelbaren Vorfahren der bayrischen Könige handelte, ließen Wittelsbacher, als sie in München residierten, die Särge 1805 nach München überführen und in der Gruft der Hofkirche Sankt Michael beisetzen.
»Ros' und Lilie morgenthaulich
Blüht im Garten meiner Nähe;
Hintenan, bebuscht und traulich,
Steigt der Felsen in die Höhe;
Und mit hohem Wald umzogen,
Und mit Ritterschloß gekrönet,
Lenkt sich hin des Gipfels Bogen,
Bis er sich dem Thal versöhnet«.
»Der Neckar rauscht aus grünen Hallen
Und giebt am Fels ein freudig Schallen,
Die Stadt streckt sich den Fluß hinunter,
Mit viel Geräusch und lärmt ganz munter,
Und drüber an grüner Berge Brust,
Ruht groß das Schloß und sieht die Lust,
Und da ich auf zum Himmel schaut´,
Sah ich ein Gottes Werk gebaut,
Vom Königstuhl zum heil´gen Berges Rücken
Sah ich gesprengt eine goldne Brücken,
Sah ich gewölbt des Friedens Regenbogen
Und sah ihn wieder in Flusses Wogen (...)«
Die erste Schlossbeleuchtung fand im Juni 1815 statt als sich Kaiser Franz II. von Österreich, Zar Alexander I. von Russland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Kronprinz Ludwig von Bayern und viele andere Fürsten mehrere Wochen in Heidelberg aufhielten, um die Heilige Allianz gegen Napoleon zu vereinbaren, der soeben sein Exil auf der Insel Elba verlassen hatte. Um den anwesenden Regenten etwas Besonderes zu bieten, beschloss der Heidelberger Magistrat, die Schlossruinen zu illuminieren. Dies geschah mit den einfachsten Mitteln, indem Holz und andere brennbare Stoffe im Schlosshof angezündet wurden.
Eine weitere Schlossbeleuchtung wurde im Mai 1830 von Schlossgarteningenieur Metzger, zu Ehren des Besuchs der Kaiser von Österreich und Russland sowie des Königs von Preußen arrangiert. Die heutigen Schlossbeleuchtungen erinneren an die Zerstörung des Schlosses durch den französischen General Ezéchiel de Mélac in den Jahren 1689 und 1893 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs.
Die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung beschreibt in einem Artikel vom 30. August 2005 die geschichtlichen Hintergründe der Schlossbeleuchtung und geht dabei auch auf die Gegenwart ein:
Im Ausland - vor allem in den USA - am bekanntesten ist The Student Prince (deutsch: „Der Studentenprinz“), eine Operette um den fiktiven Kronprinz Karl Franz von Karlsberg, der sich bei seinem Studium in Heidelberg in die Wirtstochter Kathie verliebt und diese Beziehung aus Gründen der Staatsräson aufgeben muss. Dieses Stück wird im Schlosshof auf Englisch (oder mit deutschem Text und englischen Liedern) aufgeführt und zieht vorwiegend Besucher aus Übersee an. In Deutschland ist es kaum bekannt.
Die Operette geht zurück auf das Schauspiel Alt-Heidelberg von Wilhelm Meyer-Förster, das am 22. November 1901 am Berliner Theater zum ersten Mal aufgeführt wurde und in Japan der Meiji-Zeit zur Pflichtlektüre aller Deutschstudenten gehörte, was den Bekanntheitsgrad Heidelbergs und des Heidelberger Schlosses dort beträchtlich erhöhte.
Außerdem wird im Schloss ein Stummfilm-Programm gezeigt, bei dem die Filme von einer historischen Kinoorgel begleitet werden.
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